Legenden-Serie: Ben Wallace

Die zu klein geratene Abrissbirne

Von Robert Arndt
Samstag, 10.09.2016 | 16:14 Uhr
Ben Wallace ist bis heute eine absolute Kultfigur in Motor City
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Undrafted, zu klein, weggeschickt, Superstar, Meisterspieler. Ben Wallace hat in seiner NBA-Karriere alle Höhen und Tiefen erlebt. Trotz seines limitierten Könnens bleibt Big Ben als Legende der Detroit Pistons in Erinnerung. Sein Weg dorthin ist einzigartig - und wird wahrscheinlich auch einzigartig bleiben.

Kaum eine Stadt in den USA war in den vergangenen Jahren gebeutelter als Detroit. Das Herz der amerikanischen Automobilindustrie erlebte die schlimmste Zeit seit ihrer Gründung, geprägt von Zerfall, Arbeitslosigkeit und jeder Menge leer stehender Häuser. Es geschah nicht selten, dass die gefürchtete Abrissbirne anrollte.

Dennoch gibt es eine Abrissbirne, die die Bewohner von Detroit schätzen und lieben gelernt haben. Diese bestand aber nicht aus kugelförmigem Stahl, sondern aus einem überdimensional filzigen Afro. Die Rede ist von Ben Wallace. Fast ein Jahrzehnt lang war er die Seele der Detroit Pistons.

Während Chauncey Billups der Anführer in der Offense war und 2004 beim Titelgewinn gegen die mit Stars gespickten Los Angeles Lakers zum Finals-MVP ernannt wurde, war es Wallace, der das ganze Gefüge am hinteren Ende des Courts zusammenhielt und Shaquille O'Neal so hart verteidigte, wie dieser es wahrscheinlich noch nie erlebt hatte. Auch wenn sich der Einsatz nicht wirklich in Zahlen darstellen ließ, sind 10,8 Punkte und 13,6 Rebounds über fünf Spiele ein guter Anhaltspunkt für die Fähigkeiten von Big Ben. Weiß man dann auch noch noch, dass der Diesel rund 100 Pfund schwerer und fast einen Kopf größer war, erscheint Wallace' Leistung noch erstaunlicher.

Sein Spiel fußte auf mehr als dem reinen Boxscore. Seine Leidenschaft, seine Energie und der Willen, sich für seine Mitspieler aufzuopfern, ließen diverse andere Mängel wie seinen fehlenden Wurf oder die katastrophale Freiwurfquote (keine Saison über 50 Prozent) verblassen. Es waren Eigenschaften, die ihn zum unumstrittenen Publikumsliebling aufstiegen ließen. Wahrscheinlich auch deshalb, weil sich die Leute in Michigan mit seiner Einstellung identifizieren konnten.

Als Oakley ihm den Friseur austrieb

Dabei deutete in der Jugend nicht viel darauf hin, dass aus ihm einmal der wohl beste Verteidiger seiner Generation werden würde. Aufgewachsen im ländlichen Alabama als Jüngster von acht Brüdern, war der kleine Ben stets unterlegen. Er hatte genau zwei Möglichkeiten, auch mal den Ball zu bekommen: Rebounds pflücken oder den Ball stehlen.

Als Teenager weckte aber nicht nur Basketball sein Interesse. Auch im Baseball und vor allem beim Football war er äußerst talentiert. Da die Familie aber kaum Geld hatte, musste Wallace selbst bereits früh arbeiten. So verdingte er sich als Friseur und schnitt der kompletten Verwandtschaft die Haare. Auch die Nachbarn bekamen für drei Dollar einen neuen Haarschnitt.

Durch das angesammelte Geld bezahlte Wallace ein Camp von Charles Oakley, seines Zeichen einer der härtesten Verteidiger der damaligen NBA und der inoffizielle Bodyguard von Michael Jordan. Als der Teenager mit ein paar Anderen herumblödelte, rief ihn Oakley zu sich, um Eins gegen Eins zu spielen. "Charles wurde sauer und sagte uns, dass wir soft seien. Er dachte, dass wir nicht hart genug arbeiten würden", berichtete Big Ben später.

Er selbst hatte sein Talent damals noch nicht erkannt, wollte wie die meisten Jugendlichen den Ball dribbeln, seine Mitspieler einsetzen und selbst scoren. Mitspieler und Coaches waren darüber zumeist nicht erfreut. Erst die Begegnung mit Oakley sollte dies ändern.

Der Veteran wollte Wallace eine Lektion erteilen und spielte ohne Erbarmen. Doch zum Erstaunen von Oak hielt der Youngster dagegen. Selbst eine blutige Nase und eine aufgeplatzte Lippe änderten daran nichts. Oakley registrierte dies: "Ich war beeindruckt. Er wollte erst gar nicht gegen mich antreten - und machte dann ein gutes Spiel. Ich konnte das Feuer in ihm sehen." Von diesem Moment an war Wallace auf dem Radar des Mighty Oak. Er sicherte ihm sogar seine Unterstützung zu.

