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NBA

Die Unvollendeten

Alle wollten sie ihn, doch keiner von ihnen bekam am Ende einen Ring
© getty

In 70 Jahren NBA gab es einige ganz besondere Spieler, die meisten von ihnen krönten ihre Karrieren mit einer Championship. Doch während mancher Rollenspieler im richtigen Team Titel anhäufte, blieben einige wenige der ganz Großen ohne den ultimativen Erfolg.

Platz 10: Reggie Miller

Finals: 0-1, 5x All-Star, 3x All-NBA-Team, Platz 2 der All Time Dreier List (2.560), Hall of Fame

Beste Saison: 24,6 Pts 3,6 Reb, 3,8 Ast, 51 FG%, 41 3P%, 87 FT%, 1,3 Stl, 0,2 Blk, 20,8 PER

Lange wurde diskutiert, ob Reggie Miller die Aufnahme in die Hall of Fame wirklich verdient hatte - vorher und hinterher. Denn ein Superstar im klassischen Sinn war Miller - trotz elf Jahren mit durchschnittlich mehr als 20 Punkten pro Spiel - nicht. Aber er war 18 Jahre lang das Gesicht einer Franchise, das Gesicht eines Bundesstaates. Uncle Reg war Indiana. Und die Definition von Clutch.

Noch vor Michael Jordan war Miller der beste Crunchtime-Scorer der NBA - und niemand fürchtete die Miller-Time mehr als die Knicks, die gleich mehrfach Opfer seiner Wundertaten wurden. Auf ewig muss sich ein Comeback in der Schlussphase mit Millers unfassbaren 8 Punkten in 8,9 Sekunden messen. Zu Recht. Und bisher ist noch jedes gescheitert.

Zum großen Wurf fehlte trotz ständigen Contender-Daseins dank Millers kalter Schnauze (25.279 Punkte) vor allem ein zweiter Star. Ein Elite-Shooter (50-40-90 Club!) reichte eben nur zur Teilnahme an den Finals, nicht für den Titel. Killer-Miller war immer der beste Spieler seines Teams, als zweite Option hätte er definitiv mehr als einen Ring gewonnen.

Leg-Kick und Trash Talk mögen die zwei Dinge sein, die Reggies Image in der Öffentlichkeit am meisten geprägt haben, im Spiel war es der Dreier. 2.560 Longballs schraubte Miller zum Liga-Rekord durch die Reusen des Landes. Bis Ray Allen kam und ihm die Bestmarke abnahm.

Platz 9: Tracy McGrady

Finals: 0-1, 7x All-Star, 7x All-NBA-Team, 2x Scoring-Champion

Beste Saison: 32,1 Pts, 6,5 Reb, 5,5 Ast, 46 FG%, 39 3P%, 79 FT%, 1,7 Stl, 0,8 Blk, 30,3 PER

Tracy McGrady ist ein Held - und eine tragische Figur zugleich. Wie konnte jemand mit seinem Talent so "wenig" erreichen? Wäre er in Toronto bei Cousin Vince Carter geblieben, wäre vielleicht alles anders gekommen. Doch nach dem Abgang zu den Magic wurde er zum Superstar und legte fast schon Kobe-Zahlen auf. Seine Postseason-Stats sind sogar besser als die der Regular Season.

Nicht umsonst sagte Bryant rückblickend, dass McGrady der beste Spieler war, gegen den er jemals gespielt hat. Nicht Jordan. Nicht LeBron. Nicht Pierce. Sondern T-Mac. Zum Glück überwiegen die Erinnerungen an die guten Zeiten und nicht an die letzten Jahre.

Unvergessen seine 62 Punkte gegen die Wizards, sein Scoring-Duell gegen Dirk (zusammen 103 Punkte!) und seine 13 Punkte in 33 Sekunden bei einem der größten Comebacks der NBA-Geschichte. Dennoch gewann McGrady in seiner gesamten Karriere nicht eine Playoff-Serie (2013 nicht berücksichtigt). Doch was verhinderte, dass sich T-Mac einen Ring an den Finger stecken konnte?

1. Pech: Star-Kollege Grant Hill kämpfte in Orlando nur mit Verletzungen, 2. Das Magic-Front-Office: Als Howard kam, wurde McGrady unter Wert nach Houston verschifft. Hill war dann übrigens wieder fit, 3. Die falschen Mitspieler: Außer Yao Ming hatte T-Mac in Houston keinen fähigen Kollegen. Er führte sie dennoch zu 22 Siegen in Serie, 4. Verletzungen: Mit dem Rücken fing es an, dann kamen die Knie. Und wie es bergab ging, schwanden auch Einstellung und Motivation, 5. Ray Allen: Der Ecken-Dreier Game 6 der Finals 2013 brachte McGrady schlussendlich um seinen Bankdrücker-Ring bei den Spurs.

