NBA-Chef Adam Silver im Interview

"Ob man dazu auch noch Durant benötigt?"

Von Interview: Daniel Herzog
Dienstag, 11.10.2016 | 10:38 Uhr
Adam Silver (l.) hätte Kevin Durant wohl weiter lieber bei den Thunder gesehen
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Seit nunmehr zweieinhalb Jahren leitet Adam Silver die Geschicke der NBA. SPOX traf den Commissioner in Barcelona im Rahmen der Global Games zu einem Gespräch über Regeländerungen, den globalen Wandel und seine Kritik an den Golden State Warriors.

SPOX: Herr Silver, vor ein paar Wochen wurde der Chinese Yao Ming in die Hall of Fame aufgenommen, nun sprechen wir in Spanien bei den Global Games - wie sehr hat sich der Basketball verändert, seitdem sie 1992 anfingen, für die NBA zu arbeiten?

Adam Silver: Nun, der Basketball hat sich seitdem natürlich dramatisch und extrem verändert. Es ist auch kein Zufall, dass wir hier in Barcelona bei den Olympischen Spielen '92 damit angefangen haben, einen modernen Trend für NBA zu kreieren. Seitdem sind so viele großartige internationale Spieler in unsere Liga gekommen. Einer davon war natürlich Yao Ming, der die NBA auch verändert hat, wie wir in China gesehen haben. Der globale Wandel ist offensichtlich: Fast die Hälfte aller Spieler, die zum diesjährigen Draft angemeldet waren, wurden außerhalb der USA geboren. Das ist schon beachtlich. Ich glaube, man kann wirklich sagen, dass die NBA mittlerweile eine globale Liga geworden ist.

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SPOX: Sie sind nun seit ungefähr zweieinhalb Jahren Commissioner - wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung der Liga unter Ihrer Führung? Die NBA boomt derzeit enorm.

Silver: David Stern brachte mir bei, niemals zufrieden zu sein. (lacht) Natürlich bin ich glücklich über die Fortschritte, die wir bisher gemacht haben. Aber es gibt immer noch genug zu tun, um den Basketball größer zu machen - sowohl in den USA als auch global. Ich bin sehr viel unterwegs, um die Botschaft der NBA weiter zu verbreiten und ich weiß, dass es noch sehr viel zu tun gibt.

SPOX: Vor kurzem haben Sie öffentlich gesagt, das "Superteam" der Warriors sei nicht ideal für die Liga. Können Sie diese Äußerung etwas genauer ausführen?

Silver: Sagen wir es so: Ich mag Teams, die "super" sind. Aber der Begriff "Superteam" impliziert für mich eher die Zusammensetzung eines Teams. Mir ist es lieber, wenn ein Team zusammenwächst und dadurch "super" wird. Die Golden State Warriors waren schon ein ausgezeichnetes Team, weil sie gut gedraftet und ihre Spieler sehr gut entwickelt haben. Ob man zu diesem Gefüge nun auch noch Kevin Durant benötigt, ist eine andere Frage. Natürlich respektiere ich sowohl seine Entscheidung als auch die der Warriors.

SPOX: Ist ein solches Team nicht aber auch gut fürs Geschäft? Es schien zumindest so, als ob das Interesse für die Regular Season in der vergangenen Saison eher gestiegen ist, weil Golden State so gut war und den Rekord geholt hat.

Silver im Interview: "Mind blowing! Einfach nur irre!"

Silver: Das mag einerseits richtig sein. Ich möchte aber, dass in der NBA weiterhin die größtmögliche Chancengleichheit herrscht, da ich als Commissioner den Job habe, den bestmöglichen Wettbewerb zu gewährleisten. Deshalb würde ich die besten Spieler natürlich gerne gleichmäßig in der Liga verteilen. Aber wir werden sehen, was in der neuen Saison passiert. Und auch ich muss zugeben, dass ich sehr gespannt darauf bin, wie die Warriors in dieser Zusammensetzung spielen werden.

SPOX: Es wird ab der kommenden Saison außerdem einige Regeländerungen geben, vor allem die Änderungen der "Hack-a-Shaq"-Regel. Was erwarten Sie von diesen Änderungen und glauben Sie, dass dadurch das Produkt NBA für den Zuschauer interessanter wird?

Silver: Die Zuschauer werden vor allem von der Änderung der "Hack-a-Shaq"-Regel profitieren. Auf der einen Seite muss ein Spieler in der NBA natürlich in der Lage sein, Freiwürfe zu verwandeln, auf der anderen Seite ist es aber selbstverständlich keine attraktive Form von Basketball, wenn es viele absichtliche Fouls gibt. Die Regeländerung war daher ein Kompromiss aus verschiedenen Aspekten. Sie schützt letztlich davor, die letzten beiden Minuten eines Viertels für genau diese Taktik zu nutzen und gibt den Coaches so neue Möglichkeiten. Wir werden sehen, ob es sich auszahlen wird. Ich hoffe sehr, dass dadurch "Hack-a-Shaq" stark reduziert werden kann.

SPOX: Wo wir grade bei Regeländerungen sind - Dirk Nowitzki hat sich in unserem letzten Gespräch für eine Vier-Punkte-Linie ausgesprochen. Was halten Sie von dieser Idee?

Silver: Sein Boss Mark Cuban hat genau dasselbe gesagt. Jetzt weiß ich wenigstens, woher diese Idee kommt. (lacht) Warten wir es mal ab, aber ich glaube nicht, dass die NBA schon für eine Vier-Punkte-Linie bereit ist.

SPOX: Stephen Curry wäre da sicher anderer Meinung.

Silver: Ich glaube, ähnliche Diskussionen gab es auch schon damals, bevor die Drei-Punkte-Linie eingeführt wurde. Veränderungen kommen mit der Zeit, und das ist auch gut und richtig so. Aber für den Moment denke ich, dass das Spiel keine Vier-Punkte-Linie braucht und wir mit dem Basketball zufrieden sein können, den wir haben.

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