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Gesucht: Das fehlende Puzzleteil

Von Raman Rooprail
Al Horford möchte mit den Boston Celtics um die Krone im Osten spielen

Die Boston Celtics haben sich im Sommer mit Al Horford einen der größeren Namen der Free Agency gesichert. Der Center sollte die Celtics endgültig zum Contender machen. Der Saisonstart verlief zwar eher holprig, doch inzwischen ist Boston halbwegs auf Kurs. Um die Cavs zu schlagen fehlt allerdings noch etwas ganz Bestimmtes.

Nachdem der letzte Buzzer ertönte, wusste jeder, wer der Held des Abends war. "Er war einfach aggressiv, hat seine Würfe versenkt und uns das gegeben, was wir von ihm brauchten", fasste Isaiah Thomas den Abend passend zusammen: "Er hat uns den ganzen Abend getragen".

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Was war passiert? Nachdem Al Horford zwischenzeitlich neun Spiele in Serie aufgrund einer Gehirnerschütterung verpasst hatte, deutete er das erste Mal an, warum Boston ihn im Sommer mit einem Maximalvertrag ausgestattet hatte.

26 Punkte, 8 Rebounds, 6(!) Blocks und 2 Steals legte Horford beim 97:92-Sieg gegen die Sacramento Kings auf. Er spulte an beiden Enden des Courts sein komplettes Programm ab.

Dominikanische Allzweckwaffe

Mit Horford ist das Spiel der Kelten ausbalancierter. In der Offensive macht er durch seinen in den letzten Jahren antrainierten Dreier (36,7 Prozent Trefferquote) und seine Beweglichkeit das Spiel breit wie kaum ein anderer Center. Schon seit Jahren konnte man bei den Atlanta Hawks beobachten, dass er im Pick-and-Pop eine gefährliche Waffe ist.

In der Defensive kommt ihm seine Mobilität zu Gute: Horfod kann Pick-and-Rolls problemlos switchen, ohne dabei vom Ballführer düpiert zu werden. Außerdem zeigt er überraschenderweise auch Fähigkeiten als Rim-Protector. Beeindruckende 2,4 Blocks legt Horford in Boston pro Spiel auf - nur vier Spieler der Liga schicken mehr Würfe an den Absender zurück.

Statistisch spielt Bostons neue Allzweckwaffe eine solide Saison, die sich von seinen früheren Spielzeiten nicht großartig abhebt. Aber die Zahlen erzählen nicht einmal die halbe Wahrheit über den Spielstil des Big Man. "Er ist überall auf dem Court zu finden, er sagt Spielzüge an und reagiert sehr schnell auf neue Spielsituationen", so Head Coach Brad Stevens.

Ungewohnte Defensivprobleme

Ohne den Dominikaner verlief der Saisonstart etwas mühsam. Der ehemalige Teamkollege von Dennis Schröder verpasste knapp die Hälfte der laufenden Saison und diesen Zeitraum beendeten die Celtics mit einer 5-5-Bilanz. Dabei gab es zwei Blowout-Niederlagen gegen die Denver Nuggets und Washington Wizards. Auch gegen die eindimensionalen New Orleans Pelicans konnte man nicht gewinnen.

Horford war in diesem Zeitraum aber nicht der einzige wichtige Ausfall. Jae Crowder, das Herz der Celtics-Defense, verpasste nahezu die gleiche Anzahl an Spielen wie sein Center-Kollege. Den Ausfall zweier Starter konnte selbst das so breit aufgestellte Team von Brad Stevens nicht problemlos auffangen. Dadurch belegt man selbst im Defensiv-Rating, der eigentlichen Stärke der C's, nur einen Platz im Mittelfeld der Liga.

Das gefällt auch Crowder nicht: "Wir müssen defensiv unangenehmer spielen und dem Gegner keine Möglichkeiten geben, sich gegen uns wohlzufühlen", sagte der Flügelspieler nach der Heimniederlage gegen Detroit.

Das alte Problem

Das ist allerdings nicht der einzige Grund, warum die Kelten seit Jahren nicht die Spitze der Eastern Conference angreifen können. Nach wie vor fehlt in Boston ein richtiger Go-to-Guy. Isaiah Thomas hat bewiesen, dass er die Rolle in Teilen ausfüllen kann, aber wenn man im Osten ganz oben angreifen will, braucht es auch auf den größeren Positionen jemanden, der im Eins-gegen-Eins für sich oder andere kreieren kann. Horford bringt zwar viele Qualitäten mit, aber ein dominierender Scorer war er in seiner Karriere noch nie.

