Mittwoch, 25.05.2016

Die Thunder und Warriors nach Game 4

Von der Dampflok überrollt

Zum zweiten Mal sind die Golden State Warriors chancenlos, der Nimbus der Unbesiegbarkeit ist weg. Steve Kerr sucht nach Antworten auf Russell Westbrook und Kevin Durant - aber glaubt der Meister überhaupt noch an seine Chance? Gerade Draymond Green und Stephen Curry bereiten Sorgen...

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Eigentlich hatte dieses Spiel alles, um ein echter Klassiker zu werden. Einen gereizten Champion, der alles dafür tun würde, seine 73-Siege-Saison nicht den Bach runtergehen zu sehen. Einen hungrigen Herausforderer auf der Mission, sich selbst zum Champion zu krönen. Ein frenetisches Publikum, das nach dem Tritt in Spiel 3 einen perfekten Feind hatte. Und einen Feind, der sich von derartigen Situationen bestimmt nicht beeindrucken lassen würde.

Stephen Curry hatte es vor dem Spiel noch angekündigt: "Es gibt keine andere Option für uns, als dieses Spiel zu gewinnen." Es klang fast wie eine Drohung. Wie gesagt: Die Bühne war bereit für das epische Spiel, auf das alle gehofft hatten. Für den Gegenschlag der Warriors, nachdem sie in Spiel 3 deklassiert wurden. Doch dieser blieb aus.

Das Ende des "Death Lineup"

Im Großen und Ganzen war die Partie sogar ein Spiegelbild der vorigen, von einer kurzzeitigen Explosion von Klay Thompson im dritten Viertel mal abgesehen. Zum zweiten Mal in Folge schaffte es OKC, das gefürchtete "Death Lineup" mit einer eigenen, effektiveren Aufstellung zum Kuschel-Lineup zu machen. Zum ersten Mal in dieser Saison verlor Golden State zwei Spiele in Serie.

Zum ersten Mal hinterließ ein Gegner die Warriors mit ratlosen Gesichtern. Ein sichtlich angefressener Steve Kerr diktierte nach dem Spiel in die Mikros, dass "dieses Team momentan besser spielt" als seines. "Wir müssen uns einige Antworten einfallen lassen. So einfach ist das. Zum Glück fahren wir jetzt nach Hause, dort sind wir ja normalerweise ganz gut."

Die letzte Anmerkung hatte schon etwas von Galgenhumor, ähnlich wie Kerrs Antwort auf die Frage, was die Thunder so effektiv macht: "Sie haben wirklich gute Spieler." Einen Vorwurf kann man dem Coach dafür aber kaum machen - denn wenn seine Leistungsträger so auftreten wie derzeit, hat Golden State schlichtweg keine Chance.

Draymond: "Ich war fürchterlich"

Vor der Partie stand vor allem Draymond Green aufgrund seines Taekwando-Tritts gegen Steven Adams im Fokus und wurde erwartungsgemäß permanent ausgebuht. Green lachte und winkte vor dem Spiel sogar noch in die Kamera, als er auf dem JumboTron in der Halle gezeigt wurde, um die Fans anzustacheln. Von diesem Swagger war auf dem Court dann aber überhaupt nichts zu sehen.

Green spielte teilweise wie ein aufgescheuchtes Huhn und warf allein in Halbzeit eins fünfmal den Ball weg. Zumeist von Kevin Durant verteidigt, konnte er keinerlei Einfluss auf die Offense nehmen, bei den Rebounds war er ebenfalls überfordert und konnte nicht verhindern, dass OKC beinahe mehr als ein Drittel der eigenen Fehlwürfe wieder einsammelte.

