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Mit kleinen Schritten ans große Ziel

Von Michael Stadtler
Freitag, 11.08.2017 | 11:38 Uhr
Die Washington Wizards hielten den Kern ihres Kaders zusammen
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Die Washington Wizards setzten in der Offseason auf Kontinuität und Stabilität. Sie erklärten die langfristige Bindung des jungen Teamkerns zur obersten Priorität und verpassten der schwächelnden Bank ein Retooling. Doch ist mit dieser Strategie der kleinen Schritte ein ernsthafter Angriff auf die Spitze der Eastern Conference möglich?

Die Transaktionen der Washington Wizards

Bereits einen Tag vor dem Draft schickte Washington seinen Zweitrundenpick (#52) im Austausch gegen Tim Frazier nach New Orleans. Nachdem man den eigenen Firstrounder im Februar mit Marcus Thornton und Andrew Nicholson für Bojan Bogdanovic und Chris McCullough nach Brooklyn verschifft hatte, nahmen die Hauptstädter beim Draft somit nur als Zuschauer teil.

In der Free Agency einigte sich Washington schnell auf Engagements mit zwei Rollenspielern. Jodie Meeks (2 Jahre, 7 Millionen Dollar) soll für Shooting und Scoring von der Bank sorgen, mit der Verpflichtung von Ex-Hawk Mike Scott zum Minimum wurde die Rotation erweitert.

Zudem wurden die ungedrafteten College-Spieler Michael Young und Devin Robinson mit Two-Way-Contracts ausgestattet. Da mit McCullough, Sheldon McClellan und Daniel Ochefu allerdings bereits einige junge Projekte im Roster stehen, werden die beiden Rookies nahezu ausschließlich in der G-League zum Einsatz kommen.

Auch wenn die Wizards im Vergleich zur Vorsaison somit nur kleine Änderungen am Roster vornahmen, investierten die Verantwortlichen in diesem Sommer kräftig in die Zukunft des Teams. Zunächst matchte man das Offersheet der Nets für Otto Porter (4 Jahre/106 Millionen Dollar) - ein kostspieliger, aufgrund des fehlenden Spielraums aber alternativloser Move.

Anschließend nutzten die Wizards die Berufung John Walls ins All-NBA Third Team und verlängerten mit dem Franchise Player zu Super-Max-Bezügen um weitere vier Jahre (170 Millionen Dollar). Wall steht somit bis einschließlich 2023 unter Vertrag. In seiner letzten Saison hält er eine Spieleroption.

Die Strategie der Washington Wizards

Nachdem die Wizards in den letzten vier Jahren dreimal in der zweiten Playoff-Runde am First Seed scheiterten - zuletzt in sieben Spielen gegen die Celtics - wird man in der Hauptstadt auch in der kommenden Spielzeit die Conference Finals als Zielvorgabe ausrufen. Angesichts der "Massenflucht" von Stars und Sternchen gen Westen und des intakten, kaum veränderten Mannschaftsgefüges ein keineswegs unrealistisches Vorhaben.

Um die Hürde Conference Semifinals erstmals seit der Saison 1978/79 wieder überspringen zu können, entschieden sich die Verantwortlichen für eine Strategie der Kontinuität. Das Front Office bekannte sich in den letzten beiden Offseasons klar zu seinen selbst gedrafteten Spielern. Es stattete Wall, Bradley Beal und Porter allesamt mit Max-Deals aus und übergab seinem jungen Teamkern die Schlüssel zur Franchise.

Das Grundgerüst für die Zukunft steht also. Wall, Beal und Porter stehen mindestens für die nächsten drei Jahre unter Vertrag - wenngleich sie dafür auch fürstlich entlohnt werden (2017/18: zusammen 67 Millionen Dollar).

Aufgrund der Cap-Situation - die Wizards liegen in der kommenden Saison erstmals in der Franchise-Geschichte über der Luxussteuer-Grenze (Kader-Gehalt 2017/18: 126 Millionen Dollar) - ist das Team zugleich auf eine sportliche Weiterentwicklung des Trios angewiesen. Bleibt diese aus, ist man in den kommenden Jahren nahezu handlungsunfähig.

