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Deja-vu der anderen Art

Von Jan Dafeld
Freitag, 01.05.2015 | 16:21 Uhr
Al Horford (M.) und die Hawks führen in der Serie gegen die Nets mit 3:2
© getty
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Im vergangenen Jahr brachten die Atlanta Hawks die topgesetzten Indiana Pacers als 8th Seed an den Rand eines Erstrunden-Ausscheidens. In dieser Saison finden sich die Hawks in einer ähnlichen Situation wieder - allerdings gegen Brooklyn in gänzlich anderer Rolle.

Exakt 365 Tage ist es her, da zerbarst die Hoffnung der Hawks auf eine der größten Playoff-Überraschungen der jüngeren NBA-Geschichte.

Mit einer 3:2-Führung in der laufenden Serie ging Atlanta in das sechste Spiel der First-Round-Series gegen Indiana. Zwei Spiele auswärts geklaut, den Heimvorteil im Rücken, fünf Punkte Vorsprung bei nur noch drei verbleibenden Minuten im letzten Viertel - und dennoch blieb die Sensation aus.

Dank seines kongenialen Forward-Duos aus David West und Paul George drehten die topgesetzten Pacers die Partie in den letzten Minuten. Der zweite Matchball der Hawks war keiner mehr. Zu deutlich gewann Indiana das entscheidende Spiel sieben und verhinderte somit zum sechsten First-Seed der NBA-Geschichte zu werden, der bereits in der ersten Runde die Segel streichen muss.

Von David zu Goliath

Auch in dieser Saison gehen die Hawks mit einer 3:2-Führung in das sechste Spiel ihrer Erstrunden-Serie. Lobeshymnen auf das Team von Head Coach Mike Budenholzer blieben bislang allerdings aus. Atlanta hat seine Rolle eingetauscht: Vom kleinen Außenseiter mit 38 Siegen in der Regular Season ist nichts mehr übrig. Mit 60 Siegen, vier All-Stars und dem amtierenden Coach of the Year in den eigenen Reihen gingen die Hawks in die Playoffs. Aus David wurde Goliath.

Von der befürchteten Dominanz gegen ein altes und enttäuschendes Nets-Team ist bislang jedoch wenig zu sehen. Ausgerechnet Brooklyn, das erst nach seinem allerletzten Spiel in der Regular Season überhaupt für die Playoffs planen konnte, liefert als 8th Seed die bislang engste und spannendste Serie der ersten Runde ab - die gefühlte Finals-Serie der Clippers und Spurs mal außen vor gelassen.

Keine Spur von Dominanz

Dabei wirkte das Team von Lionel Hollins für viele als relativ dankbarer Gegner für das noch etwas unerfahrene Atlanta. In der Regular Season setzten sich die Hawks in vier Duellen viermal durch. Der durchschnittliche Vorsprung? 17,3 Punkte pro Partie. Eigene Playoff-Gesetze hin oder her: ein Spiel, bestenfalls zwei, würden die Nets womöglich klauen können. Mehr schien aber nicht drin zu sein.

Das Bild, das in den vergangenen zwei Wochen gezeichnet wurde, ist jedoch ein anderes: Gerade mal neun Punkte (500:491) haben die Hawks in der aktuellen Serie mehr auf dem Konto. Ein Auswärtssieg gelang bislang noch gar nicht. Zufrieden kann das beste Team der Eastern Conference noch nicht sein.

Dennoch: Trotz aller Probleme, die die Nets den Hawks bislang bereiten, hat Atlanta sein eigenes Schicksal weiterhin selbst in der Hand. Die kommenden zwei Spiele sind Matchball-Spiele für das Team von Dennis Schröder. Die Nets stehen trotz ihrer verblüffenden Leistungen mit dem Rücken zur Wand.

Macht's Brooklyn erneut?

Panik dürfte in Brooklyn dennoch nicht aufkommen. Die Nets kennen ihre aktuelle Situation nur zu gut. In den vergangenen zwei Jahren gingen sie zweimal mit einem Rückstand in das sechste Spiel. Zweimal ging man als Sieger vom Platz. Gegen die Raptors zog man im letzten Jahr sogar noch in die nächste Runde ein. "Jedes Spiel ist hart, jedes Spiel, in dem es ums Ausscheiden geht, ist hart", gab sich Coach Hollins relativ gelassen: "Du musst auf das Feld gehen und die selben Dinge tun, die du sonst auch machst."

