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Entscheidung vertagt

Donnerstag, 04.08.2016 | 13:23 Uhr
Russell Westbrook hat von jetzt an ein Team: Sein Team.
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Russell Westbrook hat ein Zeichen gesetzt, indem er bei den Oklahoma City Thunder seinen Vertrag verlängerte. Kurzfristig wird der Point Guard individuell völlig durchdrehen - doch der wahre Wert seines Verbleibs wird sich erst langfristig zeigen.

Knapp einen Monat ist es her, dass Kevin Durant die NBA mit seinem Wechsel nach Golden State erschütterte. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte, verlagerte sich die Aufmerksamkeit schnell auf seinen ehemaligen Best Buddy, schließlich drohte den Thunder im kommenden Sommer mit Russell Westbrook das gleiche Szenario.

Einen Superstar ohne Gegenwert zu verlieren ist eine Katastrophe, aber gleich zwei in Folge? Das hätte der junge NBA-Standort Oklahoma City wohl kaum verkraftet. Die Gerüchteküche lief heiß, als TNT-Mann David Aldridge vermeldete, es gebe "keine Chance", dass Westbrook vorzeitig in OKC verlängern würde.

Westbrook zu den Lakers? Den Celtics? Zu irgendeinem anderen Team? Die Möglichkeiten schienen unbegrenzt.

Die Spannung stieg auch deshalb, weil Russ sich überhaupt nicht in die Karten schauen ließ. Einen Monat lang gab es kein Statement zu "Verräter" KD, keine Aussagen zu seiner eigenen Zukunft, kein gar nichts. Tweets mit seinem Slogan "WHYNOT?" waren lange Zeit das Höchste der Gefühle.

Verdien-Potenzial optimiert

Bis Russ am Mittwoch aus dem Nichts bewies, dass er immer noch zu seinem eigenen Beat tanzt. Westbrook hat sich mit den Thunder auf einen neuen Vertrag geeinigt und ihn noch am Donnerstag unterschreiben. Teammate Enes Kanter bestätigte die Einigung bereits, indem er sich bei Twitter über Lakers-Fans lustig machte, die auf einen Deal gehofft hatten.

Drei Jahre, mehr als 85 Millionen Dollar, eine Spieler-Option für 2018/19, das sind laut The Vertical die Rahmendaten des neuen Vertrags. Westbrook steigt damit zu einem der Topverdiener der Liga auf. 26,5 Millionen Dollar soll er in der kommenden Saison verdienen, was einer Steigerung von fast 9 Millionen zu seinem bisherigen Jahresgehalt entspricht.

Noch besser für Westbrook: Er kann deutlich mehr verdienen, dank seiner Option aber im Sommer 2018 schon wieder Free Agent werden. Dann hat er genau zehn Jahre in der Liga hinter sich und kann einen prozentual noch größeren Teil des Salary Caps einnehmen. Russ maximiert so nicht nur sein Potenzial als Verdiener, er wahrt auch Flexibilität.

Das ist allerdings nur der finanzielle Aspekt, der nicht wirklich als Haupt-Priorität von Westbrook gelten kann. Ihm ging es mindestens ebenso sehr darum, ein Zeichen zu setzen.

Relevant auch ohne Durant

Nach KDs Abgang wurde stellenweise schon vom Ende der Thunder geschrieben. Wer Westbrooks Ehrgeiz kennt, wird davon ausgehen, dass ihn das mächtig gewurmt hat. Er gehört zu der Sorte Spieler, die davon überzeugt sind, ein Team im Alleingang relevant zu halten. Kurzfristig wird er genau das versuchen.

Sein Supporting Cast kann sich sehen lassen: Steven Adams ist erst 23 Jahre alt und auf dem besten Weg, ein Top-5-Center in der Liga zu werden, sollte er nicht schon so weit sein. Neuzugang Victor Oladipo konnte sein großes Potenzial in Orlando bisher nur andeuten, sollte aber eine konstantere Option sein als Vorgänger Dion Waiters. Kanter ist offensiv eine Waffe, Rookie Domantas Sabonis ein allem Anschein nach großes Talent und Andre Roberson ist ein Biest in der Defense. Dazu kommen mit Cameron Payne und Alex Abrines noch zwei weitere vielversprechende Spieler.

