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Dennis Schröders bewegter Sommer

Zurück in der Heimat

Mittwoch, 21.10.2015 | 17:49 Uhr
Dennis Schröder steht wieder einmal vor einer richtungsweisenden Saison
© getty
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Dennis Schröder hat einen aufregenden Sommer hinter sich. Bei der EM glänzte der Point Guard als überragender Akteur im deutschen Team, erntete aber dennoch Kritik für sein Auftreten. In Atlanta wird er anders gesehen und steht wieder einmal vor einer richtungsweisenden Saison, die mit seinem Abgang enden könnte.

Als die nächste Kritik-Welle medial auf ihn einprasselte, saß Dennis Schröder in Köln bei RTL im Studio und berichtete den "Stern-TV"-Zuschauern von seinem Aufstieg aus dem beschaulichen Braunschweig zum Shootingstar bei den Atlanta Hawks. Der 22-Jährige sprach über seine Kindheit auf den Freiplätzen im Prinzenpark und davon, wie er seinem Vater am Totenbett versprach, dass er es in die NBA schaffen würde.

Die Sendung zeichnete ein sympathisches Bild des wohl talentiertesten deutschen Aufbauspielers aller Zeiten. Ein Bild, das längst nicht alle teilen. Dafür war die Kritik, die nach der EM auf ihn einprasselte, zu groß.

Unfairer Vergleich mit Nowitzki

Bayern-Manager Marko Pesic kritisierte just am Tag der Sendung seinen Egoismus und reihte sich damit in die Liste der Kritiker ein. Schröder spiele zu sehr für sich selbst, sein Auftreten wäre arrogant, hieß es von verschiedensten Seiten.

Mit seinem Durchbruch in der NBA veränderte sich auch die Wahrnehmung. Schröder wird längst nicht mehr als Talent wahrgenommen. Er ist der NBA-Spieler, der Star der neuen deutschen Basketball-Generation. Der Vergleich mit Dirk Nowitzki, dem Liebling der Massen, kommt zwangsläufig. Es ist ein unfairer Vergleich. Es gibt wohl kaum einen Sportler, der ähnlich beliebt ist wie der Mavs-Star.

Schröder entstammt einer anderen Generation, besitzt nicht den Mittelstands-Background des Würzburgers, mit dem sich ein Großteil der Deutschen identifiziert. Schröder ist jung und gibt sich selbstbewusst.

Auf seinen Social-Media-Kanälen posiert er vor dicken Autos, zeigt seinen neuen funkelnden Schmuck oder präsentiert die neusten Teile seiner eigenen Modekollektion. So wie er sich in seinen Posts gibt, tritt er auch in der Öffentlichkeit auf. Der Braunschweiger weiß um sein Talent und positioniert sich entsprechend.

"Mein Ziel ist der Starting Spot"

"Wenn es nächste Saison nicht vorwärts geht, muss man mit den Leuten reden und andere Möglichkeiten suchen", umreißt der 22-Jährige in der Sport Bild seinen Anspruch für die Zukunft: "Mein Ziel ist der Starting Spot."

In der NBA ist das Gang und Gäbe, völlig normal und nicht der Rede wert. Im Haifischbecken der besten Liga der Welt ist das vermutlich sogar unumgänglich, um sich seinen Platz zu erstreiten. Talentierte Point Guards gibt es in den USA wie Sand am Meer.

In Deutschland, wo die heimischen Stars mitunter ausufernd kritisch bewertet werden, die Vorbildfunktion oberste Priorität aller Sportler sein muss, kommen diese Aussagen anders an. Schröders "American Way of Life" ist für den Durchschnittsdeutschen eher befremdlich.

Daher wird er froh gewesen sein, den Trubel um seine Person in Deutschland hinter sich lassen zu können und zurück in Atlanta zu sein. Hier ist er einer unter vielen NBA-Spielern und längst nicht so im Fokus wie in Deutschland. Bei den Hawks zählt einzig das Sportliche und Schröders Entwicklung ist ihnen besonders wichtig.

Wertvolle Erfahrungen bei der EM

Atlanta schickte nicht nur Scout Jeff Peterson zur EuroBasket, um Schröders Leistungen zu begutachten. Im Vorfeld war die Franchise in regem Austausch mit dem DBB, um eine bestmögliche Entwicklung ihres Spielers zu gewährleisten.

Es zahlte sich aus. Schröder war der Fixpunkt im deutschen Spiel und mit 21 Punkten, 6 Assists und 4,6 Rebounds einer der herausragenden Spieler der Vorrunde. Und so werden sie im Hawks-Büro nicht ganz traurig gewesen sein, dass Deutschland knapp und unglücklich bereits in der Vorrunde ausschied.

Schröder hatte schließlich seine Erfahrungen gesammelt, Erfahrungen in der Crunchtime, die er in der Fülle in Atlanta bislang nicht machen durfte. Zwar stand der Deutsche in der abgelaufenen Saison am Ende durchaus mal auf dem Feld, aber die wichtigen Minuten gehörten in der Regel Jeff Teague.

