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Die Legende des Big Shot Rob

Freitag, 25.08.2017 | 15:00 Uhr
Robert Horry (r.) gewann insgesamt sieben Meisterschaften in der NBA
© getty
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Robert Horry war nie ein Superstar, er schaffte es auch nicht einziges Mal ins All-Star Game. Dennoch hatte er schon zu aktiven Zeiten Legendenstatus inne - denn in wichtigen Momenten war niemand cooler als er. Auch deshalb besitzt fast kein Spieler mehr Edelmetall als Big Shot Rob. Dabei wäre beinahe alles ganz anders gekommen. Robert Horry wird heute 47 Jahre alt.

Wir schreiben den 19. Juni 2005. Die Finals sind in vollem Gange, es steht 2-2 zwischen den Spurs und dem amtierenden Champion, den Pistons. Nachdem San Antonio die ersten beiden Spiele gewonnen hatte, scheint sich das Blatt nun zu wenden - denn nach zwei deutlichen Siegen in Folge sieht Detroit auch in Spiel 5 lange wie das bessere Team aus.

Das liegt vor allem daran, dass Tim Duncan ein Spiel zum Vergessen erlebt und sich mit der beinharten Defense der beiden Wallaces (Rasheed und Ben) enorm schwer tut. Die gute Leistung von Manu Ginobili alleine wird nicht ausreichen; irgendjemand muss sich zeigen, Verantwortung übernehmen, sonst ist das Spiel, sonst ist die Meisterschaft in Gefahr.

Dieser jemand ist Robert Keith Horry. In gewisser Weise kommt das überraschend: Horry macht in der ersten Halbzeit nicht einen einzigen Punkt. In vier Spielen der Serie hat der 34-Jährige bis dahin genau 30 Punkte aufgelegt, in der gesamten Saison nicht ein einziges Spiel mit mindestens 20 Zählern.

In gewisser Weise überrascht es allerdings überhaupt nicht, dass er sein bestes Spiel der Saison für die größtmögliche Bühne aufgehoben hat. Er ist schließlich Robert Horry.

Der Name ist Programm

Zeit seiner Karriere hat er unendlich viele entscheidende Plays geliefert, wichtige Würfe genommen und seinem jeweiligen Team in den Momenten größter Not genau das gegeben, was es brauchte. Der Spitzname "Big Shot Rob" kommt nicht von ungefähr, ebenso wenig wie die fünf Meisterschaften, die er zu diesem Zeitpunkt bereits mit den Rockets und den Lakers eingesammelt hat.

Der Gamewinner für die Lakers in Spiel 3 der Erstrundenserie gegen Portland 2002. Der Dreier am Ende von Spiel 3 der 95er Finals für Houston. Der Buzzerbeater in den 2002er Western Finals gegen die Kings. Nie war Horry der Star seines Teams, nie nahm er die meisten Würfe. Und doch war er an mehr legendären Momenten beteiligt als fast jeder andere.

Wenn er im Jahr 2003 aufgehört hätte, nachdem seine Zeit bei den Lakers trotz dreier Meisterschaften im Schlechten endete, wäre ihm ein gewisser Legendenstatus schon sicher gewesen. Dabei hatte man sein Meisterstück damals noch gar nicht gesehen.

Es will nicht reichen

Denn dieses lieferte er im besagten fünften Spiel gegen die Pistons. Ende des dritten Viertels war ein Dreier sein erster Treffer der Partie, im letzten Durchgang folgte dann die große Horry-Show. Drei Triples legte er noch drauf, zudem einen unfassbaren Lefty-Dunk über Rip Hamilton, den ihm wohl kaum noch jemand zugetraut hätte.

13 Punkte machte er insgesamt im Durchgang, es reichte allerdings nicht - noch nicht. Denn San Antonio konnte sich nicht absetzen, allein Duncan verfehlte in der letzten Minute drei Freiwürfe und den letzten Wurf in Regulation - einen Tip-In, den er zuvor wahrscheinlich 600mal in Serie getroffen hatte. Overtime also. Gut, dass Horry immer noch ein paar Pfeile im Köcher hatte.

Wieder lief bei San Antonio kurzzeitig nichts zusammen, fast drei Minuten lang gelang den Spurs kein einziger Punkt. Wieder stand man mit dem Rücken zur Wand, wieder stand die Saison auf der Kippe. Und wieder sorgte Horry dafür, dass die Spurs mit einem blauen Auge davonkamen.

Rasheeds Brainfart

1:25 Minuten vor Schluss verkürzte Big Shot Rob am Korb auf 2 Punkte Rückstand. Knapp 80 Sekunden später stand er in der Ecke und wurde von Sheed sträflich frei gelassen - eine sensationell dämliche Entscheidung.

Horrys Mitspieler Brent Barry erinnerte sich einst: "Robert konnte es nicht glauben. Er hat schon vor dem Wurf ungläubig gegrinst, wohl mit dem Gedanken 'Ernsthaft, Du lässt MICH offen?'" Ginobili fand ihn, Horry drückte ab - und die Spurs gewannen das Spiel.

Die Rettung für Timmy

Letztlich hatte Horry 21 der letzten 35 Spurs-Punkte gemacht, darunter die wichtigsten Würfe im vierten Viertel und in der Overtime. Duncan wollte ihn nach dem Spiel kaum mehr loslassen - denn angesichts seiner 7 verfehlten Freiwürfe und dem verlegten Tip-In hätte dem zweimaligen MVP bei einer Niederlage wohl die meiste Kritik gegolten.