Auch im Rebounding fehlt es in Beantown an allen Ecken und Enden. Die defensive Reboundquote von 74,3 Prozent bedeutet im ligaweiten Vergleich Rang 28, offensiv (21,6 Prozent, Rang 22) sieht es nicht besser aus. Heißt auch: Das Duell der Second-Chance-Punkte geht in der Regel an den Gegner.

Und all das, obwohl Avery Bradley, vergangenes Jahr im All-Defensive First Team, seine Rebounds pro Spiel von 2,9 auf 7,5 gesteigert hat. Darüber hinaus legt der zuvor oft nur für seine Verteidigungsarbeit gelobte Guard auch Career-Highs in Punkten und Assists auf. "Ich möchte als Two-Way-Player angesehen werden", kündigte Bradley vor der Saison seinen Plan an - und ließ eine Leistungsexplosion folgen.

Ainge noch nicht fertig

Trotzdem fehlt beim Rekordmeister ein klassischer Big Man, welcher die Drecksarbeit unterm Korb erledigt und die Zone sauber hält. Der passende Frontcourt-Partner für Horford müsste im Idealfall genau diese Aufgaben übernehmen, damit sich der Dominikaner auf seine Stärken konzentrieren und diese noch effektiver einsetzen kann. Amir Johnson fehlen für diese Aufgabe ein paar Zentimeter und mit seiner Energie wäre er eine bessere Alternative für die Bank. Kelly Olynyk und Tyler Zeller sind schlichtweg zu schmächtig und bringen nicht die defensiven Voraussetzungen mit.

Das wird auch Danny Ainge beobachtet haben und man kann sich sicher sein, dass er mit all seinen Assets und Draftpicks bis zur Trade-Deadline einen Deal auf die Beine stellen wird, der dieses Problem eventuell schon lösen könnte. Schließlich tüftelt der General Manager der Celtics schon eine halbe Ewigkeit an DEM Deal, der endlich den heiß ersehnten Superstar nach Beantown bringt.

"Ich muss aufpassen, dass wir keine unüberlegte Entscheidung treffen. Ich weiß, dass Spieler und Coaches eine schnellere Entwicklung begrüßen würden, aber wir dürfen nichts überstürzen. Wenn ein Spieler verfügbar ist, der uns auf Dauer weiterhilft, werden wir zuschlagen", sagte Danny Ainge im Sommer.

In der Zwischenzeit muss sich Boston allerdings etwas einfallen lassen, wenn sie Cleveland gefährlich werden wollen. Auch wenn LeBron und Co. in dieser Saison schon einen kleinen Hänger hatten und einmal sogar drei Spiele in Folge verloren, wirken sie sogar noch stärker als vergangene Saison. James spielt auf MVP-Niveau und kann nach dem Titelgewinn und den damit abgefallenen Druck befreit aufspielen.

Geduld Vater des Erfolgs

Allerdings gibt es auch in Boston Licht am Ende des Tunnels. Erst ein Viertel der regulären Saison ist absolviert und Horford ist vor allem durch seine Verletzung noch nicht perfekt ins System von Stevens eingebunden.

Jeder Neuzugang braucht etwas Zeit, bis er sich komplett entfalten kann. Wenn in Boston ruhig weiter gearbeitet wird und der Kader punktuell noch verstärkt werden kann, ist diesen Celtics noch einiges zuzutrauen.

Denn hinter den Cavaliers geht es im Osten durchaus eng zu, weshalb kleine Durchhänger wie zuletzt die beiden Niederlagen gegen die Raptors und Thunder kein Weltuntergang sind, um um den Heimvorteil mitzuspielen. Es gab auch schon ein direktes Duell mit dem Meister. In einem Shootout, wohlgemerkt ohne Horford, verlor man knapp mit 122:128- es fehlte nicht viel zur Überraschung.

Platz zwei - oder mehr?

Die Saison für die Boston Celtics um Al Horford verläuft erwartungsgemäß. Man hat sich nach einem schwachen Start gefangen und spielt um den Heimvorteil im Osten mit - mit einem Run ist auch Rang zwei nicht unmöglich.

Die Fans haben sicherlich auf ein noch stärkeres Celtics-Team gehofft, aber da Boston selten mit der besten Aufstellung antreten konnte, wird das wahre Potenzial dieses Teams erst in den kommenden Wochen zu erkennen sein.

Der Rekordmeister hat mit seiner Armada an Draftpicks zudem viele Möglichkeiten und könnte Cleveland im Falle eines Blockbuster-Trades schon diese Saison gefährlich werden. Bleibt dieser allerdings aus, sind die Cavs für Boston wohl kaum zu schlagen. Das entscheidende Puzzleteil fehlt dafür noch.

Al Horford im Steckbrief

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