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Die Warriors-Lehren nach Game 3

Wir müssen über Kevin reden

Sonntag, 07.05.2017 | 11:59 Uhr
Kevin Durant war der überragende Mann in Game 3 gegen die Jazz
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Obwohl sie ihr vielleicht schlechtestes Spiel in den diesjährigen Playoffs abliefern, treten die Golden State Warriors beim 102:91-Sieg gegen die Utah Jazz endgültig den Beweis an, bereit für die Jagd nach dem Titel zu sein. Ein ganz wichtiger Faktor dabei ist der nicht ganz unbekannte Sommer-Neuzugang.

Der Sport im Allgemeinen, die NBA aber im Speziellen, ist reich an kleineren sowie größeren Weisheiten und Sprichwörtern. "Offense wins games, defense wins championships" ist eine davon, vielleicht auch die bekannteste. Eine weitere Weisheit: Die Stärke eines Teams zeigt sich nicht in den deutlichen Siegen, sondern in der Reaktion auf schlechte Phasen.

Im Sinne dieser Weisheit dürfte die Basketballwelt nun noch einmal gemerkt haben, was sowieso schon offensichtlich ist: Diese Golden State Warriors sind ein verdammt starkes Team. Game 3 der Serie gegen Utah lieferte dabei den ultimativen Beweis für die oben aufgestellte These, denn eigentlich sprach nach etwa 40 Minuten Spielzeit in Utah ziemlich viel für die Hausherren.

Utahs Coach Quin Snyder hatte einige taktische Änderungen vorgenommen, die schnell fruchteten. Die vielleicht wichtigste: Rudy Gobert erhielt die Kugel viel häufiger als noch zuvor. Immer wieder lief der Franzose das Pick'n'Roll, immer wieder raubte er den Warriors die Nerven, während auf der Gegenseite wenig zusammenlaufen wollte.

Jazz-Terror vor grandioser Kulisse

Stephen Curry und Klay Thompson legten die schlechteste zusammengerechnete Feldwurfquote ihrer gemeinsamen Playoff-Laufbahn auf, Draymond Greens Treffsicherheit aus der Distanz pendelte sich wieder im normalen Bereich ein und auch sonst lief vieles unrund beim Vize-Champion, der zu allem Überfluss auch noch früh mit Foulproblemen zu kämpfen hatte.

Der Frust äußerte sich schnell in einem technischen Foul von Green, der mit sich, den Teamkollegen, den Referees sowie den frenetischen Zuschauern in der Halle haderte und sich zu einer eher sinnfreien Geste hinreißen ließ, als er zwei Finger, die wohl für die zwei Siege der Warriors stehen sollten, in Richtung des Publikums hochstreckte.

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Kurzum: Die Jazz machten, angestachelt vom unfassbar lauten und euphorischen Publikum, den Gästen das Leben so schwer wie möglich, zogen die Warriors in einem gut gemeinten Sinn auf das eigene Niveau herunter und diktierten das Spielgeschehen mit ihrer Defense. Die Warriors mussten für jeden Punkt beißen und kämpfen - eine selbst in diesen Playoffs eher ungewohnte Situation für Curry und Co.

Alles in allem machte Utah also so gut wie alles richtig, weswegen es auch lange gut aussah für die Gastgeber. Doch die Warriors zeigten in Game 3, welches, noch so eine Weisheit, das psychologisch wichtigste Spiel einer Serie markiert und oftmals die Richtung vorgibt, gleich mehrere Merkmale, die einen Meisterschaftsanwärter auszeichnen.

Mikrowellen, Instinkte und Durant

Das wäre zum einen, Spieler zu besitzen, die trotz vorheriger Probleme jederzeit heiß laufen können, so gut sie auch verteidigt werden. Vorgeführt von Curry, der seine ersten sechs Dreier danebensetzte und nach 30 Minuten gerade einmal zwei von 14 Wurfversuchen verwandelt hatte, von den nächsten sechs Würfen aber plötzlich vier traf und in der Schlussphase den eiskalten Killer gab.

