Dienstag, 17.05.2016

Warriors und OKC nach Spiel 1

Kein Grund zum Zähneknirschen

Auch wenn die überhastete Warriors-Offense in Spiel 1 teilweise einen anderen Eindruck hinterlassen hat: Die Golden State Warriors haben keinerlei Grund, in Panik zu verfallen. Die 102:108-Niederlage hat vor allem bewiesen, dass sowohl bei den Thunder als auch bei den Dubs noch Luft nach oben ist - und noch keinerlei Vorentscheidung gefallen ist.

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Angriffssequenzen wie die der Warriors im vierten Viertel waren in dieser Saison bei Leibe keine Seltenheit. Schon früh in der Shotclock suchten Stephen Curry und Co. den Abschluss aus der Distanz. Hand des Verteidigers im Gesicht? Egal. Ein Fade-Away-Jumper aus der Ecke? Kein Problem. Ein Dreier vom Parkplatz? Immer gerne gesehen in der Oracle Arena.

Doch zum Entsetzen der vielen stets lautstarken Dubs-Fans war heute eine entscheidende Kleinigkeit anders als sonst: Der Spalding wollte in der Crunchtime einfach nicht durch die Reuse fallen. "Wir waren überhastet und haben einen Home Run nach dem anderen probiert", analysierte Steph Curry das Schlussviertel. "Manchmal klappt das." Aber an diesem Abend klappte es nicht.

Im vierten Viertel drückten die Warriors um Curry und Klay Thompson zehn Mal aus der Distanz ab - am Ende hatte Golden State allerdings nur eine magere Ausbeute von einem Treffer vorzuweisen. Das war natürlich viel zu wenig, um die Thunder-Defense in Verlegenheit zu bringen. "Ich glaube, wir haben ein wenig unsere Fassung verloren", so Head Coach Steve Kerr. "Das hatte eine Menge mit den schnellen Abschlüssen zu tun."

Warriors-Rezept dieses Mal ohne Erfolg

Das Rezept, das dank der unglaublichen Shooting-Qualitäten der Warriors so oft von Erfolg gekrönt war, erwies sich auch gegen Oklahoma City als Knackpunkt - nur dieses Mal in die falsche Richtung. Das lag zum Großteil aber auch an der starken Verteidigung der Gäste.

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Bei jedem Wurf hatten die Warriors eine Hand im Gesicht, OKC legte zudem eine sehr körperbetonte Gangart ans Werk und stellte damit Golden State vor Probleme. Die ohnehin schon schwierigen Würfe wurden so dank der Defense der Gäste fast unmöglich. "Wir hatten heute viel zu viele schnelle Abschlüsse", konnte sich Warriors-Coach Kerr da nur selbst wiederholen.

Alte Probleme bei den Thunder

Doch in Panik wird der 50-Jährige noch lange nicht verfallen. Immerhin hatte Golden State trotz der schwachen Vorstellung im Schlussabschnitt beste Möglichkeiten, den Sieg nach Hause zu bringen. Auch OKC offenbarte Schwächen in der Crunchtime-Offense, als Kevin Durant gleich sieben Jumper in Folge nur an den Ring setze - alle aus Isolations heraus. Auch die Thunder verfielen also in alte Muster, nur mit dem Unterschied, dass es bei ihnen noch nie wirklich gut funktioniert hatte.

Schon in der regulären Saison war das Angriffsspiel der Thunder in den entscheidenden Minuten einer Partie weder eine Augenweide noch besonders erfolgreich. Das setzte sich auch an diesem Abend in der Oracle Arena fort. Hätten die Referees zudem den klaren Travel von Westbrook in der Schlussminute abgepfiffen, wäre das Spiel vielleicht ganz anders ausgegangen.

Nicht perfekt und doch gewonnen

Hätte, Wenn und Aber zählt aber in der NBA genauso wenig wie irgendwo sonst auf der Welt. Fakt ist: Weder Golden State, noch Oklahoma City haben ein perfektes Spiel abgeliefert. Während die Warriors vor allem den vergebenen Chancen in der Offense und der Dreierquote - die mit 36,7 Prozent den eigenen Ansprüchen hinterherhinkte - nachtrauerten, war auch bei den Thunder nur bedingt Feierlaune angesagt.

Obwohl die beiden Superstars Durant und Russell Westbrook zusammengenommen nur 17 der 51 Feldwurfversuche im Korb unterbrachten. Obwohl Enes Kanter und Steven Adams die Vorteile an den Brettern nicht ganz so gut ausnutzen konnten wie noch in der regulären Saison. Und obwohl OKC lange Zeit Probleme mit den Ballverlusten hatte. Sie konnten immerhin ein Spiel aus Oakland stehlen.

Westbrook als Antreiber

Zu verdanken hatte das Head Coach Billy Donovan vor allem Westbrook. Der 27-Jährige erzielte 24 seiner 27 Punkte in der zweiten Halbzeit. Mit seiner fast monströsen Vorstellung nach der Pause trieb er sein Team zum Comeback und schließlich zum Sieg. "Er war der Auslöser für unsere Aufholjagd", äußerte sich auch Durant lobend über seinen Partner. "Wir haben uns von ihm führen lassen und haben hart verteidigt."