Kerr nahm ihn zwischenzeitlich runter und redete ihm gut zu, das half aber auch nicht. Green hatte in zuvor 94 Saisonspielen nie ein Plus/Minus-Rating unter -13 gehabt, in den letzten beiden Spielen waren es -43 und -30. "Ich denke, meine Energie steckt häufig mein Team an, und ich war zuletzt fürchterlich", erkannte der Forward auch an. "Ich weiß, dass ich in Spiel 5 besser sein muss."

Stephen Curry: Die Karriere in Bildern
Das Basketballspielen wurde Stephen Curry in die Wiege gelegt, schließlich war schon sein Vater Dell Curry in der NBA aktiv.
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Das Basketballspielen wurde Stephen Curry in die Wiege gelegt, schließlich war schon sein Vater Dell Curry in der NBA aktiv.
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Bereits bei seinem eher unbekannten College-Team, den Davidson Wildcats, war der Point Guard nur schwer zu stoppen. In drei Uni-Jahren legte er im Schnitt aber mehr als 25 Punkte auf
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Bereits bei seinem eher unbekannten College-Team, den Davidson Wildcats, war der Point Guard nur schwer zu stoppen. In drei Uni-Jahren legte er im Schnitt aber mehr als 25 Punkte auf
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Auch wenn ihn aufgrund seines schmächtigen Körpers viele eher kritisch sahen, hinderte das die Golden State Warriors nicht daran ihn 2009 an 7. Stelle zu draften
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Auch wenn ihn aufgrund seines schmächtigen Körpers viele eher kritisch sahen, hinderte das die Golden State Warriors nicht daran ihn 2009 an 7. Stelle zu draften
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Dort wurde er mit dem 2011 gedrafteten Klay Thompson zusammengeführt, mit dem er seitdem die Splash Brothers bildet. Logisch, dass ein Spitzname bei dem starken Shooting der beiden nicht lange auf sich warten ließ
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Dort wurde er mit dem 2011 gedrafteten Klay Thompson zusammengeführt, mit dem er seitdem die Splash Brothers bildet. Logisch, dass ein Spitzname bei dem starken Shooting der beiden nicht lange auf sich warten ließ
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Nach seinem zweiten Platz beim Rookie of the Year Award 2010 war er auch als Sophomore weiter erfolgreich. In seiner zweiten Saison gewann er die NBA Skills Challenge und zeigte, dass mit dem Ball nur wenige so gut umgehen können, wie er
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Nach seinem zweiten Platz beim Rookie of the Year Award 2010 war er auch als Sophomore weiter erfolgreich. In seiner zweiten Saison gewann er die NBA Skills Challenge und zeigte, dass mit dem Ball nur wenige so gut umgehen können, wie er
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Doch gleich mehrere Knöchelverletzungen ließen Zweifel an Currys Profisport-Tauglichkeit aufkommen. In der Saison 2011/2012 konnte er nur 26 Spiele bestreiten
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Doch gleich mehrere Knöchelverletzungen ließen Zweifel an Currys Profisport-Tauglichkeit aufkommen. In der Saison 2011/2012 konnte er nur 26 Spiele bestreiten
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Aber die Warriors glaubten an ihn und Curry unterschrieb eine Rookie-Extension über vier Jahre und 44 Mio. Dollar, die für das Team nicht ohne Risiko war. Doch in der Saison 2012/2013 folgte der endgültige Durchbruch...
