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Legendenserie: Moses Malone

Der Gott unter den Brettern

Montag, 14.09.2015 | 17:39 Uhr
Moses Malone domierte am offensiven Glas wie kein anderer
© NBA
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Im Alter von 60 Jahren ist Moses Malone überraschend verstorben. Mit ihm verliert die NBA eine herausragende Ikone, die für viele Spieler mehr als nur ein Freund war. Malone definierte sich über seine bis heute unerreichte Rebounding-Dominanz und brachte es trotz limitierter Fähigkeiten zu einem Meistertitel, drei MVP-Awards und wurde einer der besten Scorer der Geschichte.

Einen Tag lang waren John Lucas und Malone Zimmergenossen an der University of Maryland, dann machte der Big Man seinen Koffer wieder zu und wechselte direkt in die American Basketball Association - als erster Spieler überhaupt. "Ich wachte auf und wollte ihn zum Kurs mitnehmen", erzählte Lucas später: "Aber er sagte nur: 'Ich glaube, ich gehe lieber zu den Profis".

"Ich weiß, was die Leute sagen", so Malone damals: "Aber es macht keinen Unterschied, wie alt ich bin. Ich werde euch alle hochnehmen. Schaut mir einfach zu." Zum Zeitpunkt dieser Aussage war Malone gerade einmal 19 Jahre alt. Und er sollte Recht behalten.

Die Passion Moses'

Als einziges Kind einer alleinerziehenden Mutter wuchs Moses Eugene Malone in Petersburg, Virginia auf und verschrieb sich von Anfang an dem Basketball. Es war seine Bestimmung, seine Passion. Die örtliche Highschool blieb unter seiner Führung zwei Jahre lang ungeschlagen und Malone war mit 2,08 Metern bereits ein ausgewachsener Mann - wenn auch von der Statur eher ein Hänfling.

Nach seinem aufsehenerregenden Schritt am College vorbei legte Malone gleich in seiner ersten Saison 74/75 für die Utah Stars 18,8 Punkte und 14,6 Rebounds auf und wurde zum All Star. Doch der Zerfall der ABA und die Zusammenführung mit der NBA sorgten für ein wenig Ping Pong bei Malone.

Eine Saison bei den Spirits of St. Louis, die Wahl der Portland Trail Blazers im Auslösungs-Draft der ABA, einen Trade nach Buffalo, zwei Spiele für die Braves und einen weiteren Trade später landete Malone in Houston. Dort etablierte er sich als Präsenz unter den Körben, beendete die Spielzeit 78/79 mit 17,6 Rebounds pro Spiel - 7,2 davon offensiv -, und wurde das erste Mal zum MVP ernannt.

Die Liebe zum Abpraller

Chairman of the Boards - seinen Spitznamen hatte er sich durch seinen Einsatz redlich verdient. Denn Malone war weder besonders groß, noch hatte er lange Arme. Aber er war athletisch, sprunggewaltig und besaßmehr Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen als jeder andere Spieler. Er liebte es, zu rebounden.

Setzte Malone einen Abschluss daneben, war der Defensiv-Rebound für die Gegner keinesfalls leichte Beute. Mit seinem Riecher und seiner Cleverness - niemand sonst setzte beim Rebound so geschickt seinen Hintern ein - erarbeitete sich Malone eine zweite, dritte, vierte und manchmal sogar fünfte Wurfchance. So lange, bis der Ball eben drin war.

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Als er nach dem Geheimnis für seine astronomisch hohe Rebound-Rate am gegnerischen Brett gefragt wurde - er krallte sich in der Saison 38,4 Prozent aller verfügbaren offensiven Abpraller und liegt damit in der Bestenliste vor Bill Russell und Kareem Abdul-Jabbar - sagte er schlicht: "Meistens gehe ich in Richtung Korb."

Diese Antwort spiegelt Malone treffend wider. In ihrem Statement zu Malones Tod schrieben die Philadelphia 76ers: "Niemand hat mit so wenigen Worten so viel zum Ausdruck gebracht wie Moses Malone."

Berechtigte Vorfreude

Für die Rockets absolvierte Malone zwar seine meisten Spiele, hängen geblieben ist aber vor allem für seine Zeit in Philadelphia. Als Malone 1982 als amtierender MVP zu den Sixers getradet wurde, war das Rennen um die Larry O'Brien Trophy für viele Beobachter bereits vor Saisonbeginn entschieden. Eine Zeitung titelte gar: "Heute haben die 76ers die Meisterschaft gewonnen."

Und in der Tat: Die vorher starken, aber nicht herausragenden Sixers um Julius "Dr. J" Erving hatten in Malone den entscheidenden Mann für die Championship gefunden. Ein inoffizielles Play von Philly lautete: "Wenn Moses in Position ist, wirf einfach den Ball Richtung Ring, Moses tippt ihn dann rein."

"Fo, Fo, Fo"

Mit der besten Bilanz der Regular Season im Rücken ließ Malone die wohl tollkühnste und gleichzeitig minimalistischste Playoff-Vorhersage verlauten, die man sich nur vorstellen kann: "Fo, Fo, Fo." Oder anders: "Wir werden in der Postseason kein einziges Spiel verlieren." Was für eine Ansage von einem sonst so ruhigen Typen wie Malone.

Nach dem Freilos in der ersten Runde wurden die Knicks in den Conference Semifinals mit 4-0 weggefegt, doch in den Conference Finals geschah das Malheur. Das dritte Spiel gegen No. 2 Seed Milwaukee ging auswärts verloren, bevor Philly mit 4-1 in die Finals einzog.

