NBA: Rückblick auf die Pistons 2004

Wenn Cinderella Afro tragen würde

Mittwoch, 14.09.2016 | 16:31 Uhr
Die Pistons 2004 - ein Meister, den wenige auf dem Zettel hatten
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In der Geschichte der NBA gab es selten einen größeren Sensationsmeister als die Detroit Pistons 2004 - ein Team ohne Star, das im Kollektiv über sich hinauswuchs und in den Finals gegen seinen genauen Gegenentwurf, die Los Angeles Lakers, mit Defense dominierte. Zum 76. Geburtstag vom damaligen Head Coach Larry Brown blickt SPOX zurück auf die Entstehung eines besonderen Teams.

Es gibt in der NBA keine Gesetze, wenn man den Ausgang eines Spiels oder einer Serie voraussagen möchte. Es gibt allerdings ein paar Faustregeln. Wie zum Beispiel: "Das Team mit dem besten Spieler hat die besseren Karten." Das ist die simpelste Möglichkeit, um LeBron James' Dominanz im Osten über das letzte Jahrzehnt zu erklären.

Wenn ein Team dann auch noch die BEIDEN besten Spieler der Serie, vielleicht sogar der Welt in seinen Reihen hat, ist die Rechnung noch etwas leichter zu machen. Und genau das war 2004 eigentlich der Fall, als die Lakers mit Kobe Bryant und Shaquille O'Neal (sowie Karl Malone und Gary Payton) auf eine gewisse No-Name-Truppe aus Detroit trafen.

Die Finals würden ein Spaziergang werden, nahmen viele an - darunter auch viele Lakers. "Ich wusste, dass wir entlarvt werden würden", erinnerte sich Rick Fox später. "Ich hatte großen Respekt für die Pistons, so oft wie sie Gegner unter 70 Punkten halten konnten. Aber im Locker Room herrschte dieser Respekt bei uns nicht. Alle gingen davon aus, dass wir sie überrollen würden."

"Wir haben keinen Schiss!"

Überrollt wurde tatsächlich ein Team - allerdings nicht die Pistons. In fünf Spielen raubten sie den mit sich selbst kämpfenden Lakers den letzten Nerv und hielten den großen Gegner im dritten Spiel gar bei nur 68 Punkten - Negativ-Rekord für L.A. "Ein toller Score, wenn man Golf spielt!", ätzte Jay Leno am nächsten Tag in der Tonight Show.

Die Pistons führten zu diesem Zeitpunkt mit 2-1 und blickten danach nicht mehr zurück. Mit einem 100:87 beendeten sie die Lakers-Dynastie und machten einen der größten Upsets der NBA-Geschichte perfekt - obwohl das Ganze sie selbst kaum überraschte. "Wir haben keinen Schiss vor ihnen!", hatte Rasheed Wallace bereits vor der Serie gewohnt eloquent angekündigt.

Chauncey Billups, der trotz zuvor fehlender All-Star-Nominierung zum Finals-MVP gewählt wurde, lieferte nach dem fünften Spiel das Fazit: "Sie mögen die besseren Einzelspieler gehabt haben, aber wir hatten immer das Gefühl, dass wir das bessere Team waren."

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile - selten traf die alte Aristoteles-Weisheit (nicht Shaq!) so perfekt zu wie bei den Pistons. Und dabei begann alles mit einem glücklichen Zufall.

Big Ben: Das klassische Zubrot

Joe Dumars sah sich im Sommer 2000 mit einer Situation konfrontiert, die eigentlich kein Personaler in der NBA erleben möchte: Grant Hill, über Jahre das Gesicht der Franchise, wurde Free Agent und wollte weg. Um nicht leer auszugehen, fädelte der Pistons-GM einen Sign-and-Trade-Deal mit den Magic ein, der Hill nach Orlando schickte.

Als Gegenwert kamen in Chucky Atkins der Spieler, auf den Dumars es abgesehen hatte, sowie einer, den der GM nur als Zubrot angesehen hatte. Erst später würde er erkennen, dass er in dem unscheinbaren und zu klein geratenen Center Ben Wallace einen Hauptgewinn bekommen hatte.

Ben Wallace: Die zu klein geratene Abrissbirne

Wallace demonstrierte schon in seiner ersten Pistons-Saison mit 13,2 Rebounds und 2,3 Blocks, dass ihm zuvor nur eine echte Chance gefehlt hatte. Detroit gewann dennoch nur 32 Spiele und ließ daher Coach George Irvine ziehen - sein Nachfolger hieß Rick Carlisle.

Geschichte wiederholt sich

In der nächsten Saison zeigte die Formkurve bereits deutlich nach oben. Wallace wurde erstmals Defensive Player of the Year - und Detroit zog nach 50 Siegen in der Regular Season in die Conference Semifinals ein. Dort war gegen Boston zwar Endstation, der Sommer wurde jedoch erneut zum unscheinbaren Hauptgewinn.

Erneut bekam Detroit etliche Spieler "unter Wert" wie einst Wallace: Mehmet Okur, ein Zweitrundenpick aus dem Vorjahr, wurde aus Europa nach Detroit gelotst und überraschte dort alle mit seinem guten Wurf und solidem Rebounding. No.23-Pick Tayshaun Prince fiel den Pistons nur aufgrund seiner schmalen Statur in die Hände - und dann war da auch noch Chauncey Billups.

Der No.3-Pick von 1997 hatte in bis dahin fünf NBA-Jahren bereits für vier Teams gespielt, konnte sein Potenzial aber weder in Boston, noch in Toronto, Denver oder Minnesota konstant abrufen. Er galt als "Journeyman", insofern überraschte es, als Dumars ihm einen Sechsjahresvertrag über 35 Millionen Dollar anbot. Ähnlich wie bei Wallace sollte es sich lohnen.

