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NBA

Die Minnesota Timberwolves ohne Jimmy Butler: Die Wochen der Wahrheit

Ohne Jimmy Butler sind die Wolves umso mehr auf Karl-Anthony Towns und Andrew Wiggins angewiesen.

Durch die Verletzung von Jimmy Butler sind die Minnesota Timberwolves in einer prekären Situation - denn nun folgt der härteste Stretch der ganzen Saison. Sind Karl-Anthony Towns und Andrew Wiggins dieser Herausforderung gewachsen?

13 volle Saisons sind ins Land gezogen, seitdem die Timberwolves zum letzten Mal in den Playoffs standen. Damals, 2004, hatte Minnesota in Kevin Garnett noch den MVP der Liga und dazu die gestandenen Veteranen Sam Cassell und Latrell Sprewell im Kader. Auf den Schultern dieses Trios ging es sogar in die Conference Finals, wo dann gegen Shaq, Kobe und die Lakers Endstation war.

Seitdem gab es keinen einzigen Postseason-Auftritt mehr für die Timberwolves. Nicht mit KG, nicht mit Al Jefferson, nicht mit Kevin Love oder Ricky Rubio - bisher auch nicht mit Karl-Anthony Towns und Andrew Wiggins. Nicht einmal die Kings warten so lange auf eine Playoff-Teilnahme; in der Geschichte der NBA mussten ohnehin nur die Clippers mal länger warten (15 Saisons zwischen 1976 und 1991).

Bis vor wenigen Tagen sah noch alles danach aus, als würde die Dürre der Wolves in dieser Saison auf jeden Fall enden - mehr noch, als wäre gar der Heimvorteil machbar. Erstmals seit KG verfügte Minnesota wieder über einen beinahe legitimen MVP-Kandidaten und zwei All-Stars. Alles war gut im Land der Wölfe.

Jimmy Butler: Verletzung gegen die Rockets

Bis zum 24. Februar zumindest. An diesem Tag musste man nach Houston - was in dieser Saison für kein Team der Liga ein schöner Trip ist. Die deutliche Pleite gegen die Rockets verkam im Toyota Center allerdings schnell zur Nebensache aus Sicht der Wolves; denn der besagte MVP-Kandidat Jimmy Butler verletzte sich am Meniskus.

Ganz so schlimm, wie es zunächst aussah, war die Diagnose zwar nicht, dennoch wurden ihm vier bis sechs Wochen Pause verordnet - vier bis sechs Wochen, die über das Schicksal der Wolves in dieser Saison entscheiden dürften. Der dritte Seed bedeutet im wilden Westen 2018 nämlich überhaupt nichts. Zwischen Platz 3 und Platz 10 liegen 4 Spiele.

Jede Niederlage kann deswegen Plätze kosten, jeder Sieg einen Sprung verursachen. "Es ist wirklich unfassbar eng. So eng habe ich das Rennen noch nicht erlebt", sagte beispielsweise Jamal Crawford, der sich ja immerhin schon in seiner 18. Saison befindet. "Jedes Spiel hat jetzt eine große Bedeutung, aber das macht meiner Meinung nach mehr Spaß so."

Mehr Druck für Karl Towns und Andrew Wiggins

Einem gestandenen Veteranen wie J-Crossover will man natürlich nicht widersprechen. Das enge Playoff-Rennen kombiniert mit der Abwesenheit Butlers bedeutet aber auch mehr Druck - insbesondere für die beiden jungen Stars des Teams, Towns und Wiggins.

Über weite Strecken der Saison konnten diese im Windschatten von Anführer Butler relativ unbeirrt ihr Ding machen, einfach weil er viele ihrer Schwächen kaschierte. Towns selbst nannte Butler kürzlich den "besten Two-Way Player der Liga" und gab zu, dass die Anwesenheit des viermaligen All-Stars die Spieldynamik für alle anderen auf dem Feld verändert.

Das lässt sich mit Zahlen belegen: Butler war laut Defensive Real Plus-Minus (ESPN) der drittbeste Shooting Guard dieser Saison (nach Andre Roberson und Victor Oladipo), beim Gesamt-RPM belegt er Platz 4 hinter Chris Paul, James Harden und Stephen Curry. Mit Butler auf dem Court hatten die Wolves ein Defensiv-Rating von 105,3, was Platz 4 ligaweit entsprechen würde - da er die gewohnt absurden Minuten (37,1 pro Spiel) abspulte, war die Stichprobe dafür auch entsprechend groß.

Wolves: Miese Defense ohne Jimmy Butler

Ohne Butler allerdings gestaltet sich das alles etwas anders. Towns hat in dieser Hinsicht zwar im Lauf der Saison große Fortschritte gemacht, allerdings auch deshalb, weil ihn Butler auf dem Court immer wieder sofort auf Fehler hinwies. Bei Wiggins wartet man dagegen immer noch auf eine Entwicklung. Defensive RPM zufolge belegt er unter den Small Forwards Platz 83. Von 89.

Es kann aber keinen Zweifel daran geben, dass die beiden ehemaligen No.1-Picks nun diejenigen sein müssen, die den Ton angeben. Tom Thibodeau kann schimpfen, Taj Gibson kann als "Aggressive Leader" auf dem Platz auftreten, aber vorangehen müssen Wiggins und vor allem Towns.

