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Das Lied von Eis und Feuer

Dienstag, 13.06.2017 | 11:00 Uhr
Kevin Durant und Stephen Curry bejubelten den ersten gemeinsamen Titel
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Die Golden State Warriors haben sich nach 2015 erneut zum Champion gekrönt, weil sie aus den Fehlern des vergangenen Jahres gelernt haben und weil noch niemand ein Gegengift für die "Hamptons 5" gefunden hat. In Oakland wird gefeiert - und bereits an die Zukunft gedacht.

"Als noch ungefähr 50 Sekunden zu spielen waren, habe ich die anderen gefragt: 'Ist das echt? Passiert das gerade wirklich?'", verriet ein aufgelöster Kevin Durant nach Spiel 5 auf dem Podium. "Dray und Iggy haben mich angeschrien und gesagt, dass ich zu Ende spielen muss." Gelächter.

Es ist wirklich passiert - Durant ist ein Champion, die Warriors sind zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren auf dem Thron. Zaza Pachulia und JaVale McGee bekommen Ringe, LeBron James legte als erster Spieler der NBA-Geschichte in den Finals ein Triple-Double im Schnitt auf - und steht nun trotzdem bei einer 3-5-Bilanz.

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Bei allen Storylines, GOAT- und Superteam-Diskussionen in den nächsten Tagen sollte jedoch nicht unter den Tisch fallen, was die Warriors in Spiel 5 geleistet haben - und wie sie es geleistet haben. Denn die Dubs zeigten in dieser Partie alles, was sie aus den Finals 2016 gelernt haben. Im Gegensatz zum letzten Jahr ließen sie sich diesmal nicht aus der Ruhe bringen.

Monströser Run im zweiten Viertel

Dabei gab es durchaus Momente, die an das letzte Jahr erinnerten. So startete Cleveland wie schon in Spiel 4 wieder brandheiß und traf neun seiner ersten elf Würfe. Zwar kamen auch die Warriors diesmal ordentlich aus den Startlöchern, sie liefen jedoch zunächst nur hinterher. Nach wenigen Minuten im zweiten Viertel führten die Cavs mit 8, nachdem James einen unfassbaren Dunk über Durant durch die Reuse gedrückt hatte.

Die Oracle Arena war auf einmal still, die Cavs am Drücker - in solchen Situationen entglitt den Warriors vergangenes Jahr mehrfach das Spiel. Nervosität hing auch diesmal in der Luft, aber anscheinend nur bei den Fans. Denn auf einmal legte Golden State den Schalter um, nachdem Steve Kerr seine Auszeit genommen hatte. Und wie.

Die Dubs fingen schlagartig Feuer, wie es wohl nur ihnen möglich ist. Hinten passte jede Rotation, es wurden Turnover forciert und Rebounds eingesammelt - und dann startete der Fastbreak-Express. Mit halsbrecherischem Tempo wurde der Ball gepusht, ein Dreier nach dem anderen fiel rein, ansonsten wurde gedunkt. Innerhalb von sieben Minuten machten die Warriors aus einem 8-Punkte-Rückstand eine 16-Punkte-Führung.

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Cavs-Kampf wird nicht belohnt

Entschieden war das Spiel da noch lange nicht, auch wenn es bisweilen so wirkte. Clevelands Comeback-Qualitäten waren ja insbesondere in Oakland bestens bekannt und auch in dieser Partie zeigten die Cavaliers meisterlichen Spirit. Sie ließen sich nie wirklich abschütteln und starteten dank LeBron, Kyrie Irving und J.R. Smith immer wieder kleinere Runs.

Sie kamen aber nicht über die Schwelle, gingen kein einziges Mal mehr in Führung. Wo die Dubs vergangenes Jahr noch in kritischen Situationen Nerven zeigten, verteidigten sie diesmal ihre Führung und hatten in Person von Durant, Stephen Curry und Andre Iguodala drei Spieler, die für jede Situation die richtige Antwort parat hatten.

"Man lernt aus seinen Fehlern", sagte Draymond Green im Anschluss. "Wir hatten natürlich letztes Jahr einen großen Rückschlag, aber wie ich schon gesagt habe: 'Wenn Durant der Trostpreis ist, dann danke für die Niederlage, und jetzt sind wir Meister.'"

Aus den Fehlern gelernt

Green hatte Recht mit seiner Aussage - die Dubs zeigten einen kollektiven Lerneffekt. Zum Beispiel Curry: Auch wenn sein Dreier nicht fiel (2/9 3FG), blieb er aggressiv und zog 15 Freiwürfe. Er kämpfte wie schon die gesamte Serie über um Rebounds, verteidigte solide und fand als Passer viel besser als damals die Balance zwischen Highlight und solidem Brustpass. Ach, und er machte 34 Punkte.

