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NBA

"Bei Schröder drehen die Leute durch"

Russell Westbrook, Kevin Durant, LeBron James

Dennis Schröder muss seinen Ruf reparieren

Thorben Rybarczik: In Deutschland ist es ja grundsätzlich so, dass Leute wie Schröder, die gerne mal etwas extravagant daherkommen oder ein paar Sprüche raushauen, die als arrogant interpretiert werden können, sehr kritisch bewertet werden. Und sobald es neuen Stoff gibt - wie bei Schröder zuletzt der Vorfall in einer Shisha-Bar - drehen die Leute durch und legen ihm in der Folge alles negativ aus. Jetzt interessiert uns natürlich deine italienische Perspektive, Davide: Wie werden solche Spieler bei euch bewertet? Wie wird Dennis Schröder wahrgenommen?

Davide Chinellato: Im Großen und Ganzen fokussiert man sich bei uns auf Dinge, die auf dem Court passieren. Ausnahmen gibt es dann, wenn es um "unsere" Spieler wie Danilo Gallinari oder Marco Belinelli geht. Auch wenn LeBron James mal irgendwas in einem Klub anstellen sollte, greift man das sicher auf. Aber Schröder? Darauf wird nicht eingegangen. Da schauen wir eher auf das Sportliche. Die These, dass er seinen Ruf reparieren muss, stimmt außerhalb von Deutschland meines Erachtens nicht.

Thorben Rybarczik: Und wie ist das bei euch mit Danilo Gallinari, den du ja schon angesprochen hast - er hat sich bei der Vorbereitung auf die EM einen Finger gebrochen, weil er im Spiel jemanden geschlagen hat. Wie wird darüber gesprochen?

Davide Chinellato: Bis zu diesem Vorfall hatte Gallo einen hervorragenden Ruf als Muster-Profi. Als das dann mit dem Schlag passiert ist, war das natürlich ein großes Thema und tagelang in allen Medien. Die meisten Leute waren schon sauer auf ihn, weil er dem italienischen Team die Möglichkeit genommen hat, ein tolles Turnier zu spielen. Aber: Es hilft ihm sicherlich, dass er sich - wie gesagt - bis dahin nie etwas hat zuschulden kommen lassen. Von daher verzeiht ein Großteil der Fans ihm wohl, während nur ein kleiner Teil so etwas sagt wie "du Idiot, wie konntest du das machen." Was ich allerdings auch glaube: Hätte es nur den Schlag gegeben, ohne dass er sich selbst dabei verletzt hätte, wären alle ruhig geblieben. Die Leute nehmen ihm wohl nicht den Schlag übel, sondern den gebrochenen Finger.

Ole Frerks: Bezüglich Schröder sind die Meinungen in Deutschland immer sehr gespalten. Es gibt eine Gruppe, die sagt: "Er ist ein guter Spieler, darauf kommt es an. Also soll er sein Leben doch so leben, wie er es will." Dann gibt es aber auch einen großen Teil, der das anders sieht, der an allem etwas auszusetzen hat - das bezieht sich sowohl auf Fans als auch Medien.

Davide Chinellato: Das klingt mir nach einem deutschen Phänomen. Da spielt bei Schröder sicherlich auch die Präsenz von Dirk Nowitzki eine Rolle, der nicht nur ein großartiger Spieler, sondern auch so ein großartiger und bodenständiger Typ ist. Nun erwarten die Leute wohl, dass auch Schröder in diese Rolle schlüpft und ein Vorbild ist. Dass er daran vielleicht gar nicht interessiert ist, sondern einfach nur sein Leben auf seine Art leben will, akzeptieren manche Leute nicht.

Alex Schlüter: Man muss natürlich ehrlich sagen, dass das Timing für die Aktion von Dennis wirklich mies war. Die Verantwortlichen der Hawks haben vor diesem Sommer mit ihm gesprochen, ihm klar gemacht, dass er nun endgültig das Gesicht der Franchise werden soll, weshalb er nun auch außerhalb des Platzes eine andere Rolle spielen soll. Zwei, drei Monate später so eine Nummer zu bringen, ist dann natürlich schwierig. Auf der anderen Seite denke ich aber, dass es nun auch einen ganz einfachen Weg gibt, seinen Ruf wieder zu verbessern: Er muss sich auf seinen Job fokussieren und guten Basketball spielen. Das ist das, was er am besten kann und ich glaube, dass wir das von ihm in Atlanta auch erleben werden. Wir Deutschen sind vielleicht bei solchen Themen sehr sensibel, wir können aber auch verzeihen, da bin ich mir sicher.

Ole Frerks: Um die Thematik noch einmal aus Deutschland herauszutragen: In einem Podcast von Zach Lowe und Kevin Arnovitz ging vor kurzem auch um schwierige Locker-Room-Charaktere bei den Hawks. Und da wurde nicht nur Dwight Howard - der jetzt weg ist - sondern eben auch Schröder thematisiert. Das zeigt mir, dass auch dort zumindest über seinen Ruf diskutiert wird. Nun geht es für ihn darum, das mit einer starken Saison wegzuwischen. Das sollte individuell auch auf jeden Fall möglich sein, wenngleich die Hawks wahrscheinlich kaum Spiele gewinnen werden.

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