Montag, 20.03.2017

Der Endspurt der San Antonio Spurs

Den Umständen getrotzt - mal wieder

Obwohl die San Antonio Spurs das ganze Jahr über mit Verletzungen zu kämpfen haben, spielen sie nach wie vor um den Top Seed im Westen. Das Team trotzt mal wieder allen Widrigkeiten und zaubert eine "Notlösung" nach der anderen aus dem Hut. Für den Schlussspurt ist das verhinderte Elite-Lineup aber wieder fit...

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Pau Gasol? Fehlte 15 Spiele mit einer Fraktur in seiner linken Hand. Tony Parker? Hat aufgrund verschiedener Leiden bereits 17 Spiele verpasst und ist derzeit mit einem Minutenlimit versehen. LaMarcus Aldridge? Bereitete große Sorgen, als es hieß, er würde mit leichten Herzrhythmusstörungen auf unbestimmte Zeit fehlen. Auch Danny Green fehlte am Anfang der Saison für zwei Wochen, womit vier der fünf Spieler des Lieblings-Lineups von Gregg Popovich für einen längeren Zeitpunkt draußen waren. Lediglich Kawhi Leonard ist eine Konstante in der Rotation der Texaner.

"Das letzte Mal, dass wir mit unserem gewohnten Lineup gespielt haben, war die Niederlage gegen Atlanta am 1. Januar. Letzte Nacht gegen Memphis (am 18. März) war es das zweite Mal. Man kann also sagen: Wir hatten nur zwei Niederlagen mit unserer Truppe in diesem Jahr", so Popovich gewohnt sarkastisch (es waren die einzigen beiden Spiele, in denen alle fünf mitmischen durften).

Das verhinderte Elite-Lineup

Insgesamt stand das Lineup Parker/Green/Leonard/Aldridge/Gasol nur 363 Minuten auf dem Feld - also im Schnitt nur läppische 5,2 Minuten pro Abend. Kein Wunder, dass es hin und wieder etwas rostet. Das war zu Saisonbeginn nicht der Fall: In einem halbwegs fitten Zustand der glorreichen Fünf stand die Bilanz bei 18-5.

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Vor diesem Hintergrund ist es überraschend und Spurs-typisch zugleich, dass seit der Verletzung Kevin Durants bei den Warriors der Top Seed für die Jungs aus San Antonio plötzlich wieder realistisch ist. Nach dem Sieg über die Dubs vor acht Tagen (okay, es waren nur die B-Teams) waren die beiden West-Frontrunner gleichauf, zwei Tage später zog der fünffache Champion gar an Golden State vorbei.

