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Die Bucks und Raptors nach der Serie

Die doppelte Reifeprüfung

Von Martin Gödderz
Freitag, 28.04.2017 | 11:07 Uhr
Antetokounmpo und DeRozan waren die prägenden Spieler der Playoffserie
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Die Toronto Raptors und Milwaukee Bucks mussten in Spiel 6 über ihr Limit gehen und sahen sich beide entscheidenden Aufgaben gegenübergestellt. Dabei offenbarte sich, dass die Kanadier bereits einen Schritt weiter sind. Doch macht das Mut für die nächste Runde?

Dwane Casey war amüsiert. "Ich liebe es, wenn die Leute an uns zweifeln, wenn sie wieder etwas von den alten Raptors erzählen, die in den Playoffs versagen", stellte der Raptors-Coach leicht ironisch fest, als er auf den kuriosen Spielverlauf in Milwaukee angesprochen wurde.

In der Tat sah es kurzzeitig so aus, als könnten die Zweifler an der Playofftauglichkeit von Kanadas einziger NBA-Franchise mal wieder recht behalten, als Toronto in fremder Halle mit beängstigender Nervosität einen sichergeglaubten 25-Punkte-Vorsprung verspielte und so beinahe auf der falschen Seite Teil des größten Comebacks der NBA-Playoffgeschichte wurden.

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Doch anders als in den vielen Jahren davor steckten die Raptors nicht auf. Auch nicht als Routinier Jason Terry drei Minuten vor Schluss per Dreier die Bucks-Führung besorgte und somit das beispiellose Comeback seines Teams scheinbar perfekt machte. Toronto ließ sich aber nicht beirren, schüttelte den Ballast des größtmöglichen Absturzes ab und rang sich doch noch zum Sieg. Irgendwie.

"Ich liebe unsere Zähigkeit"

Daran schloss Casey in seiner vermeintlichen Liebeserklärung an die Kritiker an, als er betonte: "Ich habe andere Teams trainiert, die am Ende komplett auseinandergefallen wären in diesem feindlichen Umfeld. Aber wir sind nicht eingebrochen. Ich liebe unsere Zähigkeit."

DeMar DeRozan äußerte sich ähnlich und meinte: "Wir wussten, dass sie noch einen Lauf starten würden. Aber wir sind einfach ruhig geblieben und haben am Ende unser Ding durchgezogen."

Nun sind gerade DeRozans Beobachtungen relativ optimistisch. Von Ruhe war im Spiel der Raptors nicht mehr viel zu sehen, als die Bucks ihr Comeback feierten. Beinahe jeder Angriff im Schlussviertel lief nur noch so ab, dass DeRozan 20 Sekunden lang den Ball hielt, ehe er selbst ungenau abschloss oder einen überhasteten Pass spielte.

Dennoch sollte Casey Recht behalten. In den beiden letzten Spielminuten vergaßen die Raptors das Gerede über ihre Nervenschwäche in den Playoffs und lieferten ihre Reifeprüfung ab, als sie das 25-Punkte-Comeback eiskalt konterten. Für das Selbstbewusstsein eines Teams gibt es kaum ein besseres Szenario.

Reife als neue Qualität in Kanada?

Diese Raptors sind weiter als noch vor einem Jahr. Sie haben gegen die Bucks vielleicht nicht immer ihren besten Basketball gezeigt, aber sie haben gleich mehrfach auf Rückschläge reagiert. Erst auf den frühen Rückstand in der Serie, nun auf das monströse Comeback.

Das spricht für eine neue Qualität in einem Team, das nach den letzten gemeinsamen Jahren in den Playoffs wichtige Erfahrungen gesammelt hat. Lowry betont dabei: "Ich glaube, dass der Unterschied in diesem Jahr der ist, dass wir älter geworden sind und mehr Erfahrung gesammelt haben. Wir sind ein anderes Team und wissen, was wir am Ende tun müssen. Wir verlassen uns nicht mehr nur auf die Offensive."