Zum anderen wäre da die Stärke, im Spiel selbst auf die eigenen Probleme intuitiv zu reagieren und in den entscheidenden Phasen Fehler abzustellen. Auch das zeigten die Gäste eindrucksvoll, indem sie sich in der zweiten Hälfte keinen einzigen Ballverlust mehr erlaubten und defensiv gerade gegen Ende eine Lösung fanden, Goberts Kreise einzudämmen und den weitestgehend sogar vom Ball fernzuhalten.

Die aber wohl wichtigste Zutat: Diese Warriors besitzen haufenweise Superstars. Auch das mussten die tapfer kämpfenden Jazz bitter am eigenen Leib erfahren. Sie schalteten Curry und Thompson offensiv fast gänzlich aus, sie beschäftigten Green in der Defensive so sehr, dass sich auch dieser einige Fehler erlaubte. Das alles reichte aber nicht, weil parallel dazu Kevin Durant mal wieder offenbarte, dass er einer der besten Basketballspieler auf dem Planeten ist.

Hayward ratlos, Brown voller Lob

Als Gordon Hayward im Anschluss an Durants grandiose Leistung in Game 3 darauf angesprochen wurde, wie schwer es sei, gegen diesen zu spielen, musste er leicht lächeln. Es war ein ratloses Lächeln, als er feststellte: "Er ist einfach ein fantastischer Spieler, der alles kann. Du versuchst es ihm so schwer wie möglich zu machen, aber wenn er seine Würfe trifft, ist er kaum zu verteidigen."

Dass er kaum zu verteidigen ist, bewies er auf dem Court. Trotz der potenten Partner dürfte sich KD kurzzeitig an seine Zeit in Oklahoma City erinnert fühlen. 32,5 Assists spielten die Warriors in den ersten beiden Spielen durchschnittlich, wobei 79 Prozent der eigenen Feldwürfe eine Vorlage vorausging. In Spiel 3 waren es nur noch 17 Vorlagen sowie lediglich 46 Prozent assistierte Würfe.

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Weil Utah somit den Spielfluss der Dubs früh und gut kaputt machte, bekam Durant den Spalding zumeist so früh wie möglich in die Hände, während der Rest des Teams Platz machte. Den Rest beschreibt Durant treffend: "Ich habe von meiner Vorbereitung profitiert und im Spiel einfach meine Instinkte übernehmen lassen." Sein momentaner Coach Mike Brown meinte dazu: "Deswegen haben wir ihn vor der Saison geholt. Es ist einfach schwer, einen Kerl mit der Größe und diesem Ballhandling zu halten."

In der Tat sind es genau diese Spiele, für die Durant geholt wurde. Die 67 Siege in der Regular Season wären auch ohne ihn möglich gewesen, Siege in Playoffspielen, in denen Curry und Thompson kaltgestellt werden, sind mit ihm aber deutlich realistischer geworden, wobei auch sein defensiver Einfluss auf keinen Fall unterschätzt werden darf.

Demut und leichte Resignation

"Ich versuche, es so demütig wie möglich zu sagen, aber ich tue so etwas nun schon seit sehr langer Zeit. Ich denke vor jedem Spiel, dass ich so eine Leistung abliefern kann", betonte Durant im Anschluss selbstbewusst. Er hatte allen Grund dazu.

Das Breakout-Game von Durant, der nach seiner längeren Verletzungspause bislang relativ ruhige Playoffs erlebt hat, weil die Dubs auch schlichtweg noch kaum ernsthaft gefordert worden waren, dürfte Utah jegliche Hoffnungen auf ein Weiterkommen geraubt haben, nachdem die Jazz doch gerade defensiv eigentlich alles richtig gemacht hatten.

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Dementsprechend äußerte sich auch Snyder nach Game 3. Der Jazz-Coach wollte seinen Spielern keine Schuld geben und meinte: "Man kann bei uns nach Antworten suchen, aber meines Erachtens stehen die Antworten auf der anderen Seite. Wir sind zurückgekommen, wir haben gut verteidigt, aber am Ende haben Curry und Durant einfach ein paar unglaubliche Würfe getroffen."

Aus den Worten von Snyder ist schließlich auch ein wenig Resignation zu hören. Die Warriors können also auch dreckig gewinnen und sie können gewinnen, wenn es eigentlich nicht läuft. Das dürfte Durants wahrer Wert sein.

Das Playoff-Bracket im Überblick

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