Emmanuel Mudiay im Porträt

Im Krieg geboren, in China gereift

Von Thorben Rybarczik
Donnerstag, 16.07.2015 | 17:35 Uhr
Emmanuel Mudiay dominiert seine Rookie-Klasse
© getty
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Emmanuel Mudiay dominiert die Summer League in Las Vegas und soll der Franchise Player der Denver Nuggets werden. Der Point Guard wählte dafür den ungewöhnlichen Weg über China - aus gutem Grund. Dass er so weit gekommen ist, grenzt dennoch an ein Wunder.

Summer League, Las Vegas, Denver gegen Sacramento. In seiner ersten Aktion des Spiels zieht Nuggets-Guard Emmanuel Mudiay zum Korb, ist von drei Verteidigern umgeben und könnte trotzdem mit einem Layup abschließen. Doch in letzter Sekunde entscheidet er sich anders, sieht im Augenwinkel seinen Kollegen Joffrey Lauvergne oben an der Dreierlinie völlig blank stehen - und bedient diesen mit einem komplizierten Pass mustergültig. Lauvergne hat eine Ewigkeit Zeit, um Maß zu nehmen und versenkt den Dreier standesgemäß.

Es ist der erste von zehn Mudiay-Assists an diesem Abend und ein Paradebeispiel dafür, was für ein Spieler in ihm steckt. "Das erste, was beim ihm auffällt, ist, dass er ein echter Aufbauspieler ist. Ein Pass-First-Guard", so Micah Nori, seines Zeichens Head Coach des Summer-League-Teams der Nuggets.

Manche sehen in dem 19-Jährigen jetzt schon den Steal dieses Jahrgangs, soweit man das von einem Nummer-Sieben-Pick überhaupt behaupten kann. Denn auch das eigene Scoring gehört zum fast vollständigen Repertoire des Musterathleten, der 1996 in der Demokratischen Republik Kongo - damals noch als Zaire bekannt - geboren wurde, mitten in ein Kriegsgebiet hinein. Dass aus dem jüngsten von drei Brüdern eines Tages ein NBA-Profi werden würde, war in etwa so wahrscheinlich wie ein Engagement von Lothar Matthäus als Head Coach in der NBA.

Ein Kind des Krieges

Mudiays Geburtsort Kinshasa war in den 90er-Jahren Mittelpunkt eines zehn Nationen umfassenden Krieges, Massenmorde und Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung. Doch auch wenn die Familie von Tod und Elend umgeben war, wurden alle direkten Angehörigen vom Krieg verschont. An seinen Vater Jean-Paul Mudiay hat Emmanuel trotzdem keine Erinnerungen, er starb 1998 an einem Herzinfarkt. Fortan übernahm der älteste der drei Brüder, Stephane, die Erziehung, während die Mutter nahezu den ganzen Tag auf einer Kaffee-Plantage schuftete, um ihren Kindern die nötigste Ernährung zu bieten.

"Ich kann mich noch daran erinnern, jede Nacht Schüsse gehört und manchmal Leichen auf der Straße gesehen zu haben", erinnert sich Mudiay Jahre später. Auch seine Mutter Therese erkannte damals, dass ihre Kinder eine neue Heimat brauchten und bemühte sich um ein Visum für die USA, so wie es einst ihre Schwester tat, die zu dieser Zeit bereits in Texas lebte.

Alles klappte wie geplant, doch es gab ein Problem: Das Gesetz will, dass die Kinder erst nachgeholt werden können, wenn alles Bürokratische abgehakt, wenn alle Papiere zur Zufriedenheit genehmigt sind. Dieser Prozess dauerte über ein Jahr, in dem die Mutter ihre drei Kinder im Kongo zurücklassen und hoffen musste, dass ihnen nichts passieren würde. Doch die Großeltern passten gut auf ihre drei Enkel auf.

Willkommen in Texas

Als es endlich mit der großen Wiedervereinigung der Familie klappte, soll der jüngste Sohn fortan nicht mehr von der Seite seiner Mutter gerückt sein. Wie ESPN schreibt, stand er jeden Morgen freiwillig um 6:30 Uhr auf, um seine von der Nachtschicht kommende Mutter zu begrüßen. Sie hatte eine Stelle als Krankenschwester gefunden.

Und wie es bei drei Brüdern in jungen Jahren nicht anders zu erwarten war, sorgte der Sport dafür, dass Normalität bei den Mudiay-Jungs einkehrte und sie sich in die neue Umgebung integrieren konnten. Emmanuel erinnert sich, dass er immer darauf bestand, mit den großen Jungs mitspielen zu dürfen. Natürlich durfte er, bekam dafür aber immer die entsprechende Rechnung. Meistens wurde auf einem Hinterhof-Platz gespielt, der von einer engen Umzäunung umgeben war - in welche der jüngste auf dem Court nicht selten landete. "Kennt ihr 'Hell in the Cell' aus dem Wrestling? In etwa so lief das anfangs für mich auf dem Court ab", erzählte Mudiay der Sports Illustrated.