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Obwohl die Raptors ihre Erfahrung und ihre dadurch neu gewonnene Qualität am Ende gewinnbringend einsetzen konnten, eröffnet das Spiel aber auch Fragen nach dem Leistungsstand des Teams.

Die Cavaliers jedenfalls hätten eine Führung nach einem derartigen Comeback wie das der Bucks wohl nicht mehr abgegeben. Dass die Raptors abgesehen von der neu gewonnenen Erfahrung qualitativ einen großen Sprung gemacht haben, um schließlich auch vier Spiele gegen den Champion für sich entscheiden zu können, hat die umkämpfte Serie gegen die Bucks noch nicht hinreichend bewiesen.

Greek Freak verweigert Dreier

Das Finish der Raptors hatte schließlich auch zwei Seiten. Neben der eigenen Reife stand die Unerfahrenheit der Bucks. Hätte der zuvor überragende Giannis Antetokounmpo sich drei Sekunden vor Schluss nicht zu einem Dunk hinreißen lassen, sondern stattdessen den Dreier über den wesentlich kleineren Kyle Lowry versucht, hätte das Spiel auch in die Overtime gehen können.

Dass sich ein Spieler am Ende so elementar falsch entscheidet, darf nicht verwundern bei einem Team, dessen bester Spieler trotz aller Brillanz erst 22 Jahre alt ist und in dessen Starting Five zwei Rookies in einem so wichtigen Spiel starteten.

Weil sich auch die Playofferfahrung der restlichen Starter eher auf einige Minuten als Rollenspieler (Snell) sowie eine Erstrunden-Serie gegen Chicago (Giannis, Middleton) beschränkt, war die gesamte Serie für die jungen Bucks eine Reifeprüfung, welche diese mehr als beachtlich absolvierten.

Da war zum Beispiel Rookie Thon Maker, der zu Beginn der Saison nicht einmal Minuten in der Rotation von Kidd erhielt, in Game 6 aber reihenweise Würfe von DeRozan, Lowry und Co. in die Zuschauerränge blockte, oder Rookie Malcolm Brogdon, der Toronto in Spiel 5 auch fünf Dreier einschenkte.

Kidd stolz auf junge Truppe

Wenn es also einen Beweis gebraucht hat, dass diese junge Bucks-Truppe reif für die Playoffs ist, wurde er in der Serie gegen Toronto definitiv erbracht. Dementsprechend nahm sich Bucks-Coach Jason Kidd seine jungen Spieler auch gleich nach der bitteren Niederlage zur Seite, nachdem er in der Schlussphase noch auf die Championship-erprobten Veteranen um Terry und Dellavedova gesetzt hatte.

"Ich bin stolz auf mein Team und habe meinen jungen Spielern gesagt, dass ich auf Erfahrung gesetzt habe, sie aber von diesen Spielen lernen sollen. Das war heute ein wichtiger Charaktertest. Unsere Spieler haben gezeigt, dass sie sich weiterentwickeln und niemals aufgeben", offenbarte der Bucks-Oberlehrer.

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Ganz im Sinne seines Coaches zeigte sich dann auch Antetokounmpo nur kurz enttäuscht über die vergebene Möglichkeit am Ende, um gleich darauf zu verweisen, an welchen drei Dingen er in der Offseason arbeiten muss: Als Wortführer auftreten, mehr Kraft hinzugewinnen und einen richtigen Dreipunkte-Wurf entwickeln. Dass der Greek Freak sich diese drei Punkte mit Leichtigkeit antrainieren wird, dürfte schon feststehen, ebenso wie die Tatsache, dass dieses Bucks-Team mit etwas mehr Erfahrung in den nächsten Jahren noch verdammt gefährlich werden könnte.

Den ersten Teil der Reifeprüfung hat Milwaukee also trotz des Ausscheidens bestanden. Für die Raptors dagegen steht nun der ultimative Abschlusstest an. Gegen den Meister. Von LeBron James sollten die Kanadier keine Anfängerfehler erwarten.

Das Playoff-Bracket im Überblick

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