Samstag, 28.05.2016

Cavs und Raptors nach Spiel 6

Könige für eine Nacht

Die Cleveland Cavaliers zeigten in ihrem bisher wichtigsten Spiel der Saison ihre vielleicht beste Leistung, wobei gerade LeBron James auf den Punkt da war. Nach dem Spiel gab es ausschließlich Respekt füreinander. Bleibt James nur der König in Kanada oder krönt er sich nun auch im Cavs-Jersey zum Champion?

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Ehre, wem Ehre gebührt. Als der Mann des Spiels unmittelbar nach dem Einzug in seine sechsten NBA-Finals in Folge noch in der Arena zum Interview gebeten wurde, verstand er kaum die Frage, die ihm gestellt wurde. Das Air Canada Center war noch komplett gefüllt und die Fans feierten ihr Team auch direkt nach der frustrierend deutlichen Niederlage noch minutenlang mit lauten Sprechchören.

Diese elektrisierende Stimmung war auch LeBron James nicht entgangen. Der Mann, der zuvor fast 48 Minuten lang in beeindruckender Art und Weise demonstriert hatte, dass er auch mit 31 Jahren noch immer vor Energie und Stärke strotzt, richtete seine ersten Worte ans Publikum in Kanada.

"Hörst du das, hörst du das", fragte er ESPN-Reporterin Doris Burke, um anschließend festzustellen: "Großer Respekt an diese Fans und dieses Land. Das ist unglaublich. Ich war in meiner ganzen Karriere noch nie Teil einer solchen Atmosphäre."

James lässt Arena verstummen

LeBron James: Die besten Bilder
LeBron James Karriere begann in seiner Heimat Ohio. Mit den Cavs reichte es allerdings nicht zum Titel, sodass er 2010 nach Miami wechselte
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LeBron James Karriere begann in seiner Heimat Ohio. Mit den Cavs reichte es allerdings nicht zum Titel, sodass er 2010 nach Miami wechselte
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Zusammen mit Dwyane Wade und Chris Bosh bildete James in Miami die "Big Three"
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Der beste Basketballer des Planeten liebt nicht nur das Spiel, sondern auch das ganze Drumherum
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Wo er hinkommt, da ist die Hölle los. LeBron James, das Reporterziel Nummer eins
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Wo er hinkommt, da ist die Hölle los. LeBron James, das Reporterziel Nummer eins
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Seine sportlichen Qualitäten sind allerdings unbestritten. Schon heute gilt er als einer der größten Basketballer aller Zeiten
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Seine sportlichen Qualitäten sind allerdings unbestritten. Schon heute gilt er als einer der größten Basketballer aller Zeiten
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An Titeln mangelt es ihm auch nicht (mehr). 2012 und 2013 führte er die Heat zur Meisterschaft
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An Titeln mangelt es ihm auch nicht (mehr). 2012 und 2013 führte er die Heat zur Meisterschaft
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Insgesamt vier MVP-Trophäen hat er nebenher auch noch einsammeln können
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Insgesamt vier MVP-Trophäen hat er nebenher auch noch einsammeln können
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Auch mit der Nationalmannschaft blieb der Erfolg nicht aus. In London und in Peking gewann "The Chosen One" Gold
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Marketingtechnisch ist James mittlerweile ebenfalls die Nummer eins unter den Basketballern in den USA
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Sportstars unter sich: Dwyane Wade und LeBron James 2013 zusammen mit US-Open-Gewinner Rafael Nadal
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Auf Football hätte der 28-Jährige auch irgendwann Lust. Er hofft mindestens einmal in der NFL spielen zu können
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Auch privat läuft es für James nicht übel: Am 14. September heiratete er seine langjährige Freundin Savannah Brinson
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Den Threepeat mit den Heat verpasste er aber in diesem Jahr. Gegen San Antonio unterlag man in fünf Spielen
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Den Threepeat mit den Heat verpasste er aber in diesem Jahr. Gegen San Antonio unterlag man in fünf Spielen
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Nach der Finals-Niederlage im Juni gegen die Spurs entschied sich James dann, nach Cleveland zurückzukehren
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Nach der Finals-Niederlage im Juni gegen die Spurs entschied sich James dann, nach Cleveland zurückzukehren
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Dabei wird er auch wieder die 23, und nicht wie bei den Heat die 6 tragen
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Dabei wird er auch wieder die 23, und nicht wie bei den Heat die 6 tragen
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Beim Traum, die erste Meisterschaft nach Ohio zu holen, soll auch Kevin Love helfen
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Es waren ehrliche Worte des viermaligen MVPs, die angebracht waren angesichts einer auch nach dem Spiel faszinierenden Stimmung. In Toronto war man zurecht stolz auf ein Team, das bis zum Schluss alles gegeben hatte für den Traum von der ersten Finals-Teilnahme und am Ende trotz aller Enttäuschung mit dem größten Erfolg der Franchise-Historie in die Sommerpause entlassen wurde.

Der König von Kanada hieß letztendlich aber dennoch LeBron. Auf den Punkt lieferte der zweifache Champion seine beste Leistung in den diesjährigen Playoffs ab und schaffte es gemeinsam mit seinem kongenialen Partner Kyrie Irving sogar, die beinahe fortwährend laute Arena in Toronto über weite Phasen des Spiels ruhig zu stellen.

