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Gottes Modellspieler

Von Martin Gödderz
Donnerstag, 30.07.2015 | 15:06 Uhr
Chris Mullin (2.v.l.) spielte zwölf Jahre bei den Golden State Warriors
© getty
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Das Gesicht der legendären Run-TMC-Ära wird 54 Jahre alt. Chris Mullin war elementarer Bestandteil des Dream Teams 1992 und ist bis heute eine der größten Warriors-Legenden aller Zeiten. Die Geschichte eines von Magic Johnson auf den Thron gehobenen Mannes, der am Abgrund stand, den unendlicher Fleiß aber wieder nach oben brachte.

Christopher Paul Mullin wusste relativ schnell, was er nicht konnte. "Ich wünschte, ich wäre ein wenig wie Julius Erving gewesen, oder wie Michael Jordan", offenbart Mullin und erinnert sich an alte Zeiten.

Herbst 1981, die Red Storm der St. John's University aus New York treffen auf die Carolina Tar Heels und deren verheißungsvollen Freshman Jordan. Die Deckungsarbeit des hochgepriesenen Shooting Guards sollte kein Geringerer übernehmen als der Star der Red Storms, der mit Abstand beste Mann im Roster: Chris Mullin.

Dieser hatte Jordan bereits zuvor spielen sehen und ahnte Böses. Mit einem Lächeln beschreibt Mullin: "Wir waren beide exakt gleich groß, also trafen wir aufeinander. Ich dachte nur: Können wir vielleicht ein bisschen Zone spielen?"

Mullin war Zeit seines Lebens kein Athlet, eben keiner wie Dr. J. oder MJ, eigentlich eher das Gegenteil davon. Er war kein Defensivspezialist, keiner, der jeden Gegenspieler vor sich halten konnte. Und dennoch wurde er gut zehn Jahre später an Jordans Seite Olympiasieger 1992, dennoch wurde er zu einer der größten Warriors-Legenden aller Zeiten. Der Grund dafür? Fleiß, gnadenloser Trainingsfleiß.

"Nannten ihn den weißen Schwarzen"

Mullin ist Teil einer ganz speziellen Basketball-Spezies: Ein New Yorker Original. Geboren und aufgewachsen im Herzen von Brooklyn war er schnell fasziniert von den legendären New York Knicks um Earl Monroe und Walt Frazier. Mullin wollte auch so einer werden, doch er merkte schnell, dass ihm das Spiel mit dem orangefarbenen Leder nicht in die Wiege gelegt wurde, dass er mehr tun musste als andere Jungs, um wirklich gut zu sein.

Schon früh entdeckte der streng katholisch erzogene Junge seine Liebe für die Trainingshalle. Tag um Tag, Stunde um Stunde arbeitete Mullin an allen Facetten des Spiels, vor allem aber an seinem Wurf.

Stand er mal nicht in der Halle, fuhr er nach Harlem und in die Bronx, um sich mit den besten Streetballern der Stadt zu messen, weswegen es auch nicht verwundert, dass sein späterer Teamkollege Tim Hardaway feststellte: "Chris hat gespielt wie ein Schwarzer. Er hat sogar so wie einer unserer Brüder geredet. Wir haben ihn den weißen Schwarzen genannt."

So entwickelte sich der weiße Junge mit der dichten Mähne zu einem lokalen Star in New York. Nach der Wahl zu "New York States Mr. Basketball" konnte sich Mullin das College folglich aussuchen. Trotz etlicher hochkarätiger Angebote, unter anderem von Duke um Coach Mike Krzyzewski, entschied er sich aber für die Heimat.

"Die Halle? Sein Labor, sein Leben"

Bei den St. John's Red Storm entwickelte sich Mullin zu einem nationalen Phänomen. Sein Trainingseifer wurde legendär. "An einem Tag haben wir mit fünf, sechs Spielern in der Halle trainiert, als wir von einem Schneesturm hörten. Wir haben uns auf den Heimweg gemacht, nur Chris ist in der Halle geblieben", erinnert sich Bill Wennington, einer seiner damaligen Teamkollegen in St. John's und führt fort: "Drei Tage später, nachdem der Schneesturm vorbei war, kam ich zurück und Chris war noch immer da, er hatte die Halle nicht verlassen."

Hall-of-Fame-Coach Lou Carnesecca, der Mullin in St. John's betreuen durfte, schlägt in die gleiche Kerbe. "Er war eine wahre Gym Rat. Jeden Abend um zehn hast du ihn noch in der Halle gesehen. Es war sein Labor, sein Leben", offenbart die Trainerlegende.

Die harte Arbeit trug Früchte. Die Konsequenz aus unzähligen Stunden in der Halle: Einer der perfektesten und sichersten Würfe, den die Basketballwelt je sehen sollte. Was Mullin schon früh an Athletik fehlte, das machte er durch Cleverness, Eifer und einen wundervollen Jumper wieder wett.

Diese Kombination brachte Mullin nicht nur einen Platz im Olympiateam 1984 in Los Angeles, sondern schließlich auch 1985 den John Wooden Award für den College-Spieler des Jahres sowie den Scoring-Titel im abschließenden NCAA-Turnier, in dem der Senior sein College St. John's erstmals seit 1951 wieder ins Final Four führte.

Alkohol und Übergewicht

Die Zeit war reif für die große Bühne NBA. Als siebten Pick wählten die Golden State Warriors das New Yorker Urgestein im Draft 1985. Olympiasieger Mullin kam mit reichlich Vorschusslorbeeren in die Association.

Doch die Anfangszeit in Oakland gestaltete sich als äußerst kompliziert. Erstmals völlig fernab der Heimat, losgerissen von Familie und Freunden, tat sich "Mully" schwer. Zwar legte er zwei ganz ordentliche Spielzeiten hin, abseits des Feldes entglitt ihm aber sein Leben. Immer häufiger gab sich das Wurfwunder dem Alkohol hin, immer seltener erschien er beim Training.

Das alles änderte sich mit der Ankunft von Coach Don Nelson, der die Warriors in Mullins dritter Saison übernahm. Der spätere Mavs-Trainer war schockiert vom Zustand seines Small Forwards. "Als ich ankam, hörte ich von überall nur, wie unfassbar gut er sei. Aber er war nicht gut. Er war ein Alkoholiker und übergewichtig", machte sich Nelson ziemlich schnell ein Bild von seinem Star.

Der neue Übungsleiter zwang seinen vermeintlich besten Spieler zum Entzug. Für einen Monat wurde der alkoholkranke Warrior ins abgelegene Inglewood geschickt. Statt der Übungszeit in der Halle standen sechs Stunden pro Tag voller Meetings und Therapien an.

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