Green selbst hatte freilich auch dazugelernt. Er ließ sich nicht davon aus der Ruhe bringen, dass die Cavs ihn "despektierlich" verteidigten, indem sie ihn an der Dreierlinie offen stehen ließen. Er traf immerhin zwei seiner fünf Dreier, demonstrierte seine Stärken als Verteidiger und Playmaker und hatte auch seine Emotionen im Griff. Obwohl er nur 30 Prozent aus dem Feld traf, hatte er am Ende gemeinsam mit Iguodala das höchste Plus/Minus-Rating bei den Dubs - +18 in fast 44 Minuten.

A propos Iguodala: Der Finals-MVP von 2015 hatte zuletzt limitierte Minuten gespielt, in Spiel 4 sogar nur 21. Unter anderem deshalb, weil Kerr darauf bestand, mit großer Rotation zu spielen und seine Center einzusetzen, womit er den einen oder anderen Warriors-Fan in den Wahnsinn trieb. Auch der Coach zeigte jedoch, dass er aus seinen Fehlern der Vergangenheit gelernt hatte.

Kerr packt die Hamptons 5 aus

Pachulia startete zwar auch in Halbzeit zwei, diesmal zögerte Kerr aber nicht lange damit, ihn herauszunehmen und die gefürchtete "Hamptons 5" (weil das Free-Agent-Meeting mit Durant in den Hamptons stattfand) mit Iggy, Durant, Curry, Green und Klay Thompson zu bringen.

Diese Fünf hatte in der Serie bis dato bloß 17 Minuten zusammen auf dem Court gestanden, mit der Aussicht auf den Titel vor Augen brachte Kerr sie in Spiel 5 jedoch immer wieder, unter anderem in den letzten 8:50 Minuten des Spiels. Die fünf besten Spieler der Dubs standen alle zwischen 34 und 44 Minuten auf dem Court - und brachten den Titel nach Hause.

Schon seit den Finals 2015 galt das "Death Lineup" mit Green auf Center als nahezu unlöschbares Feuer, bis die Cavaliers (und die Thunder) vergangenes Jahr das Gegenmittel fanden. In Spiel 5 zeigten sie nun erneut eindrucksvoll, dass sie mit Durant statt Harrison Barnes nun eben auch die nötige Portion Eis im Roster haben.

LeBron muss nachdenken

Die Warriors des Vorjahres waren explosiv wie kaum jemand vor ihnen, konnten einen Run nach dem anderen hinlegen und jeden Gegner aus der Halle schießen. Das konnten sie auch in diesem Jahr - aber sie hatten mit Durant eben auch jemanden, der auch dann für effiziente Punkte sorgen konnte, wenn Curry oder Thompson mal kein Wurfglück hatten. Der kaltblütig scorte und das direkte Duell mit LeBron als Ebenbürtiger aufnahm.

Über die gesamte Serie war KD der Unterschied - sein Dagger in Spiel 3 war die Vorentscheidung der Serie, nun räumte er mit einer 39-Punkte-mit-70-Prozent-Quote auch die letzten Zweifel aus. Völlig zu Recht wurde er einstimmig zum Finals-MVP gewählt, nachdem er eine der statistisch besten Finalserien überhaupt hingelegt hatte. Cupcake hin oder her.

Der Rest der Liga wird sich etwas einfallen lassen müssen, wie man diesem Team ernsthaft gefährlich werden kann - LeBron kündigte bereits an, er müsse sich "hinsetzen und darüber nachdenken." Denn sie werden kaum auseinanderbrechen. Es kursieren bereits die ersten Gerüchte, dass KD und Steph auf Geld verzichten, damit auch Iguodala gehalten werden kann.

Durchbruch für Durant

Am (in Deutschland) frühen Dienstagmorgen stand natürlich trotzdem erst einmal Durant im Fokus. "Über die letzten zehn Jahre wusste jeder, wie gut er war, aber solange man noch keinen Titel hat, gibt es immer wieder Zweifel", sagte Kerr. "Ich bin einfach so froh für ihn, dass er jetzt diesen Durchbruch geschafft hat. Und es gibt noch mehr, das auf ihn wartet."

Auch Curry sprach davon, dass die Warriors "gerade erst anfangen" - das dürfte durchaus als Drohung an den Rest der Liga gewertet werden. Zunächst warteten auf Durant und Co. aber erst einmal Zigarren, Champagner und die Gewissheit, einen der dominantesten Playoff-Runs der Geschichte vergoldet zu haben. Was sind im Vergleich schon 73 Siege?

Die Finals im Überblick

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