Still und schockiert mussten sich die Fans der Raptors ansehen, wie ihr Team vor den eigenen Augen überrollt wurde. Der Kampfgeist war nie verloren gegangen, am Ende reichte aber einfach das Talent nicht, um gegen den schier endlos andauernden Dreierregen, die Leichtigkeit im Spiel von Kyrie oder den beinahe unaufhaltsamen Zug zum Korb von James anzukommen.

Respekt von allen Seiten

Die Story des Spiels ist also schnell erzählt. Keine taktisch-feinen Kniffe, keine Schlüsselszenen am Ende. Die Cavs waren einfach 48 Minuten lang besser. "Man muss ihre Leistung neidlos anerkennen. Sie haben uns fair und deutlich besiegt. Sie sind eine äußerst talentierte Gruppe, die eine große Chance auf die Championship hat. Das wollen wir auch sein", zollte Kyle Lowry dem Gegner Respekt. Der Point Guard war im Spiel noch der einzige Dino, der es mit der Dreiershow des Kontrahenten aufnehmen konnte.

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Am Ende konnte er aber auch nur noch hilflos zusehen, wie die Cavs den Gewinn der Conference Championship in seiner Halle feierten. Von der Gegenseite kamen Worte voller Achtung zurück. "Sie haben in dieser Serie beeindruckend gekämpft. Sie sind ein extrem hartnäckiger Gegner und ein hungriges Team, das in jedem Match wirklich hart gespielt hat", betonte Cavs-Coach Tyronn Lue, der ebenso wie sein Team in den höchsten Tönen vom Gegner sprach.

Bezeichnend für jene Worte waren die Szenen, als DeMar DeRozan und Lowry unter dem großen Applaus des Publikums zwei Minuten vor dem Ende, als die Cavaliers längst mit 20 Punkten Vorsprung uneinholbar vorne waren, ausgewechselt wurden und dabei nicht nur von den eigenen Mitspielern, sondern auch von Lue, J.R. Smith oder James noch auf dem Spielfeld umarmt wurden.

Es gab selten ein Team, das sich weniger vorzuwerfen hatte nach einer Niederlage. Die Raptors mussten sich am Ende ihrer besten Saison aller Zeiten einfach einem noch besseren Team geschlagen geben. Dabei haben sie es überhaupt als einziges Team im Osten geschafft, ein Playoffspiel gegen die Cavs zu gewinnen. Alleine für diese Tatsache gebührt den Kanadiern Respekt.

Stolz aber nicht zufrieden

Während in den Gesichtern der Spieler selbstverständlich noch Enttäuschung vorherrschte, fasste Head Coach Dwayne Casey das Aus bereits gut zusammen. "Wir sollten stolz sein, aber nicht zufrieden. Wir haben noch immer einen Weg vor uns, doch der nächste Schritt ist der schwierigste von allen", beschrieb der Trainer die Situation treffend.

Jenen Schritt sind die Cavs bereits gegangen, was eng mit dem Namen LeBron zusammenhängt. Auch mit über 30 Jahren ist der King noch immer der Spieler, der den Unterschied ausmacht. Jegliche Zweifel, die während der Regular Season aufgekommen waren, sind endgültig weggewischt.

Wer die Reaktionen der Cavaliers nach dem Spiel gesehen hatte, der sah auch, dass von den einstigen Unstimmigkeiten im Team nicht mehr viel übrig war. Gleich etliche gereifte Veteranen umarmten sich mit feuchten Augen und schließlich offenbarte James mit brüchiger Stimme: "Es ist ein wirklich emotionaler Moment. Teil dieses Teams und dieser Story zu sein, ist etwas ganz Spezielles."

Lob für Irving und Love

Dabei schwärmte James vor allem von Irving und Love, wobei er betonte, dass ihm dieser Run in die Finals deutlich mehr Freude bereiten würde als der letzte, weil sein Team mit weitaus weniger Verletzungen zu kämpfen hatte. Schließlich bat er die Medienvertreter auf der Pressekonferenz auch nicht nur ihm die Fragen zu stellen, sondern auch seinen überragenden Teamkollegen.

Diese waren auch in Spiel 6 zur Stelle. Zwar stand James im Fokus, punktete selbst beinahe nach Belieben und kreierte mustergültig etliche Würfe, doch seine Kollegen trafen eben auch mal wieder extrem hochprozentig. Funktionieren die Cavs derart gut wie in diesem Spiel oder wie schon zuvor in einigen Playoffpartien, werden sie auch in den Finals nur schwer zu schlagen sein.

So haben die Cavaliers durch eine weitere höchst beeindruckende Leistung die Festung in Kanada erobert. Der Einzug in die Finals wurde entsprechend feucht-fröhlich in der Umkleide gefeiert. Nach diesem magischen Abend wartet aber schon bald der letzte Schritt für Cleveland, damit sich James auch erstmals im Cavs-Jersey zum König der Liga krönen kann. "Wir können definitiv noch besser spielen", meinte der Matchwinner im Anschluss an den Blowout-Sieg. Es klang wie eine Drohung.

Der Spielplan im Überblick

Martin Gödderz

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