Free-Agent-Zeugnisse: Wir sind unsere Millionen wert!
Kevin Durant war der dickste Fisch auf dem Free-Agent-Markt 2016. Er unterschrieb für 2 Jahre und 54,5 Millionen Dollar - und auch, wenn er derzeit verletzt ist, hat sich der Deal für die Dubs gelohnt
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Kevin Durant war der dickste Fisch auf dem Free-Agent-Markt 2016. Er unterschrieb für 2 Jahre und 54,5 Millionen Dollar - und auch, wenn er derzeit verletzt ist, hat sich der Deal für die Dubs gelohnt
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LeBron James war auch Free Agent, doch es war klar, dass er bei dem Cavs bleiben würde. Sein Rekord-Vertrag (3 Jahre, 100 Millionen Dollar) ist für den King natürlich angemessen
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LeBron James war auch Free Agent, doch es war klar, dass er bei dem Cavs bleiben würde. Sein Rekord-Vertrag (3 Jahre, 100 Millionen Dollar) ist für den King natürlich angemessen
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Bradley Beals Mega-Vertrag (5 Jahre, 128 Millionen Dollar) war aufgrund seiner Verletzungshistorie umstritten. Doch bis jetzt zahlt sich das Risiko für die Wizards zweifelsfrei aus (Career High von 23,2 Punkten)
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Die Raptors hielten DeMar DeRozan für 5 Jahre und 145 Millionen Dollar in Kanada. Das zahlt er ihnen mit einem Career High zurück (27,4 Punkte)
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Jon Leuer kostet nicht ganz so viel (4 Jahre, 42 Millionen Dollar), doch er entlastet den schwächelnden Andre Drummond mehr als ordentlich
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4 Jahre, 53 Millionen Dollar? Der Vertrag für Eric Gordon führte vielerorts zu Stirnrunzeln - doch der Scharfschütze trägt einen großen Teil zum Erfolg der Rockets bei
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Harrison Barnes (4 Jahre, 94 Millionen Dollar) soll der neue Franchise Player der Mavericks werden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten in der Preseason ist er auf einem guten Weg
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Das gleiche gilt auch für Seth Curry (2 Jahre, 6 Millionen) - für das Gehalt ist der MVP-Bruder ein echtes Schnäppchen
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Dewayne Dedmon (2 Jahre, 6 Millionen) hat sich bei den Spurs überraschend als Starter etabliert. Bei diesem Vertrag ein echter Steal!
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Die Miami Heat pflügen derzeit durch die Eastern Conference. Das liegt auch an James Johnson, der für ein Jahr und 4 Millionen Dollar unterschrieben hatte
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Dion Waiters (1 Jahr, 2,9 Millionen Dollar) hat keinen besonders guten Ruf - doch derzeit blüht er bei den Heat auf (15,9 Punkte, 39,1 Prozent 3FG)
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Jordan Clarkson unterschrieb zu überraschend günstigen Konditionen einen neuen Vertrag (4 Jahre, 50 Millionen Dollar) bei den Lakers. Für die Franchise hat es sich ausgezahlt
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Dwyane Wade schockte mit seinem Entschluss, sich den Bulls anzuschließen, die NBA-Welt (2 Jahre, 47,5 Millionen Dollar). Sein ganzes Können lässt er für dieses Gehalt momentan allerdings etwas selten aufblitzen
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Selbiges gilt bei Andre Drummond - für dieses Gehalt (5 Jahre, 130 Millionen Dollar) kann man ruhig mal einen Freiwurf treffen
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Ist Hassan Whiteside der Franchise Player der Heat? Sein Vertrag legt diese Vermutung nahe (4 Jahre, 98 Millionen Dollar). Derzeit führt er die Liga in Rebounds an (14,1) und legt ein Career High in Punkten auf (16,5)
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Nicolas Batum soll für 5 Jahre und 120 Millionen Dollar die eierlegende Wollmilchsau in Charlotte sein - doch seine Leistungen sind nicht so konstant wie in der Vorsaison
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Auch Al Jefferson (3 Jahre, 30 Millionen) kann als Bankspieler der Pacers nur selten überzeugen
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Dwight Howard ist der neue Hometown Hero der Hawks. Doch trotz seiner 70 Millionen Dollar für 3 Jahre erinnert er nur noch vereinzelt an alte Superman-Tage
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Bevor LeBron seinen neuen Vertrag unterschrieb, war Mike Conley für kurze Zeit der Bestverdiener in der NBA (5 Jahre, 153 Millionen Dollar). Trotz eines Career-Highs in Punkten (20,0) erscheint diese Summe etwas hoch
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Al Horford nimmt bei den Celtics eine kleinere Rolle ein als zuvor bei den Hawks. Ob 14 Punkte und 6,6 Rebounds die 113 Millionen Dollar für 4 Jahre wert sind?
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Und das, obwohl es sich wie ein roter Faden durch die Saison zieht, dass sich Pop ständig etwas Neues ausdenken muss. Dabei hieß es vor der Saison noch, dass durch den Abgang von Tim Duncan und dem hohen Preis der Free-Agent-Verpflichtung Gasols die große Spurs-Stärke der letzten Jahre verloren gegangen war: Die Tiefe.

Das unerwartete Trio

Inzwischen steht jedoch fest, dass diese Sorge unbegründet war. Neben der MVP-Saison von Kawhi Leonard und der Meisterhaftigkeit von Pop sind drei Namen für den Erfolg zu nennen: Davis Bertans, Dewayne Dedmon und Patty Mills.

Bei der "Red Mamba", wie Bertans aufgrund seiner roten Haarpracht genannt wird, hat die Scouting-Abteilung der Spurs mal wieder alle genarrt. Der Lette wurde schon 2011 von den Indiana Pacers gedraftet und in Europa zwischengeparkt, wo er zunächst vom Radar der NBA-Franchises verschwand. Im letzten Sommer tauchte er dann wieder auf, als die Spurs ihn holten. Und nach einem holprigen Start samt D-League-Auftritten ist er inzwischen fester Bestandteil der Rotation und legt auf 36 Minuten hochgerechnet 13,4 Punkte, 4,5 Rebounds und 44,1 Prozent aus dem Feld auf.

Neben seiner ausgeprägten Athletik trifft er inzwischen auch den Dreier zuverlässig, obwohl ihm seit einem Kindheitsunfall der halbe Ringfinger seiner Wurfhand (!) fehlt. "Er fängt an, sich wohl zu fühlen. Er entwickelt sich noch und hat bei uns sicherlich eine gute Zukunft", freut sich Pop.

