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Wer startet an der Seite von LeBron James? J.R. Smith oder Matthew Dellavedova?
© getty

Ohne Kyrie Irving müssen die Cleveland Cavaliers vor Spiel 2 der Finals umbauen. Übernimmt wieder Matthew Dellavedova seinen Part oder überrascht Coach David Blatt mit einer neuen Taktik? Zudem könnte auch LeBron James seine Rolle neu definieren. Die Golden State Warriors sind gewarnt.

"Ihr könnt an meiner Stimme hören, dass ich etwas besorgt bin", sagte Kyrie Irving der Journalistenmeute nach Spiel 1. Nur wenig später verließ er auf Krücken den Locker Room. Irving ahnte, dass etwas mit seinem Knie nicht stimmt, dass die Verletzung dieses Mal wirklich das Saisonaus bedeuten könnte.

Die traurige Gewissheit erhielt er keine 24 Stunden später. Bruch der linken Kniescheibe. 3-4 Monate Pause. Irving wurde bereits operiert. Es ist der negative Höhepunkt verkorkster Playoffs für Irving. Bereits in Runde 1 verletzte sich der Point Guard am rechten Knöchel. Er biss auf die Zähne, spielte trotz der Verletzung. Das führte zu einer Entzündung im linken Knie. Wieder biss er sich durch, bis es nicht mehr ging.

Hat es Irving erzwungen?

In den Conference Finals gegen die Hawks setzte er zwei Spiele aus und nutzte dann die acht Tage Pause, um sich für die Finals bereit zu machen. Rund 50 Minuten ging der Plan auf. Irving spielte eine richtig gute Partie, ehe ihn ein Crossover-Dribbling buchstäblich in die Knie zwang.

Natürlich wurde anschließend die Frage gestellt, ob er überhaupt hätte spielen dürfen. Immerhin stand der Spielmacher 43 Minuten auf dem Feld. "Er war am Donnerstag gesund und bereit. Und klar hat das Team auch die langfristige Gesundheit im Auge gehabt - Kyrie auch", erklärte Coach David Blatt.

Dabei ist klar, dass Irving selbst alles gegeben hat, um auf dem Platz zu stehen. Gesundheitliches Risiko hin oder her. Es sind schließlich die Finals und dazu die ersten für den 23-Jährigen. Nachdem er drei Jahre lang die Cavaliers führen sollte und musste, war dies nun die Chance, der Welt zu zeigen, dass er vorweg gehen kann - trotz Schmerzen.

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Und auch den gebeutelten Cavs lag alles daran, Irving zurück aufs Feld zu bringen. Ohne Kevin Love und Anderson Varejao ist die Rotation bereits merklich ausgedünnt. Da verzichtet man ungern auf einen All Star. Was bedeutet der neuerliche Ausfall nun für Cleveland?

Dellavedova zurück im Rampenlicht

Zum einen rückt Matthew Dellavedova wieder ins Rampenlicht. Der Australier war bereits beim gestrigen Training nach LeBron James der gefragteste Spieler. Delly kennt dies bereits - aus anderen Gründen. Der Guard stand gegen die Chicago Bulls und die Hawks jeweils nach Fouls im Fokus. Al Horford und Taj Gibson wurden wegen ihm des Feldes verwiesen, Kyle Korver verletzte sich beim Kampf um den Ball mit dem Guard.

Doch auch spielerisch wusste der Sophomore zu überzeugen. Insgesamt 28 Punkte legte er in den beiden Spielen als Irving-Ersatz auf. LeBron James lobt ihn für seinen Einsatz. Er ist die erste Option, aber auch die beste?

Matthew Dellavedova: Barea 2.0?

Glaubt man den nackten Zahlen, ist Kyries Verlust spielerisch sogar zu verschmerzen. Ohne den All Star lassen die Cavs in den Playoffs 5,5 Punkte weniger pro 100 Possessions zu und auch das Net-Rating ist ohne ihn fast doppelt so hoch (+12,1 zu +6,7). Jetzt würde natürlich niemand auf die Idee kommen, aufgrund dieser Zahlen freiwillig auf Irving zu verzichten. Es bestätigt aber, dass Uncle Drew seit geraumer Zeit nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war.

