Montag, 16.05.2016

Die Raptors nach Game 7

Der Held aus der zweiten Reihe

Dank einer beeindruckenden zweiten Halbzeit ziehen die Toronto Raptors in die Eastern Conference Finals ein. Mit Bismack Biyombo haben Kyle Lowry und DeMar DeRozan die nötige Unterstützung. Zudem dominieren die Kanadier nach Belieben die Bretter - auch, weil sich Erik Spoelstra mit seinem Small Ball diesmal verzettelt.

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Das dritte Viertel war gerade voll im Gange, als Bismack Biyombo im Pick'n'Roll mustergültig von Kyle Lowry bedient wurde, zum Dunk abhob und das ohnehin schon unglaublich laute Air Canada Centre per Dunk zum Zerbersten brachte. Im Gegenzug zog Joe Johnson zum Korb, probierte den Leger, wurde fies von Biyombo abgeräumt und kassierte den Finger Shake. Im anschließenden Fastbreak traf dann auch noch DeMarre Carroll einen Dreier zum 67:56 - "Jurassic Park goes crazy", merkte ESPN-Kommentator Mike Breen passend an.

Biyombo und Carroll. Zwei Spieler, die auch in Game 7 im Schatten vom überragenden Backcourt-Duo Lowry/DeMar DeRozan standen, ohne die dieser überzeugende 116:89-Erfolg aber trotzdem nicht möglich gewesen wäre. Sie taten all die kleinen Dinge, die in einem solchen Do-or-Die-Spiel gebraucht werden: Rebounds holen, Loose Balls hinterher hechten, den ohnehin schon geschundenen Körper in der Defense opfern. "Bismack war sensationell. Er hat 16 Rebounds geholt, keine Ahnung wie viele Blocks. Aber so ist das bei uns. Wenn ein Mann ausfällt (Valanciunas), ist ein anderer da", erklärte Lowry.

Analyse und Re-Live zum Raptors-Sieg

Und spätestens, nachdem es Biyombo nach einem kleinen Comeback-Versuch der Heat aus einer ähnlichen Situation erneut krachen ließ, war den Gästen vom South Beach der Frust ihrer Unterlegenheit anzusehen: Josh McRoberts ließ sich zu einem groben Foul an Biyombo hinreißen, für das er zurecht ein "Flagrant I" kassierte. Die "Hack-a-Biyombo"-Versuche wenige Minuten später waren dann die letzte Verzweiflungstat, die gegen diese Kanadier aber ohne Wirkung blieb.

"Haben nie an ihnen gezweifelt"

Denn dank eines grandiosen Schlussabschnitts (30:11) waren die Raptors längst in einem Siegestunnel - in den sie zuvor vor allem aufgrund der überragenden Leistung von Kyle Lowry mit Lichtgeschwindigkeit hinein gefahren waren. Der Raptors-Guard hatte sich nach einem schwachen Playoff-Start ohnehin gesteigert, doch spätestens diese 35-Punkte-Performance in einem siebten Spiel dürfte viele Kritiker verstummen lassen.

Lowry ging als Anführer voran, strahlte unbändiges Selbstvertrauen aus, nutzte jede sich bietende Wurfgelegenheit, um abzudrücken (5/7 Dreier). Mit 9 Assists vergaß er - wie gewöhnlich - auch seine Mitspieler nicht, die sich von seinem Feuer anstecken ließen und wie Lowry endgültig bewiesen, dass sie die Leistungen aus der Regular Season bestätigen können.

Das gilt auch für DeRozan (28 Punkte, 8 Rebounds), der zwar nach wie vor nicht seinen besten Rhythmus hat, dessen Drives und Abschlüsse aus der Halbdistanz aber von Spiel zu Spiel stabiler werden."Es ist zwar ein Klischee, wenn ich das sage. Aber wir haben nie an Kyle und DeMar gezweifelt", versicherte nach dem Spiel Head Coach Dwane Casey.