Unter Druck setzen lässt sich Atlanta allerdings ebenso wenig: "Man unterschätzt keine Teams. Wir haben mit einigen Rückschlagen zu kämpfen und sie spielen selbstbewussten, sehr guten Basketball", erklärte Al Horford, "wir müssen einfach besser damit umgehen und besser spielen. Sie fordern uns, wir fordern sie, ich glaube, dass wir am Ende die Nase vorne haben werden."

Horford als Schlüsselspieler

Im Rennen der besagten Nasen kommt dem Center der Hawks dabei eine entscheidende Rolle zu. Der Dominikaner startete schwach in die Serie, seine Rim-Protection stellt ohnehin eine Schwäche im Spiel Atlantas dar, zudem fiel der Midrange-Jumper des sicheren Schützen in den ersten drei Spielen ungewöhnlich unkonstant.

Mit 20 Punkten und 15 Rebounds meldete sich Horford im ungemein wichtigen fünften Spiel jedoch eindrucksvoll zurück. Die Nets hatten große Probleme die richtige Balance im Pick-and-Pop zwischen Jeff Teague und dem Big Man zu finden. Brook Lopez ließ Horford meist zu viel Raum, den der 28-Jährige gnadenlos ausnutze.

Wacht die Bank endlich auf?

Auch im Spiel in der Nacht auf Sonntag werden Horford und die anderen Leistungsträger Atlantas besonders gefragt sein. Auf entscheidende Hilfe von der Bank konnten die Hawks sich zuletzt nicht verlassen. Einzig Pero Antic, Dennis Schröder und Kent Bazemore durften im vergangenen Spiel mehr als 10 Minuten ran, die Reservisten der Nets schossen die Hawks-Bank mit 41:16 aus der Halle.

Budenholzer erweckte im Spiel zuletzt den Eindruck, seiner Bank nur unzureichend zu vertrauen. In den entscheidenden Momenten setzt der Coach of the Year auf seine Starting Five. Durch die Zusammensetzung aus vier aktuellen All-Stars und dem wohl besten Spieler der Serie in DeMarre Carroll nicht ganz ohne Grund.

Noch gibt der ehemalige Spurs-Assistent die Hoffnung auf ein starkes Spiel seiner Reservisten allerdings nicht auf: "Unsere Bank war eine echte Stärke von uns. Ich bin sicher, dass es auch morgen eine Möglichkeit für sie geben wird, dies zu zeigen."

W-Will ein Schatten seiner selbst

Das Sorgenkind der Nets ist derweil ein Mann, der eigentlich als Star vorangehen sollte - so wie im 120:115-Overtime-Sieg im vierten Spiel. 35 Punkte und 7 Assists verbuchte Deron Williams bei diesem überlebenswichtigen Erfolg. Der Point Guard nagelte Dreier um Dreier durch die Reuse und erinnerte tatsächlich wieder an die Tage, als er sich mit Chris Paul um den Titel des besten Playmakers der Liga duellierte.

Mit Ausnahme dieser Partie ist Williams allerdings nur noch ein Schatten seiner selbst und hätte ein gewisser Rajon Rondo in Dallas sein Team nicht komplett im Stich gelassen, wäre D-Will wohl der Kandidat Nummer eins auf den Titel des Playoff-LVP. 8 Punkte verbuchte der 31-Jährige in den Spielen zwei, drei und fünf zusammen. 17 Prozent seiner Würfe fanden den Weg in den Korb. Dass die Nets überhaupt eines dieser Spiele gewinnen konnte, grenzt an ein kleines Wunder.

"Einfach raus gehen und besser spielen"

"Wir müssen einfach da raus gehen und besser spielen", zeigt sich Williams vor dem sechsten Spiel noch wenig selbstkritisch, "wir müssen unseren Basketball spielen, den Ball bewegen, Extra-Pässe spielen, uns für einander einsetzen."

Ein erneuter Erfolg mit einem Williams in solch mieser Verfassung erscheint aktuell kaum vorstellbar. Die Nets brauchen ihren Point Guard.

Sollte dieser aber nochmal 20 Punkte im Tank haben, ist ein Sieg im sechsten Spiel ebenso möglich wie ein Ausscheiden der Hawks nach einer 3:2-Führung. Das haben schon die Pacers gezeigt.

Die Playoffs im Überblick

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