Er sah diese Demütigungen als Motivation an und arbeitete fortan an seinem Körper, konnte so schon bald auf dem Hinterhof mit den älteren mithalten. Auch in seinen frühen High-School-Jahren begann er, das Spiel zu dominieren, erst bei Grace Prep, später bei Prime Prep in Dallas. Beides nah an der Familie, ein nach wie vor wichtiger Faktor.

College? China!

Als Senior bei Prime Prep führte er sein Team als Anführer mit einer 37:2-Bilanz ins Halbfinale des "National Highschool Invitational". Dank seinem intelligenten Playmaking und seiner Explosivität, mit der er nicht wenige Scouts an Russell Westbrook erinnerte, standen die prominenten Colleges Schlange. Kentucky, Kansas, Oklahoma State - Mudiay hatte die freie Wahl. Doch er entschied sich für LMU und deren Head Coach Larry Brown. Dieser konnte sein Glück kaum fassen, Mudiay überzeugt zu haben: "Er verteidigt, er kann mit Druck umgehen, er versteht das Spiel. Ich glaube, er hätte in seinen High-School-Jahren schon für ein NBA-Team spielen können", so die Coaching-Legende damals.

Es sollte allerdings nie zu einem Engagement mit der LMU kommen. Seine High School Prime Prep bekam plötzlich Probleme, wurde beschuldigt, Geld zur Seite geschafft und es mit der Steuer nicht ganz ernst genommen zu haben. Plötzlich lief Mudiay Gefahr, aufgrund seiner Zugehörigkeit bei Prime Prep, inzwischen geschlossen, nicht am College aufgenommen zu werden - und gab plötzlich bekannt, dass er das College überspringen und ein Angebot von Guangdong aus der chinesischen Liga annehmen werde.

Hart im Nehmen

Mit eventuell nicht beglichenen Steuerschulden hatte Mudiays Entscheidung allerdings wenig zu tun. In einem späteren Statement ließ er verlauten, dass er es nicht mehr mit ansehen könne, wie sich seine Mutter für ein Mini-Gehalt den ganzen Tag abschuftete. Das wollte er beenden, am besten sofort. Als College-Athlet würde er jedoch keinen Cent bekommen, während ihn in China ein 1,2 Millionen Dollar schwerer Gehaltscheck erwartete. Eine mehr als nachvollziehbare Entscheidung.

Andererseits blieb dieser Schritt natürlich nicht ohne Risiko. Ein als künftiger Lottery-Pick gehandelter Teenager in China - da kann man auf der Liste der Scouts schon mal ein paar Namen tiefer fallen. Hinzu kam eine Knöchelverletzung, die er sich in China zuzog und wegen der er mehrere Monate pausieren musste. Doch allen Kulturschocks und Umstellungen zum Trotz lieferte er eine mehr als anständige Saison ab, seine Zahlen von durchschnittlich 18 Punkten, 6,2 Rebounds und 5,9 Assists sagen sehr viel über das Gesamtpaket aus, das Mudiay mitbringt.

In China lernte er zudem, einzustecken. Seine Konkurrenten glichen die körperliche Unterlegenheit mir grober Verteidigung und harten Fouls aus, die Schiedsrichter in China gelten als desinteressiert und ohne Linie. Superstar-Bonus für einen Jungen von der High School? Von wegen.

Der Star der Zukunft?

Mudiay ist eigenen Aussagen zu Folge in China zum Mann gereift und hat seinen Rookie-Kollegen ein volles Profijahr voraus. Und man sieht es. Sein Spielverständnis, seine Mentalität und nicht zuletzt das Auftreten abseits des Parketts zeugen von einem Spieler, der einst durch die Hölle ging und ein großes Risiko wagte. Es hat sich gelohnt - mit 13,3 Punkten und 7,3 Assists ist er der überragende Akteur der Summer League und stellt die Konkurrenz um D'Angelo Russell in den Schatten.

Das weckt natürlich Begehrlichkeiten. Chauncey Billups beispielsweise sieht Mudiay in ein paar Jahren als den besten Guard der Liga an. Ob er wegen solcher Aussagen Druck verspüre, wird er des Öfteren gefragt. "Druck? Ich wurde in einen Druck hineingeboren, der viel größer war als Basketball. Wenn ich auf dem Platz stehe, benutze ich das Spiel, um diese Sachen aus meinem Gedächtnis zu verdrängen. Das ist alles."

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