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Der König der kleinen Dinge

Von Simon Haux
Mittwoch, 07.06.2017 | 12:47 Uhr
Andre Iguodala ist der Anführer der Second Unit der Warriors
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In den Playoffs konnte Ex-Finals-MVP Andre Iguodala bisher nur selten überzeugen. In den Finals gegen die Cleveland Cavaliers (Spiel 3 in der Nacht auf Donnerstag ab 3 Uhr live auf DAZN) meldet sich der Sixth Man der Golden State Warriors nun mit starker Defense zurück - und wird Teil eines neuen Small-Ball-Experiments.

Andre Iguodala wirkt für einen Moment verwirrt. Nach einem Pick-and-Roll der Cavs will er Channing Frye an der Dreierlinie bedrängen, dort, wo sich Clevelands Big Man üblicherweise am wohlsten fühlt. Doch der Scharfschütze ist bereits auf dem Weg in die Zone, Deron Williams findet ihn allein unter dem Korb für einen - scheinbar - freien Layup. Iggy erkennt seinen Fehler jedoch blitzschnell, macht sich mit drei riesigen Schritten auf den Weg und blockt den 13 Zentimeter größeren Frye in bester LeBron-James-Manier.

Es war eine von mehreren Aktionen des Forwards, die Erinnerungen an den alten Iggy weckten. Den Spieler, der nach teils grandiosen Leistungen beim Triumph der Warriors im Jahr 2015 zum wertvollsten Spieler der Finals gekürt wurde. Den sein unermüdlicher Einsatz, seine Spielintelligenz, seine Defense und sein Playmaking von der Bank auch in dieser Saison wieder zu einem heißen Anwärter auf die Auszeichnung zum Sixth Man of the Year machen.

Auch wenn er es mit diesem Block in sämtliche Highlight-Videos schaffte: Allzu oft tauchen Iguodalas Beiträge zum Erfolg der Dubs weder dort noch im Boxscore auf. "Er tut alles für uns", hatte Steve Kerr während der Finals vor zwei Jahren zu Protokoll gegeben: "Er ist unser bester Verteidiger gegen LeBron. Er trifft unglaublich gute Entscheidungen. Er reboundet. Er verteidigt alles und jeden. Er ist ein brillanter Defensiv-Spieler." Dieser Andre Iguodala war in den ersten drei Playoff-Runden 2017 schon fast in Vergessenheit geraten.

Curry und Durant sorgen für Spektakel

Während Stephen Curry und Kevin Durant für offensives Spektakel sorgten und Draymond Green in der Verteidigung einen Gegner nach dem anderen in den Wahnsinn trieb, verschwand Iguodala Stück für Stück in der Versenkung.

Zwar setzte ihn Interims-Coach Mike Brown im Verlauf des historischen 12-0 Durchmarschs der Warriors immerhin 25 Minuten pro Spiel ein, großen Einfluss nahm der Flügelspieler jedoch selten. 6,5 Punkte, 4,5 Rebounds, 3 Assists und 0,2 Blocks legte er gegen Portland, Utah und San Antonio durchschnittlich auf.

Wenngleich Iguodala noch nie ein Spieler war, dessen Wert sich in aufsehenerregenden Statistiken widerspiegelte: Es sah so aus, als würde dem inzwischen 33-Jährigen zum ungünstigsten Zeitpunkt die Puste ausgehen.

Insbesondere in der Offensive enttäuschte er auf ganzer Linie: Lediglich 3 seiner 27 teils weit offenen Distanzwürfe fanden den Weg in den Korb, insgesamt war in der Warriors-Rotation nur der ebenfalls strauchelnde Klay Thompson noch ineffizienter.

Knieverletzung zwingt Iguodala zum Zuschauen

Auch in der Verteidigung konnte der zweimalige All-Defense-Forward nicht den gewohnten Einfluss nehmen. Im Vergleich zur regulären Saison halbierten sich seine Block- und Steal-Zahlen in den Playoffs nahezu, auch in den Passwegen der Gegner sorgte Iguodala für deutlich weniger Chaos als sonst.

Gegen die San Antonio Spurs zog er sich zu allem Überfluss noch eine leichte Knieverletzung zu, die ihn im zweiten Spiel der Conference Finals zum Zuschauen zwang. Nach seiner Rückkehr aufs Parkett wirkte er nicht wirklich fit.

Doch auf der großen Bühne der NBA Finals meldete sich Iguodala mit einer starken Leistung in Spiel 1 zurück. Am Ende standen zwar erneut nur 7 Punkte im Boxscore, für Iggy zählen jedoch ohnehin ganz andere Dinge.

