Legenden-Serie: Yao Ming

Mehr als nur ein Pionier

Mittwoch, 07.09.2016 | 12:00 Uhr
Hinter Yao Ming konnte sich selbst Shaquille O'Neal beizeiten verstecken
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In der Nacht auf Samstag wird Yao Ming gemeinsam mit unter anderem Shaquille O'Neal und Allen Iverson in die Hall of Fame aufgenommen - eine Tatsache, die viele immer noch als eine Art Marketing-Gag sehen. SPOX blickt zurück und erklärt, warum dies dem chinesischen Giganten nicht gerecht wird.

"Sagt Yao Ming: 'Ching-chong-yang-wah-ah-so!'", waren die ersten Worte, die Shaquille O'Neal im Januar 2003 in einem Interview bei FOX Sports Net an Yao Ming richtete, begleitet von Kung-Fu-artigen Gesten. Viele bezeichneten diese Aktion als rassistisch, auch Shaq selbst ruderte wenig später zurück und entschuldigte sich öffentlich.

Bei Yao selbst wäre das wohl gar nicht nötig gewesen. Der Chinese hatte kurz vor seinem ersten Matchup mit dem besten Center der Welt kein Interesse an einer Kontroverse und lieferte gar selbst die Erklärung für Shaq: "Ich denke, er hat es als Witz gemeint, aber viele Asiaten werden diese Art von Witz nicht verstehen", sagte Yao. "Ich denke, unsere Kulturen sind einfach sehr unterschiedlich."

Der Chinese, mitten in seiner ersten Rookie-Saison als erster ausländischer No.1-Pick ohne College-Erfahrung der Geschichte, wollte sich sowieso lieber auf die Partie konzentrieren. Und das gelang ihm: Als das Spiel von Yaos Rockets gegen Shaqs Lakers erst wenige Minuten alt war, hatte der Chinese den amtierenden (dreifachen) Finals-MVP bei dessen ersten drei Würfen geblockt.

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Shaq musste sich eingestehen, dass sein 2,29 Meter großer Gegenspieler niemand war, den er rumschubsen konnte wie die Shawn Bradleys oder Todd McCulloughs dieser Center-Generation. In der Nacht auf Samstag werden beide Center gemeinsam in die Basketball Hall of Fame aufgenommen.

"Überhaupt nichts in der Hall of Fame zu suchen"

Natürlich hat Yao dabei eine komplett andere Vita vorzuweisen als O'Neal oder Allen Iverson, der ebenfalls geehrt wird. Er hat keine MVP-Awards, keine Titel, keine Scorer-Kronen, hat nie die Conference Finals erreicht. Seine Karriere-Punkte (9.247 Punkte in 486 Spielen) sind äußerst wenig für einen Hall-of-Famer. Etliche Verletzungen zwangen ihn zu einer viel zu kurzen Karriere (9 Saisons).

Dementsprechend harsch wurde seine Aufnahme auch vielerorts kritisiert, als die Basketball Hall of Fame ihren 2016er Jahrgang bekannt gab. Der frühere Spieler und heutige ESPN-Experte Jalen Rose etwa sagte, dass Yao "überhaupt nichts in der Hall of Fame zu suchen" habe, und sprach damit vielen anderen aus der Seele.

Meinungen haben dürfen alle - aber diese Aussage kann nur jemand treffen, der den Sinn der BASKETBALL (nicht NBA) Hall of Fame nicht verstanden hat. Denn an Yaos Einfluss auf das Spiel kann es keinen Zweifel geben.

Kobe: "Das hat alles mit Yao angefangen"

Yao hatte einen größeren Anteil an der Globalisierung des Spiels als jeder andere, David Stern und Michael Jordan vielleicht ausgeklammert. Seit Jahrzehnten hatte die NBA versucht, sich in China zu etablieren, aber nie wirklich Erfolg gehabt - bevor Yao kam.

"Die Leute dachten damals, wir würden nur als Bücherwürmer taugen und hätten keine Chance im Sport", erinnerte sich Brian Yang, ein chinesisch-amerikanischer Schauspieler und Produzent (unter anderem von der Dokumentation "Linsanity"). "Als dann jemand wie Yao, der wie wir aussah, in der NBA zum Star wurde, hat uns das alle in einen Bann gezogen. Selbst meine Mutter, die sich eigentlich nicht für Basketball interessierte, wollte unbedingt Rockets-Spiele gucken."

Der Beweis: Rockets-Spiele, die in China gezeigt werden konnten, hatten durchschnittlich allein 200 Millionen Zuschauer aus China - das sind höhere Werte als beispielsweise beim letzten Super Bowl. Obwohl nach Yao keine weiteren Chinesen zu NBA-Stars wurden, ist der Hype dort nie abgeklungen: Über keine Sportart wird dort in den Sozialen Medien mehr geschrieben als über die NBA.