Spoelstra zu starrsinnig?

Dieser entschied sich wieder dafür, den verletzten Center Jonas Valanciunas klassisch durch Backup Biyombo zu ersetzten, während sein Gegenüber Erik Spoelstra an seiner Small-Ball-Variante festhielt. Mit Justise Winslow auf der Fünf hatte er damit in Spiel 6 noch Erfolg gehabt - doch nun muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, zu starrsinnig an diesem Lineup festgehalten zu haben.

Denn die körperliche Überlegenheit der Raptors an den Brettern war kaum zu kompensieren. Das Rebound-Duell ging mit 50:30 an die Hausherren, die sich allein 20 (!) Abpraller am offensiven Brett sicherten (Miami: 7). Zudem nutzten Lowry und DeRozan das Fehlen eines gegnerischen Big Man immer wieder eiskalt aus, um im Pick'n'Roll locker aus der Halbdistanz abzudrücken.

Da bleibt die Frage, wieso Udonis Haslem nur 30 Sekunden Spielzeit sah und Amar'e Stoudemire gar nicht zum Einsatz kam. Den Raptors wird es ohnehin egal sein: "Im Gegensatz zum letzten Spiel haben wir heute groß gespielt, sie sind klein geblieben. Unsere Big Men haben das ausgenutzt", so Casey.

"Sie waren uns komplett überlegen"

Darüber hinaus überzeugten die Kanadier mit einer Tugend, die man von ihnen normalerweise nicht gewohnt ist: Sie streuten immer wieder den Fastbreak ein (16:6 Fastbreak-Punkte). Auch hier agierte Lowry als Antreiber, der nach nahezu jedem Rebound oder Ballgewinn das Feld vor sich analysierte und in den richtigen Situationen den Schnellangriff forcierte.

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Ein Paradebeispiel war eine Sequenz im zweiten Viertel, als er zwar noch Dwyane Wade vor sich hatte, der aber mit zwei Fouls belastet war. Lowry nutzte das aus und attackierte den Veteranen, der wegbleiben musste und seinem Gegner die einfachen Punkte gewährte. "Sie waren uns heute komplett überlegen. Wir brauchen keine Entschuldigungen suchen, es hat das bessere Team gewonnen", gab auch D-Wade anerkennend zu.

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PLATZ 1: Michael Jordan - 5.987 Punkte in 179 Spielen - Chicago Bulls
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Dieser erwischte mit 16 Punkten und 6 von 13 aus dem Feld einen durchschnittlichen Abend, er wurde aber auch hervorragend verteidigt. Über weite Strecken des Spiels übernahm Carroll die Aufgabe gegen "Flash" - und ihm gelang es, diesen meist vor sich zu halten und zu Abschlüssen aus der Distanz zu zwingen. "Dwyane Wade ist ein Hall-of-Famer. Er (Carroll) hat ihn großartig verteidigt, ihn vom Korb weggehalten mit allem, was er hat", lobte Casey.

Die Cavs warten schon

Nebenbei betonte Torontos Coach übrigens, dass seine Franchise trotz der ersten Teilnahme an den Conference Finals noch nicht da sei, wo man hinwolle: "Die Spieler und die Organisation haben sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Aber ich kann nur betonen: Wir sind noch nicht auf dem Zenit."

Auf dem Zenit seines Könnens muss sein Team aber agieren, wenn die Raptors es ab Mittwoch mit den Cleveland Cavaliers zu tun bekommen, die sich das 7-Spiele-Spektakel nach zwei Sweeps in Ruhe anschauen konnten. Oder um es mit den Worten Lowrys zu sagen: "Sie hatten eine Woche Zeit, um uns entspannt zuzuschauen. Ich denke, sie haben es genossen und wissen jetzt genug über uns. Unter anderem, dass alles möglich ist, wenn wir unser Ding durchziehen."

Der Spielplan im Überblick

Thorben Rybarczik

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