Dementsprechend dankbar zeigte sich Duncan, als die Spurs nach sieben Spielen tatsächlich ihre dritte Meisterschaft eingefahren hatten - die sechste für Horry. "Das war wahrscheinlich die beste Performance, die ich je erlebt habe", sagte Timmy später über Horry in Spiel 5, bevor er anfing, sich über das Phänomen von dessen Karriere lustig zu machen.

"So ist Robert. Er hängt die ganze Saison über nur rum, ihm ist alles egal", diktierte Duncan auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. "Aber dann packst du ihn in das vierte Viertel eines wichtigen Spiels und er sagt: 'Okay, Zeit zum Spielen!' Er kann diesen Schalter einfach umlegen. Er hat erst dann Interesse am Spiel, wenn es ein wichtiges ist."

Wie ein Pokerspieler

Dieses Zitat bringt auf den Punkt, was Horry über seine Karriere auszeichnete. Bill Simmons verglich ihn einst mit einem Weltklasse-Pokerspieler: "Er ist derjenige, der mit einem Haufen Chips am Tisch sitzt, der nie eine schlechte Hand spielt und vor dem du Angst hast, wenn er dir direkt in die Augen blickt. Man erinnert sich nie an die Hände, die er verloren hat, aber an alle, die er gewinnt. Wenn er den Tisch verlässt, hoffst du, ihn niemals wieder sehen zu müssen."

In der Tat war es beeindruckend, wie gut Horry über die eigenen Stärken und Schwächen Bescheid wusste. Er erzwang nie etwas, auch weil ihm Statistiken völlig egal waren. Er konzentrierte sich nur auf seine Qualitäten: Starke Help-Defense, die Fähigkeit, beide Forward-Positionen zu verteidigen, ein Näschen für Offensiv-Rebounds. Und natürlich seine massiven Cojones.

Diese musste er sich allerdings erarbeiten, wie er selbst in einem aufschlussreichen Feature für den Player's Tribune im Juni diesen Jahres klarstellte. "Ich wurde nicht eiskalt geboren", so Horry. Im weiteren Verlauf verriet er auf detaillierte Weise, wie seine Mentalität überhaupt zustande kam und verdeutlicht dabei, dass seine Karriere um ein Haar vollkommen anders hätte laufen können.

"Scheiß' drauf, ich werfe"

Ironischerweise wollte sein erstes Team, die Rockets, ihn nämlich eigentlich schon in seiner zweiten Saison loswerden. Es bestand auch schon Einigung mit den Pistons, die Sean Elliott für ihn abgeben wollten - und Horry war am Boden. Es war sein Traum gewesen, für Houston zu spielen, da Hakeem Olajuwon sein Idol war, zudem lief die Saison für H-Town eigentlich blendend.

Die Rockets wollten dennoch mehr Scoring, und Horry war ihnen zu selbstlos. "Ich war einer der wenigen Spieler, die jemals getradet wurden, weil sie zu wenig warfen", blickte er später zurück. Seine Begründung: Er habe so sehr zu Hakeem aufgeschaut, dass er ihm einfach nur ständig den Ball im Post zuspielte.

In Detroit angekommen, war er völlig verzweifelt - die Tage der Bad Boys waren lange vorbei, und für Horry stand immer nur der Sieg im Vordergrund. Von einem Titel waren die Pistons indes weiter entfernt als Dennis Rodman von einer 50-40-90-Saison. Ein Bild von Horry ging um die Welt, als er während eines Pistons-Spiel in einer Suite saß und stark angetrunken wirkte. Er habe "ein paar Bier" getrunken, wie er später zum Besten gab.

Eigentlich hätte er spielen sollen, aber Elliott musste noch seinen Medizincheck absolvieren. Nur einen Tag später fiel Elliott durch, der Trade war geplatzt und Horry schnurstracks auf dem Rückweg nach Houston. Mit einer neuen Mentalität: "Scheiß' drauf, ich werfe. Ich spiele ab jetzt nur noch meinen Stil."

"Ich wäre vielleicht dieser deprimierte Typ"

Der geplatzte Trade war ein Deus Ex Machina, der Horrys Karriere grundlegend veränderte. "Heute kennen mich alle als Big Shot Rob. Die Realität ist aber, dass ohne diesen medizinischen Notfall alles hätte anders laufen können. Ich wäre vielleicht bekannt als dieser deprimierte Typ, der da oben in der Suite hing."

Das ist heute bekanntlich nicht der Fall. Bilder, die man mit Horry verbindet, sind die von Siegeszigarren, von einer eisigen Miene, von legendären Würfen und von sieben Meisterschaftsringen. Niemand, der nicht in den 60er Jahren für Bill Russels Celtics auflief, hat mehr davon als er.

Nie in der ersten Reihe

Spielte Glück dabei eine große Rolle? Natürlich - ohne geht es sowieso nicht. Horry hatte ein überragendes Timing und spielte mit mehreren der besten Spieler seiner Generation zusammen. Mit Hakeem, mit Shaq, mit Kobe, mit Duncan. Er war aber auch gleichzeitig Schmied seines eigenen Glücks.

Big Shot Rob gab seinen Teams eine Extra-Dimension, ein Plus an Coolness und Spielverständnis. Er stand nie in der ersten Reihe, hätte auch nie ein Team tragen können. Doch wenn man ihn brauchte, war er zur Stelle. Um es mit Tim Duncan zu sagen: "So ist Robert."

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