Keine Lust auf Football

Zur gleichen Zeit kamen viele Scouts nach Alabama, um den Teenager spielen zu sehen. Allerdings nicht auf dem Court, sondern auf dem Football-Feld. Er war groß, schnell und somit ein Defensiv-Spieler mit enorm viel Potenzial. Doch Wallace selbst hatte andere Pläne, was seinen Lebenslauf betraf: "Ich wollte Football nutzen, um auf dem College Basketball zu spielen."

Mit überschaubarem Erfolg: Ein Football-Stipendium mit der gleichzeitigen Erlaubnis, Basketball zu spielen? Das war für die Football-Coaches auf dem College ausgeschlossen. So war es Oakley, der den Kontakt zu einem Community College in Cleveland herstellte, wo Wallace Basketball spielen konnte.

Zwei Jahre hielt die Symbiose, bis Wallace beschloss, nicht mehr die nötigen Kurse zu besuchen. Ein Transfer zu einer besseren Universität war damit versperrt. Wieder musste Oakley als Retter herhalten und brachte Wallace bei dessen Alma Mater Virginia Union unter - letzten Endes ein wichtiger Karriere-Schritt: Er lernte die Wichtigkeit des Teamerfolgs.

Da bereits mehrere gute Scorer im Kader standen, opferte sich Wallace seinerseits für die Verteidigung auf und begann, die Bretter zu beherrschen. Das machte er wiederum so gut, dass er in seinem Senior Year gar zum MVP des NCAA Division II Tournaments ausgezeichnet wurde und weitere landesweite Auszeichnungen bekam. Für einen Spieler an einer so kleinen Schule alles andere als üblich.

Wallace als Shooting Guard?

Für den Draft reichte dies allerdings nicht. Im legendären Jahrgang 1996 mit Allen Iverson, Kobe Bryant oder Steve Nash fiel der Name Wallace nicht. Die Boston Celtics luden ihn dennoch zur Summer League ein. Für Coach M.L. Carr war Wallace nicht groß und stark genug, um in der NBA Power Forward zu spielen - was er ihm frei heraus ins Gesicht sagte. Er versuchte gar, den 2,06 Meter großen Hünen als Shooting Guard einzusetzen. Zum Ende des Camps wurde der Rookie schließlich gecuttet. Aus der Traum? "Ich mache Coach Carr dafür nicht verantwortlich. Ich war selbst erst dabei zu verstehen, was für ein Spieler ich sein möchte", zeigte sich Wallace im Nachhinein versöhnlich.

Der Weg nach Europa schien unumgänglich, weswegen Wallace ein Angebot aus Italien akzeptierte. Doch dann kam der Anruf von Wes Unseld, General Manager der Washington Bullets (später Wizards), der selbst das Prädikat "undersized Center" mit sich herumgetragen hatte. "Ich wurde vor ähnliche Herausforderungen gestellt wie Ben. Es löste etwas aus, als ich ihn spielen sah. Ich wusste, dass ich mehr sehen will", blickte der Hall of Famer zurück.

Wallace wurde zwölfter Mann, sah aber hinter Juwan Howard und Chris Webber kaum Spielzeit. Als C-Webb aber zu den Sacramento Kings getradet wurde und Howard mehr und mehr mit Verletzungen zu kämpfen, bot sich dem Bankdrücker endlich eine Chance. Und die nutzte er, machte mit unbändigen Einsatz auf sich aufmerksam und lieferte Double-Doubles am Fließband.

Über Orlando nach Detroit

Dennoch war nach der Saison Schluss in der Hauptstadt. Befürworter Unseld war schon lange weg und nach einer ernüchternden Lockout-Saison mit nur 18 Siegen in 66 Spielen kam es zum Roster-Umbruch. Isaac Austin, der seine besten Jahre aber auch schon hinter sich hatte, hieß das Tauschobjekt - und plötzlich fand sich Wallace im Rentnerparadies Orlando wieder.

Wieder wurde er zum Starter, wieder wusste er zu überzeugen - und wieder hatte er keine Zukunft im Team. Die Magic hatten größere Pläne und tradeten Wallace bereits nach einer Saison wieder, um mit Grant Hill und Tracy McGrady ein spektakuläres Team aufzubauen (Tim Duncan sagte ab).

Diesmal landete Wallace in Detroit. Seit Jahren Erstrundenfutter in den Playoffs, wenn man diese überhaupt erreichte. Doch diesmal war es eine arrangierte Ehe, die für beide Parteien zu einem Riesenerfolg wurde.

Seite 1: Erst Duell mit Oakley, dann die NBA-Odyssee

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