Die Schwachstellen der Washington Wizards

Dass es für Washington nicht schon 2017 für die Conference Finals reichte, lag zu einem sehr großen Teil an der schwachen Bank. Während bei den Celtics in Spiel 7 mit Kelly Olynyk (26 Punkte) ein Benchplayer die Kohlen aus dem Feuer holte und die Kadertiefe den Stars überlebenswichtige Pausen verschaffte, gingen bei den Wizards die Starter teils schon Ende des dritten Viertels auf dem Zahnfleisch.

Dieses Problem hat man in der Offseason zwar erkannt, behoben wurde es allerdings nicht. Der neue Backup-Backcourt um Frazier und Meeks stellt zwar eine Verbesserung im Vergleich zu Burke und Thornton dar, Angst und Schrecken wird die Wizards-Bank in der Association aber nicht verbreiten, zumal mit Bojan Bogdanovic der beste Bankscorer gen Indiana weiterzog.

In Washington regiert in Sachen zweiter Anzug also weiter das Prinzip Hoffnung. Bleibt Ian Mahinmi gesund und knüpft an die Leistungen aus seinem letzten Pacers-Jahr an, macht Kelly Oubre den erhofften nächsten Schritt und fügen sich die neuen Rollenspieler gut ins Teamgefüge ein, könnte die Bank den Startern zumindest etwas längere Verschnaufpausen verschaffen.

Im letzten Jahr gelang dies nur äußerst selten, sodass die Starting Five pro Spiel im Mittel stattliche 33,2 Minuten abreißen musste. Nur die Starter der Timberwolves (34,4) standen noch länger auf dem Parkett, was sich vor allem negativ auf die Verteidigung des Teams auswirkte. Mit einem Defensiv-Rating von 106,9 belegte man lediglich Platz 20 in der NBA - obwohl mit Wall, Beal, Porter, Markieff Morris, Oubre und Mahinmi fähige Verteidiger im Roster stehen.

Der Hoffnungsträger der Washington Wizards

John Wall. "Das ist das Team, für das ich den Rest meiner Karriere spielen möchte. Ich werde alles geben, bis wir ein Championship-Banner unter die Hallendecke ziehen können", erklärte Wall kürzlich seine Ziele mit den Wizards. Durch seine Vertragsverlängerung löste der Playmaker eine wahre Euphoriewelle in Washington aus, die erfolgreichste Zeit der Franchise seit den 70er Jahren scheint bevorzustehen.

Bereits in der vergangenen Spielzeit gelang den Wizards mit 49 Siegen und dem Gewinn der Southeast Division die beste Regular Season seit 38 Jahren. Maßgeblichen Anteil daran hatte Wall, der sein Team mit 23,1 Punkten und 10,7 Assists pro Spiel anführte. Zudem verzeichnete er 50 Double-Doubles und avancierte zum ersten Spieler in der NBA-Geschichte, der über eine komplette Saison hinweg mindestens 20,0 Punkte, 4,0 Rebounds, 2,0 Steals und 0,5 Blocks pro Partie auflegte.

Auch wenn er mit Beal, Porter, Morris und Gortat inzwischen mehr Unterstützung erfährt als zu Beginn seiner Karriere, wird Washington auch in der kommenden Saison nur so weit kommen, wie Wall das Team trägt.

Das Fazit

Mit den Vertragsverlängerungen von Wall und Porter haben die Wizards einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Einerseits halten sie dadurch in der schnelllebigen NBA ihren hochtalentierten Teamkern über Jahre hinweg zusammen, andererseits verhindern sie den Super-Gau, ihren Franchise Player ohne Gegenwert zu verlieren.

Wall, Beal (24), Porter (24) und Oubre (21) haben zudem noch reichlich Entwicklungspotenzial, sodass die Wizards auch ohne namhaften Free Agent eine noch größere Rolle in der Eastern Conference spielen könnten. Das Erreichen der Playoffs und Home-Court-Advantage in der ersten Runde dürften zum Pflichtprogramm gehören.

Um die Cavaliers vom Thron stoßen zu können, fehlt es Washington allerdings nach wie vor an Tiefe im Kader und an Qualität auf der Bank. Auch das Defense-Problem wurde in der Offseason nicht gelöst, sodass man hier die Hoffnungen in Coach Scott Brooks und das Defensiv-Potenzial im bestehenden Kader setzen muss. Zum Contender-Status benötigt es zudem noch einen Move für einen dritten Star. Dafür wurde in dieser Offseason aber immerhin die nötige Basis gelegt.

Die Note: 3+

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