Der populärste Spieler in China war und ist seit Jahren Kobe Bryant - und die Black Mamba sagte schon 2011: "Wenn es darum geht, wer hier die Türen geöffnet, einerseits für die Profis, aber andererseits auch für die Kinder, die von einer NBA-Zukunft träumen oder generell Interesse an der Liga entwickeln - das hat alles mit Yao angefangen."

"Eine besondere Person"

Ming war ein perfekter Botschafter für den Sport, weil er trotz all des Hypes unheimlich bodenständig blieb und sich nie zu wichtig nahm - er trat beispielsweise in Werbespots auf, in denen er sich über seine eigenen Verständigungsprobleme in den Staaten lustig machte. Oder über die Vorurteile.

"Er ist eine besondere Person in der Geschichte der NBA", sagte sein früherer Coach Jeff Van Gundy kürzlich: "Er hat den Sport für China geöffnet und sich dabei jeden Tag mit Würde und Grazie präsentiert, obwohl viele Leute ihn anfänglich scheitern sehen wollten. Das hat er mit seiner Persönlichkeit und auch seinem Spiel nach und nach geändert."

Forgot about Yao?

Van Gundy ist gleichzeitig bis heute der vielleicht größte Fürsprecher von Yao als Hall-of-Famer, selbst wenn es dabei "nur" um die NBA-Karriere geht. Natürlich kennt auch er die Kritikpunkte: Nur neun Jahre in der NBA, nur die ersten beiden Jahre mit 82 absolvierten Spielen, wenig Team-Erfolg - aber das ist ihm egal.

"Die Leute vergessen, wie gut er war", sagte Van Gundy. "Ich garantiere, dass keiner von seinen Kritikern ihn so gesehen hat wie ich als Coach. Er war nach Shaq über Jahre der zweitbeste Center in der Liga. Und den nächstbesten Big Man, Dwight Howard, hat er regelmäßig wie einen Schuljungen aussehen lassen."

Tatsächlich: Zwischen 2003 und 2007 gab es regelmäßig Phasen, in denen Yao sogar wie der beste Center der Liga aussah, trotz Shaq und Tim Duncan, wenngleich dieser offiziell "Power Forward" war. Mehrfach führte er die Center beim Player Efficiency Rating an und hörte gar mit dem neuntbesten Center-PER der Geschichte auf.

Es sollte nicht sein

Er beschützte den Ring, hatte einen überraschend guten Touch für seine gigantische Statur und hatte etliche Skills, die Menschen mit seiner Größe eigentlich nicht haben sollten. Hätte sein Körper nicht so viele Probleme bereitet, was bei so einer Figur vermutlich unmöglich ist, würde heute vermutlich niemand an seiner Hall-of-Fame-Tauglichkeit zweifeln.

Einen Vergleich, den man heranziehen könnte, ist Bill Walton: Die Center-Legende schaffte nie eine ganze Saison, holte in seinen "fittesten" Kampagnen 1977 und 1986 aber Titel. In den besten Jahren von Yao war Co-Star Tracy McGrady dann derjenige, der verletzt war, und andersrum war es genauso. Es hat nicht sein sollen, das machte aber weder Yao noch T-Mac zu schlechten Spielern.

Shaq spricht Mandarin

Und wie gesagt: Yao hat da noch die eine oder andere Trumpfkarte. Die vielleicht aufschlussreichste Illustration für seinen Einfluss ereignete sich vor der Pressekonferenz, bei der der diesjährige Hall-of-Fame-Jahrgang vorgestellt wurde: Shaq begrüßte Yao mit einigermaßen einwandfreiem Mandarin und nannte ihn einen "Bruder".

Shaquille O'Neal: Ein gewaltiger Kindskopf

Es war ein weiter Weg, den Yao und auch Shaq seit ihrem ersten Aufeinandertreffen zurückgelegt haben. Kein 'Ching-chong-yang-wah-ah-so!', sondern nur gegenseitiger Respekt. Und dabei gab es vielleicht noch nie zwei unterschiedlichere Konkurrenten in der Liga als Shaq und Yao.

Denn wo Shaq nie eine Gelegenheit ausließ, auf seine eigene Exzellenz hinzuweisen, blieb Yao stets unheimlich bescheiden, obwohl er weltweit mehr Strahlkraft besaß als wohl jeder andere zu seiner Zeit. "Ich bin nur einer von 1,3 Milliarden Chinesen", sagte Yao einst. Und er meinte es so.

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