Head Coach Mike Budenholzer ist aber nicht abgeneigt, Schröder - neben seiner Backup-Rolle - künftig mehr Minuten an der Seite von Teague zu geben. Um das zu rechtfertigen, hat der Deutsche bereits vor der EM die Weichen gestellt.

Wurftraining mit Korver

Im Sommer verbrachte er rund zwei Wochen mit seinem Teamkollegen und Scharfschützen Kyle Korver in Kalifornien, um an seinem wackligen Wurf zu arbeiten. "Wir haben einfach ein bisschen an seinen Abläufen gearbeitet und einige Kleinigkeiten geändert. Dennis hat ein großes Talent, sein Release ist sehr gut, aber wir können alle besser werden. Wir haben ein wenig an seinen Beinen und Füßen gearbeitet. Das sind Dinge, an die wir gar nicht immer denken", gab Korver Einblick in das Training.

Bereits bei der EM war zu sehen, dass Schröders Midrange-Jumper sicherer wurde und auch der Dreier fiel zumindest über Phasen besser. "Mein Wurf aus der Mitteldistanz war bereits im Vorjahr gut. Das war der Grund, warum viele Teams oben um die Screens gingen. Wenn ich jetzt noch einen guten Dreier habe, müssen sie immer oben um den Block gehen. Wenn das so ist, bin ich wirklich schwer zu verteidigen, weil ich dann den Korb attackieren kann. Wenn sie unten rum gehen, kann ich den Dreier nehmen", erklärte Schröder seine Extraschichten.

Im Vorjahr traf er bereits 35,1 Prozent seiner Distanzwürfe, aber Schröder will noch mehr und sein Coach begrüßt das natürlich: "Ich glaube, das war eine gute Idee. Die Spieler müssen Entscheidungen treffen, wie sie ihren Sommer verbringen wollen. Ab und an kann man sie in eine bestimmte Richtung lenken. Es war auf jeden Fall wichtig für uns, dass er zusammen mit Kyle am Wurf gearbeitet hat."

Und künftig werden wahrscheinlich noch mehr Pick-and-Roll-Situationen auf ihn zukommen. Schon jetzt erzielen nur drei Teams mehr Punkte aus diesen Plays. Mit Tiago Splitter besitzen die Hawks nun einen Center, der das Pick-and-Roll mit Tony Parker in San Antonio exzessiv betrieben hat.

Video-Studium von Parker

"Tiago ist ein guter Spieler", sagte Schröder auf der Homepage der Hawks: "Das hat er bei den Spurs gezeigt und ich schaue viele Videos von Tony Parker, um zu sehen, wie sie Pick-and-Roll gespielt haben. Ich freue mich darauf, mit ihm zusammenzuspielen. Entweder wird er den Pass bekommen oder ich habe freien Weg zum Korb."

Budenholzer fordert zudem, dass Schröder schneller abdrückt. "Um es mal allgemein zu sagen: Man versucht immer, seinen Wurf schneller loszuwerden und man will in der Lage sein, auch unter Bedrängnis werfen zu können. [...] Wir versuchen ihn dahinzubringen, das wird auch in seinem Sinne sein."

Es wird wieder einmal eine wichtige Saison für ihn werden. Galt es im Vorjahr zu beweisen, dass er kein Draft-Bust ist, muss er sich nun in Position bringen und zeigen, dass er künftig auch zum Starter taugt. Schröders Vertrag läuft 2017 zeitgleich mit Teagues aus.

Abgang im Sommer?

Vielleicht muss Atlanta bereits nach der Saison eine Entscheidung treffen, mit wem sie in die Zukunft gehen wollen. Teagues spottbilligen Vertrag (8 Millionen pro Jahr) werden sie nicht noch mal in der Form verlängern können und Schröder scharrt bereits mit den Hufen: "Atlanta ist ein sehr guter Klub, die Stadt ist sehr schön, eigentlich passt alles", sagte Schröder: "Aber viele Leute sagen, dass ich jetzt auch ein Point Guard für die Startformation in der NBA bin."

Eine Verlängerung beider Verträge zu marktüblichen Konditionen dürfte zu sehr am Salary Cap nagen. Schröders Aussage setzt die Franchise zudem unter Druck. Es ist wieder diese forsche Art, die ihm hierzulande vorgeworfen wird. Wäre er nicht klüger beraten, den Druck durch Leistung aufzubauen, anstatt schon jetzt Drohkulissen heraufzubeschwören?

Der Druck wird so nicht kleiner. Doch Schröder zieht daraus seine Stärke. Die neuerliche Kritik, die seine Aussagen in Deutschland bereits wieder nach sich zogen, wird ihm egal sein. Er ist schließlich in Atlanta. Zurück in der Heimat.

Der Kader der Atlanta Hawks

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