Die Playoff-Hoffnungen der Hornets

Der seltsame Fall des Michael Jordan

Sonntag, 27.03.2016 | 16:55 Uhr
NBA, Charlotte Hornets
© getty
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Über Jahre versuchte Michael Jordan die Charlotte Hornets auf Playoff-Niveau zu hieven und ging, frei nach seinem ehrgeizigen Charakter, das ein oder andere Risiko ein. Auf dem Weg zum ersten Heimvorteil in der Post-Season scheint nun erstmals Stabilität in North Carolina zu herrschen. Doch wie viel Michael Jordan steckt in dem Team überhaupt noch?

North Carolina ist Basketball-Land. Gerade die College-Landschaft glänzt mit Tradition und Erfolgen. So gibt es gleich vier bekannte Division-I-Teams, die sich über den südöstlichen Bundesstaat verteilen, die zusammen zwölf NCAA-Titel holten. Da wären die Duke Blue Devils, das North Carolina State Wolfpack, die Wake Forest Demon Deacons und natürlich die North Carolina Tar Heels, die auch dieses Jahr wieder heißer Anwärter auf das Final Four sind. Ihr bekanntester Absolvent ist gleichzeitig das bekannteste Kind, das North Carolina je großgezogen hat: Michael Jordan.

Auch wenn seine fliegende Majestät zumeist mit den Chicago Bulls in Verbindung gebracht wird, so hängt das Herz des heimatverbundenen MJ vor allem am Tar Heel State. Deshalb war es wenig überraschend, dass sich Jordan nach Karriereende dem einzigen NBA-Team in North Carolina zuwandte, den Charlotte Bobcats. 2006 erst mit einer kleinen Beteiligung, avancierte er 2010 zum ersten Ex-Spieler, der Hauptbesitzer einer NBA-Franchise wurde.

Fragwürdige Entscheidungen

Doch so erfolgreich Jordan auf dem NBA-Parkett auch war: Seine Zeit als 'Manager of Basketball Operations' der heutigen Charlotte Hornets kann sich mit seiner Spieler-Karriere nicht mal in Ansatz messen. Nur zwei positive Saisonbilanzen stehen seit seiner Übernahme vor zehn Jahren zu Buche, zwei Playoff-Auftritte, die keinen einzigen Sieg einbrachten.

Die ersten Draftpicks: Adam Morrison (3. Pick, 2006), Brandan Wright (8. Pick, 2007), D.J. Augustin (9. Pick, 2008), Gerald Henderson (12. Pick, 2009). Fragwürdige Office-Entscheidungen gab es zuhauf. Center DeSagana Diop wurden über vier Jahre insgesamt 30 Millionen Dollar gezahlt. Seine Statistiken in dieser Zeit? 11 Minuten im Schnitt für 1,6 Punkte und 3 Rebounds.

Franchise-Player Gerald Wallace wurde für Picks sowie Joel Przybilla, Dante Cunningham und Sean Marks nach Portland geschickt. Tyrus Thomas, der heute nicht mal in der BBL bestehen kann, erhielt über fünf Jahre 40 Millionen Dollar. Den Tiefpunkt der Hornets-Geschichte stellte die Saison 2011/12 dar, als das Team in einer durch den Lockout verkürzten Saison genau sieben Spiele gewinnen konnte und mit einer Winning Percentage von .106 einen NBA-Negativrekord aufstellte.

Mit Cho der Neuanfang

In dieser dunklen Zeit lag gleichzeitig die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Der neue General Manager Rich Cho, der seinen Posten 2011 angetreten hatte, überzeugte die beständig wetteifernde Bulls-Legende von einer Tanking-Saison, um einen richtigen Neustart einleiten zu können. Das funktionierte nur mittelprächtig.

Während Michael Kidd-Gilchrist (2. Pick, 2012) vor allem mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hat, scheint Cody Zeller (4. Pick, 2013) mit Physis und Geschwindigkeit der NBA weiterhin überfordert. Immerhin: Der noch von Jordan gedraftete Kemba Walker (9. Pick, 2011) erarbeite sich einen beständigen Wurf, sodass der einstige College-Held zum neuen Kopf der Franchise auserkoren wurde.

Zusammen mit der teuren Neuverpflichtung Al Jefferson ging es 2014 endlich in die Playoffs. Nach vier ernüchternden Spielen gegen die übermächtigen Miami Heat war allerdings schon wieder Schluss. Im Jahr darauf litt Jefferson unter seinen chronischen Knöchelproblemen, das Experiment mit Hitzkopf Lance Stephenson scheiterte und auch der Draft spuckte nichts aus, das Buzz City in Euphorie hätte versetzen können. Wieder wollte kein Playoff-Zug in Charlotte Station machen.

Leise und produktiv

Wo sollte es also hingehen? Wieder ein Alles-oder-nichts-Move? Den Free-Agent-Markt nach den großen Namen abklappern? Schließlich besann man sich auf eine Vorgehensweise, die deutlich leiser daherkam. Nachdem Marvin Williams bereits im Jahr 2014 dem Kader hinzugefügt wurde, suchte Charlotte weiter nach produktiven Spielern, die dem Kader neue Elemente hinzufügen sollten.

