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NBA: Die Warriors ohne Stephen Curry

Galaktische auf Autopilot

Mittwoch, 04.05.2016 | 14:15 Uhr
Die Golden State Warriors haben sich ihre Identität trotz Currys Ausfall bewahrt
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Auch ohne ihren besten Spieler sind die Golden State Warriors ein Team, das jederzeit explodieren kann - das stellten sie mit ihrem epischen vierten Viertel in Spiel 2 unter Beweis. Coach Steve Kerr muss sich angesichts dieser Erkenntnis fragen, wie er mit seinem ungeduldigen MVP Stephen Curry umgeht.

Den Warriors hätte niemand eigentlich nicht verdenken können, wenn sie in Spiel 2 an der eigenen Hybris gescheitert wären. Nach dem Ausfall von Stephen Curry in Spiel 4 der Serie gegen Houston hatten sie schließlich jedes Spiel dominiert, darunter auch das erste Duell mit den Blazers, die im Gegensatz zum vorigen Gegner nicht bereits mental im Urlaub verweilten. Danach kann man sich seiner Sache schon mal sicher sein - vielleicht auch zu sicher.

Selbst Steve Kerr hätte ein gewisses Verständnis dafür aufgebracht: "Game 2s bereiten mir immer Sorgen, vor allem nach einem deutlichen Sieg im ersten Spiel", gab der Dubs-Coach nach dem Spiel zu. "Es ist einfach menschliche Natur: Das andere Team hat Wut im Bauch, während du vielleicht nicht sofort mit der vollen Konzentration dabei bist."

Drei Viertel lang sah es so aus, als würden die Warriors genau diesem Phänomen zum Opfer fallen. Angeführt von Damian Lillard und C.J. McCollum überrannten die Gäste GSW in den ersten Minuten und erspielten sich eine 17-Punkte-Führung. Im dritten Viertel steigerten sich die Dubs, aber Portland konnte stets parieren.

Comeback ohne Curry? Wie?

Als Lillard mit Ablauf der Uhr dann einen Dreier traf, der die Gäste vor dem Schlussdurchgang mit 11 Punkten in Front brachte, roch es förmlich nach einer Sensation. Dass den Dubs mit Curry kein Rückstand zu groß erscheint, hatten sie in den letzten Jahren ja mehrfach bewiesen - aber wie sollte man den Turnaround ohne den menschgewordenen Flammenwerfer noch schaffen?

Die Antwort gaben die Dubs auf beeindruckende, weil vielseitige Art. Sie zogen defensiv die Daumenschrauben an - Lillard, der zuvor 7 seiner 16 Würfe für 22 Punkte getroffen hatte, wurde von nun an abgemeldet (1/4 FG, 3 Punkte im letzten Viertel). Insgesamt brachte Portland fortan ganze 12 Punkte zustande.

Aus Defense wird Offense

Durch deutlich verbesserte Aufmerksamkeit, Intensität und Switches zwangen die Dubs Lillard und den zuvor ebenfalls guten C.J. McCollum, die Verantwortung (und den Ball) an die offensiv eher harmlosen Rollenspieler Mason Plumlee und Al-Farouq Aminu abzugeben. Etliche Portland-Possessions endeten von nun an in Fehlwürfen oder Ballverlusten, was die Offense der Warriors gleichermaßen beflügelte.

Denn auch vor dem gegnerischen Korb spielte sich GSW in einen Rausch, angeführt von Klay Thompson (Alle Highlights im Video!) und Draymond Green, der defensiv wie offensiv bei jeder Aktion seine Finger im Spiel hatte und mit seiner Energie alle anderen ansteckte - und der das Dubs-Selbstvertrauen mal wieder personifizierte, als er Blazers-Coach Terry Stotts nach einem Treffer signalisierte, er solle doch endlich eine Auszeit nehmen.

