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Die Oklahoma City Thunder in der Formkrise

Einfach wieder in Fahrt kommen?

Von Jan Dafeld
Sonntag, 13.03.2016 | 14:45 Uhr
Die Oklahoma City Thunder sind derzeit kein Topteam
© getty
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Die Oklahoma City Thunder kommen nach der All-Star Break nicht mehr in Form. Gegen die San Antonio Spurs kassierte das Team seine achte Niederlage in den letzten zwölf Spielen. Vor allem das vierte Viertel entpuppt sich als großes Problem. Russell Westbrook und Kevin Durant üben sich in Durchhalteparolen, wirken allerdings auch zunehmend ratlos.

Sieben Minuten sind im AT&T Center in San Antonio noch zu spielen. Im Spitzenspiel zwischen den San Antonio Spurs und den Oklahoma City Thunder begegnen sich beide Teams auf Augenhöhe. Es steht 76:76, auf beiden Seiten regiert die Defense, der Dreier will hüben wie drüben nicht fallen.

LaMarcus Aldridge bekommt den Ball von Patty Mills im High Post zugespielt. Der Forward steht mit dem Rücken zum Korb, die Defense der Thunder ist sortiert - bis plötzlich Russell Westbrook aus der Ecke heransprintet. Der Point Guard geht auf den Steal, kommt jedoch nicht an den Ball. Aldridge liest die Situation richtig, findet Danny Green völlig blank in der Ecke. Dieser lässt sich nicht zweimal bitten und beendet locker sein anhaltendes Tief von neun Fehlwürfen in Serie. 79:76, es ist die höchste Spurs-Führung seit Mitte des zweiten Viertels.

Es sind zwar nur drei Punkte. Drei Punkte von letztendlich 93 Zählern, die aus diesem Angriff resultieren, doch diese drei Punkte sind gleichzeitig auch die Initialzündung für einen 17:9-Lauf der Spurs, der die Gastgeber erstmals in Halbzeit zwei davonziehen lässt und OKC somit die nächste Niederlage im vierten Viertel beschert.

"Wir haben quasi bergauf spielen müssen"

Auch OKC-Head-Coach Billy Donovan sah in der Szene offensichtlich einen der Schlüsselmomente der Niederlage: "Wir haben von diesem Moment an quasi bergauf spielen müssen. Sie haben uns nicht mehr zurückkommen lassen", erklärte der 50-Jährige. Ja, das war mein Fehler", gab sich Westbrook nach dem Spiel selbstkritisch, "das muss ich auf meine Kappe nehmen."

Die Frage, die sich stellt, ist allerdings, welche Schlüsse der explosive Guard aus diesem Fehler zieht. Die wahrscheinlichste Hypothese ist nämlich: gar keine.

Es war nicht das erste Mal in Westbrooks Karriere, dass er aus dem taktischen Schema seines Teams ausbrach, und es wird auch nicht das letzte Mal gewesen sein. "Ich habe doch schon gesagt, dass es mein Fehler war", antwortete die Nummer 0 der Thunder auf weitere Nachfragen bereits gereizt, "wir müssen nach vorne schauen und im nächsten Spiel bereit sein."

Katastrophal im vierten Viertel

Dies mag ein guter Vorsatz sein, allerdings sind die Probleme der Thunder nicht erst seit dem Spiel in San Antonio offensichtlich. Seit der All-Star-Break hat Oklahoma City acht seiner zwölf Spiele verloren. Dabei gab das Team sechsmal (!) eine Führung nach dem dritten Viertel noch ab. Im letzten Spielabschnitt steht man in diesen zwölf Spielen bei 282 zu 340 Punkten. Eine mehr als besorgniserregende Bilanz.

Auch wenn die Thunder gegen die Clippers (-22) und die Warriors (-16) noch desaströsere Leistungen im letzten Viertel ablieferten, zeigte auch die Pleite gegen die Spurs (-10) einige Probleme des Teams klar auf. In San Antonio war es vor allem Westbrook, dem in der Schlussphase des Spiels gar nichts mehr gelingen wollte. Neben seinem folgenschweren defensiven Kollaps kam RW0 im letzten Viertel auf 2 Punkte, 1 Assist, traf keinen seiner 4 Würfe aus dem Feld und erlaubte sich 2 Turnover und 2 Fouls.

