Legendenserie: John Stockton

Der unsichtbare Erste

Montag, 07.09.2015 | 14:52 Uhr
John Stockton (l.) bekommt den Block von Karl Malone, Gary Payton (M.) hat keine Chance
© getty
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Er ist vielleicht der Point Guard schlechthin. John Stockton hat die NBA im Trikot der Utah Jazz über fast zwei Jahrzehnte geprägt, Rekorde für die Ewigkeit aufgestellt - und steht doch viel zu oft Schatten seiner Gegenspieler. Die Jazz haben dem kongenialen Partner von Karl Malone bereits ein Denkmal gesetzt. Nun ist SPOX an der Reihe.

1992, das Jahr des Dream Teams. In Barcelona tritt die berühmteste Mannschaft der Geschichte zusammen, um Olympiagold zu gewinnen. Superstars wie Michael Jordan, Magic Johnson, Larry Bird oder Charles Barkley werden gefeiert, nein, verehrt wie Rockstars. Für Fans wie Gegner gleichermaßen sind sie überlebensgroße Gestalten. Basketball-Götter in Menschengestalt.

Gleichzeitig ist ein 1,85 Meter großer, 30 Jahre alter Mann in Barcelonas Fußgängerzone unterwegs. Mit der Videokamera auf der Schulter und der vierköpfigen Familie im Schlepptau wirkt er wie der typische Tourist. "Sind sie Amerikanerin?", fragt er eine vorbeispazierende Frau, die selbiges durch Flagge und T-Shirt mit Dream-Team-Aufdruck nicht gerade verheimlicht.

Am Abend zuvor habe sie Barkley getroffen, berichtet sie stolz, und zeigt ihr Shirt. Erst als der kleine David Stockton gleich mehrfach "That's my dad!" ruft, fällt bei ihr der Groschen: "Spielen Sie im Team?" Ob sie den Mann vor sich mittlerweile als John Houston Stockton identifiziert hat, sei mal dahingestellt.

Dabei hat dieser Point Guard von den Utah Jazz in den vorangegangenen fünf Spielzeiten fast 17 Punkte, 14 (!) Assists und 3 Steals im Schnitt aufgelegt, sein Team fünfmal in die Postseason geführt und vier All-Star-Games bestritten.

"Ich hasse das - ich kann nirgends hingehen, ohne ständig belästigt zu werden", murmelt Stockton, als er wenig später weitergeht. Natürlich wieder vollkommen unbeachtet von allen um ihn herum.

Genauso wie er es am liebsten hat.

"John Stockton ist ein wahres Wunder. Nicht nur im Basketball oder in den USA, sondern in der Geschichte der westlichen Zivilisation." (Bill Walton)

Der 1962 geborene John wächst in Spokane im Bundesstaat Washington auf, ein paar hundert Meilen östlich von Seattle. Die ersten Erfahrungen mit dem Spalding macht er, typisch amerikanisch, in der Einfahrt vor dem Haus, wo er nach eigener Aussage von 1001 blutigen Pickup Games gegen seinen älteren Bruder Steve 1000 verliert - aber das letzte gewinnt.

Er lernt also früh, sich gegen größere und stärkere Konkurrenz durchzusetzen. Auf der High School spielt er nicht nur Basketball, sondern ist auch im Baseball als Shortstop und Pitcher erfolgreich - und auch im Football versucht er sich.

Sein größtes Talent aber fördert das Hardwood zutage. Als sich mehrere Colleges um ihn bemühen, will er seine Heimat nicht verlassen. Also ruft er Gonzaga-Coach Dan Fitzgerald an: "Coach, ich gehe nach Montana - also mit Ihnen, sobald wir gegen sie spielen." Der trockene, oft selbstironische Humor ist da schon ein steter Begleiter des späteren Assist-Meisters.

Bei den Bulldogs spielt sich Stockton weiter ins Rampenlicht: Sein viertes Jahr (20,9 Punkte, 57% FG) bringt ihm sogar eine Einladung für die olympischen Tryouts im Frühling 1984 ein. Zusammen mit MJ, Barkley und - Karl Malone. "Er hat nicht einmal mit der Wimper gezuckt", erinnerte sich Coach Fitz, obwohl es für seinen Point Guard nicht reicht.

"Karl Malone war 18 Jahre unser bester Spieler und hat die Aufmerksamkeit auf sich gezogen - ich wünschte, er wäre heute Abend hier und würde das jetzt auch tun." (bei seiner Aufnahme in die Hall of Fame)

Wiedersehen soll sich das vielleicht produktivste Duo der NBA-Historie ein gutes Jahr später. Im Draft 1984 wird Stockton an 16. Stelle von den Jazz genommen - die Fans quittieren die Wahl des Hänflings mit Schweigen und Buhrufen. Ein Jahr später stößt Malone dazu.

