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NBA

"Bei Schröder drehen die Leute durch"

Russell Westbrook, Kevin Durant, LeBron James

Die Oklahoma City Thunder sind zum Scheitern verurteilt

Davide Chinellato: Um das zu beantworten, sollten wir definieren, was für sie ein "Scheitern" wäre. Können sie den Warriors gefährlich werden? Eher nicht. Doch können sie das zweitbeste Team im Westen sein? Auf jeden Fall! Russell Westbrook hat letztes Jahr die beste individuelle Saison aller Zeiten gespielt, wird aber verstanden haben, dass er das Scheinwerferlicht - und den Ball - teilen muss. Und da kommen natürlich Paul George und Carmelo Anthony ins Spiel. Besonders gespannt bin ich auf Melo: Wird er einsehen, dass er nur noch die dritte Option ist hinter Russ und PG? Wenn er das macht, also viel und effizient abseits des Balles agiert, sollte das OKC-Experiment funktionieren. Wenn es aber Konflikte zwischen den Dreien gibt, dann nicht. Fakt ist: Diese eine Saison wird schon entscheidend für die Zukunft sein, denn man muss George davon überzeugen, dass er in Oklahoma erfolgreich sein kann. Gelingt dies nicht, ist er nächsten Sommer wieder weg.

Ole Frerks: Ich sehe auf jeden Fall das Potential im Team. Allerdings sind sie über die Big Three hinaus sehr dünn besetzt. Da gibt es zwar noch Spieler wie Steven Adams, Patrick Patterson oder Andre Roberson - aber dann? Auf wen soll die Second Unit ihr Spiel ausrichten? Wer soll Verantwortung übernehmen? Da fällt mir höchstens noch Ray Felton ein, dessen Hauptqualität es ist, dass er weder Cameron Payne noch Semaj Christon ist und tatsächlich ein kompetenter Backup sein kann. Aber das reicht nicht - und auch bei Westbrook habe ich Zweifel. Ich weiß, ich weiß, ich kritisiere ihn regelmäßig, aber: Fakt ist doch, dass er das letzte Jahr ziemlich genossen hat, die Triple-Doubles, die Aufmerksamkeit, den MVP-Award. Das ist auch okay. Aber warum gehen wir davon aus, dass er sein Spiel jetzt umstellt, nur weil er zwei neue Stars im Team hat? Das hat er nicht einmal mit Durant gemacht, der um einiges besser war als George und vor allem Melo. Ich bin mir nicht sicher, dass er für eine balancierte Offense sorgen kann, in der jeder seine Touches bekommt und zufrieden ist.

Thorben Rybarczik: Ich bin vor allem aufgrund einer Tatsache optimistisch, dass die Stars erfolgreich koexistieren können: Alle drei wollen es. GM Sam Presti hätte zunächst mal den George-Trade gar nicht eingefädelt, ohne Westbrooks Meinung einzuholen. Schließlich hatte dieser zu dem Zeitraum seinen Vertrag noch nicht verlängert - er durfte also nicht verärgert werden. Und beim Melo-Trade waren Russ und PG ja aktiv an der Rekrutierung Melos beteiligt, der wiederum für OKC seine No-Trade-Klausel hat fallen lassen. Das zeigt mir: Alle drei wissen, worauf sie sich einlassen und sind jeweils für kleinere Rollen bereit. Zweifel habe ich allerdings an Coach Billy Donovan. Er mag ein starker Defensiv-Coach sein, doch auf den Beweis, dass er auch eine funktionierende Offense etablieren kann, warte ich noch. Vor allem in den berüchtigten Conference Finals gegen die Warriors 2016 hat OKC verloren, weil sie in Game 6 und 7 nur noch Iso-Ball gespielt haben.

Ole Frerks: Das mag sein, aber ich glaube nicht, dass Donovan überhaupt die Macht hat, Westbrook zu erzählen, was für eine Offense er laufen soll. Gleiches galt damals für Durant. Für mich ist es zu einfach, die "Schuld" des ganzen Iso-Balls auf den Coach zu schieben. Seine Spieler hatten beziehungsweise haben einfach mehr Einfluss als er. Das ist in Cleveland auch nicht anders, LeBron ist nur in Sachen Spielintelligenz eben deutlich über den allermeisten anderen Spielern anzusiedeln. Aber lasst uns doch noch kurz über Oklahomas Status im Westen sprechen: An die Dubs werden sie nicht herankommen, aber wie sieht es mit den Rockets oder Spurs aus, Davide?

Davide Chinellato: Besonders zum Saisonstart werden die Rockets, die trotz der Addition von Chris Paul eingespielt sind, besser sein. Das Mike-D'Antoni-System passt einfach perfekt zum Kader, zudem haben sie den deutlich besseren Supporting Cast als OKC. Besser als die Spurs können die Thunder aber sein. Denn San Antonio hat weniger Talent im Kader als gewöhnlich, zudem fehlt Tony Parker mindestens bis in den Dezember hinein. Für sie wird es schwer. Allerdings wäre ich nicht der erste, den ein Spurs-Team von Coach Pop zu Unrecht abschreibt ...

Alex Schlüter: Okay, ich glaube ich habe bei OKC eine gänzlich andere Meinung als ihr. Ich finde nicht nur, dass die drei Stars große Probleme miteinander haben werden, ich bin sogar ein Stück weit enttäuscht, dass sie sich selber für diese Konstellation entschieden haben. George bei den Cavs oder den Celtics? Dann könnten wir hier wirklich über einen ernsthaften Contender für die Warriors reden. Die Thunder hingegen sehe ich als das unpassendste Teams aller Zeiten an. Drei ballsüchtige Stars, die nicht annähernd den Ruf haben, Mannschaftsspieler zu sein und die vor allem allesamt nicht den Ruf haben, echte Gewinnertypen zu sein. Westbrook: Ein Spieler, der davon lebt, das Spiel schnell zu machen. Auf der anderen Seite Anthony: Von allen NBA-Spielern der letzten Jahre hat wohl keiner das Spiel so langsam gemacht wie er. Selbst Popovich könnte OKC keine Handschrift geben, bei Donovan ist wohl nur hässliches Gekrakel zu erwarten. Klar, auch OKC wird mit der individuellen Klasse ordentlich Spiele gewinnen, aber mit Blick in Richtung Playoffs sehe ich nicht den Hauch einer Chance darauf, dass die Thunder erfolgreichen Basketball gegen die Top-Teams aus Oakland, San Antonio und Houston spielen können.

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