Malones Teamkollege Earl Cureton berichtete vor zwei Jahren: "Bis heute behauptet Moses, dass wir 'Fo, Fo, Fo' wahr gemacht hätten, wenn Andrew Toney den Ball am Ende des Spiels zu ihm unter den Korb gepasst hätte."

Nur ein Schönheitsfehler

Am Ende war die Niederlage nicht mehr als ein Schönheitsfehler, denn als auch die titelverteidigenden Lakers mit 4-0 gesweept wurden, hatten die Sixers ihre Dominanz zur Genüge unter Beweis gestellt. Und der Grund dafür hieß Moses Malone.

"Machen wir uns nichts vor", so Sixers-Coach Billy Cunningham: "Moses war es, der den Unterschied zum Vorjahr gemacht hat. Er gab uns eine konstante Präsenz unter dem Korb, die die Lakers immer von Abdul-Jabbar bekommen haben. Das und mehr hat Moses uns gegeben."

Eher mehr. In den Playoffs legte er in 40 Minuten 26 Punkte, 15,8 Rebounds, 1,9 Blocks, 1,5 Assists und 1,5 Steals auf, gekrönt durch 24 Punkte und 23 Boards im Finals-Clincher gegen Abdul-Jabbar. Überhaupt sah der Lakers-Superstar an den Brettern kein Land gegen Malone. Kareem griff sich in der Serie 30 Rebounds, Moses 70. Man nannte ihn nicht umsonst den Chairman of the Boards.

"Ein unglaublicher Mensch"

Für Teamkollege Maurice Cheeks spielte beim Titelgewinn noch etwas anderes eine große Rolle: "Es ist besonders, was für ein unglaublicher Mensch Moses war. Er war einer der Besten, die jemals gespielt haben, und doch hat er sich nie wie einer benommen."

Malone wollte nie der große Leader sein. Er wollte einfach seinen Job machen. Und er wollte für seine Arbeit respektiert werden. "Er hat sich einfach eingefügt", so Cheeks: "Es gab nicht das kleinste Problem. Er hat von Anfang an gesagt, dass es das Team von Doc ist und bleibt." Und doch war er in gewisser Weise der Anführer. Mit seiner Einstellung ging er voran und gab die Richtung vor. Es war schwer, sich nicht davon anstecken zu lassen.

Ein ganz spezieller Charakter

Eines seiner Probleme war der Umgang mit der Öffentlichkeit. Malone war ungehobelt und hatte überhaupt kein Interesse daran, ein gutes Verhältnis zu den Medien aufzubauen. Er gab maulige Antworten und interessierte sich für nichts anderes als Basketball in seiner reinsten Form. Wortkarg, zurückhaltend und in sich gekehrt - die Journalisten waren sich mit der Charakterisierung Malones einig. Und in gewisser Weise hatten sie Recht.

Aber so sehr er sich den Medien verschloss, so sehr baute er eine Beziehung zu seinen Mitspielern auf. Viele seiner ehemaligen Teamkollegen beschreiben ihr Verhältnis zu Malone als eine intensive Freundschaft.

"Ich nannte ihn Dad"

"Ich werde niemals verstehen, warum ein Hall of Famer ein dickes, faules Kind aus Auburn behandelt hat wie seinen Sohn und ihn zu einem echten NBA-Spieler gemacht hat", sagte Charles Barkley: "Jedes Mal, wenn ich ihn gesehen habe, nannte ich ihn 'Dad'. Ich hoffe, er hat gewusst, wie sehr ich ihn geschätzt und geliebt habe."

Auch für Doc Rivers war Malone mehr als ein Teamkollege: "Er war ein Freund, ein Mentor. Er hat mir beigebracht, was es heißt, Profi zu sein. Moses Malone war wirklich einzigartig."

Auf Wanderschaft

Nach einem Bruch der Augenhöhle in der Saison 85/86 wurde Malone zu den Washington Bullets getradet und fortan lief er mit einer markanten Schutzbrille auf. In der Hauptstadt sowie anschließend bei den Atlanta Hawks sammelte er die All-Star-Ehren acht bis zwölf, bevor seine Karriere mit einem Abstecher nach Milwaukee, einem kurzen Comeback in Philly und einem Engagement bei den Spurs zu Ende ging.

In seinem letzten Spiel für San Antonio am 27.12.1994 traf Malone einen einhändigen Full-Court Buzzerbeater - der achte Dreier seiner Karriere. Es war zwar die letzte besondere Aktion auf dem Feld, doch dafür wird man Moses Malone nach seinem Tod nicht in erster Linie in Erinnerung behalten. Auch nicht für seine teils schwachen Pässe, seine unausgereifte Low-Post-Offense oder seinen wackligen Wurf.

Der Beste

Malone hat in seiner Laufbahn mehr Offensivrebounds gesammelt als jeder andere Basketballer. Deutlich mehr. 2566 mehr. Trotz seiner ansonsten nicht überragenden Fähigkeiten perfektionierte er diese eine Qualität so sehr, dass sie ihm half, achtbester Scorer der NBA und dreimal MVP zu werden, in die Hall of Fame einzuziehen, sowie als tragende Säule eines Championship-Teams in die Geschichte einzugehen.

Er war das Vorbild für jeden hart arbeitenden Spieler, der in den letzten Jahrzehnten einen Court betreten hat. Er war Mentor und Freund, Helfer und Anführer. Und auch deshalb bleibt er unvergessen.

Er war Moses Malone.

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