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NBA: Der Saisonstart von Carmelo Anthony und den Oklahoma City Thunder

Einfach mal fallen lassen

Mittwoch, 15.11.2017 | 11:45 Uhr
Carmelo Anthony
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Die Oklahoma City Thunder sind nur mäßig in die Saison gestartet, angesichts der vielen neuen Teile war das aber zu erwarten. Wenn sich Carmelo Anthony und Co. jedoch wirklich den Titel als Ziel gesetzt haben, ist vielleicht ein extremer Schritt nötig.

"Hey Paul! Die meinen, ich muss von der Bank kommen!"

Carmelo Anthony kriegte sich kaum wieder ein, als er vor der Saison auf einer Pressekonferenz auf diese Möglichkeit angesprochen wurde. Auch der angesprochene Paul (George) grinste, als sei dies der albernste Vorschlag überhaupt. Abgesehen vielleicht von "Nehmt ihr Victor Oladipo und Domantas Sabonis für Paul George?"

Einige Wochen später haben die neu formierten Thunder sich erwartungsgemäß noch nicht wirklich gefunden. Die letzten zwei Spiele wurden gewonnen, weshalb die Bilanz jetzt immerhin beinahe ausgeglichen ist (6-7), nachdem zuvor vier Spiele am Stück verloren wurden. Eine erste Team-interne Krisensitzung gab es schon, nachdem George im letzten Viertel gegen Denver nur einen Wurf bekommen hatte.

Das "Gehört Melo auf die Bank?"-Thema ist dabei nicht so richtig verstummt, so lustig der zehnmalige All-Star das auch findet. Zumal OKC gegen Dallas eins der besseren Spiele dieser Saison zeigte, als er mit Rückenproblemen nicht dabei war.

Russell Westbrook: Fast zu passiv

Vor der Saison war von vielen angezweifelt worden, ob die drei Stars würden koexistieren können, insbesondere Melo und Westbrook, die zu den balldominantesten Spielern der Neuzeit gehören. Sie versuchen es, das merkt man, aber harmonisch ist das Ganze noch nicht - und Westbrook hemmt sein eigenes Spiel teilweise fast zu sehr.

Russ versucht gerade zu Beginn der Spiele, seinen beiden neuen Co-Stars Möglichkeiten zu verschaffen, was er auch muss, allerdings will er den Assist häufig zu sehr erzwingen und leistet sich fast fünf Turnover pro Spiel. Er geht seltener zum Korb und zieht "nur" 6 Freiwürfe, so wenige wie seit 2010 nicht mehr. Vielleicht auch deshalb, weil er von diesen momentan mysteriöserweise nur erbärmliche 65,4 Prozent trifft.

Dass er nach der MVP-Saison, in der er den Ball stärker kontrollierte als je ein Spieler vor ihm, sein Spiel würde umstellen müssen, war klar. Er muss jedoch aufpassen, sich nicht selbst zu verlieren. Neben der Athletik ist die manische Aggression ja das, was sein Spiel besonders macht.

Eigentlich hatte man gehofft, dass Westbrook in dieser Saison seine Usage herunterschraubt, dafür aber effektiver wird, weil ihm George und Anthony neue Freiräume schaffen. Aktuell wirft er aber durch die Bank schlechtere Quoten und leistet sich die höchste Turnover-Rate seiner Karriere.

OKC: Probleme in der Crunchtime

Das zeigt sich insbesondere in der Crunchtime. Vor dem Sieg gegen die Clippers am vergangenen Freitag hatte OKC alle sechs "engen" Spiele verloren, das Star-Trio hatte kombiniert in vierten Vierteln ein Net-Rating von -37,9 aufgelegt. Eine kleine Stichprobe, klar. Aber eben auch eine, die von der "Ich bin dran, du bist dran"-Routine geprägt war, die man schon bei einigen vermeintlichen Superteams gesehen hat.

Ohne Spielfluss oder Plan. "Das ist für uns alle eine neue Situation", gab Melo nach der bisher peinlichsten Vorstellung gegen Sacramento zu. "Wir lernen momentan einige Lektionen." Und auch George sagte, man müsse sich "Schritt für Schritt, Tag für Tag" aneinander gewöhnen. Dafür habe man aber ja auch das ganze Jahr Zeit.

Paul George akklimatisiert sich am schnellsten

Das ist korrekt und die ersten Schritte wurden mittlerweile gemacht, gerade in den letzten beiden Spielen war Besserung zu erkennen, vor allem bei George. PG-13 hat nacheinander 42 und 37 Punkte aufgelegt, wozu ihn Westbrook und Anthony auch ermutigt hatten.