"Er war ein Junge vom Land und ich kannte mich in Salt Lake City in meinem zweiten Jahr auch noch nicht wirklich aus", schildert Stockton das Zusammentreffen, als der Mailman das Team besucht. "Ich sagte: 'Wir können in die Berge fahren. Oder wir könnten... in den Zoo gehen?' Und er sagte: 'Zoo? Kling gut. Auf geht's.'" Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein - nicht nur in Bezug auf ihre Statur - doch es entwickelt sich eine Freundschaft.

Auf dem Court macht es ohnehin sofort Klick, wie Stockton in seiner Autobiographie Assisted aus dem Jahr 2013 erzählt, "obwohl er sofort ein Starter war und ich noch von der Bank kam. Er wusste, wohin ich passen würde. Und ich wusste irgendwie, wo er offen sein würde. Ich wusste: das war etwas Besonderes."

"Ich war im Camp, und ich weiß noch, wie ich einen alten Coach angerufen und gesagt habe: 'Sooo gut sind die auch wieder nicht.' Ich wusste, dass ich mithalten kann."

Drei Jahre fungiert Stockton vorrangig als Backup von Ricky Green. In seinen Minuten auf dem Court schlägt er sich beachtlich - fast 8 Punkte, 8 Assists und 2 Steals pro Spiel in rund 24 Minuten pro Spiel im zweiten Jahr -, aber von einer langen und glorreichen NBA-Karriere ist er noch nicht überzeugt.

"Ich dachte, die durchschauen mich ziemlich schnell. Ich dachte, die Jazz würden merken, dass sie einen Fehler gemacht haben. Also habe ich jeden Cent gespart", erinnert er sich. "Ich habe keinen Fernseher gekauft, Chili in Dosen gekauft und die Lasagne meiner Mutter im Kühlschrank gestapelt. Ich war mir sicher, dass es nach einem Jahr vorbei ist. Ich weiß nicht, ob sich das je geändert hat."

Spätestens im Sommer 1987 hätte sich das eigentlich erledigen müssen: Stockton übernimmt den Platz in der Starting Five von Green - und mischt die Liga auf. In seiner ersten Saison verteilt er 1128 Assists. Immer noch Platz drei in der ewigen Bestenliste. Und weil das vielleicht nicht beeindruckend genug klingt: Es sind 13,8 Assists in nicht einmal 35 Minuten. Mal 82.

"Ich habe 30 Jahre lang Wettkampf-Basketball gespielt: drei Jahre St. Aloysius, vier Jahre Gonzaga Prep und vier Jahre Gonzaga - und in all den Jahren war ich nicht einmal der beste Spieler in meinem Team."

Als Jazz-Legende Jerry Sloan 1988 vom Assistant Coach zum Head Coach befördert wird, ist das Triumvirat in Salt Lake City endlich perfekt. Bis zum Karriereende Stocktons 2002 erreicht das Team jedes Jahr die Playoffs und stellt die Konkurrenz mit ihrem vermeintlich simplen Spielkonzept vor unlösbare Probleme. Sloan sagt von außen die Spielzüge an - und "Stockalone" führt sie zu einem erfolgreichen Abschluss.

Karl Malone: Unaufhaltsam, aber unvollendet

Die Trumpfkarte auf der Jazz-Hand ist das Pick-and-Roll. Stockton auf der linken Seite an der Dreierlinie, Malone und seine massigen Schultern kommen von rechts und stellen den Pick. Lässt man Stockton zum Korb ziehen, ist die Defense entblößt - und unter dem Pick kann man gegen den treffsicheren Aufbauspieler auch nicht gehen. Doch sprang Malones Defender heraus, um Stockton den Weg abzuschneiden, fand er ein ums andere Mal seinen Briefträger.

Sei es per Bounce Pass zum durchstartenden Big Man, sei es der Wrap-Around unter den Korb, oder aber das Pick-and-Pop zum offenen Jumper: "Stockton to Malone! Stockton to Malone!! Stockton to Malone!!!" Die Fähigkeiten der beiden ergänzten sich so perfekt, dass es schlicht keine Möglichkeit gab, sie an einem hochprozentigen Wurf zu hindern. Stockton zu gewieft, zu behände, zu sicher in seinen Pässen, Malone zu schnell, zu stark, zu treffsicher.

Es gibt keine verlässlichen Statistiken dazu, wie viele Körbe Stockton seinem Partner genau aufgelegt hat. Eins ist sicher: Sie stellen jede weitere Kombination der NBA-Geschichte in den Schatten. 1412 Spiele bestreiten die beiden Seite an Seite im Mormonenstaat - nur vier weitere Spieler in der Geschichte haben überhaupt so viele Spiele bestritten. Gemeinsam pushen sich die beiden an die Spitze der Bestenlisten.

Seite 1: Stocktons Weg in die NBA, Pick-and-Roll mit Malone

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