Auch das Offensivspiel an sich wird sich verändern. Mit Irving erzielte Cleveland im Schnitt 8,7 Punkte mehr in der Zone - seinen Dribblingsskills und dem Zug zum Korb sei Dank. Dafür brach mit ihm aber das Perimeter-Shooting um knapp 10 Prozent ein (31,8 zu 41,5 Prozent).

Smith als Starter?

LeBron steht nun noch mehr in der Verantwortung. Bereits in Spiel 1 hatte er die zweithöchste Usage Rate in seiner Playoff-Karriere (45,3). Die Zahlen werden sich weiterhin in diesen unglaublichen Sphären bewegen.

Da James weiterhin zum Großteil den Ballvortrag übernehmen wird, wäre es sogar eine Überlegung J.R. Smith zurück in die Starting Five zu holen und ohne echten Point Guard zu starten. Der Sixth Man könnte für Scoring-Entlastung sorgen. Zumal auch Iman Shumpert den Aufbau für kurze Phasen übernehmen kann.

Das würde die Bank zwar weiter schwächen, aber Coach Blatt steht ohnehin unter Zugzwang. Die ultrakleine Rotation aus Spiel 1 wird sich nicht aufrechterhalten lassen. Er muss einen weiteren Bankspieler einbauen und sollte sich zudem überlegen, die Rotation noch einmal zu erweitern. Mit Mike Miller und Shawn Marion hat der Wahl-Israeli erfahrene Veteranen in der Hinterhand, für die die Finals absolut kein Neuland sind.

Warriors-Leader Andre Iguodala: Iggy Stop

LeBron sieht es ähnlich: "Wir haben Jungs im Locker Room, die bereit sind für die Challenge." Und doch wird es in erster Linie wieder auf ihn ankommen. Auf den Superstar, der übermenschliche Playoffs spielt. Aber was ist noch möglich? "Also, wenn ich noch aggressiver als mit 38 Würfen spielen soll, muss ich vielleicht 58 Würfe nehmen. Ich weiß echt nicht, wie viel aggressiver ihr mich an diesem Punkt noch sehen wollt", lachte James.

Stellt LeBron sein Spiel um?

Vielmehr wird es für ihn darum gehen, seine Mitspieler ins Rollen zu bekommen. Die Taktik der Warriors, ihn zu isolieren und die Passwege dichtzumachen, zu durchbrechen. Über die gesamten Playoffs gesehen, führt er die Liga mit 28,8 Isolation Plays an. Das Problem dabei ist, dass er dabei nur zu 38 Prozent erfolgreich ist. Sobald LeBron aber von einem Mitspieler in Szene gesetzt wird, steigt die Quote auf 66 Prozent.

Natürlich sieht er es als Pflicht an, das Team zu schultern. Aber LeBron weiß, dass es nicht ohne die Teamkollegen geht. "Ich muss einen besseren Job machen, meine Teamkollegen zu involvieren. Ich habe kein Problem damit solche Zahlen aufzulegen, aber ich fühle mich viel besser, wenn ich in der Lage bin, meinen Jungs Rhythmus zu geben und ihnen gute Wurfmöglichkeiten ermöglichen kann."

Blatt nimmt LeBrons Mitspieler in die Pflicht

Coach Blatt sieht dabei auch die Mitspieler gefordert: "Wir können uns ein wenig besser ohne Ball bewegen und müssen mehr in Transition attackieren." Nach Angaben von SportVU feuerten die Cavs nur 7 von 94 Würfen innerhalb der ersten 7 Sekunden ab. Also dann, wenn die Warriors-Defense noch nicht zwingend sortiert ist.

Cleveland wird ein anderes Gesicht zeigen. Sie sind gezwungen, umzustellen und haben nichts mehr zu verlieren. Damit rechnet auch Golden States Assistant Coach Ron Adams. "Wir werden wahrscheinlich andere Gesichter von ihrer Bank sehen." Und auch Klay Thompson ist gewarnt. "Viele Leute sagen, die Serie ist vorbei, aber das stimmt nicht. [...] Sie haben die Atlanta Hawks zwei Mal ohne Irving geschlagen und die waren das beste Team im Osten."

LeBron hat die Serie sicher nicht abgeschrieben. "Wir kamen schon als Underdog in die Serie und jetzt wo Kyrie auch noch raus ist, schreiben uns die Leute ab. Okay, gerne. Das ist gut. Das ist wirklich gut. Ich bin richtig motiviert, meine Jungs einzustellen. Wir werden bereit sein."

Die Serie im Überblick

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