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Legendenserie: John Starks - Gegen die Welt

Freitag, 10.08.2018 | 10:53 Uhr
John Starks und Michael Jordan schenkten sich in ihren Duellen nichts
© getty

Dadurch gewann Starks viele Fans im Garden und immer mehr Minuten, bis er in der Saison 1992/93 unter Pat Riley als Starter in Orange and Blue auflief. Seine Begeisterung kannte keine Grenzen: "Ich fühlte mich wie im Traum, im Mekka des Basketballs zu spielen und ein wichtiger Teil eines so großen Teams zu sein."

Coach Riley etablierte bei den Knicks einen extrem physischen Basketball, dessen Kern in einer aufopferungsvollen Verteidigung lag und Starks brachte genau die richtigen Werkzeuge mit. Die Nominierung zum Dunk Contest war für den kleinen Guard eine besondere Ehre.

Der berühmte Knicks-Fan Spike Lee erklärte später: "Er war einer von uns, der es von ganz unten auf die große Bühne geschafft hatte. Er spielte mit absoluter Härte, war dazu ein wenig verrückt - für die Fans war er der Underdog mit dem sich jeder identifizieren konnte."

Doch sein Eifer brachte 'Sparkplug' (Zündkerze), wie er wegen seines energiegeladenen und hitzigen Spielstils getauft wurde, auch häufig in Schwierigkeiten. Ob Gegenspieler, Schiedsrichter oder sogar eigene Teamkameraden - Starks stand auf dem Court unter Dauerstrom und suchte vehement die Konfrontation. Er handelte sich regelmäßig Ärger ein, kassierte Technische Fouls oder wurde direkt in die Kabine geschickt.

"Hau' ihm die Lichter aus"

Bälle wurden weggetreten, Fans wurden beleidigt, Gegenspieler bis ans Äußerste provoziert. Nicht nur einmal wurde das kleine Pulverfass von Team-Captain Patrick Ewing vor laufender Kamera zusammengefaltet - auch nach einem unnötigen Kopfstoß gegen Dauerrivale Reggie Miller. Ewing erzählte später: "Seine Mutter rief mich an und erklärte mir, dass ich ihren Sohn gefälligst nicht mehr anfassen soll. Doch ich sagte ihr: 'Frau Starks, wenn Ihr Sohn auf dem Feld noch einmal eine Kopfnuss verteilt, dann hau' ich bei ihm alle Lichter aus."

So schlecht Starks' Ruf in der NBA war, in New York steigerten die Aussetzer seine Popularität nur weiter, bis er sich im Jahr 1993 ein Denkmal setzte. Es war Playoff-Time im Garden und die Bulls gastierten in Spiel zwei der Eastern Conference Finals. Bei noch 50 Sekunden auf der Uhr führte New York mit drei Punkten und Starks trieb den Ball in die Hälfte der Bulls.

The Dunk

Zu diesem Zeitpunkt war der Lärm in der Arena bereits nicht mehr in Dezibel zu messen. Der Sieg schien zum Greifen nah und jeder erwartete ein Anspiel auf Star-Center Ewing im Post. Doch Starks dachte gar nicht daran. Er positionierte sich mit dem Rücken zum Korb auf der rechten Seite der Dreierlinie und wartete auf den Screen von Ewing, der schließlich einen Pick für ihn stellte.

Trotzdem überlief Starks Gegenspieler B.J. Armstrong über die Außenseite und zog an der Baseline entlang Richtung Korb. Dort warteten Horace Grant und Michael Jordan auf den 1,96-Meter 'kleinen' Guard, der sich mit aller Kraft vom Boden abdrückte. Starks stieg in die Höhe und drückte den beiden Bullen einen krachenden Linkshänder-Dunk ins Gesicht, der Grant sogar die Brille vom Gesicht schleuderte. Die Zuschauer sprangen von den Sitzen und der ehrwürdige MSG verwandelte sich in ein Tollhaus.

Die Finals rufen

"Ich war schon so oft im Garden, aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals einen so unglaublichen Jubelsturm gehört habe", erklärte Knicks-Legende Walt Frazier später. Während Starks aus dem Abklatschen gar nicht mehr heraus kam, stand bereits die Headline für den morgigen Tag: "The Dunk" war geboren.

Zwar war Chicago am Ende zu stark, doch die große Jagd der Knicks auf eine Championship war eröffnet. Während das Team jährlich seinen Contender-Status verteidigte, wurde Starks 1994 ins All-Star-Team gewählt. Im selben Jahr rauschte New York durch die Playoffs und stand nach 18 furiosen Spielen in den ersten Finals seit 1973.

So kurz davor

Auf dem anderen Ende des Courts wartete das Team der Houston Rockets um Wunder-Center Hakeem Olajuwon. Trotz des imposanten Defensiv-Ankers waren Ewing, Starks und Co. beim Stand von 3:2 für die Knicks nur noch einen Sieg vom Titeltraum entfernt, lagen im sechsten Spiel aber früh in Rückstand.

Starks lieferte mit 27 Punkten und 3 von 4 Treffern von der Dreierlinie eine beeindruckende Leistung und führte New York zu einer fulminanten Aufholjagd. Im letzten Spielzug unternahm der kleine Guard einen finalen Versuch. Ein kurzer Sprint ins linke Eck, Stop, Pop - und weggeblockt. Hakeem 'The Dream' erreicht den Spalding mit seinen Krakenarmen und entschied Spiel sechs für Houston.

Ein schwarzer Tag

In Texas wurde es richtig bitter. Starks erlebte den schwärzesten Tag seiner Karriere, warf 2 von 18 aus dem Feld (0/10 im letzten Viertel), während sein Team mit sechs Punkten Unterschied verlor und den Traum vom Titel begraben musste. Starks' Auftritt ging als eine der schlechtesten Playoff-Leistungen in die Geschichte ein.

In den nächsten Jahren scheiterten die Knicks immer wieder knapp vor dem Ziel und nach einigen Wechseln an der Seitenlinie und im Kader war Starks in New York inzwischen zum Bankspieler degradiert worden. Doch auch in dieser Funktion wusste er zu überzeugen und wurde 1997 zum Sixth Man of the Year gewählt.

Vorreiter von Downtown

Er perfektionierte die Rolle als Shooter und als erstem Spieler der Geschichte gelang ihm eine Saison mit 200 erfolgreichen Dreiern. Den Franchise-Rekord der Knicks hält er mit 982 Treffern von Downtown auch heute noch.

Der finale Erfolg war dem inzwischen 34-Jährigen allerdings nicht mehr vergönnt. Nach kurzen Engagements bei Golden State, den Bulls und den Utah Jazz endete die abenteuerliche Reise von John Starks im Jahr 2002.

Angesprochen auf seine irre Achterbahnfahrt hinauf bis in die Finals der NBA erklärte er nach seinem Rücktritt mit Stolz: "Ich habe gar nicht mitbekommen, welchen Einfluss mein täglicher Kampf mit der Welt auf andere Menschen hatte. Ich bekomme immer noch Nachrichten von Leuten, die sich bei mir bedanken, weil sie ich ihnen die Hoffnung schenkte, dass jeder etwas Großes leisten kann. Es ist ein großartiges Gefühl, wenn man solche Gedanken in Menschen auslösen kann."

Seite 1: Drogen, Kriminalität und der Aufstieg

Seite 2: Ein Querulant in den Finals

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