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Die Krise der Dallas Mavericks

Der verschenkte Dirk

Mittwoch, 30.03.2016 | 12:44 Uhr
Auch mit 37 Jahren ist Dirk Nowitzki Top-Scorer der Mavs
© getty
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Erst die positive Überraschung der Saison und dann der Absturz. Die Dallas Mavericks (36-38) stehen am Scheideweg ihrer Saison und kämpfen mit eben jenen Problemen, die schon zu Saisonbeginn an einem erfolgreichen Saisonverlauf zweifeln ließen. Außer Dirk Nowitzki kriselt die Prominenz im Kader oder ist verletzt. Doch Rick Carlisle tüftelt schon.

Immer wieder fuhr er sich durch die Haare, zog nervös an seinem Ohrläppchen und ließ seinen Blick durch die Umkleide der Dallas Mavericks wandern: "Wir haben gekämpft, aber es sind viele kleine Dinge, die dafür sorgen, dass es nicht für uns läuft. In einer engen Liga macht das manchmal den Unterschied", sprach ein enttäuschter Dirk Nowitzki, der soeben mit seinen Mavs eine schmerzhafte Niederlage gegen Indiana verkraften musste.

Schon zum fünften Mal in Folge schlich der 37-Jährige mit hängenden Schultern vom Parkett. Trotz eines weiteren Vintage-Auftritts des ewigen Franchise-Players, trotz über 100 Punkten seines Teams gegen die defensivstarken Pacers.

Nowitzki exklusiv: "Viererlinie? Kann ich mir vorstellen"

Es war der Höhepunkt der schlimmsten Niederlagenserie, die man in Big D seit Dezember 2012 durchleben musste. Das Team war abgerutscht, auf einmal mitten im Kampf um den letzten Playoff-Platz. Und damit nicht genug - auf das zwischenzeitliche Aufatmen in Charlotte folgte im nächsten Spiel gegen Cleveland sogleich die Ernüchterung.

Historisch schlecht

Die anschließende Bilanz: Zwei eingeplante Niederlagen gegen die Dubs, eine Schlappe und das 40-Punkte-Nowitzki-Wunder gegen die Blazers. Dann folgte der nächste kolossale Tiefschlag: eine 133:111-Demontage gegen die Kings. Seit 1992 hatten die Texaner nicht mehr so viele Punkte in 48 Minuten kassiert.

Die Angst geht um in Dallas: "Jeder muss hier in den Spiegel schauen und verdammt noch mal entscheiden, was man hier beitragen möchte. Wir spielen für ein Ziel, oder nicht? Wollen wir wirklich sechs oder sieben Monate einfach wegwerfen? 130 Punkte! Und das nicht nur gegen Sacramento. Das ist unfassbar", sprudelte es aus Wesley Matthews nach der jüngsten Klatsche heraus.

Die altbekannten Probleme

Die Mavs sind endgültig aus dem Gleichgewicht geraten. Seit Februar geht es nur noch bergab. Seitdem kassierte das Team in 24 Spielen 16 Niederlagen, gab drei Overtime-Spiele ab. Besonders verwunderlich: Die erfahrende Altherrentruppe litt nicht etwa unter möglichen Reisestrapazen, sondern spielte bis zum gegenwärtigen Auswärtstrip nur sechs Spiele in der Fremde.

Derweil mussten die Mavs im Schnitt 110 Punkte hinnehmen und hielten nur vier Teams unter der 100-Punkte-Marke. Alleine Minnesota und die 76ers kassierten in diesem Zeitraum mehr Zähler pro Spiel. In 36 Jahren Franchise-Historie bekam Dallas während der regulären Spielzeit in nur 28 Spielen mehr als 128 gegnerische Punkte eingeschenkt. Drei von diesen Spielen fallen in die letzten zehn Tage.

Nur Philly ist schlechter

Konsequent legten die letzten Wochen die eklatanten Defensivschwächen der Mavericks offen. Dabei war es völlig egal, aus welcher Distanz die Gegner den Spalding auf die Reise schickten. Von jenseits der Dreierlinie oder direkt am Korb - die gegnerischen Trefferquoten sind durchgehend unter den Top 10 zu finden. Aus der Midrange gibt es sogar kein Team, das so eine "gute" Trefferzahl zulässt (46,4 Prozent FG).

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Doch nicht nur das alte Problem "Verteidigung" trat hervor. Die zweite offenkundige Schwachstelle verkam zu einem Totalausfall: Durchschnittlich 47,2 Rebounds gingen an den Gegner. Nur Philadelphia ist schlechter. Speziell die 11,3 zugelassenen Offensiv-Rebounds trieben die gegnerische Punktezahl in die Höhe.

Immer wieder Dirk

Dabei sollte gerade auf diesem Gebiet Neuzugang David Lee für Unterstützung sorgen. Der Veteran legt zwar gute Zahlen auf, doch scheint sein Einfluss auf das Team gering. Unter den 15 besten Mavs-Line-Ups nach Punkten ist Lee genau zweimal vertreten, sortiert man die Aufstellungen nach Rebounds, ergibt sich das gleiche Bild.

