Mavericks-Neuzugang Maurice Ndour

Der hungrige Globetrotter

Montag, 12.10.2015 | 12:35 Uhr
Maurice Ndour (M.) trägt bei den Dallas Mavericks die Nummer 10
© getty
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Erst Senegal, dann Japan, dann College. Und dann die NBA? Maurice Ndour kämpft bei den Dallas Mavericks derzeit um einen Platz im Kader, der vielseitige Forward könnte der neue Al-Farouq Aminu werden. Es wird nicht leicht, Coach Rick Carlisle zu überzeugen - doch auf seinem Weg in die NBA hat Ndour schon größere Hürden genommen.

Als sich die Philadelphia 76ers und die New York Knicks am 13. Juli im Rahmen der Summer League gegenüberstanden, waren so ziemlich alle Zuschauer wegen zwei ganz bestimmten Spielern da. Auf der einen Seite der dritte Pick des Drafts, Jahill Okafor. Der machte seine Sache mit 18 Punkten und 6 Rebounds respektabel. Auf der anderen Seite die neue Knicks-Hoffnung Kristaps Porzingis. Immerhin 9 Punkte und je 3 Rebounds, Assists und Blocks.

In den Schatten gestellt wurden jedoch beide von einem recht unbekannten Knicks-Akteur. Der lief als Power Forward auf und sammelte in 28 Minuten Einsatzzeit 23 Punkte (10/15 FG), 6 Rebounds und je einen Steal und einen Block. Mit dem Block räumte der 2,06-Meter-Mann übrigens Okafor ab, als der unter dem Korb zum Dunk hochsteigen wollte. Wenig später setzte er einen butterweichen Stepback-Jumper ins Nylon - über Gegenspieler Okafor.

Von den Knicks zu den Mavs

Das Internet merkte auf. Maurice Ndour, so der Name des besten Spielers im Knicks-Jersey, das wäre doch einer für das Team von Derek Fisher. Zumindest aber für das Training Camp Roster der Knickerbockers. Ein Tweener auf der Forward-Position mit nimmermüdem Motor und gutem Händchen aus der Distanz. Warum nicht? Mittlerweile spielt der 23 Jahre Ndour, geboren im Senegal, bei den Dallas Mavericks und hat eine reelle Chance auf einen der 15 finalen Plätze im Kader.

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Wie er bei den Mavs landete, ist eine vergleichsweise profane Geschichte: Alle Teams halten im Juli die Augen offen, um im besten Fall einen Rohdiamanten zu finden. Dallas ganz besonders - der 20 Mann starke Kader ist bis zum Bersten gefüllt mit jungen Rohdiamanten und altmeisterlichen Minimalverdienern, aus denen Coach Rick Carlisle die bestmögliche Kombination herausfiltern soll. So schnappte man sich Ndour mit einem Dreijahresvertrag, die ersten eineinhalb Jahre sind garantiert. Bei den Knicks saß der Geldbeutel etwas fester - und tschüss.

Geht man allerdings ein paar Jahre zurück, dann spinnt der Lebenslauf von Maurice Ndour ein Garn, welches es in der Geschichte der NBA wohl selten gegeben hat.

Vom Senegal nach Fernost

Im Alter von acht Jahren schnappte sich Ndour, der im Senegal eine normale Kindheit verlebte, zum ersten Mal einen Basketball. Groß gewachsen und athletisch, fiel er mit 15 einem High-School-Coach auf, der ihn davon überzeugen konnte, auf die andere Seite des Erdballs zu wechseln und an seiner Schule den Spalding tanzen zu lassen. So weit, so gut. Nur war es die andere Seite: Ndour ging nach Japan.

"Als ich hingegangen bin, wusste ich nicht einmal, wo Japan überhaupt ist", verriet er CBSSports in einem Interview. "Dann natürlich die Sprachbarriere. Ich habe es einfach riskiert und meinem Instinkt vertraut. Ich habe an mich geglaubt." Der 15-Jährige lässt seine Familie zurück und geht an die Okayama Gakugeikan High School. Mit Englisch, Französisch und den senegalesischen Dialekten Wolof und Serer beherrscht er da schon vier Sprachen, was bedeutet also eine fünfte, richtig? Sechs Monate später spricht er Japanisch. "Die ersten sechs Monate waren richtig hart, aber danach hatte ich keine Probleme mehr."

"Ich bin einfach hungrig"

Auch deshalb wurde die University of Portland, deren Coach selbst in Japan gespielt hatte, auf ihn aufmerksam. Auf ein japanisches College wollte er ohnehin nicht gehen: "Ich wollte in die USA gehen, mich herausfordern und mir einen Namen machen", erinnert er sich. Doch seine guten schulischen Leistungen in Japan sind mit dem NCAA-System nicht kompatibel: Fehlende Credits, keine standardisierten Tests, nicht umzurechnen. Vier Jahre College? Fehlanzeige.

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Also geht es für den Teenager zurück in den Senegal. Ein halbes Jahr später meldet sich plötzlich Jeff Brusted, Coach am Junior College Monroe im Bundesstaat New York. "Ich hatte sein Tape einfach über andere Schulen bekommen", so Brusted. "In Japan hat er gegen dortige Kids gespielt. Also dominierte er natürlich." Er lädt Ndour ein, wieder eine neue Kultur, immerhin kennt er die Sprache diesmal schon.