Kein Vorwurf - trotz Darko!

Dumars hielt aber auch danach nicht die Füße still. Unter anderem tradetete er seinen Topscorer der letzten Jahre, Jerry Stackhouse, nach Washington - im Gegenzug kam unter anderem ein schmaler Shooting Guard nach Detroit, der in Washington aufgrund des MJ-Comebacks entbehrlich geworden war.

Innerhalb von nur einem Sommer hatte Dumars in Prince, Billups und diesem Guard namens Richard Hamilton drei der fünf Spieler geholt, die in den Finals 2004 die Starting Five der Pistons bilden würden. Da sei es ihm verziehen, dass er nach der Saison 2002/03 (Endstation: Conference Finals) seinen No.2-Pick für Darko Milicic verschwendete.

Dabei war der heutige MMA-Fighter Milicic gar nicht der heißeste Neuzugang des Sommers 2003. Obwohl es damals viel Kritik dafür gab, wurde Rick Carlisle von Hall-of-Famer Larry Brown auf der Trainerbank ersetzt.

Play the right way!

Carlisle hatte in seinen beiden Jahren in Detroit jeweils 50 Siege geholt und in den Playoffs nacheinander die zweite und dritte Runde erreicht. An Referenzen fehlte es ihm also nicht - allerdings soll der heutige Mavs-Coach eine schwierige Beziehung zu den Besitzern des Teams geführt haben.

Also kam Brown, der ironischerweise noch in den Playoffs zuvor mit seinen Sixers gegen Detroit verloren hatte. Und trotz der anfänglichen Kritik erwies sich diese Verpflichtung als weiser Schritt. Mr. "Play the right way" legte den Fokus noch mehr auf Defense und brachte sein Team dazu, die Gegner bei lächerlichen 84,3 Punkten pro Spiel zu halten.

Detroits Spiele waren nicht immer sehenswert und ihre defensive Dominanz führte später sogar zu einigen Regeländerungen, um den Basketball wieder offener und unterhaltsamer zu gestalten. Den Pistons war das 2003/04 aber natürlich egal, als sie mit 54 Siegen ihre beste Saison seit 1997 hinlegten. Zumal sie vor den Playoffs sogar noch einen weiteren Trumpf bekamen.

Sheed als Zünglein an der Waage

Vom Namen her passte Rasheed Wallace eigentlich kaum rein in diese verschworene Truppe von Aussortierten. An seinem Talent wurde nie gezweifelt, anders als bei Billups, Wallace und mit Abstrichen auch Hamilton. Allerdings hatte er seinen Marktwert mit Technischen Fouls und anderen Eskapaden dermaßen gedrückt, dass sich Dumars im Februar auf einmal eine riesige Chance bot.

Die Pistons waren schon zuvor stark - aber ob es gegen Teams wie die Timberwolves, Pacers, Spurs, Kings oder natürlich die Lakers in einer Serie reichen würde, wurde bezweifelt. Mit einem motivierten Sheed jedoch sähe die Rechnung schon anders aus. Insofern wurde Dumars erneut kreativ und lotste Mr. "Ball don't lie!" in einem 3-Team-Trade nach Motown, nur 10 Tage, nachdem Wallace von den Blazers nach Atlanta geschickt worden war. Nun war die Starting Five endlich komplett.

Pistons-Offseason: Immer mit der Ruhe

Was dann passierte, ist bekannt. Nacheinander setzten sich die Pistons in den Playoffs gegen Milwaukee, New Jersey, Indiana und die LakeShow durch, wobei sie überraschenderweise mit den Nets die größten Probleme hatten. Auch Jason Kidd und Co. konnten die neuen "Bad Boys" aber nicht aufhalten.

Dumars verliert sein Händchen

"Deeetroit Basketball" war seit 1990 erstmals zurück an der Spitze - und hielt sich dort auch noch in den kommenden vier Saisons. 2005 reichte es für die Finals, in den folgenden drei Jahren noch für die Conference Finals (insgesamt sechsmal in Folge!), obwohl Meistercoach Brown schon 2005 das Weite suchte und durch Flip Saunders ersetzt wurde.

Das Team wahrte seine Malocher-Identität, obwohl sich die individuellen Auszeichnungen häuften - allerdings verpassten sie irgendwann den Anschluss, weil Dumars sein goldenes Händchen verlor. Während die Celtics, Cavs oder Heat im Osten an die Tür klopften, scheiterte Detroit mit namhaften, aber kurz vorm Karriereende stehenden Verpflichtungen wie Allen Iverson und Chris Webber.

In Vergessenheit geraten?

Das Team fiel langsam auseinander, bis von 2009-2015 in jedem Jahr die Playoffs verpasst wurden. Vielleicht auch deshalb sind die Pistons heute fast in Vergessenheit geraten und werden viel zu selten genannt, wenn es um die besten Teams der letzten beiden Jahrzehnte geht.

Ihr Erbe ist dennoch intakt: Detroit zeigte 2004 der ganzen NBA, was man mit Teamwork, beinharter Defense und natürlich auch einem Quäntchen Glück erreichen kann - selbst dann, wenn man nicht die meisten Trikots verkauft.

"Es geht um die Spieler", hatte Brown nach dem Titelgewinn gesagt, nach 21 Jahren als Profi-Coach. "In diesem Sport geht es darum, dass die Spieler 'the right way' spielen. Wir haben den Kindern gezeigt, dass man Erfolg haben kann, wenn man als Team zusammenarbeitet. Das ist gut für unseren Sport."

Alles zu den Detroit Pistons

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