Mavs in den Playoffs

Das Feuer brennt noch immer

Dienstag, 12.04.2016 | 12:08 Uhr
Dirk Nowitzki und die Mavericks haben den Playoff-Einzug perfekt gemacht
© getty
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Was wurde nicht alles zu Saisonbeginn geschrieben: zu alt, zu schwach, zu schlecht seien die Mavericks. Zu langsam, zu abhängig vom Wurf, zu wenig athletisch. Und doch hat es die Veteranentruppe aus Big D wieder geschafft: Dallas steht in den Playoffs. Zum 15. Mal in 16 Jahren. Ein großer Dank gebührt Dirk Nowitzki und Rick Carlisle, doch nach der Schwächephase im März zog sich das Team gemeinsam aus dem Sumpf.

Es passte ins Bild der Saison. Dallas lag gegen Utah recht komfortabel in Front, verspielte auf den letzten Metern allerdings einen Großteil des Polsters. Dann fasste sich Justin Anderson ein Herz. Der Rookie bekam den Spalding an der Dreierlinie, verlor ihn beinahe und sah dann einen freien Weg zum Korb vor sich. Er fackelte nicht lange, gab Gas - und dunkte die Mavericks zweihändig in die Postseason.

Dass es ein Rookie geschafft hatte, im wichtigsten Spiel der Saison in der Crunchtime auf dem Parkett zu stehen, ist eine Besonderheit in Dallas. Dass die Mavericks überhaupt ein "wichtigstes Spiel der Saison" erleben durften, ist nicht weniger beeindruckend.

Video: Nowitzkis Highlights gegen Utah

Zehn von zwölf Spielen verlor das Team von Rick Carlisle Ende März - und schon sahen sich die Kritiker bestätigt. Dallas hatte nicht die Konstanz, war auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Dennoch traute sich niemand, die Mavs gänzlich abzuschreiben, schließlich spielte der alte Haudegen Dirk Nowitzki im Alter von 37 Jahren erneut eine bärenstarke Saison.

Doch die Ausfälle von Chandler Parsons und Deron Williams, in der Hackordnung die Nummern zwei und drei hinter Nowitzki, wogen schwer und die Anpassung dauerte. Aber wie so oft fanden die Mavs als Kollektiv einen Weg aus der Krise.

Helden aus der zweiten Reihe

Da war J.J. Barea, der innerhalb von sieben Tagen zugleich Vater und Conference Player of the Week wurde. Da war David Lee, der zur Deadline aus Boston gekommen war und die Big-Men-Rotation verstärkte. Da war Salah Mejri, der sich im ersten Jahr nach dem Sprung über den großen Teich direkt einen Namen als Shotblocker machte. Da war Wesley Matthews, der in Salt Lake City zu Big Shot Wes wurde. Da war Vorlagen-Gott Raymond Felton. Und da war Coach Carlisle.

Der Cheftaktiker der Mavs warf seine Prinzipien über Bord und setzte im Endspurt um die Playoffs auf Justin Anderson. Und der Neuling sollte ihn nicht enttäuschen. Mit seinem Einsatz und seiner Athletik sicherte er nicht nur den ein oder anderen wichtigen Rebound. Er verfolgte Gegenspieler im Fastbreak über den ganzen Court, um ihre Wurfversuche dann gegen das Brett zu nageln. Und er fasste so viel Selbstvertrauen, dass er im wichtigsten Spiel der Saison in der Crunchtime energisch zum Korb zog und den Deckel auf das Unternehmen Playoffs machte.

"Es war ein hartes Stück Arbeit", so Carlisle. "Es waren unglaubliche zwei Wochen. Wir haben ausgesehen, als wären wir draußen und geschlagen. Doch wir haben einen Weg gefunden, uns zurückzukämpfen. Jeder hat sich reingehängt und für uns alle war das Spiel gegen Utah ein Game 7. Gemeinsam haben wir es geschafft."

Noch ist nicht klar, gegen wen die Dallas-Anhänger ihr Team ab Samstag nach vorn peitschen werden. Doch es werden nicht die Golden State Warriors sein. Die Mavs sind mindestens Siebter und entgehen damit dem Alptraum-Matchup gegen Steph Curry und Co.

Nicht umsonst Veteranen

Mit ihrer Cleverness und Uneigennützigkeit sind die Mavs für jede andere Franchise ein unangenehmer Gegner. Und noch etwas haben sie zur Genüge: Erfahrung. "Das ist jetzt unglaublich wertvoll", sagte Coach Carlisle: "Wir haben einige Jungs, die schon in vielen Playoff-Spielen oder entscheidenden Spielen der Regular Season dabei waren. Es gibt immer ein paar Dinge, die man ihnen in Erinnerung rufen kann, aber gibt kaum etwas, dessen sie sich nicht bewusst sind."

Mit dem diesjährigen Einzug in die Postseason stehen die Mavs bei 15 Playoff-Teilnahmen in den letzten 16 Jahren. Das kann nur San Antonio toppen (19 Jahre in Serie). Die Visitenkarte für die kommende Free Agency haben die Mavs auf jeden Fall schon einmal abgegeben. Denn vieles, das angezweifelt wurde, hat Dallas eindrucksvoll widerlegt.

Dirk kann es noch. Dallas kann es noch. Carlisle kann über seinen Schatten springen. Und: Die Mavs sind Kämpfer. "Wir haben es im harten Westen in die Playoffs geschafft", sagte Nowitzki: "Das haben uns vor der Saison beim Blick auf den Kader nicht viele zugetraut."

Nun bekommt Dallas die Chance, als Underdog in der ersten Runde noch einmal über sich hinauszuwachsen. Die letzten Conference Semifinals liegen schließlich schon eine Weile zurück. "Seit der Championship 2011 sind wir immer in der ersten Runde ausgeschieden", so Nowitzki: "Hoffentlich können wir unser Momentum mitnehmen." Wenn das gelingen soll, dann nur mit den in Dallas seit Jahren allgegenwärtigen Konstanten: einem überragenden Nowitzki und einem starken Kollektiv.

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