Gleichzeitig fand der MVP von 2014 aber auch mahnende Worte: "Was sollen wir bitte feiern? Wir haben nicht den Titel gewonnen. Wir spielen in den Western Conference Finals gegen ein großartiges Team. Wir haben zwar Spiel 1 gewonnen, aber es bleibt noch eine Menge Basketball zu spielen." Vor allem gegen diese Warriors hat eine 1:0-Führung in der Best-of-Seven-Serie wenig zu sagen

Stephen Curry: Die Karriere in Bildern
Das Basketballspielen wurde Stephen Curry in die Wiege gelegt, schließlich war schon sein Vater Dell Curry in der NBA aktiv.
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Bereits bei seinem eher unbekannten College-Team, den Davidson Wildcats, war der Point Guard nur schwer zu stoppen. In drei Uni-Jahren legte er im Schnitt aber mehr als 25 Punkte auf
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Auch wenn ihn aufgrund seines schmächtigen Körpers viele eher kritisch sahen, hinderte das die Golden State Warriors nicht daran ihn 2009 an 7. Stelle zu draften
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Auch wenn ihn aufgrund seines schmächtigen Körpers viele eher kritisch sahen, hinderte das die Golden State Warriors nicht daran ihn 2009 an 7. Stelle zu draften
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Dort wurde er mit dem 2011 gedrafteten Klay Thompson zusammengeführt, mit dem er seitdem die Splash Brothers bildet. Logisch, dass ein Spitzname bei dem starken Shooting der beiden nicht lange auf sich warten ließ
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Nach seinem zweiten Platz beim Rookie of the Year Award 2010 war er auch als Sophomore weiter erfolgreich. In seiner zweiten Saison gewann er die NBA Skills Challenge und zeigte, dass mit dem Ball nur wenige so gut umgehen können, wie er
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Doch gleich mehrere Knöchelverletzungen ließen Zweifel an Currys Profisport-Tauglichkeit aufkommen. In der Saison 2011/2012 konnte er nur 26 Spiele bestreiten
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Aber die Warriors glaubten an ihn und Curry unterschrieb eine Rookie-Extension über vier Jahre und 44 Mio. Dollar, die für das Team nicht ohne Risiko war. Doch in der Saison 2012/2013 folgte der endgültige Durchbruch...
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Curry wurde die Ehre zuteil, bei seinem ersten All-Star-Game direkt zu starten. Schnell zog er in der Gunst der NBA-Fans an Point-Guard-Liebling Chris Paul vorbei
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Durch seine starken Leistungen in der besten Basketballliga der Welt wurde Curry auch beim Team USA einer der wichtigsten Spieler. Zwar fehlt ihm noch Olympiagold, aber zwei Weltmeistertitel darf er bereits sein Eigen nennen
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Dass Curry der beste Distanzschütze der Association ist, stellte er beim Dreier-Contest 2015 unter Beweis. Mit 286 getroffenen Longballs in der Saison verbesserte er zudem seinen eigenen Rekord
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Nach einer Saison mit 76 Siegen spielten sich die Warriors 2015 in die Finals, wo es zu einem erbitterten Kampf mit den Cleveland Cavaliers kam
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In dieser Saison hat sich Curry noch einmal verbessert und schon bis Anfang März 300 Dreier eingenetzt. Und das bei einer Quote von 46 Prozent
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Auch individuell stößt Curry in neue Sphären vor: Mit 30,4 Punkten pro Spiel, einem PER von 32,2, einem True Shooting von 67,9 Prozent sowie 13,9 Win Shares ist der MVP auf dem Weg zu einer historischen Saison
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Zum besten Spieler des Planeten hat es Curry vor allem dank seines Arbeitseifers geschafft. Und die Konkurrenz hat jetzt schon Angst davor, der Chef könnte in den nächsten Jahren noch stärker werden...
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Noch lange nichts entschieden

Wenn die in Spiel 1 schwächelnden Reservisten in die Serie hineinfinden, wenn Golden State weiterhin die Big Men der Thunder mehr oder weniger im Zaum halten kann und wenn die Splash Brothers wieder Dreier regnen lassen, dann ist der amtierende Champion der Favorit. Rückstand hin oder her.

Die bisherigen Auftritte der Dubs haben gezeigt, dass das Team um Steph Curry jederzeit in der Lage ist, einen Gang höher zu schalten. "Es fühlt sich nicht gut an, Spiel 1 zu verlieren", sagte Curry nach der Partie. "Aber es ist cool, dass wir jetzt die Möglichkeit haben, zurückzukommen und zu zeigen, aus welchem Holz wir geschnitzt sind."

Es ist zu erwarten, dass genau das passiert. Und dann sollte sich niemand wundern, wenn auch die unmöglichen Würfe vom Parkplatz wieder problemlos durch die Reuse gleiten.

Der Spielplan im Überblick

Philipp Jakob

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