Sonntag, 01.05.2016

Die Spurs und Thunder nach Spiel 1

OKC "dem Erdboden gleichgemacht“

Die San Antonio Spurs haben ein dickes Ausrufezeichen gesetzt und hilflose Thunder gedemütigt. Gregg Popovich bleibt aber auf dem Teppich, auch wenn er mit seinem Defense-Plan gegen Westbrook alles richtig gemacht hat. Kevin Durant blickt schon nach vorne.

Kawhi Leonard ließ es gegen die Thunder mehrfach krachen
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Kawhi Leonard ließ es gegen die Thunder mehrfach krachen
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Der Duden definiert das Verb "rasieren" folgendermaßen: "Bei jemandem/sich selbst die Haare mit einem Rasierapparat oder -messer unmittelbar an der Oberfläche der Haut abschneiden". Etwas weiter unten taucht allerdings noch eine weitere, umgangssprachliche Beschreibung auf: "Dem Erdboden gleichmachen; völlig zerstören, zertrümmern."

Letzteres haben die Spurs im ersten Spiel der Zweitrundenserie mit den Thunder angestellt. Wobei "rasieren" eigentlich nur bedingt passt, denn die Behandlung, der sich die Gäste aus Oklahoma City unterziehen mussten, glich eher eine Enthaarung mit Klebestreifen ohne Wachs - enorm schmerzhaft zwar, dafür aber schnell, effizient und ohne Rückstände.

"Wir hatten einen guten Tag, sie einen schlechten"

Schon nach 12 Minuten war klar: Die Texaner hatten einen dieser Abende erwischt, an denen einfach alles funktioniert. Kawhi Leonard und LaMarcus Aldridge liefen schneller heiß als ein Laptop mit kaputtem Lüfter und hatten nach dem ersten Viertel sieben Punkte mehr auf dem Konto als das komplette Thunder-Team (27:20). Und da sich auch die Kollegen des Frontcourt-Duos nicht lumpen ließen, stand mit 43 Punkten (82 Prozent FG) ein erstes Viertel im Statistik-Bogen, an das man sich noch lange erinnern wird.

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Allerdings wären die Spurs nicht die Spurs, wenn sie sich nach dieser Leistung in Euphorie verlieren würden. "Eigentlich sieht es besser aus, als es wirklich ist. Wir treffen einfach nur jeden Wurf. Wir haben einen guten Tag, sie einen schlechten - so was passiert in der NBA", erklärte Gregg Popovich noch während des Spiels dem TNT-Feldreporter Craig Sager.

Da mag er wohl recht haben. In einem Spiel der Western Conference Semi Finals jedoch, das im Vorfeld als Gigantenduell angepriesen wurde, ist das allerdings nicht alltäglich - vor allem nicht, wenn auf der Opferseite Spieler wie Russell Westbrook und Kevin Durant auflaufen.

Leonard knöpft sich Westbrook vor

Dieses Duo nämlich - so hieß es vor der Serie - werde mit seiner Athletik und Explosivität auch die beste Defense der Liga vor Probleme stellen. Denn: Mit Leonard gebe es zwar einen Elite-Verteidiger, der Durant in den Griff bekommen könne, doch wer bitte schön soll Westbrook verteidigen? Tony Parker etwa? Danny Green? Oder gar Manu Ginobili?

Gregg Popovich hatte darauf natürlich eine ganz andere Antwort und überraschte die Basketball-Welt, indem er Leonard persönlich gegen Westbrook stellte. Dieser Schachzug ging voll auf: Durch seine enorme Armspannweite konnte Leonard es sich leisten, gegen den deutlich kleineren Guard etwas abzusinken, ohne diesem einfache Würfe aus dem Dribbling zu erlauben.

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Dadurch machte er seinen minimalen Schnelligkeits-Nachteil wett und ließ Russ nur äußerst selten in die Zone penetrieren, wo er dann aber auch noch in der Lage war, seine Finger an den Spalding zu bekommen. Westbrook kam dadurch zu keinem einzigen leichten Abschluss und erzielte seine ersten Punkte erst, als Leonard eine Verschnaufpause bekam. Am Ende hatte die Nummer 0 für seine Verhältnisse lächerliche 14 Punkte auf dem Konto bei einer Trefferquote von 5 von 19 aus dem Feld.

