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NBA

NBA Playoffs: Sixers gewinnen heißen Kampf in Miami – Ben Simmons historisch

Von Philipp Jakob
Ben Simmons ist erst der fünfte Rookie, der in den Playoffs ein Triple-Double auflegt
© getty

Die Philadelphia 76ers holen sich in einem unglaublich hart umkämpften und bis in die Schlusssekunden spannenden Duell mit den Miami Heat einen enorm wichtigen Sieg. Trotz eines katastrophalen Starts gewinnen die Sixers schließlich mit 106:102 (BOXSCORE). Die Sixers führen damit 3:1 in der Best-of-Seven-Serie.

In den Anfangsminuten der Partie lieferten sich die Heat und Sixers einen ausgeglichenen Schlagabtausch. Erst Mitte des ersten Viertels setzte sich Philly nach zwei Dreiern von Dario Saric und Robert Covington erstmals ein wenig ab (20:12). Diese Führung hielt allerdings nicht allzu lange an. Miami beendete den ersten Abschnitt mit einem 7:0-Lauf und hatte das Spiel damit wieder ausgeglichen (26:26).

Genauso umkämpft ging es auch im zweiten Durchgang weiter mit leichten Vorteilen für die Heat. Da die Gäste aus der Stadt der brüderlichen Liebe regelmäßig den Spalding herschenkten, eroberte sich Miami eine zwischenzeitliche 8-Punkte-Führung. Dann wurde es hitzig: Nachdem Covington Goran Dragic nach einem Foulpfiff einen kleinen Schubser mitgegeben hatte, gerieten Ben Simmons und James Johnson aneinander. Die beiden mussten von Mitspielern und Coaches getrennt werden, bevor die Situation eskalieren konnte.

Direkt vor dieser Situation hatten sich zudem Josh Richardson (linke Schulter) und Justise Winslow (Cut über dem Auge) bei einem Zusammenprall mit Joel Embiid verletzt. Die Heatles mussten in der Kabine behandelt werden, konnten aber später zurückkehren. Auch anschließend blieb es eine hitzige Angelegenheit in der American Airlines Arena. Die Sixers und Heat schenkten sich absolut nichts, Miami ging mit einer knappen 61:56-Führung in die Halbzeitpause.

J.J. Redick macht den Deckel drauf

Auch nach dem Seitenwechsel blieben die Heat das bestimmende Team, ohne sich entscheidend absetzen zu können. Zwar ging die Turnover-Misere der Sixers nahtlos weiter, dennoch blieben die Gäste dank wichtiger Impulse von Marco Belinelli und Ersan Ilyasova (jeweils 10 Punkte) in Schlagdistanz. Letzterer verkürzte kurz vor Viertelende schließlich per Dreier auf 79:83 aus Philly-Sicht, nachdem Miami zwischenzeitlich mit 12 Zählern in Front lag.

Das Momentum war damit auf einmal wieder auf der Seite von den Sixers. Die Gäste starteten mit einem 8:0-Lauf in den Schlussabschnitt und übernahmen die Führung. Diese sollten sie bis in die Schlussminuten nicht mehr abgeben, einen entscheidenden Vorsprung konnte sich Philly aber nicht erspielen. So blieb es bis zum Ende unglaublich spannend.

Bei den Heat übernahm schließlich Dwyane Wade die Kontrolle in der Offense und führte sein Team mit 12 Punkten im Schlussviertel (insgesamt 25) bis auf 99:100 heran. Im direkten Gegenzug brachte Simmons die Heat-Fans mit einem krachenden Dunk allerdings direkt wieder zum Schweigen. Anschließend war es J.J. Redick, der die Rolle des Spielverderbers übernahm und die Sixers 30 Sekunden vor Schluss mit 104:101 in Front brachte.

Ben Simmons legt Triple-Double auf

Der Scharfschütze der Sixers versenkte schließlich auch die entscheidenden Freiwürfe der Partie, im letzten Angriff scheiterten mehrere Versuche der Heat, nochmals zu verkürzen. Damit gewann Philadelphia mit 106:102.

Redick avancierte dabei mit 24 Punkten zum Topscorer, bester Mann auf dem Parkett war aber definitiv Simmons. Der Rookie legte mit 17 Punkten, 13 Rebounds sowie 10 Assists (und 7 Turnover) das erste Playoff-Triple-Double seiner Karriere auf. Embiid kam auf 14 Zähler (2/11 FG) und 12 Rebounds (bei 8 Turnover).

