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Legendenserie: Arvydas Sabonis

Opfer, Mysterium, Revoluzzer

Samstag, 12.09.2015 | 15:18 Uhr
Arvydas Sabonis begegnete Shaquille O'Neal bei jedem Duell auf Augenhöhe
© getty
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Bei der EuroBasket steht Litauen nach einem Sieg über Georgien im Viertelfinale. Aus der goldenen Generation der Balten ragt noch heute ein Name heraus: Arvydas Sabonis. In den 80ern dominierte er ganz Europa, der Kalte Krieg hielt ihn jenseits des Eisernen Vorhangs gefangen. Dennoch geht der vielseitige Center als Vorreiter einer neuen Gattung in die Geschichte der NBA ein.

"Immer ein bisschen seltsam, du wirktest niemals cool - ein Litauer, den ich zum Freund wollte, doch leider kamst du ein bisschen zu spät - hast gespeist wie ein echter Big Man, nicht wahr? Arvydas Sabonis! Arvydas Sabonis! 15 Punkte pro Spiel, ein Model zur Frau - du hast zuletzt gelacht, hattest ein ziemlich gutes Leben, nicht wahr? Arvydas Sabonis! Komm zurück, wir vermissen dich!"

Nicht allzu viele Basketball-Ikonen können einen Song vorweisen, der den eigenen Namen trägt. Arvidas Sabonis - so heißt der Titel von Margot and the Nucelar So and So's. Es ist eine litauische Hymne, eine Hommage an den unvergessenen Helden des Landes.

Vermutlich beschränkt sich das Lied der Band aus Indianapolis deshalb auf die minimalistische Ausdrucksweise von Emotionen, weil es gar nicht möglich wäre, die unvergleichlichen Fähigkeiten und Erfolge von Sabas in 3 Minuten und 23 Sekunden zu besingen. Und dann hätte man noch kein Wort über seinen seltsamen, traurigen und einzigartigen Weg in die NBA erfahren.

"Ich bin nicht länger eine Lokomotive, nur noch ein kleiner Gepäckwagen." Arvydas Sabonis, 1995. Understatement. Bloß keine zu großen Erwartungen schüren. Dabei war der Center als er in Portland vorgestellt wurde in Europa ein Großer. Genauer gesagt: der Größte.

Erst Kaunas, dann die ganze Welt

Sabonis war so talentiert, dass er mit 17 Jahren ins Profiteam von Zalgiris Kaunas in seiner Heimatstadt berufen wurde. Zu diesem Zeitpunkt spielte er erst seit 48 Monaten Basketball. Zwei Jahre später kannte ihn die ganze Welt.

Bei der EuroBasket 1983 führte er die UdSSR zur Bronzemedaille und beeindruckte Spieler, Coaches und Experten. Bill Walton, damals TV-Analyst, kam völlig baff aus Frankreich zurück: "Er war 19 Jahre alt und spielte wie ein 2,21 Meter großer Larry Bird", so Walton: "Er rannte wie der Wind, traf Dreier, dribbelte wie Magic Johnson, griff sich Rebounds wie Wilt Chamberlain und blockte Würfe wie Bill Russell. In einem Spiel hatte er zur Halbzeit vermutlich schon ein Quadruple Double. Uns blieben die Münder offen stehen und wir träumten davon, wie wir diesen Gefangenen des kommunistischen Systems entführen könnten."

Kein Ausweg

Das war das große Problem. Das politische Klima des Kalten Krieges verbaute Sabonis den Weg in die NBA. Die Sowjetunion verbot es all ihren Basketballern, in den USA zu spielen. Punkt, Aus, Ende der Diskussion.

Mit dem Machtwechsel zu Michail Gorbatschow begannen die NBA-Franchises, auf den Hauptgewinn aus Übersee zu hoffen. Beim Draft 1985 trauten sich die Atlanta Hawks und zogen Sabas mit dem 77. Pick in der vierten Runde.

Und wieder gab es ein Problem: Der Center war zu diesem Zeitpunkt noch nicht 21 Jahre alt, sodass der Pick laut NBA-Regularien ungültig war. 1986 griffen dann die Trail Blazers zu. An Position 24 wählten sie Sabonis - der erfuhr diese Neuigkeit allerdings erst einige Zeit später aus einem Basketball-Magazin.

Der Siegeszug beginnt

Der eiserne Vorhang sollte erst 1989 fallen, es blieb Sabonis also nichts anderes übrig, als seinen Siegeszug in Europa fortzusetzen. Mit Kaunas holte er drei UdSSR-Titel in Serie, wurde mit Auszeichnungen überhäuft. Auf die Goldmedaille mit dem sowjetischen Team und die Wahl zum MVP bei der EM 1985 in Deutschland folgte Silber '86 in Spanien und ein Platz im All Tounament Team.

Sein Meisterstück lieferte Sabas bei Olympia 1988 ab. Er dominierte das Turnier an den Brettern und siegte im Halbfinale mit seiner Mannschaft gegen die favorisierten USA, die mit Stars wie David Robinson und Mitch Richmond hochkarätig besetzt waren.

Auf Umwegen

Im Gegensatz zu Drazen Petrovic, Vlade Divac oder Landsmann Sarunas Marciulionis legte Sabonis nach der Grenzöffnung noch einen Zwischenstopp in Spanien ein, bevor er den Sprung über den großen Teich wagte.

Sein Arbeitszeugnis in Auszügen: zwei ACB-Titel, MVP 94/95, Euroleague-Triumph und Final Four MVP '95 sowie die vierte Auszeichnung zu Europas Basketballer des Jahres. Seine letzte Saison auf der iberischen Halbinsel ging nicht nur bei Real Madrid in die Geschichte ein: 22,9 Punkte, 12,5 Rebounds, 2,4 Assists, 2,3 Blocks und 1,6 Steals. In 34 Minuten!!

"Das war's für mich", gab Sabonis nach der Spielzeit bekannt: "Ich muss Europa und der Basketball-Welt nichts mehr beweisen. Das einzige, was noch bleibt, ist die NBA." Endlich, neun Jahre nachdem er gedraftet wurde, war es Zeit für die USA. "Portland hatte angerufen und gefragt, ob ich rüberkommen will", erzählte Sabas Jahre später: "Und ich wusste: Wenn ich jetzt nicht gehe, dann würde ich nie mehr gehen."

Kriegsverletzungen

Und wieder begleitete Sabas ein Problem. Der heftige internationale Spielplan der Sowjetunion, die sich im Kalten Krieg unter anderem über ihre sportlichen Leistungen Ansehen verschaffen wollten, hatte Spuren hinterlassen.

Noch vor dem Draft 1986 erlitt er einen Achillessehnenriss, 1988 musste die Sehne ein zweites Mal operiert werden. Doch Olympia stand an und Sabonis hatte schlichtweg nicht zu fehlen. Entgegen dem Rat der Portland-Ärzte, die ihn während seiner Verletzung betreuten, wurde Sabonis auf Drängen des sowjetischen Verbands fitgespritzt und flog mit nach Südkorea. Es kam, was kommen musst: Nach und nach entwickelte Sabas chronische Knöchel-, Knie- und Wadenprobleme - dann kam auch noch Arthritis im Fuß dazu. Sein Körper war schon vor der Ankunft in Portland ein Wrack.

Seite 1: Gefangen im Regime

Seite 2: Revolution in der NBA

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