Sonntag, 08.05.2016

Die Trail Blazers nach Spiel 3

Ein Champion als Lieblingsgegner

Die Golden State Warriors scheinen "Big Game Dame" schlicht und einfach zu liegen. Nach der rekordträchtigen Monster-Performance von Damian Lillard beim 120:108-Sieg gegen die Dubs schweben die Portland Trail Blazers auf Wolke sieben. Das Selbstbewusstsein für weitere Erfolge ist da. Doch was machen die Warriors?

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Schon Mitte des zweiten Viertel sah man Stephen Curry, wie er auf der Warriors-Bank sitzend die Hände vors Gesicht schlug. Vielleicht ahnte der amtierende MVP, was im Laufe des Abends noch auf sein Team zukommen sollte. Vielleicht machte es ihn verrückt, dass seine Knieverletzung ihn weiterhin vom Spielen abhielt. Oder vielleicht war das einfach nur die ungläubige Reaktion auf die Performance von Damian Lillard.

Wie Curry wurden auch Klay Thompson, Draymond Green und Co. zu Zuschauern der Dame-Show degradiert. Golden State hatte den 40 Punkten und 10 Assists von Lillard wenig entgegenzusetzen. In allerbester Curry-Manier hämmerte der 25-Jährige den Gästen 8 Dreier aus allen Lagen um die Ohren. Das reicht locker für einen Platz in den Geschichtsbüchern.

Noch nie hat ein Spieler in der Franchise-Geschichte der Trail Blazers in einem Playoff-Spiel so oft von Downtown getroffen wie Lillard. Er ist seit Clyde Drexler im Jahre 1992 der erste Trail Blazer, der 40 & 10 in einer Playoff-Partie auflegte. Und: Es ist kein Zufall, dass ihm diese Meilensteine gegen die Golden State Warriors gelangen.

Die Dubs sind Lillards Lieblingsgegner

Der amtierende Champion scheint "Big Game Dame" zu liegen. Immerhin erzielte er in den drei Heimspielen gegen die Dubs in dieser Saison durchschnittlich 43,6 Punkte. "Da gehen einem die Superlative aus", sagte Portland-Coach Terry Stotts über seinen Starspieler. "Er ist ein großartiger Kämpfer. Es stand außer Frage, dass er heute ein klasse Spiel abliefern würde."

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Nicht ganz so erfreut über Lillards Leistung waren verständlicherweise die Warriors. Besonders Klay Thompson, der die meiste Zeit die Bewachung des zweimaligen All-Stars übernahm, schaute auf der Pressekonferenz griesgrämig drein. "Wir müssen sie in der Defense mehr arbeiten lassen", gab der 26-Jährige gleich die Marschroute für Spiel 4 vor. "Heute haben sie im vierten Viertel die Dreier getroffen, die sie im letzten Spiel noch versemmelt hatten. Und das lag daran, dass wir sie in der Defense ausgelaugt hatten."

Warriors-Rollenspieler enttäuschen

Mit Stephen Curry auf dem Court würde das definitiv einfacher werden. Der 28-Jährige nahm zumindest schon mal an einer kleinen Partie zwei-gegen-zwei mit dem Trainerteam teil und fühlte sich gut. Ob ihn Warriors-Coach Steve Kerr für Spiel vier am Montag schon wieder einsetzen wird, bleibt allerdings noch fraglich.

Fakt ist: Golden State könnte den MVP gut gebrauchen.