"Sie sagten mir, dass ich ich selbst sein, auf beiden Seiten des Feldes dominieren und bei jeder Möglichkeit attackieren soll", erklärte George. Wie zu erwarten gewesen war, ist der vielseitigste der drei Stars derjenige, der sich bisher am besten in der neuen Situation akklimatisiert hat. Russ und Melo hingegen produzieren beide schwache Quoten unter 43 Prozent.

OKC: Fehlendes Spacing

OKC ist immer dann brandgefährlich, wenn die Athletik und die Instinkte der Superstars gefragt sind, problematisch wird es aber, wenn im Set-Play zwei Stars dem dritten dabei zuschauen, wie er Offense kreieren will.

Zumal dann häufig auch noch Steven Adams und Brückenbauer Andre Roberson auf dem Court stehen, die das Spielfeld noch enger machen. Das Spacing ist wie schon in der letzten Saison alles andere als ideal, vor allem dann, wenn George auf der Bank Platz nimmt. Die Möglichkeiten von Billy Donovan, dem entgegenzuwirken, sind begrenzt.

Ein bisschen besser werden dürfte es zwar, wenn sich die Stars und die anderen neuen Spieler aneinander gewöhnt haben; aber auch dann bliebe das Problem, dass nur wenige gute Shooter im Kader stehen. Alex Abrines, Ray Felton und eben George sind aktuell die einzigen, die zumindest 38 Prozent toppen. Patrick Patterson steckt im Formloch (29 Prozent 3FG).

Gehört Carmelo Anthony auf die Bank?

Ein möglicher Schachzug wäre es daher tatsächlich, die Minutenverteilung der Stars etwas mehr aufzusplitten. George, Melo und Westbrook stehen pro Spiel über 21 Minuten gemeinsam auf dem Court, mit ihren teilweise etwas redundanten Skills kann man aber argumentieren, dass sie ihr Potenzial dadurch nicht maximieren.

PG-13 ist der beste Catch-and-Shooter im Kader und bewegt sich am besten ohne Ball, weshalb er an sich der ideale Sidekick für Westbrook ist. Gerade defensiv ist er zudem so wichtig, dass er ohne Wenn und Aber starten muss. Melo hingegen braucht den Ball vermehrt in der Hand. Diese Möglichkeit hätte er in OKC nur dann konstant, wenn er seinen Platz an Abrines oder den immer stärker werdenden Jerami Grant abgeben würde.

Wie Manu Ginobili an seinem schönsten Tag

Ließe Melos Stolz es zu, zum Sixth Man Deluxe zu werden? Es darf bezweifelt werden. In der Theorie würde das aber vieles vereinfachen: Es gäbe ein etwas klarere Rollenverteilung, Melo könnte sein Spiel voll durchziehen, insbesondere gegen überforderte Bench-Units, die er als Sixth Man immer noch regelmäßig dominieren könnte. "Das wäre die richtige Maßnahme für OKC, wenn sein Ego es zulässt", sagte kürzlich auch die renommierte Expertin Jackie MacMullan bei ESPN.

Natürlich würde er immer noch die dritt- oder viertmeisten Minuten bei den Thunder spielen, als sechster Starter a la Manu Ginobili in San Antonio, der auch in der Crunchtime auf dem Court steht. Die "Degradierung" Sixth Man wäre nominell, nicht mehr, sie würde nur die Minuten anders strukturieren. Es wäre auch die ultimative Möglichkeit, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen.

OKC: Die Siege werden kommen

Es wäre ein extremer Schritt und auch nichts, was man Melo aufzwingen sollte - er müsste es schon selbst wollen. Donovan hat wohl nicht das Standing, eine solche Maßnahme einfach anzuordnen. Und OKC wird auch mit Melo als Starter eine gute Saison spielen, das ist relativ klar: Die Thunder haben schon jetzt das zweitbeste Defensiv-Rating der NBA und trotz der Bilanz sogar das viertbeste Net-Rating.

Siege werden umgehend folgen, sobald sie ihre Offense in der Crunchtime besser in den Griff bekommen. Dem statistischen Modell von basketball-reference.com zufolge performt OKC derzeit wie ein Team, das knapp 70 Prozent seiner Spiele gewinnen sollte. Vielen Teams würde das reichen, um von einer extrem erfolgreichen Saison zu sprechen. Vielleicht reicht es auch OKC.

Melo allerdings hatte im Sommer immer wieder betont, dass ihn zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere nur noch das große Ganze im Sinne eines Titels interessiert. Er will bei einem großartigen Team sein, nicht bloß bei einem guten. Vielleicht muss er dafür aber zum ersten Mal in seiner Karriere wirklich über seinen Schatten springen.

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