NBA

"Finde Robben ganz cool"

Von Interview: Dirk Sing
Justise Winslow (r.) wurde im Draft 2015 an 10. Stelle von den Miami Heat ausgewählt
© getty
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SPOX: Stichwort Lernen: Was haben Sie denn in Ihrer ersten Halb-Saison in der NBA bislang am meisten gelernt?

Winslow: Nun, das Wichtigste ist das Verständnis, dass eine Saison in der NBA wesentlich länger als im College dauert. Dementsprechend musst du sowohl deinen Körper auf diese höhere Belastung vorbereiten und ihn pflegen als auch von der Psyche her stetig bereit sein. Ansonsten sind es unglaublich viele Kleinigkeiten, die man von Tag zu Tag dazulernt. Diese sind aber mindestens genau so wichtig, um letztlich in dieser Liga zu bleiben. Gerade im ersten Jahr prasselt diesbezüglich unglaublich viel auf dich ein. Und ich bin nach wie vor dabei, das Ganze entsprechend zu ordnen und zu verarbeiten.

SPOX: Hinzu kommt, dass Sie in Ihrer Rookie-Saison bei den Miami Heat auch eine ganz andere Rolle einnehmen als zuletzt bei der Duke University...

Winslow: Ja, das ist absolut richtig. Bei Duke war ich der Spieler, der gemeinsam mit Jahlil Okafor den Ball am meisten in den Händen hatte, über den fast alle Plays gelaufen sind und am Ende auch die erste oder zweite Option in der Offensive war. Hier in Miami haben wir wahnsinnig viele Akteure, die in der Lage sind, ein Match alleine zu entscheiden - allen voran natürlich Dwyane Wade und Chris Bosh. Für mich ist es nun eine ganz neue Erfahrung, beispielsweise auch dann meinen Rhythmus in der Offense zu finden, wenn ich deutlich weniger Bälle und Würfe bekomme. Das ist schon eine gewaltige Umstellung. Aber wie gesagt, ich bin hier, um zu lernen und mich weiterzuentwickeln.

SPOX: Ihr Headcoach Erik Spoelstra lässt kaum eine Gelegenheit aus, Sie auch öffentlich zu loben. Ein Weg, seinen Respekt Ihnen gegenüber auszudrücken, ist zweifelsohne die Tatsache, dass er Sie zumeist gegen die Topstars der jeweiligen Kontrahenten wie beispielsweise LeBron James, Kevin Durant, Paul George oder Jimmy Butler stellt. Was bedeutet Ihnen persönlich dieser doch enorme Vertrauensbeweis?

Winslow: Das macht mich natürlich immens stolz, keine Frage. Es zeigt mir, dass sowohl unsere Coaching-Staff als auch meine Teamkollegen mir voll vertrauen und an mich glauben. Letztlich ist es auch eine Anerkennung für meine bisherige Arbeit auf dem Court. Wenn man neu in diese Liga kommt und dann gleich gegen die besten Akteure der Welt verteidigen darf, ist das zweifelsohne eine gewisse Bestätigung für das, was man tut.

SPOX: Bereiten Sie sich im Vorfeld eigentlich spezifisch auf Ihre jeweiligen Match-ups vor? Vor allem dann, wenn es gegen einen James oder Durant geht?

Winslow: Grundsätzlich spielt es für mich keine große Rolle, wer mein direkter Gegenspieler ist. Ich bereite mich auf jedes Match-up immer gleich vor. Im Vorfeld einer Partie gibt es von unserer Coaching-Staff zahlreiche Video-Frequenzen, die die jeweiligen Stärken dieser Akteure aufzeigen. Dementsprechend versuche ich mir diese einzuprägen und mache mir Gedanken, wie ich meinem Kontrahenten möglichst die eine oder andere gefährliche Waffe nehmen kann. Das Wichtigste ist ohnehin, dass man im Match mental bereit ist. Wir sind hier schließlich in der NBA - und dort verteidigt man gegen die Besten der Welt.

SPOX: Sie haben sich in Ihren ersten Monaten ohnehin schon den Ruf, einer der besten Heat-Verteidiger zu sein, erarbeitet. Wieviel harte Arbeit steckt dahinter, um ein derart guter Defender zu werden?

Winslow: Schon extrem viel. Allerdings muss ich zugeben, dass es mir schon als kleines Kind immer sehr viel Spaß gemacht hat und meine Motivation war, derart gut im Training oder Match zu verteidigen, dass mein Gegenspieler frustiert war. War dieser jedoch besser und hat gegen mich immer gescort, habe ich dies regelrecht persönlich genommen. Auch später in der High School oder im College war es immer mein Anspruch, gegen die besten Jungs zu verteidigen, um damit meinem Team zu helfen. Dass man als starker Verteidiger sicherlich nicht derart im öffentlichen Rampenlicht steht wie ein spektakulärer Scorer, war mir indes schon immer egal und ist es nach wie vor.

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SPOX: Wie hat sich Ihr Leben als NBA-Spieler insgesamt verändert? Vor allem Ihr Bekanntheitsgrad dürfte rapide gestiegen sein...

Winslow: (lacht) Ja, das ist er auf alle Fälle. Wenn ich unterwegs bin, sprechen mich die Leute an, grüßen mich, fragen hin und wieder nach einem Autogramm, lassen mir aber dennoch meine Privatsphäre. Letztlich bin ich ja auch nicht mehr als ein 19-Jähriger, der gerne mit seinen Freunden ins Kino oder in eine Mall zum Einkaufen geht. Ich hoffe mal, dass ich das auch in einigen Jahren noch tun kann.

SPOX: Dann lassen Sie uns doch gleich einen Blick in die Zukunft wagen: Wo sehen Sie sich sportlich in den kommenden fünf Jahren? Als Starter oder sogar als All-Star?

Winslow: Mein größtes Ziel ist es, eine Meisterschaft mit den Miami Heat zu gewinnen. Ob das jetzt als Starter oder von der Bank aus der Fall ist, ist für mich wirklich absolut zweitrangig. Klar wäre es - persönlich gesehen - eine schöne Auszeichnung, kontinuierlich zu starten oder bei einem All-Star Game dabei zu sein. Doch der Teamerfolg steht für mich über allem.

SPOX: Kommen wir zum Schluss nochmals auf Ihre Biografie zurück. Dort geben Sie unter anderem an, sich auch für Kunst-Museen sehr zu interessieren. Für einen 19-Jährigen wirkt das - zumindest auf den ersten Blick - etwas ungewöhnlich...

Winslow: Da kann ich Ihnen nicht wirklich widersprechen (lacht). Mein Interesse dafür habe ich - ebenso wie mit dem Fußball - im College entwickelt. Um mich herum waren sehr viele Leute, die sich mit Kunst im Allgemeinen beziehungsweise auch Kunstmalerei intensiv beschäftigt haben. Irgendwie war ich von dieser Vielfältigkeit und dem Können dieser Künstler richtig beeindruckt. Ich habe dann auch angefangen, regelmäßig in Museen zu gehen. Was das betrifft, habe ich mit Miami natürlich doppeltes Glück gehabt. Hier gibt es zahlreiche Museen, Kunsthallen oder Festivals, die ich immer mal wieder Besuche.

SPOX: Wie steht es dann selbst um ihre malerischen oder zeichnerischen Fähigkeiten?

Winslow: Oh je, das möchte ich wirklich niemand antun (lacht). Das hat mit Kunst übergaupt nichts zu tun. Das überlasse ich dann doch lieber den Fachleuten.

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