Mittwoch, 24.02.2016

Die Warriors und der Rekord

Jäger des Augenblicks

55 Spiele, 50 Siege, 5 Niederlagen. Die Saison der Golden State Warriors ist auch nach knapp vier Monaten immer noch ein atemberaubender Ritt. Phänomenal. Unglaublich. Der 72-Siege-Rekord der Chicago Bulls von 1995/1996 wackelt beträchtlich, doch 27 Partien stehen noch aus. Gelingt den Warriors die beste Saison der NBA-Geschichte? Am Sonntag sind die Dubs beim Verfolger aus Oklahoma City zu Gast (ab 2.30 Uhr im LIVESTREAM FOR FREE).

Steph Curry und die Warriors sind auf dem Weg zu einer historischen Saison
© getty
Steph Curry und die Warriors sind auf dem Weg zu einer historischen Saison

Zur All-Star Break veröffentlichte fivethirtyeight.com eine komplexe Simulation der weiteren Warriors-Saison, basierend auf einem Index der Stärke aller Teams. Das Ergebnis: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 54 Prozent erreicht Golden State am Ende 73 Siege oder mehr.

Nach der jüngsten Dubs-Pleite gegen die Portland Trail Blazers ist dieser Wert zwar ein kleines bisschen gesunken, doch individuelle Spielerbewertungen, besondere Aspekte wie Heimvorteil und Hot Streaks halten die Wahrscheinlichkeit in der unmittelbaren Umgebung der 50-Prozent-Marke. Und: Die Bulls hatten vor 20 Jahren zum selben Zeitpunkt schon sechs Niederlagen auf dem Konto.

Es wird definitiv ein knappes Rennen. Und am Ende bleiben Zahlen und Wahrscheinlichkeiten eben nur Zahlen und Wahrscheinlichkeiten. Dennoch gibt es einige Faktoren, die Golden State bei ihrer Jagd nach dem legendären Rekord beeinflussen.

Der Spielplan:

Der aktuelle Auswärtstrip der Warriors ist schon eine harte Angelegenheit. Vier Spiele in fremden Hallen sind absolviert, drei folgen noch. Darunter sind mit den Miami Heat und den Oklahoma City Thunder zwei Teams, die über 0.500 stehen - also mehr Partien gewonnen als verloren haben.

In der Geschichte der NBA hat noch keine Mannschaft einen Road Trip mit sieben oder mehr Spielen ohne Niederlage abgeschlossen. Auch den dominanten Warriors wird das nicht mehr gelingen, mussten sie sich vor wenigen Tagen bereits den Blazers geschlagen geben.

Die Reisestrapazen sind auch direkt nach der All-Star Break nicht zu unterschätzen, mussten bzw. müssen die Dubs doch mehrmals quer durch die Staaten. "Es ist, als hätte ein Blinder mit dem Finger auf eine Karte gezeigt und das sind nun die Städte, in die wir reisen müssen", sagte ein wenig erfreuter Andrew Bogut.

Phoenix, Portland, Los Angeles, Atlanta, Miami, Orlando, Oklahoma City - geographisch gesehen nimmt nur der Abstecher nach Florida ein wenig Rücksicht auf den Biorhythmus der Spieler. "Und wenn wir nach einem 15-Stunden-Flug nicht mit der richtigen Einstellung aufs Feld gehen, dann bekommen wir den Hintern versohlt", so Bogut. Absolut. Denn jeder Gegner ist überheiß, wenn der Champion auf seiner Rekord-Jagd in die Stadt kommt. Nach dem Road Trip warten noch 13 weitere Spiele gegen Teams mit einer positiven Bilanz auf Golden State. Immerhin: Neun dieser Partien finden in Oakland statt.

Mit 20 Back-to-Backs hat Golden State einen der härtesten Spielpläne überhaupt, vier stehen noch aus. Als nächstes steht das Auswärts-Doppel gegen die Heat und Magic am 24. und 25. Februar an. Orlando ist auch am 7. März direkt nach dem Lakers-Spiel am 6. März der Gegner am zweiten Abend eines Back-to-Backs. Anschließend wartet mit dem Texas-Paket in Dallas (18. März) und San Antonio (19. März) noch ein harter Prüfstein auf den Champ. Den Abschluss bilden das Auswärtsspiel bei den Memphis Grizzlies am 9. April, gefolgt vom letzten Regular-Season-Duell mit den Spurs am 10. April (im LIVESTREAM FOR FREE bei SPOX).

Die Verletzungen:

Eine langfristige Verletzung von Steph Curry oder Draymond Green würde sowohl das Projekt Rekord als auch das Projekt Championship arg gefährden - da sind sich alle Beobachter einig. Hoffen wir, dass das nicht passiert. Dennoch bleiben auch die Warriors nicht von Verletzungen verschont.

Curry musste zum Glück erst zwei Spiele aussetzen, doch Harrison Barnes fehlte 16 Spiele mit Knöchelproblemen. Durch die gute Leistung von Ersatz-Starter Brandon Rush, der wie Barnes die offenen Würfe einnetzte und ansonsten wenig Fehler machte, konnte Golden State den Ausfall gut kompensieren.

Schwerer wiegt da schon der unfreiwillige Verzicht auf Festus Ezeli, der nach einer Arthroskopie im linken Knie vermutlich noch vier Wochen im Anzug an der Seitenlinie Platz nehmen muss. Der Backup von Andrew Bogut spielt aufgrund dessen Anfälligkeit oft genauso viele Minuten wie der Australier. Im Spiel gegen die Clippers vor wenigen Tagen musste Mo Speights zeitweise im Small Ball auf der Fünf aushelfen - das kann defensiv keine Dauerlösung sein.

Unter anderem deshalb haben die Warriors auch zugegriffen, nachdem Anderson Varejao nach dem Trade von Cleveland zu Portland aus seinem Vertrag herausgekauft wurde. Der Brasilianer ist gesundheitstechnisch auch kein Vorzeige-Objekt, wird aber helfen, die Lücke auf der Fünf zu schließen. Zudem könnte er noch wertvoll werden, sollte es einem Team in den Playoffs wirklich gelingen, das Lineup of Death mit einer großen Aufstellung zu dominieren.

Die generelle Müdigkeit der Spieler, die sich nach knapp vier Saisonmonaten einstellt, ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Da zwickt nicht nur der Rücken hier und die Wade dort, sondern der Körper muss der langen Belastung hin und wieder Tribut zollen. Die Ruhepause der All-Star Break wird nach dem schweren Auswärtstrip bereits wieder vom kräftezehrenden Alltag aufgefressen sein.

Schon vor Wochen begannen die Diskussionen, ob Coach Steve Kerr seine Spieler wohl zum Ende der Regular Season schonen wird, um ihre Fitness für die Playoffs nicht zu gefährden. Vor allem, wenn die Warriors dann noch im Rennen um die beste Saison aller Zeiten sind. Von Gregg Popovich bis zur Weißglut anderer Coaches perfektioniert, ist das "DNP-Rest" in den letzten Jahren zu einer äußerst populären Maßnahme geworden.

"Wahrscheinlich werden wir am Ende der Saison einige Spieler schonen", sagte Klay Thompson: "Aber unser Team ist so tief besetzt, dass wir jede Nacht die Chance haben, zu gewinnen. Wir spielen nicht nur für 73 Siege in der Saison. Wir spielen, um den Titel zu holen. Aber wenn sich die Möglichkeit bietet, werden wir schon versuchen, diesen besonderen Rekord mitzunehmen."

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Martin Klotz

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Martin Klotz(Redaktion)

Martin Klotz, Jahrgang 1988, ist seit Anfang 2014 bei SPOX.com. Den gebürtigen Bremer zog es zuletzt immer weiter Richtung Süden. Nach vier Jahren beim NDR in Hannover und einem Journalistik-Studium an der Uni Leipzig kam er nach Unterföhring. Als Volontär Mitglied der NBA-Redaktion und darüber hinaus zuständig für die Euroleague.

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