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Kemba Walker und seine Zukunft bei den Charlotte Hornets: Legende oder Contender?

Kemba Walker wird im Sommer 2019 Free Agent

Kemba Walker ist das Gesicht der Charlotte Hornets. Dennoch hielten sich vor der Trade Deadline hartnäckig Gerüchte um einen Trade. Nun wollen die Hornets seinen Vertrag unbedingt verlängern. Eine Entscheidung wird Walker aber nicht zeitnah treffen. Die Ausrichtung der Franchise wird zum Zünglein an der Waage.

"Ich bin es leid, nicht in den Playoffs zu stehen. Ich hasse es, die Spiele im TV zu sehen." Nach diesen Worten von Kemba Walker im Charlotte Observer dürften alle Alarmglocken im Front Office der Hornets geschrillt haben. Denn die Hornets stecken im Mittelmaß der Eastern Conference fest, die Playoffs wurden nun zum dritten Mal in vier Jahren verpasst.

Wirklich überraschend kamen die Aussagen von Kemba dennoch nicht. Der Guard dürfte einer der ehrgeizigsten Spieler der Liga sein, entsprechend hoch waren seine Ziele vor der Saison. "All-NBA wäre mein Traum, dazu will ich All-Star werden. Mein größtes Ziel ist es aber, mein Team in die Playoffs zu führen." All-Star wurde Walker tatsächlich, doch die anderen beiden Ziele hängen auch ein wenig vom Team-Erfolg ab. Selbst NBA All-Third Team dürfte bei der Masse an herausragenden Guards nicht leicht zu erreichen sein.

Im kleinen und beschaulichen Charlotte besteht da natürlich ein Standortnachteil. Umso wichtiger wäre eine Teilnahme an der Postseason, doch dieser Traum zerplatzte bereits frühzeitig. Der Trade für Dwight Howard im Sommer brachte nicht die erhoffte Besserung, auch wenn der Center seine beste Saison seit Jahren spielt und erst kürzlich ein historisches 30-Punkte-30-Rebounds-Spiel auflegte.

Kemba Walker will in die Playoffs

Der Eckstein der Hornissen ist und bleibt aber ohne Umschweife Walker. Der frühere NCAA-Champ mit UConn ist der Motor der Offense der Hornets, ohne ihn fällt das wacklige Kartenhaus in Charlotte auseinander, auch weil Michael Carter-Williams als Backup für Kemba ein absolutes Desaster war.

Die Hornets mit und ohne Walker

On/Off WalkerOffensiv-RatingDefensiv-Rating
Mit Walker109,4106,5
Ohne Walker99,3108,4

Dass Charlotte trotzdem noch zeitweise auf Tuchfühlung mit den Playoffs war, darf ihm zugeschrieben werden. So legte der Spielmacher in 28 Minuten satte 46 Punkte auf, auch wenn Memphis an diesem Abend eher G-League-Niveau hatte. Es ist aber auch der Beweis, wozu der Wirbelwind in der Lage ist.

Das weiß auch der Rest der Liga, weswegen wahrscheinlich gut zwei Drittel aller Teams Anfang 2018 mal beim damaligen GM Rich Cho anklingelten, ob denn Walker tatsächlich zu haben wäre. Besitzer Michael Jordan schob dem aber schnell einen Riegel vor, rief beim lokalen Beatwriter Rick Bonnell an, um klarzustellen: "Ich trade Kemba nur gegen einen All-Star." Es waren starke Worte vom GOAT, der sonst kaum mit den Medien spricht und auch nur höchst selten ins Tagesgeschehen eingreift.

Walker: Aus der Bronx auf die große Bühne

Walker blieb letztlich - Cho erhielt kurze Zeit später die Papiere. So bekam Kemba noch einmal die Chance, sich endgültig in die Geschichtsbücher der Hornets zu schreiben. Nicht nur hält er den Rekord für die meisten verwandelten Dreier, er ist seit einer Woche auch der beste Scorer der Franchise-Geschichte, nachdem er gegen die Cleveland Cavaliers an Dell Curry vorbeizog.

Kemba reagierte emotional, mit Tränen in den Augen gab er ein Interview auf dem Court. "Wo ich herkomme, hätte wohl keiner gedacht, dass ich diesen Rekord breche. Ich komme aus der Bronx, nicht viele schaffen es da raus."

Walker hat es mit seinem Arbeitseifer geschafft und die Hornets wissen auch, was sie an ihm haben, das machte die Entscheidung gegen Cho und für Walker mehr als deutlich. Schon im Sommer 2015 setzte die Franchise auf ihren Point Guard und stattete ihn mit einem Vertrag bis 2019 über 48 Millionen Dollar aus.

Kemba: Schnäppchen-Vertrag wird zum Problem

Rückblickend ist dies einer der fünf besten Verträge, die in der letzten Zeit ausgehandelt wurden, doch es gab auch Bedenken. Die Saison davor hatte er nämlich nur 30 Prozent aus der Distanz versenkt. Ohnehin war der Wurf in seinen ersten NBA-Jahren immer mit einem dicken Fragezeichen versehen.

