Suche...

Als wäre er nie weg gewesen

Von Philipp Jakob
Montag, 05.06.2017 | 12:28 Uhr
Steve Kerr kehrte in Spiel 2 gegen die Cleveland Cavaliers auf die Trainerbank zurück
Advertisement
NBA
Jazz @ Cavaliers
NBA
Kings @ Raptors
NBA
Warriors @ Lakers
NBA
Cavaliers @ Bucks
NBA
Lakers @ Rockets
NBA
Celtics @ Knicks
NBA
Lakers @ Warriors
NBA
Mavericks @ Hawks
NBA
76ers @ Knicks
NBA
Cavaliers @ Warriors
NBA
Wizards @ Celtics
NBA
Jazz @ Nuggets
NBA
Raptors @ Thunder
NBA
Rockets @ Celtics
NBA
Rockets @ Wizards

Der gefeierte Held schon vor dem Blowout-Sieg der Golden State Warriors in Spiel 2 der NBA Finals ist der Rückkehrer auf der Trainerbank: Steve Kerr. Spielerisch ändert sich dadurch nicht viel, der Head Coach der Dubs gibt seinem Team allerdings einen mentalen Schub. Die größte Aufgabe wartet aber noch auf ihn.

Schon einige Minuten vor Tip-Off war die Oracle Arena in Oakland gut gefüllt. Viele Fans nahmen frühzeitig ihre Plätze ein. Klar, immerhin tummelten sich bereits Steph Curry, Kevin Durant und LeBron James auf dem Parkett, nahmen lockere Jumper aus der Distanz oder stopften zum Warmmachen das Leder durch die Reuse. Doch an diesem Sonntagabend, kurz vor Spiel 2 der NBA Finals, interessierte sich kaum einer der anwesenden Warriors-Fans für das zu diesem Zeitpunkt ohnehin unwichtige Geschehen auf dem Court.

Der Fokus wanderte vielmehr zum Spielertunnel. Dorthin, wo normalerweise ebenjene Currys, Durants oder LeBrons dieser Welt jubelnd aus den Katakomben begleitet werden. Dieses Mal galt die ganze Aufmerksamkeit allerdings dem Head Coach. Als Steve Kerr aus dem Tunnel heraustrat und in Richtung Trainerbank marschierte, wurde es zum ersten Mal so richtig laut in der knapp 20.000 Zuschauer fassenden Arena. Die Fans erhoben sich von ihren Sitzen, applaudierten und wollten schier gar nicht mehr aufhören.

Jetzt anmelden und gewinnen! Dunkest - der NBA-Manager!

Kerr selbst konnte sich in diesem Moment ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen. "Das hat sich toll angefühlt", sagte er später. "Ich habe einen tollen Empfang von den Fans und auch von den Spielern bekommen."Selbst sein Gegenüber Tyronn Lue nahm seinen Kollegen mit einer Umarmung gebührend in Empfang und auch LBJ ließ es sich nicht nehmen, den 51-Jährigen kurz vor Spielbeginn endlich in den Finals zu begrüßen. Es schien, als freute sich jeder, Kerr zurück auf dem Parkett zu sehen.

Gut eineinhalb Monate ist es her, dass Kerr zum letzten Mal von der Seitenlinie aus sein Team coachte. Anhaltende Schmerzen an seinem 2015 operierten Rücken zwangen ihn, über mehrere Wochen hinweg auszusetzen und die Playoff-Spiele der Warriors vor einem Fernseher in den Katakomben der Arena zu verfolgen. Immerhin: Auch ohne ihren Head Coach fegten die Dubs ungeschlagen durch die Playoffs. Nun, in Spiel 2 der Finals, folgte mit Kerr der 14. Playoff-Sieg in Folge - NBA-Rekord!

Mentaler Extraschub

Doch braucht ein Team wie Golden State, das gespickt mit Superstars einen Gegner nach dem anderen überrollt, überhaupt seinen Head Coach an der Seitenlinie? Wenn es nach den Spielern geht, fällt die Antwort auf diese Frage eindeutig aus. "Es ist fantastisch, dass er da draußen ist, obwohl er aufgrund der Schmerzen, die er durchgemacht hat, eine einfache Ausrede hätte", sagte beispielsweise Klay Thompson. "Das motiviert uns, für ihn zu gewinnen. Steve ist ein Kämpfer."