Sie alle sind jünger als der 27-jährige Westbrook. Klar ist aber auch, dass viele von ihnen speziell dafür geholt wurden, KD und Westbrook zu unterstützen und die Stärken beider Stars zu komplementieren. Jetzt werden viele Spielanteile, Würfe und Minuten neu verteilt. Eins sollte jedem klar sein: Gerade zu Beginn wird es in vielen Spielen eine One-Man-Show geben.

Noch einmal Topscorer?

Das gab es schon einmal: In Saison 2014/15 trumpfte Westbrook in 40 Spielen ohne den verletzten Durant auf. Damals legte er im Schnitt 30,7 Punkte, 9,1 Assists und 7,7 Rebounds auf und wurde am Ende Liga-Topscorer. Die Thunder verpassten knapp die Postseason.

Allerdings hat Westbrook heute ein stärkeres Team seiner Seite. Eine Playoff-Teilnahme ist absolut realistisch. Wer gerne Wetten abschließt, ist mit dem Pferd "Westbrook Topscorer 2017" auch nicht übel beraten. Natürlich hat man in OKC nach vier Conference Finals in sechs Jahren höhere Ambitionen, aber auch dafür ist diese Verlängerung langfristig extrem wertvoll.

Kommt Griffin nach Hause?

Mit Oladipo, Adams und Roberson haben die Thunder drei Spieler, die im kommenden Sommer Restricted Free Agents (RFA) werden und bezahlt werden wollen. Insbesondere Oladipo und Adams hoffen wohl auf Maximal-Verträge. GM Sam Presti kann sich nun ohne Angst vor einem Westbrook-Abgang auf diese Verhandlungen konzentrieren.

Offenbar hat OKC aber auch noch ganz andere Ideen. Wie The Vertical berichtet, wollen die Thunder im kommenden Sommer auch in der Free Agency aktiv werden. Ein Name, der schon häufig genannt wurde und auch jetzt im Zusammenhang mit Westbrooks Verlängerung wieder aufkam, ist der von Blake Griffin, der Unrestricted Free Agent wird und gebürtig aus Oklahoma stammt. Natürlich garantiert es nichts, aber OKC ist mit Westbrook eine deutlich reizvollere Destination für Griffin.

Indem sie die relativ niedrigen Cap-Holds ihrer eigenen RFAs nutzen und ihnen erst dann fette Verträge vorsetzen, wenn Griffin unter Vertrag steht, wie es San Antonio mit LaMarcus Aldridge und Kawhi Leonard machte, könnte OKC am Ende tatsächlich mit einem Kern aus Westbrook, Oladipo, Griffin und Adams dastehen. Das klingt schon fast nach einem Superteam...

Garantien gibt es keine

Viel Theorie, viel Spekulation. Womöglich müssen Kanter und sein dicker Vertrag (17 Mio. nächste Saison) per Trade veräußert werden, um die Szenarien mathematisch wirklich realisieren zu können. Aber so wird in Oklahoma gedacht - und das ist auch richtig so.

Bei aller Euphorie um Russ' Verlängerung ist auch klar: Sie bedeutet nicht, dass OKC jetzt die Füße hochlegen kann. Im Gegenteil. Es gibt keine Garantien und höchstwahrscheinlich ist Westbrook schon 2018 wieder ein Free Agent.

Ohne es beschreien zu wollen: Schon im nächsten Sommer wird Presti sich wieder der Stress-Situation stellen müssen, die er nun kurzfristig bewältigt hat. Deswegen muss der GM seinem verbliebenen Superstar bis dahin zeigen, dass er auch ohne KD ein Team aufbauen kann, das den übermächtigen Warriors im Westen auf Dauer gefährlich wird.

Russell Westbrook im Steckbrief

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