"Ein Grund dafür, dass die Leute uns gerne zusehen, ist unsere Uneigennützigkeit", so Iguodala: "Davor haben einige Teams Angst." Beim 113:91-Erfolg zeigte er endlich wieder, warum er seit Jahren das Paradebeispiel eines Spielers ist, der Gegner mit ebendieser uneigennützigen Spielweise das Fürchten lehrt.

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Iggy lässt alle verzweifeln

Die lange Pause vor Beginn der Finals schien für Iguodala Gold wert gewesen zu sein. Er wirkte fitter und beweglicher als in den Wochen zuvor und zeigte dies mit zwei krachenden Dunks bereits im ersten und zu Beginn des zweiten Viertels.

Dazwischen versenkte der in den Runden zuvor noch eiskalte Forward mit dem Buzzer am Ende des ersten Viertels einen Dreier und riss die Fans in der Oracle Arena damit aus den Sitzen. Nach zwei Partien steht er nun bei 2/5 aus der Distanz. Trifft Iguodala auch weiterhin mit 40-prozentiger Quote, öffnet er der zuvor schon herausragenden Warriors-Offensive noch mehr Räume.

Und auch in der Defense erinnerte Iggy wieder an den Edel-Verteidiger der vergangenen Jahre. Besonders dort zeigen sich die vielen kleinen Dinge, die ihn so wertvoll machen. Er ist nicht nur der emotionale Anführer der Warriors-Bank, er lebt den Team-Basketball der Dubs offensiv wie defensiv vor.

Seine Antizipation und seine schnellen Hände machen ihn vom Flügel außerdem zu einem der besten Help-Defender der Liga. Darüber hinaus bewies Iguodala, dass er auch in Isolation noch immer in der Lage ist, die besten Offensiv-Spieler der NBA in Schach zu halten.

Dominantes Defensiv-Duo

Gegen Ende des dritten Viertels in Spiel fand selbst Kyrie Irving bei einem Zug zum Korb keinen Weg an Iggy vorbei. LeBron musste einen zweiten Angriffsversuch starten - dessen Korbleger räumte allerdings Kevin Durant auf ähnlich beeindruckende Weise ab wie zuvor Iguodala.

Das Forward-Duo aus Golden State zeigte so innerhalb weniger Sekunden, warum die Warriors mit nur 98,8 zugelassenen Punkten pro 100 Ballbesitze die mit Abstand beste Verteidigung der laufenden Playoffs stellen.

Mit Iguodala, Durant, Green, Thompson und Shaun Livingston kann das Team eine einzigartige Kombination aus Länge, Kraft und Athletik aufbieten, die der zuvor historisch starken Cavs-Offensive (120,7 Punkte pro 100 Ballbesitze in den ersten drei Playoff-Runden) das Leben schwer macht. Gerade Iguodala und Durant können nahezu jeden Spieler der Cavaliers effektiv zu verteidigen.

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Small Ball 2.0

Als DPOY-Kandidat Green in Spiel 2 in Foulprobleme geriet, ermöglichte dies Coach Kerr ein außergewöhnliches Experiment. Er brachte beim Stand von 83:73 im dritten Viertel erstmals eine superkleine Aufstellung aufs Parkett, in der Durant als Center und Iguodala als Power Forward fungierte.

Obwohl die Dubs in dieser Phase nur 5 ihrer 13 Würfe versenkten, konnten Iggy und Co. die Führung Dank bärenstarker Defense sogar auf 97:84 ausbauen. "Kevins Verteidigung war unglaublich", lobte Kerr nach dem Spiel. "Vor allem, als Draymond auf der Bank saß."

Für den Head Coach war es "der Schlüssel für das gesamte Spiel, zusammen mit der Perimeter-Defense von Andre und Klay." Diese defensive Variabilität macht nicht nur Superstar Durant, sondern auch Thompson und Iguodala zu essenziellen Bestandteilen eines der statistisch besten Teams aller Zeiten. Kerr und Brown können so mit unterschiedlichsten Aufstellungen jederzeit flexibel auf Gegner, Verletzungen und Foulprobleme reagieren.

Für Cleveland kann es jedenfalls nichts Gutes bedeuten, dass Iguodala nun phasenweise Erinnerungen an 2015 wach werden lässt. Durants Ankunft gibt den Warriors die Möglichkeit, den 33-Jährigen in einer geschrumpften Rolle zu schonen. Und in der ist er zurück. Andre Iguodala, der König der kleinen Dinge.

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