David Lee: Veteran aus dem aufgeblähten Kader

Es sind jedoch nicht nur die immer gleichen Schwächen, die Dallas das Genick brechen. Man verlor auch offensiv den Schwung. Das liegt jedoch keinesfalls am ewigen Go-to-Guy Nowitzki. Allein im März schenkte er seinen Jungs 22,6 Punkte im Schnitt, traf 50,4 Prozent aus dem Feld: "Er hilft uns sehr, er gibt diesem Team so viel", lobte Youngster Powell die Dallas-Ikone. Zumindest bis zur Verletzung von Chandler Parsons gab es noch einen weiteren Spieler, der konstant seine Punkte ablieferte (16,2 Punkte pro Spiel, 48,7 Prozent FG im März).

Verletzungen und Inkonstanz

Allerdings waren Parsons vor seinem Ausfall die Verletzungsquerelen der vorherigen Monate weiterhin anzumerken, immer wieder fiel er in kleine Löcher. Ebenso wie Leidensgenosse Matthews. Sein Achillessehnenriss liegt mittlerweile ein Jahr zurück, doch gehört diese Art der Verletzung zu den gravierendsten, die ein Basketballer erleiden kann. Das Tief seit dem All-Star-Game ist keine Überraschung.

Im laufenden Monat traf er 39 Prozent seiner Würfe aus dem Feld, sein Offensiv-Rating brach bei einer Dreierquote von 23 Prozent auf zwischenzeitlich 91 Punkte ein (Saisonschnitt: 104). Matthews wollte all diesen Beobachtungen dennoch kein Gewicht schenken: "Es geht nicht um Wurfschwächen oder schlechte Team-Statistiken. Wir sind ein .500-Team. Wir haben uns das verdient. Wir stehen am Scheideweg: Was wollen wir investieren, wo wollen wir hin?"

Experimente sollen helfen

Diese rhetorische Frage beantwortete Coach Rick Carlisle mit einigen Veränderungen. Denn Spielern wie Deron Williams, der ohnehin die letzten Spiele im Lazarett verbrachte, scheint so langsam die Luft auszugehen. Darunter auch Zaza Pachulia, der in der ersten Saisonhälfte noch als große positive Überraschung auftrat.

"Wir spielen in den nächsten Wochen gegen viele Small-Ball-Teams und wir brauchten einfach eine Veränderung, um das Team wachzurütteln", sprach Rick Carlisle, als er zum ersten mal J.J. Barea und Raymond Felton gemeinsam in die Starting Five verschob. Gegen Denver ging er mit seiner Experimentierfreude sogar noch einen Schritt weiter: Entgegen seiner Vorliebe für Veteranen standen nun Dwight Powell und Justin Anderson in der ersten Fünf.

Es ist allgemein bekannt, dass der langjährige Mavs-Coach nicht gerade als Rookie-Liebling gilt, doch Anderson und Powell zeigten bereits in den vergangenen Begegnungen, welch positiven Einfluss sie mit ihrer überdurchschnittlichen Athletik auf das Spiel der Mavericks haben können. Umdenken war angesagt in Big D!

Carlisle denkt um

"Wenn Du Probleme mit der Intensität hast, Probleme in der Defense, brauchst Du hin und wieder das Ungestüme, aggressive Verteidiger. Ich wollte ein Zeichen setzen, dass es mittlerweile nicht mehr um Können, sondern schlicht um Einsatz geht. Diese zwei Jungs geben Vollgas. Wir brauchen jeden Spieler. Wir leben noch. Wir kämpfen", sprach Carlisle nach dem Sieg über Denver. Derweil muss sich der Coach die Frage gefallen lassen, weshalb er erst jetzt zu diesem Schluss kam.

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Zumindest die schnelle Antwort auf das Kings-Debakel verschafft dem Team ein wenig Luft. Noch hat man den Einzug in die Post-Season mit Spielen gegen Houston und auswärts gegen die Utah Jazz selbst in der Hand. Das wird die Sorgenfalten der Mavs-Verantwortlichen dennoch nicht schwinden lassen.

Nowitzki und Cuban mahnen

Auch Nowitzki, der das Team im fortgeschrittenem Alter immer noch tragen muss, mahnt: "Es ist verdammt hart, aber wir können auch solche Umstände wie Verletzungen nicht als Ausreden gelten lassen, nicht in dieser Liga. Jeder, der da draußen ist, muss seine Aufgabe erfüllen, sein Potenzial abrufen. Kämpfen, wetteifern!"

Selbst der sonst so optimistische Mark Cuban musste in den vergangenen Tagen feststellen: "Wir haben offensichtlich Probleme. Wir hatten auch schon zuvor Probleme. Wir machen uns selbst das Leben schwer."

Allerdings wäre Cuban nicht Cuban, wenn er nicht noch ein paar positive Worte für sein Team bereithalten würde: "Wir sind nicht die einzigen in der Conference, die Probleme haben. Wir bestimmen selbst über unser Schicksal. Wir müssen nur den Schalter jetzt umlegen."

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