Die Hawks und Schröder nach Spiel 2

Im Morast der Tatsachen

Von Martin Gödderz
Donnerstag, 05.05.2016 | 11:06 Uhr
Dennis Schröder erlebte einen Rückschlag nach seinem starken ersten Spiel
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Das erste Spiel gegen die Cleveland Cavaliers hatte den Atlanta Hawks und Dennis Schröder trotz der Pleite Hoffnungen gemacht. Schröder wollte den Karrierebestwert bestätigen, die anderen Hawks-Stars ihre Playoff-Tauglichkeit beweisen. Doch eine geschichtsträchtige Leistung der Cavs warf Atlanta und Schröder auf härteste Art und Weise auf den Boden der Tatsachen zurück.

Als Mike Budenholzer nach den ersten zwölf Minuten des Spiels zum obligatorischen Interview am Spielfeldrand gebeten wurde, hatte er wohl schon eine düstere Vorahnung, wie dieses zweite Match der Playoffserie gegen die Cavs für sein Team Enden würde.

"Sie spielen einfach gut. Sie treffen viele Würfe, sie spielen starke Defense. Einfach gut", erkannte der Head Coach der Hawks neidlos an. Zu diesem Zeitpunkt war sein Team noch mit "nur" 15 Punkten hinten und glaubte vielleicht noch an einen Spielverlauf wie im ersten Duell, als trotz des Totalausfalls einiger seiner Stars das von einem überragenden Dennis Schröder angeführte Comeback gelang.

Zwar verloren die Hawks auch Game 1 am Ende, doch es gab ein wenig Hoffnung für den Rest der Serie. Wenn die Starter nur zur Normalform zurückkehren würden und Schröder seine Leistung bestätigen könnte, wäre vielleicht auch etwas drin. Diese Hoffnung erhielt in Game 2 schnell den größtmöglichen Dämpfer.

Schröder muss früh runter

Die Hawks wurden bedingungslos auf den Boden der Tatsachen zurückgeworfen von einem Cavs-Team, das schon wieder einfach zu stark war, das einmal mehr zu viele Waffen besaß und so nicht nur mühelos, sondern auch in beeindruckender Art und Weise den zehnten Playoff-Sieg in Folge gegen Atlanta einfuhr.

Nicht nur der erhoffte Formanstieg der Hawks-Stars blieb aus, auch der Rest des Teams musste chancenlos mit ansehen, wie sich Cleveland in einen beinahe surrealen Rausch schoss, zu dem Paul Millsap nur meinte: "Ich bin ein Mann, der daran glaubt, dass alles möglich ist, aber heute ist einfach etwas Unmögliches passiert. Ich bin sprachlos."

Als Budenholzer in der ersten Viertelpause ins Mikrofon sprach, saß der fahrige Schröder bereits wieder auf der Bank. Zuvor hatte sich der Point Guard zwei schnelle Fouls und zwei Turnover geleistet. Das Plus-Minus-Rating ist meistens nicht wirklich aussagekräftig, bei Schröder, der nach dem ersten Viertel eines von -16 vorzuweisen hatte, war es das.

So war die starke Leistung des Deutschen im ersten Spiel nur noch Schall und Rauch. Von der Bank aus musste er mit ansehen, wie auch seine fünf Kollegen auf dem Feld vorgeführt bekamen, wer das bessere und reifere Team ist. Erst als das Spiel schon entschieden war und die Cavaliers bereits einen NBA-Playoffrekord für Dreier in einem Spiel aufgestellt hatten, durfte Schröder noch einmal für ein paar Minuten ran.

Cleveland auf den Spuren der Spurs

Budenholzer dagegen dürfte sich über weite Strecken an seine Zeit in San Antonio erinnert gefühlt haben. In bester Spurs-Manier ließen die Cavs den Spalding in den eigenen Reihen laufen. Nichts war es mit Iso-Ball für James oder Irving. Stattdessen wurde die Kugel immer wieder uneigennützig weitergegeben.

