Vince Carter und der Dunk Contest 2000

Abheben, fliegen, gewinnen

Samstag, 13.02.2016 | 16:30 Uhr
Vince Carter ging in die Geschichte des Dunk Contest ein
© getty
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Der Dunk Contest 2000 ging als einer der besten in die Geschichte ein. Der Grund? Vince Carter. 'The Human Highlight Reel' verzauberte die Zuschauer mit seiner schier unmenschlichen Sprungkraft und hauchte dem Wettbewerb neues Leben ein. Allen Iverson ist bis heute dankbar für diesen Abend, während eine NBA-Ikone den Wettkampf früh für beendet erklärte.

"Let's go home! Let's go home! Let's go home, Ladies and Gentlemen!" Völlig entgeistert wiederholte Rockets-Legende Kenny Smith diese Worte und rief sie immer wieder in sein Mikrofon, während um ihn herum eine fassungslose Zuschauermenge versuchte, zu jubeln und gleichzeitig zu verarbeiten, was gerade geschehen war.

Lakers-Star Shaquille O'Neal riss die Augen weit auf, Blockmonster Dikembe Mutombo griff mit der rechten Hand erschrocken Richtung Himmel und Kings-Forward Chris Webber suchte Halt bei Kollege Kevin Garnett - allesamt talentierte Basketballer, die trotzdem nicht richtig verstanden, was einer ihrer Kollegen soeben auf dem Hardwood veranstaltet hatte.

Keine Rücksicht auf Grenzen

Dieser Kollege war Vince Carter. Ein 23-jähriger Junge aus Florida, der großen Spaß daran hatte, einen Basketball mit Gewalt und wenig Rücksicht auf physikalische Grenzen durch den 3,05 Meter hohen Ring zu drücken. Der Tatort? Das All-Star Game 2000 in Oakland.

Bereits im Vorfeld hatte sich Carter, der Shootingstar der Toronto Raptors, einen Namen als Sprungwunder gemacht und wurde mitunter wegen dieser Qualität in seinem zweiten NBA-Jahr ins All-Star-Team berufen. Die Wucht, die Höhe, die Kreativität - Carter galt schnell als Slam-Dunk-Künstler, als rechtmäßiger Erbe für den vakanten Thron der High Flyer.

Ein neuer Meilenstein

Umso größer waren die Erwartungen, als die NBA bekanntgab, dass Carter zum Dunk-Contest antreten werde. Nach dem Riesensatz von Julius Erving, den Flummi-Demonstrationen von Spudd Webb sowie den Duellen von Michael Jordan und Dominique Wilkins sollte Carter für einen weiteren Meilenstein in der Geschichte des Wettbewerbs sorgen.

Darüber hinaus war es an ihm, einen verstaubten Wettbewerb aus dem Tiefschlaf zu holen. 1998 wurde das Flug-Spektakel durch einen Kooperationswettbewerb mit der jungen WNBA ersetzt, 1999 fiel er aufgrund des Lockouts aus. Erst zum neuen Millennium sollten wieder die Ringe zittern - mit 'Vinsanity' als Hauptattraktion.

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Auch Kommentator Kenny Smith erklärte kurz vor Beginn: "Auf ihn warten alle, er ist der Höhepunkt des Abends. Endlich können wir sehen, wozu Vince Carter tatsächlich im Stande ist." Dieser Aufgabe blickte der Auserwählte mit Freude entgegen: "Ich schaute mich in der Arena um. Das Gefühl, der Vibe - es war perfekt. Wer hier nicht in die richtige Stimmung kam, den wollte das Schicksal wohl nicht hier haben. Ich dachte echt, ich springe gleich direkt ins Brett - so aufgedreht war ich."

Asse im Ärmel

Deshalb brauchte Carter auch nicht lange, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Sprung Nummer eins: Ein schneller Anlauf von der linken Seite, ein 360 gegen die Laufrichtung, der Windmill-Dunk und die 10er-Pappkarten schnellten innerhalb einer Millisekunde in die Höhe - Smith rief seine markanten Worte, die Zuschauer sprangen von den Sitzen, das Spektakel nahm seinen Lauf.

Doch wer dachte, 'Air Canada' hätte sein Pulver da schon verschossen, den wusste Carter sogleich im Sideline-Interview zu beruhigen: "Ich habe noch ein paar Asse im Ärmel - egal, wie kritisch die Jury ist."

