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Das unsterbliche Lächeln

Montag, 14.08.2017 | 11:37 Uhr
Magic Johnson nimmt 1987 seinen vierten Meisterschaftsring von David Stern entgegen
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Magic Johnson personifizierte Showtime wie kein Zweiter, erfand sich unzählige Male neu und führte die NBA gemeinsam mit Larry Bird in ihr goldenes Zeitalter. Auch die mit Abstand größte Herausforderung seines Lebens hat er gemeistert. Heute wird die Legende der Los Angeles Lakers 58 Jahre alt - SPOX verneigt sich.

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 14. August 2015.

Stell' Dir vor, Du bist 20 Jahre alt. Du kamst als Sieger des meistgesehenen College-Finals aller Zeiten in die NBA und hast es mit Deinem neuen Team direkt in die NBA-Finals geschafft. Dein Team führt nach Spiel 5 mit 3-2, doch es gibt ein Problem. Der beste Spieler, der Kapitän Deines Teams, hat sich gerade verletzt und fällt in Spiel 6 aus. Du sitzt im Flug auf die andere Seite des Kontinents und siehst, dass der Platz deines berühmten Mitspielers, einer wandelnden NBA-Legende, frei geblieben ist. Die Mienen deiner Mitspieler strotzen nicht gerade vor Optimismus. Was tust Du?

Es ist auch heute - gut 35 Jahre später - nicht wirklich zu ergründen, welche Gedanken in dieser Situation im Kopf von Earvin "Magic" Johnson umherschwirrten. Das Resultat dafür ist bekannt: Er sagte "Have no fear, Magic is here", ging schnurstracks zu seinem Coach Paul Westhead und unterbreitete ihm folgenden Vorschlag: Lass' mich für Cap Center spielen!

Ein kurioser Vorschlag, trotz Magics Größe von 2,06 Metern. Zum einen war das eben immer noch kein Gardemaß für einen Center, zum anderen war Magic Point Guard - vom Naturell her ein Vorbereiter, kein Scorer. "Meint er das ernst?", lautete folglich die Reaktion vom legendären Lakers-Kommentator Chick Hearn.

Er meinte es ernst. Wo andere verzagt hätten, begriff Magic die Situation für sich als Chance. Er wollte es allen zeigen, die an ihm zweifelten - die ihn für einen Showman hielten, der für "Ohs" und "Ahs", aber nicht für Siege sorgen konnte. Die meinten, bei ihm ginge "Style over substance".

Als Magic am nächsten Tag beim Tip-Off tatsächlich Sixers-Center Caldwell Jones beim Jump gegenüberstand, konnten einige es immer noch nicht glauben. Westhead hatte dem Wunsch seines forschen Rookies tatsächlich entsprochen - und damit den Grundstein für eines der bemerkenswertesten Spiele der Geschichte gelegt.

"Magic ist kein Rookie"

"Es war unglaublich, einfach nur unglaublich", sagte Sixers-Superstar Julius "Dr. J" Erving nach dem Spiel. "Ich weiß nicht einmal, ob Kareem so gut hätte spielen können wie Magic heute." Auch Jamaal Wilkes reagierte beeindruckt: "Magic ist kein Rookie. Er ist ein Winner, ein Champion. Etwas ganz, ganz Besonderes."

Was war geschehen? Nun - pure Magie. 42 Punkte, 15 Rebounds und 7 Assists legte Magic auf, doch diese Statistiken erzählten nicht einmal die Hälfte der Geschichte. Er dominierte, spielte in der gleichen Partie als Center, Forward sowie Guard und packte zu Ehren des verletzten Kareem Abdul-Jabbar sogar dessen legendären Skyhook aus.

Seine Leistung war surreal, elektrisierte sein Team und bescherte den Lakers schlussendlich den Titel. Magic gewann den ersten seiner drei Finals-MVPs, nur ein Jahr nachdem er sich mit Michigan State an die Spitze der College-Welt gesetzt hatte. Style over substance? Von wegen. Der frühere ESPN-Guru und heutige Grizzlies-Mitarbeiter John Hollinger ernannte Magics Leistung in diesem Spiel einst zur zweitbesten der gesamten Finals-Geschichte (nach Michael Jordans "Flu Game").

Ziehsohn von Jerry Buss

Magics Aufstieg hätte rasanter nicht sein können. Noch nach seinem ersten NBA-Spiel musste Abdul-Jabbar den jungen Rookie fast schon abschütteln, weil er ihn nach dem Sieg so euphorisch umarmte - Abdul-Jabbar dachte sinngemäß: 'Ganz ruhig, Kleiner, wir haben noch 81 von diesen Spielen vor uns.'

Nun stand er bereits nach einer Saison an der Spitze der Liga und hatte mit seiner extrovertierten Art und seinem Charisma in Hollywood den perfekten Ort für sich gefunden - und eingenommen. Sein spektakuläres Spiel - die No-Looks, die Fastbreaks, das unverkennbare Lächeln - hatten ihn umgehend zu einer der Hauptattraktionen der Liga gemacht.

Anders als der enigmatische Abdul-Jabbar liebte der junge Magic aber auch die Gegenwart von Stars aus Film oder Musik und hatte im legendären Lakers-Besitzer Dr. Jerry Buss eine Art "Wingman Deluxe", der ihn in sämtlichen Kreisen vorstellte. Buss nahm eine Art Vaterrolle ein, brachte ihm unglaublich viel über die Geschäftswelt bei und sah in Magic so viel Potenzial, dass er ihm bereits nach dessen zweiter Saison einen 25-Jahres-Vertrag über 25 Millionen Dollar vorlegte.