Für ihn bieten die nächsten Wochen die perfekte Gelegenheit, um zu zeigen, dass die NBA-GMs nicht falsch lagen, als sie ihn beim alljährlichen Survey in den letzten beiden Jahren als denjenigen Spieler wählten, mit dem sie am liebsten ein Team starten würden.

Karl Towns: Ärgerliche Ejection gegen Utah

Die ersten Eindrücke ohne Butler waren aber nicht gerade ideal. Nach der Pleite gegen Houston wurden die Bulls und Kings zwar überzeugend geschlagen, das sind allerdings auch zwei Teams, die das Gewinnen längst auf den Index gesetzt haben. In den beiden Spielen danach setzte es gegen die Playoff-Konkurrenten aus Portland und Utah (jeweils auswärts) Niederlagen.

Gerade das Spiel gegen Utah war ärgerlich aus Towns' Sicht, da der Big Man kurz vor der Halbzeitpause bereits ejected wurde - wegen wiederholten Meckerns. "Da muss ich klüger sein", ärgerte er sich danach. "Auf diese Art und Weise schade ich meinem Team und das ist natürlich unprofessionell."

Nun ist es natürlich auch nicht nötig, Towns für die Aktion zu verteufeln, zumal er immer noch erst 22 Jahre alt ist und in der betreffenden Szene tatsächlich etwas hart gerichtet wurde. "Ihr wollt nur provozieren, dass ich eine Geldstrafe zahlen muss", grinste Thibodeau nur, als er nach dem Spiel gefragt wurde, ob die Ejection rechtmäßig war. Aber im engen Playoff-Rennen tut eine solche Szene besonders weh.

Timberwolves: Heftiges Programm in den nächsten Wochen

Zumal es in den nächsten Wochen nicht einfacher wird. Ein Blick auf die nächsten sechs Spiele verrät, wie prekär die Lage ist: Die nächsten beiden Heimspiele finden gegen die Celtics und gegen die Warriors (So., 20.30 Uhr auf SPOX) statt, danach müssen die Wolves nacheinander in Washington und bei den Spurs ran. Es folgen Heimspiele gegen die Rockets und die Clippers, die ja auch immer noch heftig ans Tor zu den Playoffs klopfen.

Danach entspannt sich der Schedule wieder, in den dann noch zehn verbleibenden Spielen warten zumindest noch einige Tanker. Aber bis dahin könnte Minnesota schon abgerutscht sein, wenn es übel läuft. Jeff Teague, Crawford und Gibson kennen Playoff-Kampf zwar schon, für Towns und Wiggins hingegen spielen sich die kommenden Wochen auf fremden Terrain ab. Umso mehr hätten sie Butler daher brauchen können.

Lillard über Butler: "Gewisse Arschloch-Mentalität"

"Er bringt eine neue Art von Härte in ihr Team", erkannte Damian Lillard vor einigen Wochen bei ESPN an. "Eine andere Haltung, eine gewisse Arschloch-Mentalität. Er gibt ihnen die Haltung, dass sie jemand sind und dass mit ihnen zu rechnen ist. Das machen Leader. Er fordert viel von ihnen."

Butler versucht natürlich, sich auch von der Tribüne aus einzubringen. Am kuriosen Spiel gegen die Jazz beteiligte er sich via Twitter, indem er erst Teague dafür lobte, dass dieser einen Body-Slam gegen Ricky Rubio auspackte, und dann Jae Crowder davor warnte, sich mit Thibodeau anzulegen. Natürlich spricht er auch abseits davon viel mit seinen Teammates und versucht, Einfluss zu nehmen.

Wer Butler kennt, weiß natürlich auch, dass er mit Hochdruck am Comeback arbeitet. Für den Marathonmann der letzten Jahre sind Prognosen eher Richtwerte, die es zu unterbieten gilt, als garantierte Ausfallzeiten. Er "langweilt sich zu Tode", schimpfte er kürzlich bereits über seine Zwangspause. Natürlich weiß auch er, dass sein Team ihn braucht.

"Was ist, wenn er nicht zurückkommt?"

Die Sache ist nur: Gerade bei Knieverletzungen ist der Heilungsverlauf nicht immer zu 100 Prozent vorauszusagen. "Ich will als allererstes, dass er die richtige Entscheidung trifft, weil ich weiß, dass das eine ernste Verletzung ist", sagte Gibson daher zu ESPN. "Deswegen stelle ich mir schon auch die Frage: 'Was ist, wenn er nicht zurückkommt?' Wir müssen auch für den Fall bereit sein, dass er uns nicht zur Verfügung steht."

Butler hat in seiner ersten Saison bei den Wolves viel verändert, so viel ist sicher. Thibodeau hat schon mehrfach betont, dass Butler die gesamte Kultur des Teams verändert hat, und auch Crawford sagte nun erneut, wie wichtig der Swingman auch abseits des Courts ist.

In den nächsten Wochen können Towns und Wiggins zeigen, wie stark er wirklich schon auf sie abgefärbt hat. Entweder sie schwimmen - oder sie gehen unter.

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