"Ich bin einfach hungrig", sagt Ndour über sich selbst. "So war ich schon immer. Das kommt davon, wenn man immer nur 'Nein' hört oder unterschätzt wird." Nach drei Monaten hat er sich bei einem der besten Junior Colleges des Landes eingelebt, wird im zweiten Jahr angesichts der vielen Neuzugänge sogar eine Art Player-Coach. "Ich habe mich oft auf ihn verlassen", so Brusted. 16,8 Punkte, 10,6 Rebounds und 3 Assists pro Spiel bekommt er gratis dazu.

Workouts als Geschenk

Danach geht es an die Ohio University, wo er Leistungsträger wird. Seine Stats (14,9 Punkte und 7,7 Rebounds im Schnitt in zwei Jahren), seine Leidenschaft und seine 2,23-Meter-Spannweite machen ihn zum Publikumsliebling, aber nicht nur sein Auftreten auf dem Court. "Er ist weltgewandt, kann sich gut in andere hineinversetzen", erklärte sein damaliger Coach Jim Christian. "Er ist einfach sehr sympathisch."

Der direkte Weg in die NBA, der Draft 2015, bleibt ihm verwehrt, obwohl er bei vielen Teams vorspielen darf. "Zu den Teams zu fliegen, dann ein Workout, dann in eine andere Stadt fliegen, dann das nächste Workout - das ist manchmal frustrierend", so Ndour zu CBS. "Aber ich sehe das so: Es gibt so viele Basketballer auf diesem Planeten, die sich wünschten, sie hätten die gleichen Möglichkeiten wie ich. Für NBA-Teams vorzuspielen, davon träumt man doch als Kind. Ich sehe es als Geschenk."

Nächstes Projekt: Carlisle überzeugen

Das Vorspielen ist noch nicht vorbei. Erfolgreiche Auftritte in Las Vegas brachten ihn nach Big D, jetzt ist Vorspielen bei Rick Carlisle angesagt. Und der ist bekanntlich nicht gerade der Coach mit der längsten Rookie-Leine. "Sie müssen kämpfen, sie müssen sich im Camp weiterentwickeln und verbessern und sie müssen ihre Fähigkeiten beweisen", so der Meistercoach von 2011 am Samstag über Ndour und Jamil Wilson, einen weiteren jungen Spieler im Camp. "Beide können zwei Positionen spielen. Ndour steht zwischen Small Forward und Power Forward, also muss er auch beide Positionen lernen."

Die Mavericks in der Kaderanalyse: Mission (Im)possible

Mit seinem nur zum Teil garantierten Vertrag wäre Ndour eigentlich ein erster Streichkandidat. Aber die Mavs plagen sich gute zwei Wochen vor ihrem Saisonstart mit vielen Verletzungen herum. Je länger etwa Chandler Parsons nach seiner Knie-OP ausfällt, desto größer der Bedarf nach einer weiteren 3 im Kader. Andererseits stehen auf der überbevölkerten Center-Position noch eine Menge Fragezeichen. Wann ist JaVale McGee wieder fit? Und wie lange fällt Samuel Dalembert mit seinen Knieproblemen aus?

Carlisle wird diese berücksichtigen müssen. Gleichzeitig geht es auch nach Leistung. "Wenn die Jungs auf dem Flügel herausstechen, dann wird es ein Big Man weniger. Es ist noch früh, wir haben noch fünf Preseason Games, um uns alles anzuschauen." Bis auf die großen Namen "gibt es keine Garantien. Acht oder neun Spieler sind definitiv dabei, aber vieles wird sich erst noch ergeben.

Aminu 2.0?

Der Spieler, den sich Ndour zum Vorbild nehmen sollte - und den er vielleicht auch im Hintergrund hatte, als er bei den Mavs unterschrieb -, hat in der Offseason einen 30-Millionen-Dollar-Vertrag bei den Trail Blazers unterschrieben: Al-Farouq Aminu kam per Minimum-Deal nach Dallas und stellte Fähigkeiten unter Beweis, die auch bei Ndour zu finden sind: Unermüdlicher Einsatz, die Fähigkeit mehrere Positionen zu verteidigen, harte Defense.

JaVale McGee: Die gefallene Wundertüte

Aminu war defensiv und körperlich noch eine Spur kräftiger und härter, dafür scheint Ndour der bessere Scorer zu sein, gerade aus der Mitteldistanz und von außen. Die Einstellung stimmt auf jeden Fall. Der Sommer "hat mir auf jeden Fall mehr Selbstvertrauen gegeben. Ich kann mithalten. Die Draft-Position spielt keine Rolle, auch deine Herkunft nicht. Entscheidend ist, was man auf dem Court tut."

Er habe immer gewusst, dass er irgendwo Basketball spielen werde, betont Ndour. Ob nun in den USA oder in Europa. Die Chancen stehen gut, dass der nächste Transatlantik-Flug noch eine Weile warten kann.

Der Kader der Mavs im Überblick

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