Kareem Abdul-Jabbar: A Beautiful Mind

Lange vorm Salary Cap war dies der höchstdotierte Vertrag der Sportgeschichte, von 1984 bis 2009 sollte er gelten. Ein Beweis des Vertrauens: Buss wollte den Mann aus Michigan direkt im Lakers-Management haben, sobald er seine aktive Karriere beenden würde.

Auf einmal Coach-Killer

Während Magic von der engen Beziehung zu Buss zweifellos profitierte, wurde sie anderswo eher kritisch beäugt. Das galt sowohl für Mitglieder der Presse, die Magic früh in seiner Karriere als nur an sich selbst denkend einschätzten, als auch für einige Mitspieler, denen seine Macht innerhalb der Franchise sauer aufstieß.

Das zeigte sich in den nächsten Jahren. Früh in seiner zweiten Saison verpasste Magic 45 Spiele, kam aber rechtzeitig zu den Playoffs zurück und wollte direkt seine alte Rolle wiederhaben - zum Ärger einiger Mitspieler. Selbst Abdul-Jabbar schrieb später in seiner Autobiographie: "Wir haben den Repeat nicht geschafft, weil Earvin sich verletzte, dann zurückkam und vergessen hatte, was uns vorher ausgezeichnet hatte."

In seiner dritten Saison geriet Magic dann mit Westhead aneinander und forderte angeblich sogar einen Trade, was letztendlich darin resultierte, dass stattdessen der Coach durch seinen gegelten Assistenten namens Pat Riley ersetzt und Magic als Coach-Killer abgestempelt wurde. 'Niemand, der ein Wort gegen Magic sagt, ist bei den Lakers sicher', dachte man damals. Er wurde ligaweit ausgebuht, teilweise sogar von Fans der Lakeshow.

Wie auf einer Achterbahn

Sportlich gab es jedoch wenig zu bemängeln. Magics Stats aus Saison drei sind nahezu einzigartig: 18,6 Punkte, 9,7 Rebounds, 9,5 Assists und 2,7 Steals legte er damals auf und kam damit näher an Oscar Robertsons Triple-Double-Saison heran als jeder andere Spieler vor oder nach ihm. Und auch mit den Lakers ging es nach anfänglichen Schwierigkeiten wieder nach oben.

Denn Riley installierte eine deutlich schnellere Offense in Los Angeles - sehr zur Freude seines Point Guards. Nach überragenden Playoffs waren in den Finals erneut die Sixers dran, und Magic erhielt nach einem Triple-Double in Spiel 6 seinen zweiten Finals-MVP-Award in der dritten Saison.

Allein diese drei Jahre, kombiniert mit seiner College-Karriere, würden schon genug Stoff für mehrere Bücher liefern. Doch sie waren erst der Anfang eines beispiellosen Werdegangs. Bill Simmons brachte es in seinem Book of Basketball auf den Punkt: "Man nannte ihn einen Heilsbringer, einen Winner, dann einen Coach-Killer, Choker und Verlierer, und dann war er wieder ein Winner. Dabei hatten seine besten Jahre noch nicht einmal begonnen."

Ein Erfolg nach dem anderen

Diese "besten Jahre" waren von so vielen Aspekten geprägt, dass eine detailgenaue Auflistung des Ganzen diesen Rahmen sprengen würde. Die Kurzform: Mit seiner einzigartigen Interpretation des Point-Guard-Spiels revolutionierte Magic die Liga und sammelte bis 1988 drei weitere Meisterschaften.

Er wurde zwischen 1987 und 1990 dreimal MVP, führte die Liga insgesamt viermal bei den Assists an. Dass er zudem ständig im All-Star-Game auftrat und fester Bestandteil nahezu aller All-NBA First Teams der 80er war, muss man kaum noch erwähnen.

Ein Tiefpunkt der NBA

Aus historischer Perspektive war Magic nämlich für so viel mehr relevant als Awards, Meisterschaften oder Zahlen. Er kam zu einer Zeit in die NBA, als es dieser nicht gut ging. Viele Fans hatten kein großes Interesse mehr an den (ihrer Einschätzung nach) überbezahlten, selbstverliebten, drogensüchtigen und - auch ein wichtiger Aspekt - farbigen Spielern.

Nach dem Zusammenschluss mit der ABA 1976 erinnerte das Spiel bei vielen Teams zeitweise zudem eher an Streetball als an organisierten Team-Basketball. All diese Faktoren waren mit daran beteiligt, dass die '77er Blazers um deren brillanten (und weißen) Center Bill Walton kurzfristig als Rettung der NBA angesehen wurden, bevor Waltons Körper ihm nur ein Jahr später den Dienst versagte.

Und dann kam 1979 Magic in die Liga, ebenso wie ein gewisser Larry Joe Bird. Beide hatten bereits beim NCAA-Finale im gleichen Jahr gegeneinander gespielt und die Massen dabei wesentlich mehr begeistert als sämtliche NBA-Spiele dieser Jahre. Während ihr Duell Rekordquoten bekam, liefen Spiele der NBA-Finals entweder zeitversetzt - oder wurden gar nicht erst übertragen.

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