Er selber spielte den Impact Leonards allerdings herunter: "Ich denke nicht, dass er besonders großen Einfluss hatte. Ich bin zu meinen Lieblingsspots gekommen, habe aber die Würfe und Layups nicht getroffen."

Schwaches Thunder-Spacing ...

Auch wenn er diese Meinung recht exklusiv haben dürfte, entlastet ihn die Tatsache, dass ihm seine Teamkollegen das Leben unnötig schwer machten. Das Spacing war besonders in der ersten Halbzeit eine Katastrophe, wodurch die Spurs ungestraft in der Zone ein Bollwerk errichten durften. Darüber meckerte auch Thunder-Coach Billy Donovan: "Wir haben es ihrer Defense zu einfach gemacht, da unser Spacing schwach war. Wie standen alle viel zu nah an der Zone, wenn Westbrook zum Korb gezogen ist. So konnten sie die Zone dicht machen, ohne dass wir sie bestrafen konnten."

Durant bekam es derweil mit Green als direktem Verteidiger zu tun, konnte seine Vorteile aber kaum ausspielen. Sobald er ins Dribbling ging, eilte ein zweiter Verteidiger herbei, der dem Ex-MVP das Leben schwer machte: 16 Punkte bei 6 von 15 aus dem Feld waren die Folge.

Da hatte Coach Pop doch eigentlich allen Grund, die Defense seiner Schützlinge in den Himmel zu loben, oder? Zu Green erklärte er: "Ich denke, er hat es gut gemacht." Und Leonard? "Ich denke, er hat es gut gemacht."

Die Postgame-PK der Spurs im Video

... und noch schwächere Thunder-Defense

Weniger gut war derweil auf der anderen Seite die Defense von OKC, vor allem im Pick'n'Roll. Nachdem sie verstanden hatten, dass es durchaus von Vorteil sein könnte, den Ballhandler (meistens Leonard) auf dem Weg zum Korb aufzuhalten, vergaßen sie im Gegenzug, dass es noch einen Abroller gibt. Dieser hieß meistens Aldridge und hatte in der Mitteldistanz so viel Platz, wie in kaum einem Playoff-Spiel zuvor in seiner Karriere. Seine 38 Punkte bei überirdischer Wurfquote (18/23 FG) waren da nur noch Formsache - es fehlte schließlich oftmals ein Gegner.

Die NBA-Champions der letzten 25 Jahre
1991: Chicago Bulls (4-1 gegen L.A. Lakers). Finals MVP: Michael Jordan
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1994: Houston Rockets (4-3 gegen New York Knicks). Finals MVP: Hakeem Olajuwon
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1999: San Antonio Spurs (4-1 gegen New York Knicks). Finals MVP: Tim Duncan
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"Es war einfach eine dieser Nächte", erklärte der L-Train anschließend nüchtern. "Meine Mitspieler haben mich klasse eingesetzt, da sollte man das nicht überbewerten. Es war nur ein Spiel einer ganzen Serie." Recht hat er - schließlich zählt ein Sieg mit einem Punkt Differenz letztendlich genau so viel wie dieser Blowout der übelsten Sorte.

"Wir schreien uns nicht an"

Und es dürfte zudem feststehen, dass die Spurs nicht an jedem Abend im Kollektiv die Lichter ausschießen und trotz 12-minütiger Garbage Time 60 Prozent aus dem Feld treffen werden. Und auch die Thunder werden ihre Lehren ziehen und blasen nach diesem Rückschlag kein Trübsal: "Wir sitzen jetzt sicher nicht in der Kabine und schreien uns an. Wir wissen, dass wir besser spielen müssen. Und das werden wir", versprach Durant.

Die Postgame-PK der Thunder im Video

Die gute Nachricht für ihn und sein Team in Spiel 2: Ihnen wurden beim Rasieren beziehungsweise Entwachsen bereits alle Haare rückstandlos entfernt, die Spurs müssen sich also eine neue Methode einfallen lassen, um OKC "den Erdboden gleichzumachen oder völlig zu zerstören". Gregg Popovich hat diesbezüglich aber bestimmt schon die ein oder andere Idee ...

Der Spielplan im Überblick

Thorben Rybarczik

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