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Der Stoiker hinter Larry Legend

Von Robert Arndt
Mittwoch, 30.08.2017 | 11:55 Uhr
Robert Parish (#00) ist noch immer der Rekordspieler der NBA
© getty
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Celtics @ Bucks (Spiel 6)
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Cavaliers @ Pacers

Niemand hat so viele NBA-Spiele absolviert wie Robert Parish. Doch der Center, der den Großteil seiner Karriere bei den Boston Celtics verbrachte, war mehr als nur ein Dauerbrenner. Mit Larry Bird und Kevin McHale bildete der Chief das wohl beste Frontcourt-Trio der Geschichte. Heute wird die Celtics-Legende 64 Jahre alt.

Die Stimmung war aufgeheizt im Boston Garden, als die Celtics gegen die Detroit Pistons um den Einzug in die Finals kämpften. Sogar Boxhandschuhe hingen von den Rängen. Die Pistons etablierten in den ersten vier Spielen ihren Ruf als Bad Boys und spielen besonders im heimischen Silverdome mit Haken und Ösen. Larry Bird wirkte entnervt, speziell von der Härte des berüchtigten Pistons-Center Bill Laimbeer und ließ sich sogar auf ein kleines Gefecht ein. Der amtierende Champion wackelte, nachdem Detroit zum 2:2 in der Serie ausgeglichen hatte.

Auch Spiel 5 wurde hart geführt. Kurz vor der Pause arbeitete Laimbeer beim Ausboxen mit dem Ellenbogen, was Bostons Center Robert Parish überhaupt nicht gefiel. Der sonst so stoische Center streckte seinen Gegner mit zwei gezielten Schlägen nieder. Laimbeer hatte Glück: Wegen einer Sehnenverletzung konnte Parish seine Faust nicht ballen, das verhinderte wohl Schlimmeres. Ein Foul wurde nicht angezeigt, selbst für die damalige Zeit war dies ungewöhnlich. Wahrscheinlich waren die Refs völlig verdutzt, dass Musterknabe Parish seine Nerven verlor.

Die Schlagzeilen gehörten dennoch anderen. Die Pistons vergeigten den Sieg, weil Bird eines seiner wichtigsten Plays der Karriere lieferte. 'There's a steal by Bird!' und das dazu gehörige Video kennt heute wohl jeder League-Pass-Nutzer.

So war es wie immer: Bird stand im Scheinwerferlicht und Parish spielte die Nebenrolle des Mannes, der die Drecksarbeit verrichtet. Geärgert hat es den Center sicher nicht. Der Chief, das war der harte, stille Arbeiter, der auf dem Feld kaum sprach und wenig Emotionen zeigte.

Parish: Aufgewachsen im verschlafenen Süden

Parish stammt aus einem verschlafenen Ort aus Lousiana. Aufgewachsen in einer Zeit, in der der Rassismus in den Südstaaten noch allgegenwärtig war, musste der Schlacks von den Trainern überredet werden, überhaupt Basketball zu spielen. Sein High-School-Team hatte auch nur noch ein Trikot übrig, jenes mit der Doppel-Null. Sie wurde der stetige Begleiter in der Karriere von Parish.

Der Youngster machte sich landesweit einen Namen, doch anstatt auf ein größeres College zu gehen, wählte er das heimische Centenary-College, welches nur 700 Studenten beherbergte und die Kosten für Auswärtsfahrten des Basketball-Teams nicht stemmen konnte. Darum verzeichnete der Chief auch kein einziges offizielles Spiel in seinen vier Jahren an der Uni. Er hätte dadurch jedes Jahr in die NBA wechseln können, tat es aber nicht, wahrscheinlich auch, weil seine Mutter es nicht erlaubte. Sie bestand darauf, dass ihr Filius seinen Abschluss machte.

Der Ruf von Parish litt darunter nicht. Seine pure Präsenz von 2,13 Meter und seine Fähigkeit, zahlreiche Würfe zu beeinflussen und zu blocken, brachte die Golden State Warriors 1976 dazu, den achten Pick im Draft für den Center zu verwenden.

Parish: Beginn bei den Warriors

Neben seinen defensiven Qualitäten war der Chief auch offensiv ausgebildet. Im Post vefügte er über gute Fußarbeit und zahlreiche Bewegungen. Seinen Spinmove kannte jeder in der Liga, dennoch fielen zahlreiche Verteidiger immer wieder darauf hinein. Als Bonus kam noch ein guter Mitteldistanzwurf dazu, der aufgrund seiner hohen Flugkurve fast unmöglich zu blocken war.

Sein späterer Teamkollege bei den Celtics, Bill Walton, der auch Parishs Laudatio für die Hall of Fame hielt, behauptete in den Achtzigern, dass Parish wohl der beste Schütze aus der Midrange unter allen Big Men in der Geschichte des Spiels sei.

Richtig warm wurden die Warriors mit ihrem Big aber nicht. Parish wirkte oft teilnahmslos, Golden State versank nach der Ära Rick Barry im Mittelmaß und der ungelenke Center war nicht selten der Sündenbock. Trotzdem deutete Parish teilweise sein großes Potenzial an. Gegen die New York Knicks legte er einmal 30 Punkte und 32 Rebounds auf.

Ein unfassbarer Trade mit Boston

Während der Big an der Westküste nicht wertgeschätzt wurde, sah ein Team aus dem Osten den möglichen Wert. Die Boston Celtics um Trainerfuchs und damaligen GM Red Auerbach fädelten 1980 einen, im Nachhinein gesehen, skandalösen Trade ein. Der dritte Pick des Jahres sowie Parish kamen nach New England, die Warriors erhielten den ersten sowie den 13. Pick 1980. Im besagten Draft nutzten die Dubs ihre beiden Picks für Joe Barry Carroll und Rickey Brown, während die Celtics an dritter Stelle Kevin McHale (!) wählten.

Für Parish war dies der Wendepunkt seiner Laufbahn, wie er später immer wieder betonte. "Mit dem Trade 1980 begann meine Karriere erst richtig."

Doch dies stimmt nicht ganz. Bei den Dubs war er zumeist Backup für Clifford Ray, der dem Youngster einige wichtige Ratschläge lieferte. Parish machte Yoga, Kampfsport, ging Schwimmen, verzichtete auf rotes Fleisch und wurde schließlich Vegetarier. "Ich zerrte mir nie etwas, brach mir nicht einen einzigen Knochen. Ich bin ein lebender Beweis dafür, was richtige Ernährung ausmacht. Und das habe ich Clifford Ray zu verdanken."

Wie sonst hätte Parish satte 21 Spielzeiten (Rekord, zusammen mit Kevin Garnett und Kevin Willis) die Knochenmühle NBA überleben können. Eigentlich unvorstellbar: Parish spielte sowohl gegen John Havlicek, als auch gegen die jungen Allen Iverson oder Kobe Bryant.

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