Die Hawks schauten nur staunend zu, wie Dreier um Dreier durch die Reuse flog. Man konnte fast meinen, dass sich Cleveland schon für die Warriors warmschoss.

Die Unruhen während der Regular Season, als über die fehlende Team-Chemie und die unterkühlte Stimmung im Locker-Room der Cavs diskutiert wurde, schienen schon zuvor in den Playoffs wie weggeblasen, an diesem Abend wurden sie endgültig begraben.

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Eine ganz besondere Nacht

J.R. Smith gab den Ton vor und begann den Dreierregen (alle Punkte von Smith im Video). "Wenn er die Würfe macht, dann ist es ansteckend", offenbarte sein Coach Tyronn Lue. So kam es schließlich, dass gleich zehn verschiedene Cavs-Spieler aus der Distanz erfolgreich waren und für eine geschichtsträchtige Show aus der Distanz sorgten.

Natürlich war es aus Cavs-Sicht auch einer jener Abende, an denen einfach alles läuft. Spätestens als das Cavs-Maskottchen Moondog in einer Auszeit im letzten Viertel, als auf dem Feld bereits alles entschieden war und sich die Reservisten beider Teams nur noch ein Schaulaufen boten, zu einem Halfcourt-Shot ansetzte und den schwierigen Wurf zur Begeisterung des Publikums ohne Probleme versenkte, war klar, dass die Cavaliers nur wenig falsch machen konnten.

"Es war heute eine ganz besondere Nacht für uns, für die ganze Organisation. Dieser NBA-Rekord ist wirklich etwas Besonderes, wenn man bedenkt, was für großartige Spieler und Shooter in der Liga unterwegs sind", wollte auch James die Bedeutung der Art und Weise des Sieges nicht herunterspielen.

James mit perfekter Bilanz

Cleveland zeigte höchst eindrucksvoll, was passiert, wenn alle Rädchen zusammenlaufen. Hawks-Coach Budenholzer wollte daher gar nicht zu lange über diesen für sein Team so ernüchternden Abend sprechen und stellte stattdessen fest: "Es ist nur ein Spiel. Wir spielen nun in unserer Arena. Und dieses Spiel hat unseren Stolz verletzt."

Es ist völlig richtig, dass ein Spiel nicht immer allzu viel über den Verlauf einer Playoffserie aussagt und der verletzte Stolz eines Teams neuen Schwung bringen kann, nachzufragen bei den Dallas Mavericks.

Bedenkt man aber, dass Atlanta nun seit zehn Playoffspielen gegen Cleveland sieglos ist und LeBron James noch keine Serie, in der er mit seinem Team 2:0 führte, verloren hat, wird es schon schwerer darauf zu hoffen, dass dieses eine Spiel nicht repräsentativ ist.

Nichts als Hoffnung

Erleben die Hawks selbst einen derart guten Abend und kommen in der Defensive wieder auf das Niveau der Celtics-Serie, können sie mit Cleveland im allerbesten Fall mithalten. Bestätigen die Cavs allerdings ihre Form, sind sie für Atlanta nicht zu schlagen, das zeigten auch die Gesichter auf der Bank der Hawks und nicht zuletzt Aussagen wie die von Kyle Korver, der zugab: "Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht, ob sie überhaupt irgendwer schlagen kann, wenn sie all diese Würfe treffen. Wir haben einfach gehofft, dass sie irgendwann anfangen auch mal ein paar zu verfehlen."

Vielmehr als die Hoffnung bleibt den Hawks nicht. Die Aussagen aus Atlanta klingen nicht unbedingt kämpferisch, sondern vielmehr beeindruckt von der Stärke der Cavs. Es war eine desillusionierende Pleite für die Hawks und auch für Schröder ein höchst unerfreuliches Erlebnis. Die Hawks stecken auf dem tiefen Boden der Tatsachen fest, doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Dennis Schröder im Steckbrief

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