Stephen Curry: Die Karriere in Bildern
Das Basketballspielen wurde Stephen Curry in die Wiege gelegt, schließlich war schon sein Vater Dell Curry in der NBA aktiv.
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Das Basketballspielen wurde Stephen Curry in die Wiege gelegt, schließlich war schon sein Vater Dell Curry in der NBA aktiv.
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Bereits bei seinem eher unbekannten College-Team, den Davidson Wildcats, war der Point Guard nur schwer zu stoppen. In drei Uni-Jahren legte er im Schnitt aber mehr als 25 Punkte auf
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Bereits bei seinem eher unbekannten College-Team, den Davidson Wildcats, war der Point Guard nur schwer zu stoppen. In drei Uni-Jahren legte er im Schnitt aber mehr als 25 Punkte auf
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Auch wenn ihn aufgrund seines schmächtigen Körpers viele eher kritisch sahen, hinderte das die Golden State Warriors nicht daran ihn 2009 an 7. Stelle zu draften
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Auch wenn ihn aufgrund seines schmächtigen Körpers viele eher kritisch sahen, hinderte das die Golden State Warriors nicht daran ihn 2009 an 7. Stelle zu draften
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Dort wurde er mit dem 2011 gedrafteten Klay Thompson zusammengeführt, mit dem er seitdem die Splash Brothers bildet. Logisch, dass ein Spitzname bei dem starken Shooting der beiden nicht lange auf sich warten ließ
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Dort wurde er mit dem 2011 gedrafteten Klay Thompson zusammengeführt, mit dem er seitdem die Splash Brothers bildet. Logisch, dass ein Spitzname bei dem starken Shooting der beiden nicht lange auf sich warten ließ
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Nach seinem zweiten Platz beim Rookie of the Year Award 2010 war er auch als Sophomore weiter erfolgreich. In seiner zweiten Saison gewann er die NBA Skills Challenge und zeigte, dass mit dem Ball nur wenige so gut umgehen können, wie er
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Doch gleich mehrere Knöchelverletzungen ließen Zweifel an Currys Profisport-Tauglichkeit aufkommen. In der Saison 2011/2012 konnte er nur 26 Spiele bestreiten
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Aber die Warriors glaubten an ihn und Curry unterschrieb eine Rookie-Extension über vier Jahre und 44 Mio. Dollar, die für das Team nicht ohne Risiko war. Doch in der Saison 2012/2013 folgte der endgültige Durchbruch...
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Curry wurde die Ehre zuteil, bei seinem ersten All-Star-Game direkt zu starten. Schnell zog er in der Gunst der NBA-Fans an Point-Guard-Liebling Chris Paul vorbei
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In der Postseason 2013 sorgten die Dubs für Aufsehen, als sie die Spurs um Spielmacher-Legende Tony Parker an den Rand der Niederlage brachten
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Durch seine starken Leistungen in der besten Basketballliga der Welt wurde Curry auch beim Team USA einer der wichtigsten Spieler. Zwar fehlt ihm noch Olympiagold, aber zwei Weltmeistertitel darf er bereits sein Eigen nennen
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Dass Curry der beste Distanzschütze der Association ist, stellte er beim Dreier-Contest 2015 unter Beweis. Mit 286 getroffenen Longballs in der Saison verbesserte er zudem seinen eigenen Rekord
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Im Rennen um den MVP Award setzte sich Curry mit einer bockstarken Saison gegen LeBron James und James Harden durch. Adam Silver überreichte ihm die Trophäe während der Playoffs 2015
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Auch privat läuft es für den Superstar. 2011 Heiratete er seine langjährige Freundin Ayesha Alexander...
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... 2012 kam Tochter Riley zur Welt. Und bei einigen Pressekonferenzen stahl ihm das extrovertierte Mädchen mit Leichtigkeit die Show
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Nach einer Saison mit 76 Siegen spielten sich die Warriors 2015 in die Finals, wo es zu einem erbitterten Kampf mit den Cleveland Cavaliers kam
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Am Ende siegte Golden State mit 4-2 und holte die erste Championship seit 40 Jahren nach Oakland. Andre Iguodala, der die Kreise von LeBron James enorm einengte, wurde zum Finals-MVP gekürt - und Curry freute sich mit ihm
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2015/2016 läuft noch besser: Die Warriors jagen aktuell den 72-Siege-Rekord der Bulls (1995/1996) und haben schon 59 Erfolge auf dem Konto
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In dieser Saison hat sich Curry noch einmal verbessert und schon bis Anfang März 300 Dreier eingenetzt. Und das bei einer Quote von 46 Prozent
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Auch individuell stößt Curry in neue Sphären vor: Mit 30,4 Punkten pro Spiel, einem PER von 32,2, einem True Shooting von 67,9 Prozent sowie 13,9 Win Shares ist der MVP auf dem Weg zu einer historischen Saison
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Zum besten Spieler des Planeten hat es Curry vor allem dank seines Arbeitseifers geschafft. Und die Konkurrenz hat jetzt schon Angst davor, der Chef könnte in den nächsten Jahren noch stärker werden...
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Die sonst so hochgelobte Tiefe des Kaders machte sich in Spiel drei nicht bezahlt. Keiner der Rollenspieler konnte Akzente setzen, Thompson und Green waren über die kompletten 48 Minuten nahezu allein auf weiter Flur - und dass gegen ein Blazers-Team, bei dem auch Al-Farouq Aminu und C.J. McCollum zusätzlich zum überragend aufgelegten Lillard überzeugten.

"Mein Job war es vor allem, von Beginn an aggressiv zu sein. Meistens folgt mein Team dann meinem Beispiel", erklärte der Point Guard. "Das geht aber über das Scoren hinaus. Das bezieht sich auch darauf, wie fokussiert ich bin." Ganz offensichtlich steckte Lillard seine Teamkameraden mit der richtigen Einstellung an. "Du willst nicht mit 0:3 hinten liegen. Punkt."

Selbstbewusstsein ist vorhanden

Nun haben die Trail Blazers definitiv Blut geleckt und werden damit umso gefährlicher für Golden State. Immerhin hatten sie den amtierenden Champion bereits in Spiel zwei am Rande einer Niederlage. In Spiel drei haben sie bewiesen, dass sie die Warriors auch in den Playoffs besiegen können.

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"Jetzt denken sie, dass sie uns rauswerfen können", meinte Draymond Green. "Wir wissen es aber besser. Ihr dürft einen harten Kampf in Spiel 4 erwarten und wir werden besser sein!" Portland benötigte ein fast perfektes Spiel von Aminu, eine rekordträchtige Nacht von Lillard und ein schwächelndes Warriors-Team, um den Sieg einzufahren.

Das Selbstbewusstsein, eine solche Leistung nochmals abrufen und Golden State erneut schlagen zu können, ist aber dennoch da.

Ob mit oder ohne Curry wird Portland dabei relativ egal sein. Immerhin musste in der laufenden Saison auch schon der MVP höchstpersönlich eine Niederlage im Moda Center in Portland einstecken. Man darf nicht vergessen: Die Trail Blazers sind das einzige Team in der NBA, dass die Golden State Warriors zwei Mal in dieser Saison schlagen konnte. Und wer weiß, was in den kommenden Tagen noch alles passiert ...

Damian Lillard im Steckbrief

Philipp Jakob

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