NBA

Warten auf den Sonnenaufgang...

Von Simon Haux
Josh Jackson weckt bei den Phoenix Suns große Hoffnungen
© getty
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Booker bricht Scoring-Rekorde

Booker ist nach LeBron James der zweitjüngste Spieler, der jemals über eine Saison 22 Punkte pro Spiel auflegen konnte. Besonders ließ er natürlich durch sein - zugegebenermaßen auf eher absurde Weise und noch dazu im Rahmen einer Niederlage zustande gekommenes - 70-Punkte-Spiel Ende März gegen die Boston Celtics aufhorchen.

Dass bei der großen offensiven Verantwortung, die der Guard in einem schwachen Suns-Team bereits übernehmen durfte, die Effizienz noch zu wünschen übrig lässt und insbesondere der Distanzwurf mit 36 Prozent weniger zuverlässig fiel, als man es sich in Phoenix wünschen würde, sollte keine allzu tiefen Sorgenfalten verursachen.

Besorgniserregender war da schon die Spielweise der Suns, die immer wieder zu viele schwierige und ineffiziente Würfe erzwangen und bei der Anzahl der genommenen Dreier sowie der gespielten Pässe und Assists jeweils zum Bodensatz der Liga gehörten. Es liegt nun also am Trainerstab um Earl Watson, dem jungen Kern eine modernere und teamorientierte Spielweise einzubläuen.

Das Spielermaterial dazu ist eigentlich vorhanden. Neben Bender und dem jungen Backup-Spielmacher Tyler Ulis, der in der zweiten Hälfte seiner Rookie-Saison vor allem als uneigennütziger Passgeber und kleiner, aber giftiger Verteidiger überzeugen konnte, passt auch Josh Jackson in dieses Konzept.

Gesucht: Defense und Spacing

In der Verteidigung kann er die Schwächen von Nebenmann Booker ausgleichen, offensiv ist er ein weiterer Ballhandler und guter Passgeber, der den Ball bewegen und den besser postierten Mitspieler finden kann. In Transition und beim Zug zum Korb ist er aufgrund seiner Explosivität und Schnelligkeit eine ständige Gefahr und kann so Platz für seine Mitspieler schaffen.

Wie gut die Offensive der Suns in Zukunft funktionieren kann, wird zu großen Teilen davon abhängen, ob Booker, Bender und Chriss sich tatsächlich zu überdurchschnittlichen Distanzschützen entwickeln und damit das fehlende Shooting auf den anderen Positionen ausgleichen können.

Mit ihren beiden Zweitrundenpicks haben die Verantwortlichen in Phoenix sich außerdem zwei weitere potenzielle Schützen geangelt, die sich nun in der Summer League beweisen können. An Position 32 wählte man mit Davon Reed einen prototypischen "3&D"-Flügel, mit dem 54. Pick wurde Combo-Forward Alec Peters an Land gezogen, der abgesehen von seinem Shooting jedoch nicht allzu viel NBA-Potenzial mitbringt.

Warten auf den Sonnenaufgang

Auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft müssen jedoch noch einige Hindernisse überwunden werden. Small Forward T.J. Warren wird neben Jackson wohl eine neue Rolle im Team finden müssen. Darüber hinaus könnten einige Veteranen abgegeben werden, um den jungen Wilden noch mehr Verantwortung zu übertragen. Dass dies nicht schon im kommenden Jahr zu einer guten Bilanz führen muss, ist Spielern und Verantwortlichen jedoch klar.

"Die meisten jungen Teams gewinnen nicht viel", weiß McDonough. "Aber wenn die Jungs hart arbeiten und sich gemeinsam entwickeln, können wir bald die Kurve kriegen." Und auch dem neuen Hoffnungsträger Jackson ist klar: "Wir werden rausgehen und Fehler machen. Aber wir brauchen die Gelegenheit, diese Fehler zu machen, um aus ihnen zu lernen und besser zu werden."

An Selbstbewusstsein mangelt es dem 20-Jährigen jedenfalls nicht: "Ich weigere mich, zu scheitern. Ich werde der beste Spieler werden, der ich sein kann. Und die Teams, die mich nicht gedraftet haben, werden das eines Tages bereuen." Sollte Jackson dieses Versprechen halten, könnte in der NBA schon bald wieder die Sonne aufgehen.

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