In der Folge arbeitete Walker in der Offseason mit einem Shotdoctor. Seine Quote von Downtown kratzt nun seit drei Jahren die 40 Prozent. Lediglich James Harden (256 Dreier) und Paul George (228) sind in dieser Spielzeit aus dem Dreipunkteland erfolgreicher als der Hornets-Guards (227).

Jedes Jahr fügte Kemba seinem Spiel etwas hinzu, inzwischen ist er unumstritten der Star des Teams und soll gehalten werden. "Er ist das Herz und die Seele der Charlotte Hornets", beschrieb der Vize-Vorsitzende Curtis Polk recht passend. "Wir lieben Kemba und hoffen, dass er hier seine Karriere beendet."

Im Weg steht noch die Free Agency 2019. Die Hornets wollen natürlich so schnell es geht, mit ihrem Star verlängern, doch hier behindert sie der unfassbar günstige Vertrag, für den Walker im Moment spielt. Mit der Early Bird Exception können die Hornets laut CBA im Sommer 2018 für eine vorzeitige Verlängerung maximal 175 Prozent des aktuellen Gehalts anbieten.

Bei 12 Millionen sind dies laut Adam Riese 21 Millionen Dollar mit maximalen Steigerungen von 8 Prozent pro Jahr. Das wären also knapp 90 Millionen Dollar für vier Jahre, also deutlich weniger, als der freie Markt hergibt. Es wird wohl auf eine Zitterpartie zum 1. Juli 2019 hinauslaufen, in der die Hornets ihr Profil schärfen und den Kader für Größeres umkrempeln müssen.

Kemba Walker: Seine Statistiken in der NBA

SaisonSpielePunkteFG%3P%FT%AssistsTurnover
2011/126612,136,630,578,94,41,8
2012/138217,742,332,279,85,72,4
2013/147317,739,333,383,76,12,3
2014/156217,338,530,482,75,11,6
2015/168120,942,737,184,75,22,1
2016/177923,244,439,984,75,52,1
2017/187722,543,138,686,15,62,2

Walker: Neuer Hornets-GM als Schlüsselfigur

Walker wird dies mit Argusaugen beobachten, wie auch dem Charlotte Observer verriet: "Wenn wir einen neuen GM haben, werden wir sehen, in welche Richtung die Franchise geht. Und dann werde ich die beste Entscheidung für mich selbst treffen."

Der neue GM wird wahrscheinlich Mitch Kupchak sein. Die Spatzen pfeifen es schon von den Dächern, dass Jordan seinen alten Buddy und Ex-Lakers-GM auf die Kommandobrücke holen wird. Er ist in der Liga herausragend vernetzt, und viel wichtiger: Er besuchte wie der GOAT die University of North Carolina.

Charlotte Hornets: Folgt der Umbruch?

Sollte es so kommen, wartet jede Menge Arbeit auf Kupchak. Charlotte operiert an der Grenze zur Luxussteuer, diese will Jordan unter keinen Umständen zahlen, wie er immer wieder betonte. Das lässt für die kommende Saison wenig Spielraum, da der Cap 2018/19 schon mit 124 Millionen Dollar belastet ist.

Es ist anzunehmen, dass Großverdiener wie Nicolas Batum (noch 76 Millionen bis 2021) oder Howard (noch 23,8 Mio. bis 2019) in mögliche Trades verwickelt werden sollen. Auch bei Michael Kidd-Gilchrist und Marvin Williams würden die Hornets sicher hellhörig werden.

Die wichtigen Verträge der Hornets

Spieler2018/192019/202020/212021/22
Kemba Walker12,0UFA
Nicolas Batum24,025,527,1UFA
Michael Kidd-Gilchrist13,013,0UFA
Marvin Williams14,115,0UFA
Cody Zeller13,514,515,4
Dwight Howard23,5UFA

*Fett gedruckt sind Spieleroptionen, Angaben in Millionen Dollar

So oder so: Im Moment beschäftigen die Hornets sauteures Mittelmaß und einen massiv unterbezahlten Kemba, Besserung ist nicht in Sicht, außer Youngster wie Malik Monk oder Willy Hernangomez machen einen gewaltigen Sprung.

Es bleibt eine vertrackte Situation, wenn man Walker über 2019 hinaus halten möchte, Kader-Rochaden sind beinahe unumgänglich. Kemba will sich endlich auf der großen Bühne beweisen, wenn nicht in Charlotte, dann bei einem anderen Team.

Es gibt eine entscheidende Frage, die Walker beantworten muss: Will er eine Hornets-Legende werden oder bei einem möglichen Contender sein? Den Hornets bleibt nun ein gutes Jahr, um die Weichen für eine bessere Zukunft zu stellen und Kemba die Wahl zu erleichtern. Gelingt dies nicht, könnte die Franchise auf Jahre in der Bedeutungslosigkeit versinken.

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