Gasol und Mills: Dynamisches Bank-Duo

Auch Dewayne Dedmonds Entwicklung verläuft in die richtige Richtung. Dessen Verpflichtung galt vor der Saison ein wenig als ein Akt des "Lückenfüllens", doch seit der Verletzung und des Comebacks Gasols ist er der Starter auf der Fünf. Als solcher spult er 21 Minuten pro Abend ab und nutzt diese - in mittlerweile 24 Spielen - für 6,4 Punkte und 7,9 Rebounds.

Was ihn besonders wertvoll macht, ist allerdings eher die Tatsache, dass Gasol als Sixth Man aufblüht und seine Leistungen seit dem 15. Februar auf 13,7 Punkte angehoben hat, obwohl er als "Reservist" weniger Minuten auf dem Hartholz steht.

Apropos Reservist. Ein Grund dafür, dass der ständige Ausfall Parkers immer wieder kompensiert wird, kommt in der Regel auch von der Bank und ist nur 1,83 Meter groß. Patty Mills spielt die meisten Minuten seiner Karriere (22) und gibt dem Team das, was Parker meistens nicht mehr liefern kann: Speed, Unberechenbarkeit im Fastbreak, freche Dreier und Überraschungsmomente. Zudem hat er im Playmaking im Gegensatz zur Vorsaison einen großen Sprung gemacht, was sicherlich auch daran liegt, dass er sich immer öfter den Court mit Gasol teilt, der beim Regie führen mehr als nur hilft.

Parker immer noch wichtig

Das sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Parker in einem fitten Zustand noch extrem wertvoll für sein Team ist. "Es enttäuscht mich für ihn, dass er in dieser Saison so selten fit ist", erklärt Pop. "In seiner Periode, in der er längere Zeit gesund war, hat er uns sehr geholfen. Er kontrolliert das Spiel, weiß, wie er die Pace steuern muss und wie er seine Teammates einsetzt."

Mit anderen Worten: Auch, wenn Parker mehr Titel hat als alle anderen Starting Point Guards der Association zusammen auf dem Konto hat (4), gehört er individuell wohl nicht mal mehr in die Top15. All das macht er mit seinem Kopf aber wieder wett und ist immer noch - neben Kawhi natürlich - der Dirigent der Mannschaft.

Und dann wäre da natürlich noch LaMarcus Aldridge. Nach der besorgniserregenden Nachricht mit seinem Herzen wurden erste Stimmen laut, dass die Spurs den Contender-Status an den Nagel hängen können, sollte er die restliche Saison ausfallen. Seine 17,4 Punkte im Schnitt sind zwar ein Karrieretiefstwert seit der Rookie-Saison. Doch was gerne übersehen wird: LMA hat sich zu einem Defensiv-Leader entwickelt.

Der L-Train ist zurück

Nach einem Sieg gegen die Wolves lobte Pop seinen Stretch-Vierer in den höchsten Tönen: "Er war unglaublich gegen Towns. Seine Defense hat es uns erlaubt, zurück ins Spiel zu finden." Der L-Train tut eigenen Aussagen zufolge die Dinge, die in der Regel nicht so beachtet werden. Das störe ihn inzwischen aber nicht mehr.

Sein Herz schlägt mittlerweile wieder im richtigen Rhythmus, auch, wenn er nach der Diagnose "Angst gehabt" habe, dass es sich um etwas Ernstes handelt.

Mittlerweile sind bis auf Dejounte Murray also alle Spieler fit und können sich für die Playoffs in Form bringen. Dass trotz des Verletzungspechs nach wie vor nur zwei Niederlagen mehr auf dem Konto stehen als bei den Dubs, würde bei jedem anderen Team als bei den Spurs, die traditionell immer eine Notlösung aus dem Hut zaubern, überraschen.

Aufgrund des gesicherten direkten Vergleichs gegen die Dubs und eines noch ausstehenden direkten Duells ist der Top Seed immer noch machbar. Pop ist das egal, da er sowieso anderen Dinge im Kopf hat: Die Defense (beste der Liga) und das Ball Movement müssten noch verbessert werden, bevor es in die Playoffs geht. Alles andere ist erstmal egal.

Die Spurs im Überblick

Thorben Rybarczik
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Thorben Rybarczik(Redaktion)

Thorben Rybarczik, Jahrgang 1992, ist seit 2015 bei SPOX.com. Der gebürtige Bremer studierte in seiner Heimatstadt Journalistik und sammelte währenddessen erste Erfahrungen im Online-Journalismus und in der Öffentlichkeitsarbeit. Bei SPOX.com Mitglied der NBA-Redaktion.

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