Die Hornets machten sich den Rebuild der Blazers zu Nutze und schnappten sich Allzweckwaffe Nicolas Batum für Gerald Henderson und Noah Vonleh, während Scorer Jeremy Lamb mit den Tauschobjekten Luke Ridnour und einem Second-Round-Pick sogar noch günstiger daherkam.

Einzig der Pick von College-Star Frank Kaminsky, für den Jordan Insidern zufolge sogar vier First-Round-Picks der Boston Celtics ablehnte, nährte erneut die Kritik, die His Airness nach wie vor einen wirre Personalplanung vorwarfen. Bereits in der Vergangenheit bemängelten Fans und Beobachter, er würde sich mehr von College-Leistungen blenden lassen als das NBA-Potenzial eines Spielers tatsächlich abschätzen zu können.

Heißer Start, heißer März

Nichtsdestotrotz starten die Hornets mit der defensiven Mentalität, die Coach Steve Clifford den Spielern seit seiner Ankunft 2013 eingeimpft hatte, verheißungsvoll in die Saison und gewannen die ersten sieben Spiele. Auch wenn dem Team immer wieder Verletzungen von Batum oder Jefferson in die Quere kamen, blieb man konstant auf Playoff-Kurs.

Die Mannschaft um Go-to-Guy Kemba Walker, der die mit Abstand effizienteste Saison seiner Karriere hinlegt, spielt besonnen und abgeklärt. Die sechstbeste Dreierquote der Liga, die wenigsten Turnover, fast 80 Prozent aller Freiwürfe fallen durch die Reuse. Darüber hinaus besticht man mit dem achtbesten Defensivrating der NBA und bewegt sich fast in allen anderen relevanten Kategorien im schlechtesten Fall im Liga-Mittelfeld.

Dann kam der März und das Grinsen im Gesicht eines jeden Hornets-Fans verbreitete sich zu einer schon fast dämlichen Grimasse: Sieben Siege in Folge, eine Bilanz von 12-3, über 40 Prozent von hinter der Dreierlinie, ein Plus/Minus-Rating von 8,2. Dazu trifft Walker bei einer Feldwurfquote von 45 Prozent für durchschnittlich 23 Punkte. Das Team spielt schnell und vertraut in die Stärken eines jeden einzelnen Akteurs.

Ausgeglichen und verletzt

In nur wenigen Partien hat sich der Deadline-Trade von Courtney Lee bereits bezahlt gemacht, der nach der Verletzung von Kidd-Gilchrist jetzt schon Teil der statistisch besten Charlotte-Fünf ist. Zusammen mit 3-and-D-Spezialist Williams, der wiedererstarkten Allzweckwaffe Batum und den konstanten Scoring-Beiträgen von Jeremy Lin wirkt das Team unglaublich ausgeglichen und träumt mittlerweile laut von einem tiefen Playoff-Run. "Wir haben wirklich Chancen, dieses Jahr Großes zu leisten. Wir sind verdammt hungrig", gibt sich Batum motiviert.

Vor allem die ständigen Verletzungen führten dazu, dass mittlerweile 10 Spieler das Team im Scoring anführten, 11 verschiedene Spieler waren Top-Rebounder einer Partie. Selbstlosigkeit und der Teamgedanke wurden zu den obersten Maximen, die sich auch auf den Court übertrugen. "Durch das konstante Verletzungspech wurden wir zusammengeschweißt, so haben wir erkannt, wie besonders dieses Team ist, dass Ball-Movement der Schlüssel ist", erklärt der Franzose die Entwicklung in Charlotte: "Wir haben eine eigene Mentalität entwickelt, so etwas ist unheimlich wichtig."

Letztendlich ist Charlotte das erste Mal auf einem Weg, der nicht nur kurzfristigen Erfolg in North Carolina bedeuten könnte. Trotz einer etwas durchdachteren Vorgehensweise scheint es letztendlich, als ob die Franchise von Michael Jordan weiterhin stark von Zufällen abhängig ist: "Es war bisher immer so: Manchmal zahlen sich unsere Aktionen aus, manchmal nicht", sprach GM Cho, der von der starken Saison irgendwie selbst überrascht zu sein scheint.

Welche Rolle spielt Jordan

Die Einflussnahme von Michael Jordan soll mittlerweile zurückgegangen sein. Doch Cho betont, dass der GOAT nach wie vor eine wichtige Rolle spielt: "Er weiß über alles Bescheid, die Entscheidungen werden gemeinsam gefällt. Er unterstützt das Front-Office-Team, wo er nur kann und ist immer offen für Diskussionen."

Es entsteht der Eindruck, als würde Jordans wettstreitende Ader mittlerweile deutlich kanalisierter durch seine Franchise fließen. Die T-Shirts für die Post-Season sind bereits im Druck, die Tickets im Verkauf, es winkt sogar erstmals der Playoff-Heimvorteil im Basketball-Staat North Carolina.

Es scheint, als hätte die Winner-Mentalität des Spielers Michael Jordan endlich begonnen, auf die Franchise abzufärben. Seltsamerweise in einer Zeit, in der der Manager Michael Jordan immer weiter in den Hintergrund rückt.

Die Charlotte Hornets im Steckbrief

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