Vince Carter im Interview: "Scoren ist heute einfacher"

Dennoch ließ er es mit einem Tomahawk 180, bei dem er aus dem Rücken des Korbs hervorkam, vergleichsweise ruhig angehen. Dies veranlasste Smith sogar dazu, als einziger Juror nur eine 9 zu vergeben. Diese Wertung verhinderte schließlich, dass Carter Historisches vollbrachte und einen perfekten Wettbewerb hinlegte. Die Konkurrenz schien kurzzeitig aufzuatmen.

Isiah macht den Kniefall

Doch in der dritten Runde sollten die Gesichter der Konkurrenten Steve Francis und Tracy McGrady wieder zu Eis erstarren. Dabei half Cousin Tracy sogar noch kräftig mit. Nach einem kurzen Probeversuche rannte Carter ohne Ball auf den Korb zu, schnappte sich den Bounce-Pass seines Teamkollegen auf Brusthöhe und vollendete 'Between-the-Legs'. Anschließend blickte 'Half Man Half Amazing' in die Kamera und deutete mit seinen Händen immer wieder an: Es ist vorbei!

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Die Jury war da schon längst überzeugt. 50, 49, 50 die Punktezahl der drei Versuche bis zur Finalrunde. Isiah Thomas sprang über den Tisch und machte einen Kniefall, während Smith den Wettbewerb endgültig für beendet erklärte und die Frage aufwarf, warum die Veranstaltung überhaupt noch weiterging.

Nur noch Stille

Diese Frage beantwortet Carter selbst. Indem er sich weiter mit der Schwerkraft duellierte. So unspektakulär der Anlauf, so markant der nächste Dunk. Ohne große Mühe schwang sich 'The Human Highlight Reel' zum Ring auf und erreichte eine wahnwitzige Höhe. Er drückte den Spalding so tief durch die Reuse, dass er sich lässig mit der Ellenbogenbeuge einhaken konnte - der 'Honey Dip' war geboren.

Shaq, Francis und Co. kamen aus dem Staunen nicht mehr raus, im Publikum saß Hollywood-Star Michael Keaton, der mit offenem Mund aufs den Court starrte. Jason Kidd hielt sich verschämt die Hand vors Gesicht. Die Zuschauerränge waren von einer unheimlichen Stille umgeben. Erst als die Wiederholung über die Bildschirme lief, wachte die Menge wieder auf.

"Genau das wollte ich! Einen Dunk, der zunächst nicht nur für Jubel sorgt, sondern für erschrockenes Schweigen", beschrieb Carter diesen Moment mit einem dicken Grinsen im Gesicht. Er blieb an diesem Abend dagegen weiterhin cool, ließ sich auf seinen Stuhl fallen und sprach zur Kamera: "Einen hab ich noch!"

Eine Hommage als Abschluss

Nach seiner dritten 50 benötigte Carter beim letzten Versuch noch 42 Punkte zum Sieg. Wie schließt man so eine historische Darbietung ab? Mit einer Hommage an die alten Helden. Also den ein letztes Mal den Spalding geschnappt, mächtig Anlauf und dann Abflug knapp vor der Freiwurflinie - mit beiden Händen!

Nun war die wahnwitzige Show tatsächlich zu Ende! Gleichzeitig schloss Carter den Kreis, der mit den Endlossprüngen von Erving und Jordan seinen Anfang gefunden hatte. Sideline-Reporter Craig Sager fasste den Wettbewerb für den Triumphator in drei Worten zusammen: "Skying, flying, scooping (abheben, fliegen, den Gewinn abholen)." Gegen Carter (98 Finalpunkte) sahen Francis (91) und McGrady (77) nicht den Hauch einer Chance.

"Daran werde ich mich mein Leben lang erinnern, ich bin wirklich dankbar, dass ich an diesem Abend in der Halle sein durfte und das miterleben konnte", sprach Allen Iverson Jahre später. Ex-NBA-Boss David Stern sieht in diesem Dunk-Contest bis heute die Essenz dieses Wettbewerbs: "Vince Carter hat den Kern dieser Veranstaltung getroffen. Er hat dafür gesorgt, dass sich Leute zu ihrem Sitznachbar umdrehen und fragten: 'Hat er das gerade wirklich getan?'"

Der Dunk-Contest des All-Star Weekend 2016 in Toronto im LIVESTREAM FOR FREE bei SPOX mit dem amtierenden Champ Zach LaVine sowie Andre Drummond, Will Barton und Aaron Gordon ab 2.30 Uhr.

Vince Carter im Steckbrief

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