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Aber die Warriors glaubten an ihn und Curry unterschrieb eine Rookie-Extension über vier Jahre und 44 Mio. Dollar, die für das Team nicht ohne Risiko war. Doch in der Saison 2012/2013 folgte der endgültige Durchbruch...
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Curry wurde die Ehre zuteil, bei seinem ersten All-Star-Game direkt zu starten. Schnell zog er in der Gunst der NBA-Fans an Point-Guard-Liebling Chris Paul vorbei
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In der Postseason 2013 sorgten die Dubs für Aufsehen, als sie die Spurs um Spielmacher-Legende Tony Parker an den Rand der Niederlage brachten
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Durch seine starken Leistungen in der besten Basketballliga der Welt wurde Curry auch beim Team USA einer der wichtigsten Spieler. Zwar fehlt ihm noch Olympiagold, aber zwei Weltmeistertitel darf er bereits sein Eigen nennen
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Dass Curry der beste Distanzschütze der Association ist, stellte er beim Dreier-Contest 2015 unter Beweis. Mit 286 getroffenen Longballs in der Saison verbesserte er zudem seinen eigenen Rekord
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Im Rennen um den MVP Award setzte sich Curry mit einer bockstarken Saison gegen LeBron James und James Harden durch. Adam Silver überreichte ihm die Trophäe während der Playoffs 2015
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Auch privat läuft es für den Superstar. 2011 Heiratete er seine langjährige Freundin Ayesha Alexander...
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... 2012 kam Tochter Riley zur Welt. Und bei einigen Pressekonferenzen stahl ihm das extrovertierte Mädchen mit Leichtigkeit die Show
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Nach einer Saison mit 76 Siegen spielten sich die Warriors 2015 in die Finals, wo es zu einem erbitterten Kampf mit den Cleveland Cavaliers kam
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Am Ende siegte Golden State mit 4-2 und holte die erste Championship seit 40 Jahren nach Oakland. Andre Iguodala, der die Kreise von LeBron James enorm einengte, wurde zum Finals-MVP gekürt - und Curry freute sich mit ihm
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2015/2016 läuft noch besser: Die Warriors jagen aktuell den 72-Siege-Rekord der Bulls (1995/1996) und haben schon 59 Erfolge auf dem Konto
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In dieser Saison hat sich Curry noch einmal verbessert und schon bis Anfang März 300 Dreier eingenetzt. Und das bei einer Quote von 46 Prozent
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Auch individuell stößt Curry in neue Sphären vor: Mit 30,4 Punkten pro Spiel, einem PER von 32,2, einem True Shooting von 67,9 Prozent sowie 13,9 Win Shares ist der MVP auf dem Weg zu einer historischen Saison
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Zum besten Spieler des Planeten hat es Curry vor allem dank seines Arbeitseifers geschafft. Und die Konkurrenz hat jetzt schon Angst davor, der Chef könnte in den nächsten Jahren noch stärker werden...
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Das wäre in der Tat wichtig, würde für sich genommen womöglich aber auch noch nicht reichen. Green ist nämlich bei weitem nicht das einzige Sorgenkind bei den Dubs - von den Fünfern etwa brachte in Spiel 4 nur Festus Ezeli Zählbares, und den attackierte Thunder-Coach Billy Donovan bereitwillig durch Hack-a-Festus. Und dann gibt es da eben auch noch Curry.