Auf Seiten der Heat war Wade bester Werfer, auch Goran Dragic wusste über weite Strecken der Partie zu überzeugen (20 Punkte). Hassan Whiteside meldete sich unterdessen mit einem netten Double-Double zurück (13 Punkte, 13 Rebounds, 6/9 FG) und James Johnson steuerte 15 Zähler bei.

Dennoch stehen die Heat nun vor Spiel 5 in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in Philadelphia mit dem Rücken zur Wand.

Die wichtigsten Statistiken

Miami Heat vs. Philadelphia 76ers 102:106 (BOXSCORE), Serie 1:3

  • Fehler minimieren lautet das Credo eigentlich aller Teams in den Playoffs. Bei den Sixers war davon in Spiel 4 allerdings überhaupt nichts zu sehen. Philadelphia leistete sich einige unverständliche Ballverluste und ging extrem sorglos mit dem Spalding um. Allein in den ersten 24 Minuten standen dementsprechend bereits 17 (!) Turnover auf dem Konto der Sixers. Am Ende waren es ganze 27 Ballverluste im Spiel der Sixers.
  • Auch sonst lief die Offense der Gäste nicht so rund wie noch in den Spielen zuvor. Gerade das High-Volume-Shooting aus den Spielen 1 und 3 fand nicht statt. Philadelphia hatte lange Zeit große Probleme aus der Distanz und versenkte nur 7 der 31 Dreierversuche (22,6 Prozent).
  • Auf Seiten der Heat lief es in dieser Hinsicht zwar etwas besser (7/19 Dreier, 36,8 Prozent), allerdings ließen die Hausherren in anderen Bereichen viele Punkte liegen. Besonders ärgerlich aus Heat-Sicht war die schwache Quote von der Freiwurflinie. Miami traf nur 13 der 25 Versuche von der Charity Stripe (52 Prozent). Das darf in den Playoffs einfach nicht passieren.
  • Trotz der Präsenz von Embiid unter dem Korb der Sixers: Miami dominierte offensiv das Geschehen unter dem Brett. Einerseits lag dies an den vielen Ballverlusten der Gäste, die den Heat zahlreiche offene Layups ermöglichten. Aber auch im Halbfeld attackierte Miami in vielen Situationen mit aggressiven Drives. Die Heat kamen so auf 58 Points in the Paint (PHI: 44). Erst gegen Ende der Partie konnte Miami nicht mehr so effektiv in der Zone scoren.

Miami Heat vs. Philadelphia 76ers: Die Stimmen

Brett Brown (Sixers-Coach): "Ich bin schockiert, dass wir dieses Spiel gewonnen haben. Wir hatten eigentlich kein Recht, das Spiel zu gewinnen."

Dwyane Wade (Heat): "Sie lassen niemals locker. Wenn du nur einen Fehler machst, eine Sekunde den Fuß vom Gas nimmst, werden sie dich dafür bezahlen lassen."

Der Star des Spiels

Ben Simmons. Trotz eines katastrophalen Starts und insgesamt 7 Ballverlusten setzte der Australier mal wieder seine Duftmarke ab. Gerade gegen Ende des dritten Viertels und im Schlussabschnitt dominierte er die Offense der Sixers. Miami fand kein Mittel gegen die vielseitigen Moves des 21-Jährigen. Er ist erst der fünfte Rookie in der Geschichte der NBA, der in den Playoffs ein Triple-Double auflegte - und der erste seit fast 40 Jahren (Magic Johnson, 1980)!

Der Flop des Spiels

Kelly Olynyk. Nach bisher recht guten Auftritten in der Serie fand Olynyk in Spiel 4 überhaupt nicht statt. Der Big Man kam nur auf 9 Minuten und konnte in der limitierten Spielzeit keinerlei Akzente setzen. So kam Olynyk auf 0 Punkte bei 3 Fouls.

Coaching Move des Spiels

Über weite Strecken der Partie hatte Miami Embiid gut unter Kontrolle - und ja, das lag auch an Whiteside. Der viel kritisierte Center stellte, genau wie seine Teamkollegen, Embiid mit einer sehr körperlichen Gangart vor Probleme, gleichzeitig war Whiteside auf der anderen Seite mit einigen guten Aktionen unter dem Korb zur Stelle. Dennoch setzte der Kameruner im Schlussviertel wichtige Akzente, besonders mit seinen 5 Blocks, mit denen er in der Zone aufräumte. Insgesamt schaltete die Defense der Sixers gegen Ende der Partie ein oder zwei Gänge höher: Miami leistete sich im vierten Viertel 5 Ballverluste und kam nur auf 19 Punkte - die meisten davon in Eigenregie von Wade.

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