Demonstration der Stärke

Insgesamt gewannen die Warriors das Viertel mit 34:12, weshalb das Endergebnis am Ende dann doch wieder deutlich ausfiel - obwohl sie gefühlt nur ungefähr 1 Prozent der Spielzeit geführt hatten. Die Offensiv-Ratings der letzten neun Minuten waren noch alberner: 155,6 (Punkte pro 100 Ballbesitze) Golden State, 44,4 Portland.

Es war eine beeindruckende Demonstration der Dubs, die ohne ihren besten Mann all die Qualitäten zeigen konnten, die sie zum Meister 2015 und zum großen Favoriten in diesem Jahr gemacht hatten. "Am Ende haben sie gezeigt, warum sie der Champion sind", musste auch Lillard eingestehen, der sich dennoch über eine verpasste Chance ärgerte.

Und das mit Recht: Portland hatte tatsächlich eine Chance, die Serie noch ein wenig interessanter zu machen. Die verpassten aber den "Knockout", wie McCollum es ausdrückte. Viele dieser Chancen lassen Draymond, Klay und Co. einfach nicht zu. Umso mehr muss der Herausforderer die wenigen nutzen, möchte er Golden State ernsthaft gefährlich werden.

Explosiv auch ohne Curry

Das war die wichtigste Erkenntnis aus Spiel 2: Die einzige "Achillesferse" der Warriors, die gelegentliche Verspieltheit und Lässigkeit, gibt es ohne Curry ebenso wie mit ihm. Die Fähigkeit, einen mehr oder weniger großen Rückstand rasant schnell in einen letztlich deutlichen Sieg umzuwandeln, ist aber ebenfalls noch vorhanden. Sie muss nur auf etwas anderen Wegen erfolgen.

"Wenn man ein Comeback starten will, muss die Defense immer den Ausschlag geben", erklärte Kerr. "Man muss Stops generieren. Offensiv wissen wir ja, dass wir nicht die Dreier von Steph bekommen, solange er ausfällt. Also müssen die Punkte anderswo herkommen."

Wie zum Beispiel von Allzweckwaffe Green, der gerade als Center einfach schneller und dynamischer ist als jeder seiner Gegenspieler. Dass Andrew Bogut ihn kürzlich als "besten Allrounder der Liga" bezeichnete, kommt nicht von ungefähr: Mit 17 Punkten, 14 Rebounds, 7 Assists und 4 Blocks lieferte der ehemalige Zweitrundenpick (!) in Spiel 2 mal wieder einige Argumente.

Dass Green diese Leistungen auch ohne den vielleicht besten Spieler der Liga neben ihm abliefern kann, ist eine Tatsache, die Kerr eine gewisse Ruhe geben dürfte. Denn auch wenn Curry selbst auf seine baldige Rückkehr pocht, scheint sein Coach da etwas vorsichtiger zu denken: "Es geht ihm ganz gut mit der Reha, er macht Fortschritte. Er stand aber noch nicht wieder mit dem Team auf dem Court. Das wird kommen, aber ich weiß nicht wann."

Druck? Nicht wirklich

Wahrscheinlich sind die Dubs gut beraten, Curry noch etwas länger rauszuhalten und kein Risiko einzugehen. Selbst wenn ihn das verärgert, wird er es im Endeffekt verstehen. Für den potenziellen Clash mit San Antonio braucht sein Team ihn bei voller Kraft. Daher sollten die Warriors nichts überstürzen, solange Portland die Dubs zwar in Spielen, nicht aber über die Serie gesehen unter Druck setzt.

Mit diesem geht das Team auch ohne ihn ziemlich gut um. Die Dubs und ihre Spieler sind teilweise zwar ein "Produkt" von Curry, wie es Green kürzlich ausdrückte. Sie verlieren ohne ihren Motor aber nicht die Fähigkeiten und die Mentalität, die sie so weit gebracht haben - und funktionieren weiter auf hohem Niveau.

Stotts hatte es vor drei Tagen bereits gut zusammengefasst: "Mit Steph sind die Warriors ein historisches Team. Ohne ihn sind sie aber auch noch großartig."

Die Warriors im Überblick

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