Offensive Dominanz geht verloren

Die Gründe für diese wiederkehrenden Probleme sind weder neu noch unbekannt. Seit Jahren spielen die Thunder einen sehr Superstar-lastigen Basketball. Neu-Coach Donovan drehte seit seinem Amtsantritt zwar an ein paar Schrauben, eine Revolution in der Offensive blieb aber aus.

Die reinen Statistiken lassen - über das gesamte Spiel und die gesamte Saison gesehen - auch nur wenig Raum für Verbesserung. Mit einer offensiven Effizienz von 109,2 stellt OKC die zweitbeste Offensive der Liga, auch die Assist Ratio ist zumindest solide und zeigt, dass auch in Oklahoma City kein reiner Iso-Ball gespielt wird. Mit 10,3 Assists pro Spiel ist Westbrook schließlich auch der zweitbeste Vorlagengeber der Liga.

In der Schlussphase geht das bewährte Erfolgsrezept allerdings regelmäßig nicht auf. Der Hero Ball, dem auch Kevin Durant aber vor allem Westbrook nicht ganz abgeneigt gegenüberstehen, kann durchaus zu Siegen führen, ist aber mindestens genau so anfällig für längere Durststrecken in der Offensive.

"Jetzt ist es auch ein mentales Problem"

Dazu kommt noch, dass sich in den entscheidenden Phasen auch defensiv immer wieder einfache Fehler häufen. Im Duell mit den Spurs ließ das mit Abstand beste Rebounding-Team der NBA (54,5 Prozent Reboundrate) beispielweise innerhalb der letzten drei Minuten drei Offensiv-Rebounds zu - und verbaute sich damit die ohnehin geringen Chancen auf ein Comeback endgültig.

Dass die Thunder mit nun ganzen 14 Niederlagen nach Führungen im vierten Viertel das eindeutig anfälligste Team für kollektive Zusammenbrüche in der Crunchtime sind, hilft in den kommenden Spielen natürlich auch psychologisch nur bedingt weiter. "Jetzt ist es auch ein mentales Problem", diagnostizierte auch Ex-NBA-Coach Doug Collins nach der Begegnung.

"Einfach" wird's nicht werden

Die Stars des Teams üben sich derweil in Durchhalteparolen: "Wir müssen wieder gewinnen. Wir müssen einfach wieder in Fahrt kommen", analysierte Durant im Anschluss an die neuerliche Niederlage wenig aufschlussreich. Und auch Westbrook erweckte mit seiner Phrasendrescherei den Eindruck einer gewissen Ratlosigkeit: "Wir müssen einfach einen Weg finden, um wieder Siege einzufahren."

"Einfach" dürfte den Thunder in der aktuellen Phase jedoch nur wenig fallen. Was dem Team dabei vor allem abgeht, ist Konstanz. Erst am Mittwoch hatte man noch einen überzeugenden Sieg gegen die Clippers, den direkten Konkurrenten im Rennen um Platz drei, eingefahren, nur um am Wochenende dann zwei Niederlagen zu kassieren - natürlich nach einer Führung zu Beginn des letzten Viertels.

Keine Konkurrenz für die Liga-Elite

Eine Konkurrenz für die geradezu übermächtig erscheinenden Teams aus Oakland und San Antonio stellen Durant und Co. in ihrer aktuellen Form nicht dar. Wer immer noch an einen Finaleinzug oder gar den Titelgewinn der Thunder glaubt, kann bei den Buchmachern in Vegas mittlerweile ein stattliches Sümmchen einfahren, sofern dieses Szenario tatsächlich doch eintreten sollte.

Die Warriors und die Spurs dürften anhand des aktuellen Saisonverlaufs nur mit wenig Sorgen in die Playoffs gehen. "Es ist noch Zeit, um sich weiter zu verbessern", so Spurs-Coach Gregg Popovich, "im Moment kommt es eher darauf an, wie du spielst. Nicht ob du gewinnst oder verlierst."

Das Prunkstück der Spurs bleibt dabei ihre überragende Defense. Mit dem offensiven Auftritt seines Teams dürfte Pop gegen die Thunder noch nicht vollends zufrieden gewesen sein. Kawhi Leonard und Co. taten sich gegen eine engagierte Thunder-Defense lange schwer und trafen von außen fast überhaupt nichts. Umso hilfreicher ist es dann natürlich, wenn ein Gegenspieler wie Westbrook einem genau diese Aufgaben so zuvorkommend erleichtert.

Die Oklahoma City Thunder im Überblick

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