"Steph ist nicht verletzt"

Der MVP versicherte nach dem Spiel zwar, er sei "nicht verletzt", die Bilder zeigten jedoch etwas anderes. In der Defense gegen Russell Westbrook sah er aus, als hätte er Zement-Schuhe an, und auch offensiv fehlte die laterale Geschwindigkeit. Besonders deutlich wurde das, als er sich per Crossover Platz für einen Stepback-Dreier über Steven Adams verschaffen wollte - und der (humpelnde!) Neuseeländer ihn dabei blockte.

Ging er dann doch mal zum Korb, zögerte er auf ungewohnte Weise angesichts der Länge von Durant, Serge Ibaka und Adams - so kamen seine 6/20 FG (und 6 Turnover) zustande, wobei er auch einige offene Dreier versemmelte. "Steph ist nicht verletzt", schwor jedoch auch Kerr. "Er hatte einfach einen lausigen Abend. So etwas passiert, sogar den Besten."

"Ich werde besser sein", versicherte Curry nach dem Spiel dann auch. "Es ist eine schwere Situation, aber die Serie ist noch nicht vorbei. Ich denke, dass wir ein besonderes Team sind und uns nicht auf diese Art und Weise verabschieden werden."

OKC beweist erneut seine Vielseitigkeit

Die Warriors sind ein besonderes Team, das haben sie in den letzten beiden Jahren bewiesen. Aber in den letzten beiden Spielen wirkte es erstmals in dieser Zeit so, als hätten sie ihr Schicksal nicht selbst in der Hand. Es erschließt sich nicht wirklich, mit welchen Adjustierungen sie gegen diese Thunder-Maschine noch ankommen sollen. Vielleicht ist dieser Gegner tatsächlich noch "besonderer".

OKC ist in diesen Playoffs auf einer Mission, das lässt sich kaum anders sagen. In der Erstrundenserie gegen Dallas ließ man sich noch etwas auf deren Niveau runterziehen, aber dann schlug man erst San Antonio mit methodischem, langsamen Basketball - und hat nun scheinbar auch die Warriors im Sack, indem sie auf deren Tempo-Basketball einfach noch eine Schippe drauflegen. Die Vielseitigkeit dieses Teams ist unglaublich.

Durant als Defensiv-Monster

Auf Durant in der Offense hatten die Dubs auch in der Regular Season keine Antwort, aber zuletzt dominierte KD auch defensiv wie ein Kawhi Leonard im Körper eines Seven-Footers. 3 Blocks und 4 Steals häufte er in Spiel 4 an und hielt die Defense zumeist gemeinsam mit dem ebenfalls bockstarken Ibaka zusammen.

Die Energie, die KD auf beiden Seiten des Courts aufwendet, spricht Bände über den unbedingten Siegeswillen seines Teams. Exemplarisch war eine Szene im zweiten Viertel, als Green gen Korb stürmte und Durant sich eigentlich für den Blockversuch bereit machte. Green traf die richtige Entscheidung, indem er in KDs Rücken Shaun Livingston für einen Dunk bediente - aber Durant drehte sich blitzschnell um und räumte dann eben dessen Versuch ab. Mit keiner Sequenz könnte man den Unterschied in Sachen Athletik und Energie zwischen beiden Teams besser erklären.

Auch Westbrook verkörpert diesen Unterschied. In Spiel 4 hielt er meisterhaft die Balance zwischen dem eigenen Abschluss und dem Involvieren seiner Mitspieler. Fällt dann auch noch der Jumper in dieser Weise (4/8 3FG), ist Westbrook ein absolutes Monster - und legt dann eben Zahlen auf, die in der Playoff-Historie bis dahin nur Wilt, Oscar, Kareem, LeBron und Jerry West geliefert hatten.

Alles passt zusammen

Die Brillanz des Star-Duos hat auch das restliche Team endgültig angesteckt. Dion Waiters hat sich fast komplett dem Team untergeordnet, Ibaka ist wieder bei alter Stärke und Adams ist ohnehin eine Bank. Selbst Roberson ist nicht mehr nur Defensivspezialist, sondern hat seit Spiel 6 gegen San Antonio auch noch neun seiner 16 Dreier getroffen. Es hilft, wenn man das Vertrauen spürt.

Bei OKC passt zum richtigen Zeitpunkt erstmals alles zusammen. Dieses Team wirkt wie eine Dampflok, das alles, was sich in den Weg stellt, einfach gnadenlos überrollt. Ob dieses "alles" dann 67 (San Antonio) oder 73 (Siege) geholt hat, spielt letztlich auch keine Rolle mehr.

© spox

Der Spielplan im Überblick

Ole Frerks

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Ole Frerks(Redaktion)

Ole Frerks, Jahrgang 1990, ist seit 2013 bei SPOX.com. Nach dem Abitur im Jahre 2008 studierte er in Hamburg und sammelte verschiedene Arbeitserfahrungen in den Bereichen Journalismus und Online-Marketing. Bei SPOX.com Bestandteil der NBA-Redaktion, außerdem zuständig für Basketball, Tennis und Fußball.

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