Tiefgreifende, taktische Veränderungen waren im Spiel der Warriors beim Comeback von Kerr zunächst nicht zu erkennen. Das verwundert nicht, denn schon in den vergangenen Wochen hatte der amtierende Coach of the Year in Sachen Spielvor- und Nachbereitung sowie im Training seine Finger im Spiel. Die Taktik hat er also trotz Abwesenheit weiterhin vorgegeben. Während des Spiels reagierte er dann präzise und erfolgreich auf die Foulprobleme Draymond Greens, indem er Durant auf Center stellte. Dieser bewies mit einer Statline, die es zuvor noch nie gegeben hat, dass er auch für diese Aufgabe mehr als bereit ist.

Davon abgesehen profitieren die Dubs nun aber offenbar von einem Extraschub auf mentaler Ebene. "Wenn er an der Seitenlinie steht, sind wir vollständig. Das bedeutet uns viel", erklärte Curry das Verhältnis von den Spielern zum Coach. "Wir lieben seine Präsenz. Wir lieben seine Stimme." Und Green fügte hinzu: "Was die Play-Calls angeht, hat es sich nicht anders angefühlt. Aber natürlich ist es toll, ihn wieder an der Seitenlinie zu sehen, ihn in den Timeouts reden zu hören und ihn als Anführer zu haben."

Individuelle Klasse entscheidet Spiel 2

Genau so einen Anführer haben die Warriors in Spiel 2 in der ein oder anderen Situation gebraucht. Denn es lief bei Weitem nicht alles nach Plan, angefangen mit den 20 Ballverlusten, die sich Golden State leistete. Allein 8 davon gingen auf das Konto von Curry. Dennoch ließ sich der zweimalige MVP nicht aus der Ruhe bringen und beendete das Spiel schließlich mit 32 Punkten, 11 Assists und 10 Rebounds - sein erstes Triple-Double in den Playoffs.

Auch Kevin Durant mit einer hervorragenden Allround-Leistung (33 Punkte, 13 Rebounds, 6 Assists, 5 Blocks, 3 Steals) und Klay Thompson mit seinem wiedergewonnenen Touch (22 Punkte, 4/7 Dreier) hatten großen Anteil an dem Offensiv-Feuerwerk, das Golden State erneut abfeuerte.

Erlebe die NBA Finals live auf DAZN. Hol Dir jetzt Deinen Gratismonat!

"Wir hatten einige Jungs, die individuell außergewöhnlich gut gespielt haben und wir haben mit viel Energie gespielt", bilanzierte Kerr im Anschluss an die Partie. Und dennoch: So ganz zufrieden konnte er mit der Leistung seines Teams nicht sein. Da wären zum einen die bereits angesprochenen Ballverluste, zum anderen erzielte Cleveland 60 Punkte in der Zone.

Diese zwei Faktoren ermöglichte es den Gästen, die Partie in der ersten Halbzeit relativ offen zu gestalten. Am Ende obsiegte die individuelle Klasse von Durant, Curry und Thompson - und ein Stück weit auch die Müdigkeit in LeBron.

Keine Wiederholung von 2016

Kerr ist sich deshalb sicher: "In Cleveland müssen wir viel smarter sein." Ganz besonders bezüglich der Ballverluste. Man kann davon ausgehen, dass die Cavaliers vor eigenem Publikum, noch dazu mit dem Rücken zur Wand, jeden gegnerischen Fehler gnadenlos ausnutzen möchten. "Wenn wir das gleiche Spiel wie heute auch in Cleveland abliefern, haben wir keine Chance zu gewinnen", lautete deshalb Kerrs Warnung an seine Spieler.

Um einen eventuell leichtfertigen Auftritt zu verhindern, genügt dem Head Coach vielleicht sogar schon eine kleine Erinnerung an die letztjährigen Finals. "Das war ein toller Lauf bisher, aber das bedeutet alles nichts, wenn wir nicht unseren Job beenden können und die Serie gewinnen", sagt Kerr. "Vertraut mir, wir wissen das. Vergangenes Jahr stand es auch 2-0 und wir haben noch verloren."

Das soll sich aus Sicht der Warriors in der aktuellen Saison unter keinen Umständen wiederholen. Neben Curry, Durant und Co. legen die Fans ihre Hoffnungen auf die Larry O'Brien-Trophy auch in die Hände von Kerr. Der könnte unter diesen Umständen kaum glücklicher sein: "Es war einfach nur großartig, zurück an der Seitenlinie zu sein. Diese Energie bei den Finals zu spüren, macht die ganze Sache so toll. Es ist einfach schön, zurück zu sein!"

Das Playoff-Bracket im Überblick

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung