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Die Zukunft der Detroit Pistons

Mit "kalkuliertem Risiko" nach oben

Samstag, 20.02.2016 | 16:04 Uhr
Tobias Harris ist das nächste Puzzleteil im Masterplan von Coach Stan van Gundy
© getty
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In Detroit verfolgt man nach fünf Jahren ohne Playoffs endlich wieder einen Plan. Coach Van Gundy setzt auf Jugend und Vielseitigkeit. Dabei erinnert Vieles an sein altes Orlando-Team. Doch die Dinge liegen etwas anders - das zeigen auch die zwei neuen Verpflichtungen. SPOX wagt vor dem Spiel gegen die New Orleans Pelicans (ab 21.30 Uhr im LIVESTREAM for FREE) einen Blick in die Zukunft.

Als Stan Van Gundy am 24. Mai 2014 zum Head Coach und President of Basketball Operations der Detroit Pistons ernannt wurde, hatte die Franchise gerade zwei Spielzeiten mit jeweils 29 Siegen und 53 Niederlagen hinter sich. Die Playoffs waren fünf Jahre in Folge verpasst worden, der Kader bot mit Andre Drummond und Greg Monroe zwei gute Big Men, dazu Point Guard Brandon Jennings und eine Menge NBA-Fallobst bzw. Wandergesellen wie Josh Smith, Rodney Stuckey, Will Bynum, Charlie Villanueva... Dieser Kern brachte zum Start der vergangenen Saison drei Siege. Aus 22 Spielen.

Spult man knapp eineinhalb Spielzeiten vor, sieht die Realität in Motor City ganz anders aus. Mit einer ausgeglichenen Bilanz zum All-Star Break spielte man um die Playoffs mit, doch viel wichtiger: Als die Trade Deadline verstrichen war, waren von den Spielern der vorherigen Teamführung mit Drummond und Kentavious Caldwell-Pope gerade mal noch zwei Spieler übrig.

Jung und viele Werkzeuge

Stattdessen bietet die Franchise einen Kern aus sieben Spielern, die allesamt unter 26 sind, mit langen Verträgen ausgestattet oder zukünftig "Restricted Free Agent", also unter Team-Kontrolle. Darunter mit ein brandgefährliches Pick-and-Roll-Duo bestehend aus Reggie Jackson und Drummond sowie dazwischen drei Flügelspielern, die fast alles switchen können und in absehbarer Zeit die "3-and-D"-Rolle um dieses Pick-and-Roll herum perfekt beherrschen sollen. Wenn sie es nicht jetzt schon tun.

Hatte Van Gundy, zurückgekehrt aus einer Zeit als TV-Analyst, da schon den großen Plan? Wollte er ein zweites Orlando Magic aufbauen? Das Team, das die Cleveland Cavaliers in den Playoffs 2009 geschockt und in die NBA-Finals eingezogen war, ein Jahr später immerhin in die Eastern Conference Finals. Auch dieses Team war um einen dominanten Big Man (Dwight Howard) und ein Pick-and-Roll aufgebaut, flankiert von Shootern wie Rashard Lewis und Allzweckwaffe Hedo Turkoglu.

Jackson ein erstes Risiko

Lag die Blaupause also schon seit diesem 24. Mai 2014 in Van Gundys Schreibtisch-Schublade? Nicht zwangsläufig. Klar war aber: Mit Drummond hatte der Alleinherrscher in Sachen Kaderplanung einen veritablen Howard-Klon im Kader. Um dessen Offensivpotenzial zu entfalten, musste ein Point Guard her, der den Gegner im Zusammenspiel mit dem Center das Fürchten lehrt. Den bekam er im Februar 2015 aus Oklahoma City - und stattete Reggie Jackson nach nicht einmal einer halben Saison mit einem Fünfjahresvertrag über 80 Millionen Dollar aus. Ein Risiko, wie er selbst sagt.

Aber es funktionierte: Der pfeilschnelle Jackson und sein körperlich übermächtiger Pick-and-Roll-Partner mischen mittlerweile die gegnerischen Zonen auf. Um ihnen Platz zu schaffen und die Defense am totalen Kollaps zu hindern, mussten Spieler her, die am Perimeter kompetent agieren können. Für Monroe, den zweiten traditionellen Big Man, war kein Platz mehr. Dafür wurden die Forwards Ersan Ilyasova und Marcus Morris geholt - keine Dreierspezialisten, aber bei weitem flexibler als Drummond. Zudem draftete man den vielseitigen Stanley Johnson, ebenfalls für die Flügelpositionen.

Anders als Orlando

Kein Orlando 2.0 also, aber zumindest darauf ausgerichtet, aus dem Pick-and-Roll maximal Kapital zu schlagen. Gleichzeitig hatte Van Gundy allerdings weitere Teile im Blick, die noch perfekter in sein neues Puzzle passen könnten. Und als diese plötzlich verfügbar waren, schlug er zu. Raus mit Jennings, Ilyasova, Joel Anthony und einem Erstrundenpick, rein mit Tobias Harris, Donatas Motiejunas und Marcus Thornton.

Warum sind diese Trades potenziell so wertvoll für Detroit? Den ersten Schritt machte man mit Harris, dem 23-Jährigen aus Orlando, der dort einen langfristigen Vertrag unterzeichnet hatte, seine Entwicklung aber (noch) nicht dem gestiegenen Jahressalär anpassen konnte. Für Van Gundy ein Glücksgriff: "Das war genau das, was wir wollten. Wir wollten langfristige Spieler, weil wir unser Team immer noch aufbauen. Wir wollen zwar die Playoffs schaffen, aber dafür werden wir nicht unsere Zukunft opfern."

Vielseitigkeit als Schlüssel

Weitere drei Jahre ist Harris nun für je 16 Millionen Dollar an die Pistons gebunden. Ein Athlet, der sowohl Small, als auch Power Forward spielen kann. "Wir können ihn posten, wir können ihn isolieren", so Van Gundy. "Und er gibt uns Vielseitigkeit. Das ist in der heutigen NBA enorm wichtig, solche Spieler braucht man. Mit ihm, Stanley (Johnson) und Marcus (Morris) haben wir drei richtig vielseitige Spieler."

Harris kann das Pick-and-Roll durch Cuts und Posts noch gefährlicher machen, in der Defense bildet er mit seiner Länge (2,03 m) einen Teil der geforderten "Mauer". Er ist jung, er steht unter Vertrag, er ist motiviert. Am Wurf von außen muss er noch arbeiten (31 Prozent 3FG), darunter aber stolze 44 Prozent aller Corner Threes. 36 Prozent von Downtown im vergangenen Jahr zeigen, dass noch Luft nach oben ist.

Baustein Motiejunas

Den zweiten Baustein, den er nach eigener Aussage schon lange im Auge gehabt hatte, war Motiejunas. Ein treffsicherer Big Man, in diesem Jahr allerdings von ständigen Rückenproblemen gehandicapt, so dass ihn Houston schließlich für einen Pick ziehen ließ. "Das gibt uns einen Seven-Footer, der unter dem Korb punkten und von der Dreierlinie werfen, der passen und ein überdurchschnittlicher Team-Verteidiger ist", schwärmt sein neuer Coach. "Noch ein Spieler, der uns Vielseitigkeit bringt. Das war zu gut, um nein zu sagen."

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Da ist es wieder: Vielseitigkeit. Motiejunas kann sowohl als Stretch Forward neben Drummund eingesetzt werden - rund zwei Drittel seiner Minuten bei den Rockets bestritt er an der Seite von Dwight Howard -, als auch in der Crunch Time oder in besonderen Situationen den alleinigen Center geben, der auch am Perimeter bewacht werden muss.

Langfristig gedacht

Aber was ist mit dem lädierten Rücken? Als die Pistons ihr erstes Spiel nach dem All-Star Game bestritten, war Motiejunas in New York - bei einem Rückenspezialisten. "Man macht sich immer Sorgen über eine Rückenverletzung", gibt Van Gundy zu. "Es ist ein kalkuliertes Risiko. Vielleicht etwas riskanter als unsere anderen Deals, aber mit sehr viel Potenzial." Man habe ihm gesagt, es seien ähnliche Probleme wie bei J.J. Redick von den L.A. Clippers, die hin und wieder auftreten: "Wenn das der Fall ist, dann lebt man damit, dass ein derart talentierter Spieler immer mal wieder drei oder vier Spiele ausfällt."

Zumal die Pistons wie schon erwähnt langfristig denken. Sehr langfristig. Der junge Kader soll zusammengehalten und behutsam entwickelt werden. Die Teile passen auf dem Papier zusammen, nun liegt es an "Stan Van", in den kommenden Monaten und Jahren die vorhandenen Schwachstellen auszumerzen. Drummonds Freiwurfschwäche etwa, oder Harris' Shooting. Zudem ist man nun nicht mehr auf "den einen Superstar" angewiesen, den so viele Teams durch Platz unter der Salary Cap Jahr für Jahr ans heimische Ufer lotsen wollen. In Detroit ein ohnehin ein traditionell schwieriges Unterfangen.

Keine Kurzschlussreaktionen

"In Zukunft werden wir hoffentlich irgendwann nicht um den siebten oder achten Playoff-Platz kämpfen", weiß der Coach. "Es wäre in diesem Jahr einfacher gewesen, den Kader zusammenzuhalten, aber wenn man sich die Möglichkeiten anschaut, dann wäre es unklug gewesen, das alles nur für bessere Chancen auf Platz acht aufzugeben." Auch Team-Besitzer Tom Gores ist mit an Bord, Kurzschlussreaktionen wird es also nicht geben.

Ob es mit der Postseason in dieser Saison schon etwas wird, bleibt abzuwarten. Die Spieler müssen erst einmal integriert werden, kurzfristig ist man vielleicht etwas schwächer geworden, etwa durch den Abgang von Backup-Point Guard Brandon Jennings. So ging das Spiel gegen die Wizards am Freitag auch klar verloren, die Bilanz ist wieder negativ.

Harris mit erstem Ausrufezeichen

Aber mit 22 Punkten von der Bank setzte Harris schon einmal ein erstes Ausrufezeichen, und wer weiß, wo das Team in weiteren eineinhalb Jahren steht. Mit einem Pick-and-Roll par excellence, einem vielseitigen Flügelspieler-Arsenal, einem Backup-Center, der ein ganz neues Spiel möglich macht...

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"Man muss ein gewisses Risiko eingehen, um besser zu werden. " Stan Van Gundy bestreitet diese Tatsache nicht. Tatsache ist aber auch: Die Zukunft von "Deee-troiiiit Basketball!" sieht durchaus vielversprechend aus.

Der Spielplan im Überblick

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