Es war leider - und es tut weh, das zu schreiben - das auf eine enttäuschende Art und Weise passende Ende für eine unglaublich bitter verlaufene Karriere.

Platz 8: Dominique Wilkins

Finals: 0-0, 9x All-Star, 7x All-NBA-Team, 1x Scoring-Champion, 1x Vize-MVP, Hall of Fame

Beste Saison: 29,9 Pts, 6,5 Reb, 3,2 Ast, 47 FG%, 38 3P%, 83 FT%, 1,0 Stl, 0,4 Blk, 24,3 PER

Wer Dominique Wilkins heute mit erhabener Gelassenheit als Colour-Kommentator der Hawks erlebt, der kann sich kaum ausmalen, was The Human Highlight Reel in seiner aktiven Zeit alles mit den gegnerischen Verteidigern angestellt hat. Besonders viel Spaß hatte er dabei, ihnen ins Gesicht zu dunken.

Doch Wilkins auf seine Dunking-Fähigkeiten zu reduzieren, wäre fatal. Wer kann schon elf Saisons seine Prime nennen? Und welcher Nicht-Center hat darin auch noch jedes Jahr konstant zwischen 26 und 31 Punkten erzielt? Das war keine rhetorische Frage. MJ, A.I., The Logo und Nique. Das war's.

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Der Osten war zu Wilkins bester Zeit bockstark. Er musste gegen Birds Celtics, Isiahs Pistons und MJs Bulls antreten - und das fast ohne Hilfe. Das Beste, was er mal im Atlanta-Trikot neben sich sah, hieß Kevin Willis (1x All-NBA Third Team). Dazu Doc Rivers, Spud Webb und Moses Malone kurz vor der Rente.

Einer der Monster-Athleten der Geschichte stand daher nicht ein einziges Mal in die Conference Finals. Und obwohl Wilkins Zeit seines Lebens mit dem Stigma zu kämpfen hatte, ein Ego-Zocker zu sein, blieb ihm oftmals keine andere Wahl. Irgendjemand musste ja die Kohlen aus dem Feuer holen.

Fun Fact: 1996 spielte Nique in Griechenland und gewann mit Panathinaikos die Euroleague.

Platz 7: George Gervin

Finals: 0-0, 12x All-Star, 7x All-NBA, 2x Vize-MVP, 4x Scoring Champ, 33 Punkte in einem Viertel, Hall of Fame

Beste Saison: 33,1 Pts, 5,2 Reb, 2,6 Ast, 53 FG%, 31 3P%, 85 FT%, 1,4 Stl, 1,0 Blk, PER 24,0

Blut war nicht unbedingt vorherrschend in den Adern von George Gervin, dort dominierte eher Eis. Niemand war so cool wie Gervin - und genau deshalb wollte die NBA ihn haben. Der Iceman war einer der Gründe für die Auswahl der Spurs bei der Eingliederung der ABA 1976.

Und anschließend schaltete Gervin noch einen Gang hoch. Der dürre Shooting Guard verabscheute den Dreier, liebte aber den langen Zweier. Effizient wie kaum jemand sonst traf er aus dem heutzutage belächelten Bereich auf dem Court.

Gervin war nicht einfach nur ein Streaky Shooter, im Scoring gehört er in die Kategorie MJ/Kobe. Abend für Abend legte er mit beängstigender Quote 30 Punkte auf. Und niemand konnte ihn stoppen. Gervin perfektionierte den Finger-Roll und traf ihn selbst aus drei bis vier Metern Korbentfernung.

Obwohl San Antonio fast in jedem Jahr in die Playoffs einzog, reichte es mit dem durchschnittlichen Supporting Cast nie für eine Teilnahme an den Finals. Meist waren die Lakers schuld daran.

Doch was hängen bleibt, ist vor allem das Finale um die Scoring-Krone 1977/78: Am vorletzten Tag der Saison legte David "Skywalker" Thompson (Denver Nuggets) 73 Punkte auf und überholte Gervin. Die Antwort vom Iceman? 63 Punkte, inklusive seiner unvergesslichen 33 Zähler in einem Viertel. Er hätte übrigens 58 machen müssen, um den Scoring-Titel zu holen. Maschine.

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